Wirtschaftsausblick

28.12.2018

Wirtschaftsausblick - Serbien (Dezember 2018)

Inhalt

Lebhaftes Wachstum für 2019 erwartet / Von Christian Overhoff

Bonn/Belgrad (GTAI) - Serbiens Wirtschaft steuert 2019 auf einen Zuwachs um 3,5 Prozent zu. Motor ist die Inlandsnachfrage: Sowohl der Privatverbrauch als auch die Investitionen steigen.

Wirtschaftsentwicklung: Positive Dynamik hält an - Risiken gestiegen

Die Wirtschaft Serbiens wird 2019 voraussichtlich kräftig zulegen - wenn auch nicht mehr ganz so stark wie im Vorjahr. Die Europäische Kommission erwartet für 2019 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,8 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem Plus von 3,5 Prozent. Etwas weniger optimistisch ist das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) mit seiner BIP-Prognose von 3,4 Prozent.

Das Wirtschaftswachstum beschleunigte sich im 1. Halbjahr 2018 auf fast 5 Prozent. Grund war die kräftige Inlandsnachfrage der Privatverbraucher und des Staates. Hinzu kam ein zweistelliges Investitionswachstum. Zur positiven Konjunkturentwicklung haben vor allem die Baubranche und der Agrarsektor beigetragen.

Gute Aussichten bietet bisher auch das Jahr 2019: Die Investitionen nehmen voraussichtlich robust zu und der Konsum erhält einen weiteren Schub durch steigende Beschäftigung und Einkommen. Verbesserte Finanzierungsbedingungen und eine expansive Fiskalpolitik dürften das Wachstum unterstützen.

Anfang 2018 haben Serbien und der IWF ein dreijähriges Kreditabkommen erfolgreich abgeschlossen, das an folgende Bedingungen geknüpft war: Stabilisierung der öffentlichen Ausgaben und eine bedeutende Senkung von Pensionen und Einkommen im öffentlichen Dienst. Weitere Schritte zum Aufbau einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft müssen jedoch folgen. Mehrere Privatisierungen etwa stehen noch aus, allen voran in der Petrochemie und im Bankensektor. Das gesamte Steuer- und Regulierungssystem gehört reformiert. Serbien hat mit dem IWF im Juli ein neues dreijähriges Abkommen vereinbart, das allerdings rein beratende Funktion hat.

Kehrseite des Nachfragebooms bildet ein zunehmendes außenwirtschaftliches Ungleichgewicht in Form rasch steigender Importe ohne entsprechend anziehender Exporte. Die angefachte Inlandsnachfrage droht zudem die Inflation anzutreiben. Risiken birgt auch die äußere Entwicklung: Eine Verschärfung des Konfliktes mit Kosovo oder ein deutlicher Rückgang des Welthandels würden die wirtschaftlichen Aussichten deutlich eintrüben.

MKT201812278007.14

Wirtschaftliche Eckdaten Serbiens
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 36,7 39,2 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 5.203 5.581 39.649
Bevölkerung (Mio.) 7,1 7,1 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Serbische Dinar) 123,12 121,34 -

Quellen: Republicki zavod za statistiku (RZS; Statistikamt Serbiens); Statistisches Bundesamt

Investitionen: Robuster Zuwachs erwartet

Die Investitionen werden 2019 voraussichtlich deutlich zunehmen - allerdings moderater als im Vorjahr. Serbien gewinnt zunehmend ausländische Investoren: Jüngste Beispiele sind die Privatisierung des Bergbaukonzerns RTB Bor und des Agrarunternehmens PKB. Ökonomen gehen davon aus, dass die Auslandsinvestitionen im Gesamtjahr 2018 mindestens im einstelligen Bereich wachsen. Bis September flossen laut serbischer Zentralbank NBS mit rund 2 Milliarden Euro 5,4 Prozent mehr ausländische Direktinvestitionen in das Land als im Vorjahreszeitraum.

Automobilzulieferer wie Leonie stehen mit ihren Vorhaben ganz vorne. Deutschland ist der wichtigste Investor im Land. Siemens kündigte im Dezember 2018 an, seine Mitarbeiterzahl in Serbien von rund 2.500 innerhalb von fünf Jahren zu verdoppeln.

Die Bautätigkeit schnellte im 1. Halbjahr um gut 20 Prozent nach oben, was zum Teil auch an Basiseffekten lag. Befeuert werden die staatlichen Investitionen - insbesondere im Infrastrukturbau - durch internationale Geber und Hilfen der Europäischen Union (EU) sowie den größeren Finanzspielraum der serbischen Regierung. Wie bereits 2017 steuert sie 2018 auf einen Budgetüberschuss zu.

Ausgewählte Großprojekte in Serbien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Wohn- und Geschäftsviertel Belgrad Waterfront 3.500 Bau von zwei Wohntürmen und Erschließung weiterer Baugrundstücke im Gange Mehrere Bauabschnitte für 5.700 Wohnungen, 2.200 Hotelzimmer und 12.700 Büroräume - insgesamt 1,8 Mio. qm; Eagle Hills (VAE); Kontakt für interessierte Zulieferer: http://www.eaglehills.com/sr/suppliers)
Bau der Autobahn Belgrad-Kotroman (serbischer Teil der Autobahn nach Sarajewo) 1.100 Projektdokumentation in Ausarbeitung Finanzierung: Eigenmittel und Darlehen aus der Türkei; Bauausführung: Tashyapi Turkey http://www.tasyapi.com/EN
Baulich- technische Modernisierung und Erweiterung des Flughafens Nikola Tesla in Belgrad 980 Finanzierung u.a. über Darlehen (noch in Prüfung); Ausschreibungen voraussichtlich Anfang 2019 Projektträger: Konzessionär Vinci Airports Serbia d.o.o. https://www.vinci-airports.com/en/news/vinci-airports-signs-contract-concession-belgrade-airport-republic-serbia
Bau der Autobahn Cacak-Krusevac (Morava Autobahn) 800 Vorvertrag mit Bechtel unterzeichnet, Projektdokumentation in Ausarbeitung Länge 110 km; Bauausführung: Bechtel (USA); Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur: http://www.mgsi.gov.rs; E-Mail: kabinet@mgsi.gov.rs
Bau des Autobahnabschnitts Nis-Plocnik; Teilstück der Autobahn Nis-Pristina (Autobahn des Friedens) 212 Genehmigungsverfahren abgeschlossen, Finanzierung in Prüfung Länge 40 km; Finanzierung über EIB und EBWE; Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur: http://www.mgsi.gov.rs; E-Mail: kabinet@mgsi.gov.rs
Schiffbarmachung der Donau und der Save durch Ausbau und Sanierung 204 Projektfinanzierung: 100-Mio.-Euro-Darlehen von der EIB im Oktober 2018 genehmigt, erste Ausschreibungen Anfang 2019 Die Flusstrassen der Donau und Save sollen an das Binnennetzwerk Trans-European Transport (TEN-T) Rheine-Donau angeschlossen werden; Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur: http://www.mgsi.gov.rs ; E-Mail: kabinet@mgsi.gov.rs
Modernisierung der stillgelegten Blöcke 1 und 2 des Wärmekraftwerkes TENT A 200 Projektdokumentation in Ausarbeitung, erste Ausschreibungen Ende 2018 Bauliche und technische Revitalisierung auf Leistung 400 MW; Finanzierung aus Eigenmitteln; Projektträger: EPS (http://eps.rs)
Bau des Bahnhofes in Zemun 62 Vorarbeiten abgeschlossen; Teilfinanzierung EBRD-Darlehen unterzeichnet, Ausschreibungen stehen an, Baubeginn Mitte 2019 Projektträger: Srbija Voz JSC (http://www.srbvoz.rs/kontakti.html); Masan Radojevic E-Mail: masan.radojevic@srbrail.rs

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Serbien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Private Nachfrage nimmt Fahrt auf

Wachsende Beschäftigung, steigende Löhne und zunehmende Transfers im Ausland tätiger Serben kurbeln den Privatverbrauch an. In den ersten drei Quartalen 2018 stiegen die Konsumausgaben um insgesamt 3 Prozent, berichtet das Statistikamt RZS. Positive Impulse kommen nicht zuletzt vom Staat, der Gehälter der öffentlich Beschäftigten und Pensionen angehoben hat. Das verbesserte Konsumklima spüren Groß- und Einzelhandel: Dessen Umsatz wuchs von Januar bis September um etwa 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Beschäftigung wird voraussichtlich auch 2019 moderat anziehen. Doch bleibt die Arbeitslosenrate 2018 mit 13 Prozent hoch und wird erst 2020 auf 12 Prozent absinken, schätzt das wiiw.

Durch die boomende Nachfrage wird die Inflationsrate laut EU-Kommission nach 2,1 Prozent im Gesamtjahr 2018 im Folgejahr wieder an 3 Prozent heranreichen.

Außenhandel: Ausländische Direktinvestitionen und Konsum stützen Importe

Die Außenhandelsdynamik lässt etwas nach, bleibt aber hoch. Die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen werden in den Jahren 2018 und 2019 ein Plus von 10,2 Prozent beziehungsweise 8,2 Prozent erreichen, erwartet die EU-Kommission. Bei den Ausfuhren rechnet sie mit einem Anstieg um 8,5 und 7,9 Prozent. Steigende Investitionen, höherer Konsum und ein fester Dinar beflügeln die Importe. Wie bereits 2018 werden auch 2019 die stärkeren Direktinvestitionen aus dem Ausland die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstung sowie Vorprodukten erhöhen. Die größten Importposten bildeten im Zeitraum Januar bis September 2018 chemische Erzeugnisse, Maschinen und Ausrüstungen, Kfz und -Teile, Metallerzeugnisse, Elektrotechnik sowie Öl und -produkte.

Die Exporte profitierten 2018 von der robusten Konjunktur in den Hauptabnehmerländern - vor allem in der EU. Besonders das verarbeitende Gewerbe Serbiens lieferte in den ersten drei Quartalen 2018 mehr Waren ins Ausland. Der länger bestehende Trend eines höheren Wachstums bei den Importen als bei den Exporten wird sich wahrscheinlich 2019 fortsetzen, so dass sich das Handelsbilanzdefizit weiter ausweiten wird.

Warenaußenhandel Serbiens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 17.067,9 19.396,0 13,6
Exporte 13.432,1 15.050,8 12,1
Handelsbilanzsaldo (Defizit) -3.635,8 -4.345,2 -

Quelle: RZS

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/serbien

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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