Wirtschaftsausblick

19.06.2018

Wirtschaftsausblick - Serbien (Mai 2018)

Inhalt

Höchstes Wachstum seit zehn Jahren erwartet / Von Christian Overhoff

Bonn/Belgrad (GTAI) - Serbiens Wirtschaft steuert 2018 auf ein Wachstum von etwas mehr als 3 Prozent zu. Motor dieser Entwicklung ist die inländische Nachfrage in Form kauffreudiger privater Haushalte und robuster Investitionen. Letztere werden durch kontinuierlich fließende ausländische Direktinvestitionen gestützt. Impulse geben auch die zunehmenden Ausfuhren. Allerdings wird der Anstieg der Importe den der Exporte voraussichtlich übertreffen.

Wirtschaftsentwicklung: Gute Aussicht für 2018

Die Wirtschaft Serbiens wird 2018 voraussichtlich stärker wachsen als jemals in den vergangenen zehn Jahren. Die Kommission der Europäischen Union (EU) erwartet einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,3 Prozent. Der neue Zyklus aus Investitionen und Wachstum sei voll in Schwung gekommen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet sogar mit einem Plus von 3,5 Prozent, diese Zahl nennt auch die serbische Zentralbank (NSB). Etwas weniger optimistisch ist das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) mit seiner BIP-Prognose von 2,8 Prozent.

Mehrere Faktoren weisen für 2018 auf ein anziehendes Wirtschaftswachstum hin: ein freundliches externes Konjunkturumfeld, Impulse durch höheren Konsum, ein deutlicher Anstieg der Investitionen und die Aussicht auf ein besseres Ergebnis für die Landwirtschaft nach zwei schlechten Jahren. Bereits seit dem 4. Quartal 2017 senden die steigenden Bruttoanlageinvestitionen und die Abnahme von Lagerbeständen positive Konjunktursignale. Ebenso legt im Zuge einer sich festigenden Zunahme der Beschäftigung die private Konsumnachfrage stetig zu.

Insgesamt hat sich die wirtschaftliche Zuversicht bereits seit 2017 in Form stärkerer Investitionen von in- und ausländischer Seite erhöht. Das Geschäftsklima hat sich spürbar verbessert und das Umfeld dürfte sich 2018 weiter positiv entwickeln.

Serbien kann neben einem soliden Wirtschaftswachstum auf eine stabile Lage der öffentlichen Finanzen verweisen. Im vergangenen Jahr erzielte die Regierung erstmals seit zehn Jahren einen Budgetüberschuss. Auch die Inflation ist gebändigt. Der IWF bescheinigt dem Land deshalb große Fortschritte. In einem Bericht zum Abschluss eines dreijährigen Hilfsprogrammes von Februar 2018 spricht der Fonds von "Übererfüllung" bei diesen Kennziffern.

Weitere Schritte zum Aufbau einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft müssen jedoch folgen. Nötige Privatisierungen etwa stehen noch aus. Schwerpunkte bilden Bergbau und Petrochemie sowie staatliche Finanzinstitutionen. Reformiert gehören das Steuer- und Regulierungssystem. Serbien führte im Mai 2018 weitere Gespräche mit dem IWF und könnte eine neue Vereinbarung noch im Jahresverlauf unterzeichnen.

MKT201806188000.14

Wirtschaftliche Eckdaten Serbiens
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 34,6 36,8 3.263,4
BIP pro Kopf (Euro) 4.904 5.226 39.475
Bevölkerung (Mio.) 7,1 7,1 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Serbische Dinar) 123,12 121,34 -

Quellen: RZS; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Sehr robustes Wachstum erwartet

Die Investitionen dürften 2018 wie bereits 2017 deutlich zunehmen und sogar etwas stärker als im Vorjahr anziehen. Der Privatsektor und steigende ausländische Direktinvestitionen (FDI) trieben die Bruttoanlageinvestitionen zuletzt an. Die Aussichten bleiben aufgrund günstiger Finanzierung und verbesserter wirtschaftlicher Zuversicht gut. Zudem rollt die serbische Regierung ausländischen Investoren im verarbeitenden Gewerbe den roten Teppich aus. Baugenehmigungen zum Beispiel werden seit 2017 im Schnitt innerhalb von zwei Wochen erteilt und nicht selten erhält ein Investor direkten Zugang zum Staatspräsidenten.

Diese Politik trägt Früchte: Der FDI-Zufluss hat laut serbischer Zentralbank NBS 2017 um 19 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro zugenommen. Dieser Strom der Auslandsinvestitionen dürfte 2018 im einstelligen Bereich weiter anwachsen. Laut einer Umfrage der Deutsch-Serbischen Handelskammer von 2017 planen zum Beispiel 85 Prozent der befragten Unternehmen neue Investitionen. Automobilzulieferer stehen mit ihren Vorhaben ganz vorne. Deutschland ist der wichtigste Investor in dem Land. Auch die geplante Erhöhung der staatlichen Investitionen um 30 Prozent werden einen substantiellen Beitrag - insbesondere im Infrastrukturbau - leisten.

Ausgewählte Großprojekte in Serbien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Wohn- und Geschäftsviertel Belgrad Waterfront 3.500 Bau von zwei Wohntürmen und Erschließung weiterer Gebäude im Gange Mehrere Bauabschnitte für 5.700 Wohnungen 2.200 Hotelzimmer, 12.700 Büroräume - insgesamt 1,8 Mio. qm; Eagle Hills (VAE); Kontakt für interessierte Zulieferer: http://www.eaglehills.com/sr/suppliers)
Ausbau der Kupfer/Gold Mine Cukaru Peki am Timok bei Bor Phase I: 500 (insgesamt 1.200) Baubeginn 2018, Inbetriebnahme 2022; Investitionspartner gesucht Nevsun Resources LTD. (https://www.nevsun.com/news/2018/march28/); Kontakt: Heather Taylor, Nevsun Investor Relations; E-Mail: ir@nevsun.com
Modernisierung der Eisenbahnstrecke Belgrad - Stara Pazova 350 Projektstart Ende 2017; Schienenarbeiten und Material ausgeschrieben Bauausführung China Railways International und China Construction Company; Kontakt für Interessierte inländische und EU-Unternehmen: Si Hongjun und Li Lilyu, E-Mail: sihongjun_cccc@qq.com, si.hongjun@yahoo.com/ , lililv.cccc@gmail.com; T +381 (0)63 681 102 und +381 (0)62 883 62 95
Modernisierung und Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Nis - Dimitrovgrad 250 Teilfinanzierung über EIB; Projektstart Ende 2018 Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur: http://www.mgsi.gov.rs; E-Mail: kabinet@mgsi.gov.rs; Serbische Eisenbahninfrastruktur: http://infrazs.rs/kontakt/ ; E-Mail: kabinet.infrastruktura@srbrail.rs
Bau des Autobahnabschnitts Nis -Plocnik (40 km) 240 Teilfinanzierung im EIB-Genehmigungsverfahren; Ausarbeitung der Plandokumentation ausgeschrieben Teil der Autobahn Nis - Merdare - Pristina; Putevi Srbije:http://www.putevi-srbije.rs/index.php/en/procurements/services/17-04-18-javna-nabavka-br-15-2018-izmena-i-dopuna-prostornog-plana-podru%C4%8Dja-posebne-namene-infrastrukturnog-koridora-autoputa-e-80,-deonica-ni%C5%A1-merdare-2
Wohn- und Geschäftskomplex Skyline, Belgrad 200 Vorbereitende Bauarbeiten abgeschlossen, mit dem Bau des ersten Turms 2018 begonnen Mehrere Bauabschnitte für 100.000 qm Wohn-, Einzelhandels- und Büroflächen; Freizeit- und Parkanlagen; Investor: AFI Europe; http://www.belgradeskyline.rs/eng/
Bau des Windparks Kostolac; Leistung 66 MW 100 Teilfinanzierung durch KfW; Beratungsdienstleistungen für Projektdurchführung und Kontrolle ausgeschrieben Investor EPS; http://eps.rs/Documents/KU%2020180413_Sajt.pdf
Modernisierung des Wärmekraftwerkes Nikola Tesla TENT A, Obrenovac 66 Finanzierung KfW und EPS; Präqualifizierung für die Entsorgung der Asche und Schlacke ausgeschrieben Elektroprivreda Srbije EPS : http://eps.rs/, Kontakt: Predrag Djordjevic, E-Mail: predrag.djordjevic@eps.rs
Bau der Kinderklinik Tirsova 2 in Belgrad 54 Teilfinanzierung durch Weltbank; Projektstart Ende 2018 Ministerium für Gesundheit http://www.zdravlje.gov.rs ; Kontakt: Berislav Vekic, Staatssekretär im Gesundheitsministerium
Bau einer neuen Brücke über den Fluss Sava beim neuen Stadtviertel Belgrad Waterfront 53 Ausschreibung der Erarbeitung des Bauplans August 2018 Sekretariat für Stadtplanung und Bauwesen der Stadt Belgrad:http://www.beograd.rs/lat/gradska-vlast/2032-sekretarijat-za-urbanizam-i-gradjevinske-poslove_2/ ; Kontakt: Milos Vulovic, Sekretär; E-Mail: urbanizam@beograd.gov.rs
Bau eines regionalen Zentrums für Abfallwirtschaft Halovo, Zajecar 50 Finanzierung über PPP; Beratungsdienstleistungen für PPP-Durchführung im Gange http://www.raris.org/eng/; Informationen zum Projekt: https://www.raris.org/index.php/halovo; E-Mail: office@raris.org

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Serbien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Stabile Preise und mehr Beschäftigung befeuern private Nachfrage

Der private Konsum wird voraussichtlich der zweite Hauptmotor der inländischen Nachfrage sein. Wachsende Beschäftigung und langsam steigende Löhne haben bereits in den ersten Monaten dieses Jahres diese Entwicklung angetrieben. Impulse gibt zudem der Staat durch wieder höhere Gehälter im öffentlichen Dienst und etwas umfangreichere Pensionen. Der Budgetüberschuss im Vorjahr öffnet hier Spielraum für mehr öffentlichen Konsum. Auch der Rücktritt des fiskal-konservativen Finanzministers Dusan Vujovic im Mai 2018 erleichtert Ausgabensteigerungen, denn Vujovic hatte den Haushalt seit 2015 mit harter Hand saniert.

Die Beschäftigung wird 2018 moderat zunehmen. Doch dürfte die Arbeitslosenrate nach 15 Prozent im Vorjahr mit Blick auf bestehende strukturelle Probleme im Arbeitsmarkt mit 13 Prozent hoch bleiben, wie das wiiw schätzt. Auch stabile Preise fördern den Konsum. Die Inflationsrate betrug 2017 noch 3,2 Prozent und wird laut EU-Kommission nach tiefem Fall zu Jahresbeginn 2018 bei 1,7 Prozent für das Gesamtjahr liegen. Den geringen Preisdruck stützten ein starker Dinar und relativ stabile Gebühren für Staatsdienstleistungen. Ein Indikator des verbesserten Konsumklimas ist der Einzelhandel: Dessen Umsatz wuchs von Januar bis April 2018 real um 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Außenhandel: Ausländische Direktinvestitionen und Konsum stützen Importe

Der Außenhandel Serbiens dürfte weiter spürbar gewinnen. Sowohl Einfuhren als auch Ausfuhren werden 2018 laut EU-Kommission mit jeweils 9 bis 10 Prozent im Plus liegen. Steigende Investitionen, höherer Konsum und ein fester Dinar beflügeln die Importe. Wie bereits 2017 werden voraussichtlich auch 2018 die stärkeren Direktinvestitionen aus dem Ausland die Nachfrage nach Maschinen und Ausrüstung sowie Vorprodukten erhöhen. Die größten Importposten bildeten im 1. Quartal 2018 Elektrotechnik, Kfz und -Teile, Öl und -produkte sowie medizinische und pharmazeutische Produkte.

Die Exporte profitierten 2017 und Anfang 2018 von der guten Konjunktur in den Hauptabnehmerländern - vor allem in der EU. Besonders das verarbeitende Gewerbe Serbiens lieferte im 1. Quartal 2018 mehr Waren ins Ausland. Der länger bestehende Trend eines höheren Wachstums bei den Importen als bei den Exporten wird sich wahrscheinlich 2018 fortsetzen, so dass sich das Handelsbilanzdefizit weiter ausweiten wird. Auch wenn das Defizit im Handel vorerst weiterhin komplett durch Kapitalzuflüsse aus dem Ausland gedeckt werden dürfte, bleibt es zusammen mit der Konjunktur im Euroraum ein Hauptrisikofaktor für die gesamte Wirtschaftsentwicklung.

Außenhandel Serbiens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 1.7067,9 1.9418,6 13,8
Exporte 1.3432,1 1.5047,1 12,0
Handelsbilanzsaldo -3.635,8 -4.371,5 -

Quelle: RZS

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/serbien

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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