Wirtschaftsausblick

01.10.2019

Wirtschaftsausblick - Serbien (September 2019)

Inhalt

Starkes Wachstum verliert 2019 etwas an Fahrt / Von Christian Overhoff

Bonn/Belgrad (GTAI) - Serbiens Wirtschaft steuert 2019 auf einen Zuwachs um 3 Prozent zu. Motor ist die Inlandsnachfrage: Sowohl der Privatverbrauch als auch die Investitionen steigen.

Wirtschaftsentwicklung: Positive Dynamik hält an - Risiken steigen

Die Wirtschaft Serbiens wird 2019 ordentlich zulegen - wenn auch nicht mehr ganz so stark wie im Vorjahr. Die Vorhersagen für 2020 sind uneinheitlich. Die Europäische Kommission erwartet mit 3,8 Prozent wieder einen kräftigeren Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem Plus von 4 Prozent. Deutlich weniger optimistisch ist das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) mit seiner Prognose von 2,7 Prozent.

Das Wirtschaftswachstum beschleunigte sich 2018 auf 4,3 Prozent. Grund war die kräftige Inlandsnachfrage der Privatverbraucher und des Staates. Hinzu kam ein zweistelliger Investitionsschubschub. Zur positiven Konjunkturentwicklung haben vor allem die Baubranche und der Agrarsektor beigetragen.

Erhöhte Nachfrage treibt Inflation an

Die Investitionen nehmen robust zu. Der Konsum erhält einen weiteren Schub durch steigende Beschäftigung und höhere Einkommen. Verbesserte Finanzierungsbedingungen und eine expansive Fiskalpolitik stützen das Wachstum.

Kehrseite des Nachfragebooms bildet ein zunehmendes außenwirtschaftliches Ungleichgewicht in Form rasch steigender Importe ohne entsprechend anziehende Exporte. Die angefachte Inlandsnachfrage droht zudem die Inflation anzutreiben. Risiken birgt auch die äußere Entwicklung: Eine Verschärfung des Konfliktes mit Kosovo in Form anhaltender prohibitiv hoher Einfuhrzölle des Nachbarn und ein deutlicher Rückgang des Welthandelswachstums trüben die wirtschaftlichen Aussichten deutlich ein.

Anfang 2018 beendeten Serbien und der IWF ein dreijähriges Kreditabkommen erfolgreich. Dieses war an folgende Bedingungen geknüpft: Stabilisierung der öffentlichen Ausgaben und eine bedeutende Senkung von Pensionen und Einkommen im öffentlichen Dienst. Weitere Schritte zum Aufbau einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft müssen jedoch folgen. Mehrere Privatisierungen stehen noch aus, allen voran in der Petrochemie und im Bankensektor. Das gesamte Steuer- und Regulierungssystem gehört reformiert. Serbien hat mit dem IWF im Juli 2018 ein neues dreijähriges Abkommen vereinbart, das allerdings rein beratende Funktion hat.

MKT201909308000.14

Wirtschaftliche Eckdaten Serbiens
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 36,7 39,2 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 5.203 5.581 39.649
Bevölkerung (Mio.) 7,1 7,1 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Serbische Dinar) 123,12 121,34 -

Quellen: Republicki zavod za statistiku (RZS; Statistikamt Serbiens); Statistisches Bundesamt

Investitionen: Weiterhin kräftiger Zuwachs erwartet

Die Investitionen wachsen 2019 voraussichtlich deutlich - allerdings moderater als im Vorjahr. Serbien gewinnt zunehmend ausländische Investoren: Beispiele sind die Privatisierung des Bergbaukonzerns RTB Bor und des Agrarunternehmens PKB. Im Jahr 2018 flossen laut IWF rund 3,5 Milliarden Euro an ausländischen Direktinvestitionen in das Land.

Deutschland ist der wichtigste Investor. Siemens zum Beispiel kündigte im Dezember 2018 an, seine Mitarbeiterzahl in Serbien innerhalb von fünf Jahren auf 5.000 von rund 2.500 zu verdoppeln.

Die Bautätigkeit schnellte im 1. Halbjahr um gut 20 Prozent nach oben, was zum Teil auch an Basiseffekten lag. Befeuert werden die staatlichen Investitionen - insbesondere im Infrastrukturbau - durch internationale Geber und Hilfen der Europäischen Union (EU) sowie den größeren Finanzspielraum der serbischen Regierung. Wie bereits 2017 erzielte sie 2018 einen Budgetüberschuss.

Ausgewählte Großprojekte in Serbien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Wohn- und Geschäftsviertel Belgrad Waterfront 3.500 Bau von zwei Wohntürmen und Erschließung weiterer Gebäude im Gange Mehrere Bauabschnitte für 5.700 Wohnungen, 2.200 Hotelzimmer, 12.700 Büroräume - insgesamt 1,8 Mio. qm; Eagle Hills (VAE); Kontakt für interessierte Zulieferer: http://www.eaglehills.com/sr/suppliers
Modernisierung von Krankenhäusern 1.000 Erste Ausschreibungen für die Modernisierung von 18 Krankenhäusern in Vorbereitung Projektträger: Republik Serbien - Verwaltung für öffentliche Investitionen: http://www.obnova.gov.rs/english; Finanzierung durch EBRD
Modernisierung und Erweiterung des Flughafens Nikola Tesla in Belgrad 980 EBRD Darlehen von 100 Mio. in Auszahlung; erste Ausschreibungen angelaufen Projektträger: Konzessionär Vinci Airports Serbia d.o.o. http://www.vinci-airports.com/en/news/vinci-airports-signs-contract-concession-belgrade-airport-republic-serbia
Autobahnabschnitt Pozega - Kotroman 830 technische Dokumentation in Ausarbeitung Zuständigkeit: Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur: http://www.mgsi.gov.rs
Autobahnabschnitt Nis - Plocnik; Teilstück der Autobahn Nis -Merdare - Pristina (Autobahn des Friedens) 224 Genehmigungsverfahren abgeschlossen, Finanzierungsvertrag mit EIB unterzeichnet Länge 40 km; Finanzierung über EIB und EBWE; Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur: http://www.mgsi.gov.rs; E-Mail: kabinet@mgsi.gov.rs
Schiffbarmachung der Donau und der Save durch Ausbau und Sanierung 204 Projektfinanzierung: 100 Mio. Darlehen von der EIB im Oktober 2018 genehmigt, Ausschreibungsvorbereitungen im Gange Die Flusstrassen der Donau und Save sollen an das Binnennetzwerk Trans-European Transport (TEN-T) Rheine-Donau angeschlossen werden; Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur: http://www.mgsi.gov.rs ; E-Mail: kabinet@mgsi.gov.rs
Logistikzentrum in Simanovci mit Zweigstellen in Novi Sad, Kragujevac, Novi Banovci 100 Belgrad Phase II im Bau; abschließende Bauarbeiten in Kragujevac in Gange Bauträger: CTP-Invest Niederlande: http://www.ctp.eu/industrial-warehouse-office-finder/serbia/ctpark-belgrade-west; Fläche insgesamt 150.000qm
Bau des Bahnhofes in Zemun 62 Vorarbeiten abgeschlossen; Vertrag über EBRD-Darlehen unterzeichnet, Bauarbeiten begonnen Projektträger: Srbija Voz JSC http://www.srbvoz.rs/kontakti.html; Masan Radojevic E-Mail: masan.radojevic@srbrail.rs
Bau des Windparks in Kostolac k.A. Investitionspartner gesucht Projektträger: Elektroprivreda Srbije EPS: http://www.eps.rs/eng; Leistung 66 MW; Finanzierung durch KfW

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Serbien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Private Nachfrage nimmt weiter Fahrt auf

Wachsende Beschäftigung, steigende Löhne und zunehmende Transfers im Ausland tätiger Serben kurbeln den Privatverbrauch an. Positive Impulse kommen nicht zuletzt vom Staat, der Gehälter der öffentlich Beschäftigten und Pensionen angehoben hat. Mitte September 2019 kündigte Premierministerin Ana Brnabic eine weitere Erhöhung der Gehälter im öffentlichen Dienst zwischen 8 und 15 Prozent für November an. Das verbesserte Konsumklima spüren Groß- und Einzelhandel: Dessen Umsätze wuchsen 2018 um 9,7 Prozent (in laufenden Preisen).

Die Beschäftigung wird voraussichtlich auch 2019 moderat anziehen. Doch bleibt die Arbeitslosenrate 2018 mit 12,7 Prozent hoch und wird erst 2020 auf 10,8 Prozent absinken, schätzt das wiiw.

Durch die boomende Nachfrage wird die Inflationsrate laut EU-Kommission nach 2 Prozent 2018 im Folgejahr 2,5 Prozent erreichen.

Außenhandel: Ausländische Direktinvestitionen und Konsum stützen Importe

Die Außenhandelsdynamik lässt etwas nach, bleibt aber hoch. Serbien steigerte die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen 2018 um 8,9 Prozent. Im Jahr 2019 wird das Plus 6,1 Prozent betragen, schätzt die EU-Kommission. Steigende Investitionen, höherer Konsum und ein fester Dinar beflügeln die Importe. Wie bereits 2018 werden auch 2019 die stärkeren Direktinvestitionen aus dem Ausland die Nachfrage nach Elektrotechnik und Ausrüstung sowie Vorprodukten erhöhen. Die größten Importposten bildeten 2018 chemische Erzeugnisse, Motorfahrzeuge, Maschinen und Ausrüstungen, Kfz und -Teile, Metallerzeugnisse sowie Elektrotechnik.

Die Exporte profitierten 2018 von der robusten Konjunktur in den Hauptabnehmerländern - vor allem in der EU. Besonders das verarbeitende Gewerbe Serbiens lieferte 2018 mehr Waren ins Ausland. Der Trend eines höheren Wachstums sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten wird sich wahrscheinlich 2019 fortsetzen. Das Handelsbilanzdefizit könnte größer werden.

Warenaußenhandel Serbiens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 19.396,0 21.918,7 13,0
Exporte 15.050,8 16.282,0 8,2
Handelsbilanzsaldo (Defizit) -4.345,2 -5.636,6 -

Quelle: RZS

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/serbien

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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Christian Overhoff

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