Wirtschaftsausblick

17.07.2019

Wirtschaftsausblick - Slowakei (Juni 2019)

Inhalt

Steigende Autoproduktion mildert externe Bremseffekte / Von Miriam Neubert

Bratislava (GTAI) - Die slowakische Wirtschaft wächst langsamer, bleibt aber eine der dynamischsten in der Europäischen Union. Als Treiber wirken die Exporte und der private Verbrauch.

Wirtschaftsentwicklung: Leichter Abschwung auf hohem Niveau

Nach dem Spitzenjahr 2018 erwartet die Kommission der Europäischen Union (EU) 2019 ein Plus von real 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Regierung ist vorsichtiger und rechnet in der Juni-Prognose des Finanzministeriums mit 3,5 Prozent. Für 2020 stimmen die Vorhersagen mit 3,4 Prozent überein. Ins Jahr 2019 ist die slowakische Wirtschaft überraschend kräftig gestartet. Der Zuwachs betrug 3,7 Prozent im 1. Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei stützte sie sich stärker auf die Exporte als auf die Binnennachfrage.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in laufenden Preisen überschritt 2018 erstmals ein Volumen von 90 Milliarden Euro und könnte 2020 die 100 Milliarden Euro-Grenze knacken. Für die kleine, offene und industriestarke Volkswirtschaft sind das äußere Umfeld mit seinen Fragezeichen (Brexit, Handelskonflikte) problematisch, ebenso die schwächere Entwicklung in der Eurozone, vor allem in Deutschland. Doch durch das neue Werk von Jaguar Land Rover (JLP) und die SUV-Produktion bei Volkswagen Bratislava wachsen 2019 Produktion und Export von Pkw. Dieses glückliche Timing wirkt negativen Effekten aus der Eurozone entgegen. Das Finanzministerium verweist auf Analogien zu den Jahren 2012 und 2013, als neue Produktionskapazitäten bei VW den slowakischen Export stützten trotz einer Verlangsamung in der EU.

Dafür entfällt 2019 auf der Investitionsseite der kräftige Impuls, den der Aufbau des Autowerks und seines Zulieferumfelds 2018 brachte. Ihre Dynamik wird merklich abschwächen. Steigende Löhne und sinkende Arbeitslosenzahlen lassen den privaten Konsum expandieren, wenn auch nicht so intensiv wie im Vorjahr. Mit Blick auf die Parlamentswahlen im Jahr 2020 zieht der Verbrauch des Staates an.

Die Stimmungsumfrage unter europäischen Investoren, bei der die Deutsche Auslandshandelskammer in der Slowakei mitwirkt, ließ im Frühjahr 2019 erkennen, dass die Unternehmen skeptischer geworden sind. Nur noch die Hälfte bewertet die aktuelle Wirtschaftslage des Landes als positiv. Die eigene Geschäftsaktivität glaubt nur noch ein Drittel verbessern zu können. Gut ein Fünftel geht sogar von einer Verschlechterung aus. Ungeachtet dessen will jede dritte der 127 befragten Firmen mehr investieren als im Vorjahr und die Beschäftigung steigern.

MKT201907168001.14

Wirtschaftliche Eckdaten der Slowakei
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 84,85 90,20 3.388,2
BIP pro Kopf (Euro) 15.600 16.560 40.871
Bevölkerung (Mio., im Jahresdurchschnitt) 5,44 5,45 82,9

Quellen: Slowakisches Statistikamt; Statistisches Bundesamt

Investitionen: EU-Mittel für Schienenwege, Straßen und Häfen

Die hohe Investitionsdynamik hob die Bruttoanlageinvestitionen 2018 auf den Rekordwert von 19,8 Milliarden Euro in laufenden Preisen. Nach vorläufigen Angaben des Slowakischen Statistikamts stiegen die Ausrüstungsinvestitionen auf 9,4 Milliarden Euro, die Bauinvestitionen auf 8,9 Milliarden Euro. Für 2019 rechnet die Regierung mit einem Plus der Anlageinvestitionen von real 2,2 Prozent, für 2020 mit 3,3 Prozent.

Die Industrie bleibt ein wichtiger Investor. Doch ist die Stimmung in Abhängigkeit von den Auslandsaufträgen unsicherer geworden, setzt der Arbeitsmarkt Grenzen. Die Wirtschaftsförderagentur Sario unterzeichnete 2018 mit über zwei Dutzend Unternehmen Investitionsvereinbarungen in Höhe von insgesamt 319 Millionen Euro. Das war weniger als 2017. Es dominiert die Kfz-Zulieferindustrie.

Hinter der stärkeren Investitionsaktivität der öffentlichen Hand stehen in hohem Maße Mittel der EU. Von den 13,8 Milliarden Euro, die der Slowakei im EU-Haushalt bis Ende 2020 zustehen, muss noch über ein Drittel an konkrete Projekte vergeben werden. Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat 2018 ihre Mittel auf 616 Millionen Euro gegenüber 2017 fast verdoppelt. Gut die Hälfte fließt in die Verkehrsinfrastruktur - Schienenfahrzeuge, städtische Straßenbahnnetze, die Schienen-, Straßen- und Hafeninfrastruktur.

Ausgewählte Großprojekte in der Slowakei
Projektbezeichnung/Investor Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Eisenbahnknoten Bratislava, Umbau und Modernisierung/Eisenbahnverwaltung der Slowakei ZSR 710 bis 959 Planung; Juni 2019 Vorstellung der Machbarkeitsstudie, die vier Varianten aufzeigt Es geht um mehrere Knotenpunkte, darunter der Hauptbahnhof; http://www.zsr.sk
Fünf neue Zentren für Kreislaufwirtschaft mit Abfallverbrennung und Stromproduktion/Ewia 600 Planung; Ankündigung des Vorhabens Mai 2019; geplante Fertigstellung bis 2035 Geplante Kapazität pro Zentrum: 130.000 Tonnen Siedlungsabfälle jährlich; die Ende 2018 gegründete Firma Ewia gehört zur tschechisch-slowakischen Finanzgruppe Gruppe Wood&Company; http://www.ewia.sk
Erweiterung der Papierproduktion in Ruzomberok/Mondi SCP 340 Beginn 2019, geplanter Betriebsstart Ende 2020 Modernisierung und Einführung einer Papiermaschine für 300.000 t an Kraftpapieren pro Jahr; http://www.mondigroup.com
Schnellstraßenabschnitt R7 Holice - Dunajska Streda/Nationale Autobahngesellschaft NDS 210 Planung; Ausschreibung 1. Etappe Ende 2020; Baustart 2021, Beendigung 2026 Es geht um 21 Kilometer in zwei Etappen; http://www.ndsas.sk
Projekt Vydrica-Wohnviertel in Bratislava/Vydrica Development 200 Baubeginn 2019, Fertigstellung 1. Etappe Mitte 2022 Wohnungen und Läden; https://vydrica.com
Sanierung der Schiffschleusen des Kraftwerks Gabcikovo/Wasserwirtschaftsbetrieb VVB 150 Start im Juni 2019, Fertigstellung 2022; Auftragnehmer Metrostav Schwimmkammern, Tore, Füll- und Leersysteme, Hydraulik und Steuersystem; EU-Förderung 123 Mio. Euro; http://www.vvb.sk
Erweiterung Metallproduktion/U.S.Steel Kosice 130 Baubeginn geplant Mitte 2019, Betrieb Ende 2020 Neue Linie für nichtkornorientierte Elektrostahlbleche (Jahreskapazität 100.000 t); http://www.usske.sk
Projekt Dunajbus Bratislava - Samorin/Pro-Danubia 60 Investitionssumme umfasst neue Häfen und Schiffe Schifffahrtsverbindung an der Donau; http://www.prodanubia.sk
Renovierung der Zahnradbahn in der Hohen Tatra/Eisenbahnverwaltung der Slowakei ZSR 57 Planung; Baubeginn 2020; 18 Mio. Euro Infrastruktur, 39 Mio. Euro Züge Strecke Strba - Strbske Pleso mit drei Bahnhöfen; neue Zahnradzüge mit Hybridantrieben; http://www.zsr.sk
Neues Werk in Kezmarok/Mubea Automotive Slovakia 51 Bau begonnen 2019, voller Betrieb 2025 Produktion von Kfz-Teilen, Zentrum für Forschung und Entwicklung; http://www.mubea.com

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Das Amt für öffentliche Ausschreibungen der Slowakei ist unter der Webadresse http://www.uvo.gov.sk zu finden. Dort können aktuelle Beschaffungsvorgänge recherchiert werden. Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Löhne sollen 2019 noch stärker wachsen

Der private Konsum dürfte laut Regierung maßvoller zunehmen, stützt aber weiterhin stabil das Wirtschaftswachstum. Die zum Teil sehr verschuldeten Verbraucher werden vorsichtiger und beginnen mehr zu sparen. Kredite sind für sie inzwischen an striktere Bedingungen gebunden. Das soll der hohen Dynamik bei Verbraucherkrediten und Hypotheken Wind aus den Segeln nehmen. Positiv auf den Verbrauch wirken sich verschiedene Sozialmaßnahmen aus. Auch steigen die Löhne weiter. So rechnet die Regierung damit, dass sich der nominale Lohnzuwachs 2019 auf 6,7 Prozent beschleunigt und auch 2020 über 6 Prozent liegt.

Die Zahl der Beschäftigten nimmt 2019 mit 30.000 noch einmal ausgeprägt zu. Doch dürfe die Dynamik danach auf unter 1 Prozent abschwächen. Bereits auf historischem Tiefstand angekommen, sinkt die Erwerbslosenrate weiter auf unter 6 Prozent. Damit kommt der Arbeitsmarkt an seine Grenzen. Dies treibt die Preise besonders für Dienstleistungen nach oben. Das Niveau der Inflation soll sich mittelfristig bei 2,5 Prozent halten.

Außenhandel: Frische Dynamik durch neues Autowerk

Der Warenaußenhandel, der seit 2012 für die Slowakei zum Teil stattliche Überschüsse auswies, zeigte laut Eurostat 2018 eine fast ausgeglichene Bilanz. Dahinter standen höhere Importwerte bei Erdöl und Motoren. Die Slowakei exportierte Waren im Gesamtwert von 79,8 Milliarden Euro und damit nominal um 6,8 Prozent mehr als 2017. Dynamischer stiegen die Importe mit 8,2 Prozent auf 79,7 Milliarden Euro.

Im 1. Quartal 2019 kündigte sich ein Trendwechsel an, wuchsen die Exporte schneller. Hier schlägt sich das neue Werk von Jaguar Land Rover nieder. Der Regierung zufolge sollen die Exporte von Waren und Dienstleistungen 2019 und 2020 real um jeweils rund 6 Prozent zulegen, die Importe um über 5 Prozent. Diese Tendenz bleibt in der bis 2022 reichenden Prognose erhalten.

Wichtigster Handelspartner ist in beiden Richtungen Deutschland, gefolgt von Tschechien. Von außerhalb der EU finden sich unter den zehn wichtigsten Lieferländern Russland, Südkorea und China. Der Handel mit Deutschland wuchs in beide Richtungen überdurchschnittlich stark.

Außenhandel der Slowakei (in Mio. Euro; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/17
Importe 73.684 79.718 8,2
Exporte 74.726 79.810 6,8
Handelsbilanzsaldo 1.042 92 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Slowakei

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowakei Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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