Wirtschaftsausblick

31.10.2018

Wirtschaftsausblick - Slowakei (Oktober 2018)

Inhalt

Fahrzeugindustrie sorgt für steigendes Wachstum / Von Gerit Schulze

Bratislava (GTAI) - Die slowakische Wirtschaft steht dank großer Projekte in der Fahrzeugindustrie unter Volldampf. Rückenwind bekommt sie vom Privatkonsum und steigenden Investitionen.

Wirtschaftsentwicklung: Aufschwung gewinnt an Tempo

Die Wirtschaft der Slowakei kann ihr Wachstumstempo weiter beschleunigen. Für 2018 prognostiziert die Regierung einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 4,1 Prozent, für 2019 sogar von 4,5 Prozent. Etwas pessimistischer ist der Internationale Währungsfonds. Er sagt für 2019 ein Wachstum von 4,1 Prozent voraus. Spätestens 2020 soll die Wirtschaftsleistung (in laufenden Preisen) erstmals ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro erreichen.

Vor allem der Export von Pkw sorgt für die anhaltend hohe Dynamik. Bei Jaguar Land Rover läuft Ende 2018 die Produktion an. Volkswagen Bratislava produziert jetzt drei neue SUV-Modelle der Marken Porsche, Audi und VW.

Doch auch die steigenden Investitionen des Staates und der Unternehmen sowie höhere Löhne im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft treiben die Konjunktur an. Die Beschäftigungsquote steuert Monat für Monat auf neue Rekordwerte zu.

Allerdings findet der Aufschwung nicht ohne Risiken statt. Der Preisanstieg beschleunigt sich 2018 auf 2,5 Prozent, und auf wichtigen Auslandsmärkten wachsen die Gefahren einer Rezession. Unsicher sind auch die Folgen des Brexits, denn das Vereinigte Königreich ist das fünftwichtigste Exportland für slowakische Unternehmen.

Mehr als andere Länder in Europa ist die Slowakei vom demografischen Wandel bedroht. Laut "Ageing Report" der Europäischen Union (EU) verringert sich die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis 2030 um fast 280.000 Personen. Schon jetzt ist der Personalmangel ein entscheidendes Wachstumshemmnis, die Produktivität in den Betrieben muss daher steigen.

Staat investiert vor allem in "Sozialpakete"

Ein Profiteur des Aufschwungs sind die öffentlichen Kassen. Für 2019 werden zusätzliche Steuereinnahmen von rund 500 Millionen Euro erwartet. Ab 2020 soll der Staatshaushalt einen Überschuss erzielen. Experten kritisieren, dass die Finanzmittel nicht für Investitionen in Infrastruktur und Bildung, sondern für Rentenerhöhungen, gratis Schulspeisung, Urlaubsgutscheine und andere Sozialleistungen genutzt werden.

Außerdem gefährden Steuer- und Abgabenerhöhungen das Investitionsklima. Für den Einzelhandel ist eine Sondersteuer von 2,5 Prozent auf die Nettoumsätze geplant. Arbeitgeber müssen höhere Krankenkassenabgaben für Geringverdiener zahlen. Die Müllgebühren für Unternehmen steigen.

Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich in den letzten Monaten daher verschlechtert. Der vom Statistikamt erfasste Indikator lag im September 2018 so niedrig wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Besonders die Bauwirtschaft macht sich Sorgen um die künftige Auftragslage und die Verfügbarkeit von Personal.

MKT201810308000.14

Wirtschaftliche Eckdaten der Slowakei
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 81,23 84,85 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 14.940 15.630 39.649
Bevölkerung (Mio.) 5,43 5,44 82,7

Quellen: Slowakisches Statistikamt; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Fertigstellung der Jaguar-Autofabrik sorgt für gewaltigen Sprung

Das Investitionsvolumen in der Slowakei wächst derzeit im rasanten Tempo. Für das 1. Halbjahr ermittelte das staatliche Statistikamt einen Zuwachs der Bruttoanlageinvestitionen von 17 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Besonders viel Geld ist in Immobilien geflossen. Allerdings wechselt der Investitionsschwerpunkt vom Gebäudebau in Richtung Ausbau der Infrastruktur. Hohen Zuwachs gab es auch bei der Anschaffung von Fahrzeugen und Maschinen.

Allein die Automobilindustrie investierte im 2. Quartal 2018 laut Nationalbank NBS 1,2 Milliarden Euro. Das waren 345 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dafür sorgt vor allem die Fertigstellung der Fabrik von Jaguar Land Rover in Nitra.

Für den Anstieg der Investitionen war aber nicht nur die Privatwirtschaft verantwortlich. Auch die Investitionsausgaben der öffentlichen Hand haben im 2. Quartal 2018 um ein Drittel zugelegt.

Für das Gesamtjahr 2018 erwartet die Regierung ein Plus der Bruttoanlageinvestitionen von 9,6 Prozent, das sich in den drei Folgejahren auf jeweils rund 3 Prozent verringern soll. Zu den großen Investitionsvorhaben zählen Eisenbahn- und Straßenprojekte, Krankenhäuser, Logistikzentren und Werkserweiterungen.

Ausgewählte Großprojekte in der Slowakei
Projektbezeichnung/Investor Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Eisenbahnstrecke Liptovsky Hradok - Liptovsky Mikulas/Eisenbahnverwaltung 518 Baubeginn 2019, Fertigstellung 2021, vier Etappen, EU-Förderung Neuverlegung der Trasse auf 14 km, 20 km Modernisierung; http://www.zsr.sk
Logistikpark Centrop in der Nähe des VW-Werks Bratislava/Reform Capital Slovakia 400 Vorbereitung verzögert sich Neuer Logistikpark für Kfz-Zulieferer; http://www.centrop.sk
Krankenhaus Razsochy in Bratislava/Gesundheitsministerium 263 Fertigstellung 2021 bis 2022, 578 Betten, Vorbereitungsphase Neue Uniklinik; http://www.health.gov.sk
Krankenhaus in Martin/Univerzitna nemocnica Martin 198 Baubeginn Ende 2020, Fertigstellung Ende 2022, Finanzierung aus Staatshaushalt und durch EIB-Kredit Neues Universitätskrankenhaus; http://www.unm.sk, http://www.health.gov.sk
Krankenhaus Bory in Bratislava/Penta 200 Fertigstellung 2021 bis 2022, 400 Betten, Bau begonnen Neues Krankenhaus; http://www.pentainvestments.com
Erweiterung der Produktion in Krusovce/ZKW Slovakia 155 Bau begonnen, Fertigstellung Halle Mai 2019, Investitionsvorhaben für drei Jahre Kfz-Beleuchtung und Kunststoffteile, Schulungszentrum, Arztpraxis; https://zkw-group.com/sk/
Brücke über die Donau in Komarno/Verkehrsministerium 108 Bau begonnen, Fertigstellung bis Ende 2019 Straßenbrücke nach Ungarn; http://www.mindop.sk
Sanierung Schloss Rusovce / Regierung 75 Projektdokumentation erstellt von Dopravoprojekt und Metroprojekt Praha, Bauzeit 2018 bis 2023 Renovierung Diensthaus und englischer Garten; http://www.vlada.gov.sk
Modernisierung/Heizkraftwerk Kosice 45 Auftrag Energyco erhalten, Fertigstellung August 2019 Wechsel von Kohle auf Erdgas, vier Gasmotoren; http://teko.sk/
Logistikareal in Trencin/Trencin Logistics Centre 20 Baubeginn Mai 2019, Fertigstellung bis August 2020 Logistikareal für Einzel- und Großhandel; Unternehmer Miroslav Lukac

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Das Amt für öffentliche Ausschreibungen der Slowakei ist unter der Webadresse http://www.uvo.gov.sk zu finden. Dort können aktuelle Beschaffungsvorgänge recherchiert werden.

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Ausgaben der Privathaushalte kurbeln Wirtschaftswachstum an

Die slowakischen Privathaushalte sind zurzeit äußerst konsumfreudig. Für 2019 und 2020 prognostiziert die Regierung nominale Lohnzuwächse von jeweils über 6 Prozent. Die Zahl der Erwerbslosen soll weiter zurückgehen, die Arbeitslosenquote spätestens 2020 auf unter 6 Prozent sinken.

Das hebt die Stimmung der Konsumenten und treibt den Einzelhandel voran. Von Januar bis August 2018 sind dessen Umsätze real um fast 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Während besonders die Nachfrage nach Lebensmitteln und Genusswaren zulegte, sank das Interesse an Haushaltselektronik und IT-Technik.

In den kommenden drei Jahren bleibt die Nachfrage der Privathaushalte neben dem Exportüberschuss die wichtigste Komponente des Wirtschaftswachstums. Dazu trägt auch bei, dass die Sparquote bis 2021 auf 7,6 Prozent des verfügbaren Einkommens sinken wird. Die Verschuldung der Haushalte übersteigt bereits das Sparvermögen, die Zahl der Privatinsolvenzen nimmt zu.

Außenhandel: Hoher Bedarf an Kraftmaschinen und Stahl

Das Wachstum des Außenhandels erreicht 2019 seinen vorläufigen Höhepunkt. Nach Prognosen des regierungsnahen Instituts für Finanzpolitik werden die Exporte um 7,9 Prozent und die Importe um 6,8 Prozent steigen. Auch in den beiden Folgejahren soll das Plus mindestens 5 bis 6 Prozent erreichen.

Bei den Ausfuhren wird sich der Produktionsstart bei Jaguar Land Rover bemerkbar machen, da die Fabrik fast ausschließlich für Auslandsmärkte produzieren wird. Die Einfuhren werden beflügelt durch die steigenden Einkommen und die gute Verbraucherstimmung, dank derer die Nachfrage nach Importprodukten anzieht.

Deutschland konnte seine führende Position im 1. Halbjahr 2018 behaupten und sogar ausbauen. Die Importe aus der Bundesrepublik sind um fast 8 Prozent gestiegen. Dagegen legten die Einfuhren aus dem zweitwichtigsten Lieferland Tschechien nur um 2 Prozent zu. Besonders stark war die Dynamik bei Importen aus Österreich (26 Prozent) und Polen (11 Prozent).

Auffallend hoch war im 1. Halbjahr 2018 der Bedarf an Kraftmaschinen, deren Einfuhrwert um ein Viertel gestiegen ist. Zweistellige Zuwächse gab es außerdem bei elektrischen Maschinen, Pkw, Eisen und Stahl.

Außenhandel der Slowakei (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 1. Halbjahr 2018 Veränderung 1. Halbjahr 2018/1. Halbjahr 2017
Importe 68.216 73.698 38.580 6,7
Exporte 70.070 74.773 39.393 6,7
Handelsbilanzsaldo 1.854 1.075 813 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/slowakei.

Dieser Artikel ist relevant für:

Slowakei Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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