Wirtschaftsausblick

14.06.2019

Wirtschaftsausblick - Spanien (Juni 2019)

Inhalt

Wachstum in schwierigen Zeiten / Von Karl-Heinz Dahm

Madrid (GTAI) - Spaniens Konjunktur wird sich 2019 weniger rasant, aber noch immer dynamisch entwickeln. Inlandsnachfrage und Konsum bleiben stark.

Wirtschaftsentwicklung: Globale Handelskonflikte schaffen Unsicherheit

Spanien hat die Konjunkturabkühlung im Euroraum bislang besser verkraftet als die meisten seiner europäischen Nachbarn. Nach einer Abschwächung im Jahresverlauf hatte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) Spaniens 2018 um 2,6 Prozent zugenommen und lag damit das vierte Jahr in Folge über dem Durchschnitt der Eurozone.

Entgegen ursprünglichen Prognosen, die einen Abwärtstrend vorhersahen, stieg das BIP im ersten Quartal 2019 um 0,7 Prozent. Auf das Gesamtjahr gerechnet, geht die Kommission der Europäischen Union (EU) in ihrer diesjährigen Frühjahrsprognose von einem Anstieg von 2,1 Prozent aus. Für 2020 werden noch 1,9 Prozent erwartet. Damit die Wirtschaft nicht an Kraft verliert, braucht Spanien unter anderem eine stabile Regierung, die Reformen vorantreibt. Trotz des deutlichen Wahlsieges der Sozialisten bei den jüngsten Parlamentswahlen vom 28. April 2019 gestaltet sich die Regierungsbildung schwierig, da keine absolute Parlamentsmehrheit erzielt werden konnte.

Wachstumsmotor wird auch 2019 die Binnennachfrage bleiben, getragen von einem anhaltend hohen Privatkonsum, der etwas schwächer zulegen wird als im Vorjahr. Dynamisch werden sich weiterhin die Bruttoanlageinvestitionen entwickeln, insbesondere bei Maschinen und Ausrüstungen sowie in der Bauwirtschaft. Während die Investitionen auch im ersten Quartal 2019 anstiegen, bremste der Rückgang des Außenhandels das Wachstum. Die robuste Inlandsnachfrage wird die erwartete Exportschwäche 2019 noch ausgleichen können. Risiken bleiben aber globale Handelskonflikte sowie die Unsicherheiten eines ungeordneten Brexit.

MKT201906138006.14

Wirtschaftliche Eckdaten Spaniens

Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. Euro) 1.166,3 1.208,2 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 25.043,3 25.859,8 39.649
Bevölkerung (Mio.) 46.572 46.722 82,7

Quellen: Spanisches Statistikinstitut INE; Statistisches Bundesamt

An der Verschuldungsfront gibt es ein Aufatmen. Die EU-Kommission hat Anfang Juni 2019 empfohlen, das Strafverfahren gegen Spanien wegen zu hoher Staatsdefizite nach zehn Jahren zu beenden. In ihrem Stabilitätsprogramm 2019 bis 2022 will die spanische Regierung das Defizit bis 2020 auf 1,1 Prozent drücken. Dies soll vor allem durch Steuererhöhungen gelingen. Bereits für 2019 erhofft sich die Regierung Steuer-Mehreinnahmen von rund 5,7 Milliarden Euro.

Investitionen: Unternehmen investieren in Digitalisierung

Auch 2019 wird mit einem weiteren Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen gerechnet. Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen werden weiter zunehmen. Das Konjunkturinstitut Funcas geht für 2019 von einem Plus von 4,3 und 2020 von 3,4 Prozent aus.

Die Bauinvestitionen erreichten 2018 aufgrund der Erholung des Nichtwohnungsbaus und der anhaltend hohen Wohnungsinvestitionen mit einem Wachstum von 6,1 Prozent ihren Höhepunkt. Nach Einschätzung der Zentralbank werden sie 2019 noch um 4,5 Prozent zulegen. Treiber bleibt der Wohnungs- und Sanierungsbau, öffentliche Infrastrukturvorhaben entwickeln sich schleppend.

Rund 50 Prozent der spanischen Unternehmer gehen zwar davon aus, dass sich die Wirtschaft in den nächsten 12 Monaten verschlechtern wird, wollen aber gleichzeitig ihre Investitionen in neue Technologien beibehalten um die digitale Transformation in ihren Unternehmen zügig umzusetzen.

Ausgewählte Großprojekte in Spanien

Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Madrid Nuevo Norte, Geschäftszentrum im Norden der Hauptstadt 6.000 Genehmigung durch die neue Kommunalregierung in Madrid voraussichtlich 2019 Größtes Immobilienprojekt Europas. Neue Finanz-City mit über 10.000 Wohnungen und modernem Bahnhof http://distritocastellananorte.com
Immobilienplan für die Flughäfen Madrid-Barajas und el Prat Barcelona 4.261 Umsetzung der ersten Phase 2019; 500.000 qm bebaubare Fläche (300.000 in Barcelona und 200.000 in Madrid) Flughafenbetreiber AENA will ab Dezember 2019 Grundstücke für Logistikhubs und Hotels über Ausschreibungen vergeben. AENA sucht private Investoren für Projektentwicklung und -finanzierung https://contratacion.aena.es
Erste Phase zur Verbindung der Zuglinien Madrid-Levante und Madrid-Barcelona 6.725 Im Ausschreibungsprozess Bau einer Zweigstrecke, die eine Verbindung beider Strecken ermöglicht http://www.adifaltavelocidad.es/es_ES/empresas_servicios/licitaciones/licitaciones_en_curso.shtml
Neuer Hafenterminal, Valencia 1.200 Genehmigung der Hafenerweiterung November 2018; Ausschreibungsveröffentlichung für Investor und Betreiber Mitte 2019 geplant Kapazität für weitere 5 Millionen Container. Privatinvestor soll gegen Nutzungskonzession 800 Millionen Euro für Ausrüstungen aufbringen. 400 Millionen Euro will der Hafen beisteuern. http://www.valenciaport.com
Größter Fotovoltaikpark Europas COBRA (Energiezweig des Baukonzerns ACS) 500 Im Bau bis Ende 2019 Bau eines Fotovoltaikparks in der Region Aragon; 3.300 ha, 850 MW verteilt auf 18 Solaranlagen http://www.grupocobra.com
Sanierung des Fußballstadions Santiago Bernabéu von Real Madrid 575 Baubeginn Sommer 2019 bis August 2022 Umfassender Umbau und Erweiterung des Stadions und Umgebung. Baukonzern FCC erhielt den Zuschlag. Für IT- und technologische Ausrüstung müssen noch 70 Millionen Euro müssen ausgeschrieben werden. Design entwarfen die Architektenbüros GMP Architekten, L35 Architects und Ribas & Ribas http://www.nuevoestadiobernabeu.com
MegaHub Andalucía, multimodaler Logistik-Hub, Antequera (Málaga) 350 Zwei Bauphasen; Ausschreibung Phase 1 im 2. Halbjahr 2019 Bau Puerto Seco, Umspannwerk und intermodales Terminal zwischen Schiene und Straße; Öffentlich-privates Projekt (Junta de Andalucía und Puerto Seco de Antequera) https://megahubandalucia.es
Umbau des Krankenhauses La Paz in Madrid 504 Ausschreibungsbeginn April 2019; Durchführung 2020 bis 2030 Umfassende Renovierung und Erweiterung des Krankenhauses (+72% der aktuellen Fläche) in verschiedenen Phasen unter Beibehaltung des Krankenhausbetriebes http://www.madrid.org
Drei neue Abfallbehandlungsanlagen in der Region Madrid 280 Laut Abfallbehandlungsplan 2018 bis 2024 Ziel des Plans: Null Abfälle im Rahmen der Kreislaufwirtschaft. Abfallbehandlungsanlagen in Loeche, Pinto und Colmenar Viejo http://www.madrid.org
Covestro, neue Chlorproduktion, Kapazitätsausbauin Tarragona 200 Baubeginn 2019 Inbetriebnahme 2020 Steigerung der Jahresproduktion des Hartschaum-Vorprodukts MDI auf 220.000 Tonnen http://www.covestro.es

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Spaniens öffentliche Ausschreibungsdatenbank finden Sie unter https://contrataciondelestado.es; Eintragung in das Register potenzieller Bieter unter http://registrodelicitadores.gob.es. Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Sparquote sinkt weiter

Der Privatkonsum wird sich in Spanien auf hohem Niveau fortsetzen aber 2019 mit 1,8 Prozent nicht mehr ganz so stark wachsen wie 2018 (2,3 Prozent). Der Nachholbedarf aus der Zeit nach der Wirtschaftskrise hat sich inzwischen abgeschwächt. Aufgrund der nach wie vor hohen Konsumdynamik könnte die Sparquote, die bereits 2018 mit 4,5 Prozent auf historischem Tiefstand war, 2019 noch weiter zurückgehen. Spaniens Banken haben im März 2019 den Zugang zu Konsumentenkrediten erstmals seit 2013 wieder leicht verschärft. Die Bankenaufsicht nannte als Grund dafür ein starkes Anwachsen von Konsumkrediten, zunehmende Kreditausfälle sowie einen Rückgang der Kreditnachfrage für langlebige Güter.

Auswirkungen auf Kaufkraft und Konsum haben Lohnerhöhungen im privaten und öffentlichen Sektor sowie die Anhebung der Renten und Mindestlöhne. Letztere hatte die spanische Regierung noch kurz vor den Parlamentswahlen Ende April 2019 durchgesetzt. Mindestlöhne für Vollzeitjobs wurden um 22 Prozent auf monatlich 900 Euro erhöht. Kritiker befürchten, dass die Maßnahme zu Lasten neuer Arbeitsplätze geht. Die Arbeitslosigkeit wird, ausgehend von einem extrem hohen Niveau von 14,5 Prozent, 2019 weiter sinken, aber auch bis 2021 noch über 12 Prozent liegen.

Außenhandel: Defizit nimmt zu

Spaniens Warenexporte erreichten 2018, trotz globaler Konjunkturabkühlung, ein Rekordwachstum von rund 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die robuste Inlandsnachfrage befeuerte 2018 die Importe, eine Tendenz, die sich 2019 fortsetzen wird. Nach Warengruppen dominierten ein- und ausfuhrseitig Investitionsgüter. Darunter insbesondere Industriemaschinen. Das spanische Außenhandelsdefizit lag von Januar bis März 2019 um 36,5 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.

Mehr als zwei Drittel der spanischen Ausfuhren (65,6 Prozent) gehen in die Länder der EU. Größte Abnehmer sind Frankreich, Deutschland und Italien. Wichtigstes Lieferland ist Deutschland vor Frankreich und China. Im ersten Quartal 2019 stiegen die Importe aus Deutschland um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Deutschland ist Spaniens Hauptlieferland und nach Frankreich wichtigstes Abnehmerland.

Außenhandel Spaniens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/17
Importe 311.611 328.463 +5,4
Exporte 283.094 292.063 +3,1
Handelsbilanzsaldo -28.517 -36.400

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Spanien

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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