Wirtschaftsausblick

19.02.2019

Wirtschaftsausblick - Sri Lanka (Februar 2019)

Inhalt

Inselstaat ringt um Stabilität und Wachstum / Von Heena Nazir

Mumbai (GTAI) - Sri Lankas Wirtschaft wächst auf niedrigem Niveau. Das Land ist krisengeschüttelt und hoch verschuldet. Positive Signale senden steigende Exporte, Tourismuseinnahmen und die Inlandsnachfrage.

Wirtschaftsentwicklung: Schwacher Ausblick, Refinanzierung im Fokus

Sri Lanka beendete das Jahr 2018 in einer konstitutionellen Krise. Die politischen Wirren haben auch negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Dennoch prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2019 ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,3 Prozent. Dies ist ein vergleichsweise geringer Zuwachs im Vergleich zu anderen Ländern in der Region.

MKT201902188004.14

Aufgrund globaler Faktoren wie etwa der US-Leitzinserhöhung und durch die politische Krise im Inland wurden 2018 über eine Milliarde US-Dollar (US$) aus sri-lankischen Staatsanleihen abgezogen. Dies führte zu einer Abwertung der Sri-Lanka-Rupie (S.L.Re.) um 19 Prozent, einem historischen Tief, und einer Herabstufung durch die Ratingagenturen. Um den volatilen Kapitalflüssen künftig entgegenzuwirken, reduziert die Zentralbank kurzfristig das Limit für ausländische Investoren von 10 auf 5 Prozent.

Schließlich muss Sri Lanka bis 2022 einen Großteil seiner Auslandsschulden von etwa 20,9 Milliarden US$ refinanzieren, davon 2019 allein 5,9 Milliarden US$ - nun zu schlechteren Konditionen. Nachdem die Verfassungskrise zwischen Staatsoberhaupt Sirisena und Ministerpräsident Wickremesinghe aus der chinesisch-indischen Rivalität um den Inselstaat entstanden war, waren beide Länder schnell mit neuen Kreditlinien zur Stelle.

Die indische Zentralbank genehmigte einen Währungsswap mit einem Volumen von 400 Millionen US$ mit der Option auf eine weitere Milliarde, um Sri Lanka einen attraktiven Zugang zum indischen Markt zu sichern. China bewilligte in erster Instanz direkt eine Kreditlinie über eine Milliarde US$, jedoch zu erhöhten Konditionen (5,5 statt zuvor 2 Prozent). Indirekt soll Kapital auch über die Asian Development Bank (ADB) fließen. Schließlich nahm der IWF im Januar 2019 Gespräche über die Weiterführung des gestoppten Reform- und Kreditprogramms wieder auf.

Die Regierung versucht, die politische Krise für beendet zu erklären, da ein erneutes Hochkochen die angespannte Finanzlage verschärfen würde. Die festgefahrene Situation könnte allerdings 2019 zu vorgezogenen Parlaments- oder Präsidentschaftswahlen führen, somit ist die politische Unsicherheit weiter prävalent. Darüber hinaus will die Regierung im Wahljahr die Ausgaben steigern (um 13,2 Prozent), was entgegengesetzt der IWF-Forderung wäre.

Wirtschaftliche Eckdaten Sri Lanka
Indikator 2017 2018 *) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 87,3 92,5 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 4.073 4.265 44.791
Bevölkerung (Mio.) 21,4 21,7 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = S.L.Re.) 154,44 180,00 -

*) Prognose

Quellen: IWF; Economist Intelligence Unit, Februar 2019

Investitionen: Weitere Kredite aus China stützen Investitionstätigkeit

Neben steigenden Exporten soll das Schuldenproblem Sri Lankas durch ertragsgenerierende Infrastrukturinvestitionen gelöst werden. Die Colombo Port City (CPC) soll mit 269 Hektar neugewonnener Landfläche internationale Finanzunternehmen anziehen. Das Projekt wird durch die China Communications Construction (CCC) und das sri-lankische Megapolis and Western Development Ministry realisiert. CCC allein investierte bisher rund 700 Millionen US$ in die CPC und budgetiert insgesamt 1,4 Milliarden US$ für Landgewinnung und Bau. Sri Lanka soll rund eine Milliarde US$ investieren. Das Interesse internationaler Investoren ist krisenbedingt zurückgegangen, mit wiederkehrender Stabilität sollte das Projekt jedoch wieder an Fahrt gewinnen.

Sri Lanka bemüht sich darüber hinaus um ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investments, FDI). Die Gesetzesreform des Land Restrictions on Alienation Act von 2018 erlaubt es ausländischen Firmen, die an der Börse in Colombo gelistet sind, Grundbesitz zu erwerben, was zu einer deutlichen Steigerung von FDI führen soll. Die Bemühungen spiegeln sich im Ease of Doing Business-Ranking der Weltbank wider, wo sich Sri Lanka um 11 Plätze - Rang 100 von 190 - verbessert hat. Zusätzlich könnten Investitionsimpulse durch die (Teil-) Privatisierung defizitärer Staatsunternehmen im Rahmen des IWF-Programms entstehen.

Ausgewählte Großprojekte in Sri Lanka
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) 1) 2) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Western Region Megapolis Planning 77.952 geplante Fertigstellung bis 2030 Ausbau der Metropolregion um Colombo; Ansprechpartner: Mr. Jayasekara, Projektleiter, T: +94 112 186 091-202; E-Mail: pd@wrmpp.gov.lk; info@wrmpp.gov.lk
Central Express Way 3.732 Bau wird in vier Phasen durchgeführt, geplante Fertigstellung 2019 bis 2020 Bau einer Autobahn, die die Verbindung zwischen Zentralprovinz und Norden verbessern soll; Website: http://www.cep.rda.gov.lk
Light Rail Transits System 1.911 geplante Fertigstellung Dezember 2026 Regierung von Sri Lanka und Japan International Cooperation Agency (JICA) finanzieren das Projekt. Kontakt: Mr. Chaminda Ariyadasa, Project Director, E-Mail: pdlrt.jica@gmail.com; Websites: http://www.megapolismin.gov.lk, http://www.clr.lk
Extension of Southern Expressway 1.352 geplante Fertigstellung bis 2019 Ausbau der Autobahn von Matara nach Hambantota; Ansprechpartner: Mr. Nilawfer, Projektleiter, E-Mail: pdesepmb@gmail.com
Colombo Port City 1.400 geplante Fertigstellung 2041; 90% der Landgewinnung abgeschlossen Hafenbauprojekt in Colombo; Website: http://www.portcitycolombo.lk/contact/
Integrated Road Investment Program (iRoad) 1.423 geplante Fertigstellung in 2024 Ausbau des Straßennetzes; Website: http://www.iroad.rda.gov.lk
Green Power Development und Energy Efficiency Improvement Investment Program 440 geplante Fertigstellung 2021 ADB (150 Mio. US$); Französische Agentur für Entwicklung (34 Mio. US$), Kontakt: Ceylon Electricity Board (CEB), Durchführungsstelle, E-Mail: pmgpdt2.prj@ceb.lk; pdmoragolla@ceb.lk; Website: http://www.ceb.lk
Metro Colombo Urban Development 321 geplante Fertigstellung 2020 Projekt zielt u.a. auf die Verbesserung der Infrastruktur in der Region um Colombo ab; Finanzierung durch Weltbank und Regierung Sri Lankas, Ansprechpartnerin: A.H. Thushari, Projektdirektorin, E-Mail: thushari.mcudp@gmail.com, mcudp_sllrdc@sltnet.lk
Water Supply & Sanitation Improvement Project 184 geplante Fertigstellung 2020 Finanzierung durch Weltbank und Regierung von Sri Lanka; Kontakt: Mr. Ranatunga, Project Director; E-Mail: nukranatunga@gmail.com, wassipsl@gmail.com; Website: wassip.lk/index.php?lang=en
Climate Resilient Integrated Water Management Project 52 geplante Fertigstellung 2024 Finanzierung durch Green Climate Fund (GCF) und Regierung Sri Lankas; Kontakt: Mr. Anura Dissanayake, Secretary, Ministry of Mahaweli Development and Environment, E-Mail: sec@mahaweli.gov.lk; http://www.mmde.gov.lk, Website: http://www.lk.undp.org

1) Umrechnung anhand des Wechselkurses vom 4.2.19, 1 US$ = 179,20 S.L.Re.; 2) Schätzungen

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen, Februar 2019

Konsum: Steigende Nachfrage nach Sonderbelastungen der Vorjahre

Nachdem die Negativauswirkungen von Dürre und Überflutungen die Haushalte zuletzt belasteten - die Teeproduktion hatte beispielsweise 2018 das schlechteste Ergebnis der letzten 17 Jahre -, wird für 2019 eine positive Entwicklung für den Konsum prognostiziert.

Mithilfe des IWF-Programms konnte auch die hohe Inflation im mittleren einstelligen Bereich gehalten werden. Die Mehrwertsteuer ist erhöht worden. Es wird sich zeigen, wie sich die schwache Rupie auf die importabhängigen privaten Haushalte auswirken wird.

Die Tourismuseinnahmen sind 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 11,6 Prozent auf über 4 Milliarden US$ gestiegen, und ein weiteres starkes Anwachsen der Touristenzahlen auf über 4 Millionen wird für 2019 erwartet. Davon dürften auch die Haushalte profitieren, während sich die derzeit stagnierenden Auslandsüberweisungen sri-lankischer Emigranten negativ auswirken.

Außenhandel: Exportsteigerung lindert Schuldenkrise

Trotz starker Exportzuwächse 2018 hat sich das Handelsbilanzdefizit aufgrund des starken Verfalls der Rupie weiter erhöht. Aktuell werden Engpässe bei Importwaren, deren Preis durch die Regierung gedeckelt wird, erwartet, speziell bei Medizinprodukten und Milchpulver. Führende Milchpulverimporteure haben aufgrund des Margenverfalls bereits den Import gestoppt.

Experten denken jedoch positiv und gehen für 2019 von einem weiteren Exportanstieg von 17 Prozent aus. Diese Annahme basiert auf der mit der Industrie und Regierung verabschiedeten National Export Strategy (NES). Auch wenn der finanzielle Spielraum aufgrund der IWF-Vorgaben beschränkt ist, ist eindeutig, dass höhere Einkünfte in US-Dollar benötigt werden, um die Auslandsverschuldung zu reduzieren.

Nachdem Sri Lanka nach siebenjähriger Auszeit im Mai 2017 den Generalised Scheme of Preferences Plus (GSP+)-Status der Europäischen Union (EU) wiedererlangte, wurde 2018 dessen enorme Wichtigkeit für das Land deutlich. Die Ausfuhr der Hauptexportgüter Bekleidung und Lebensmittel stieg deutlich. Hier wird für 2019 ein weiteres Plus erwartet. Die EU ist nach Indien Sri Lankas zweitgrößter Handelspartner und wichtigster Exportmarkt.

Außenhandel Sri Lankas (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2017 2018 *) Veränderung 2018/2017
Importe (fob) 20,9 22,7 8,4
Exporte (fob) 11,4 11,9 4,4
Handelsbilanzsaldo -9,6 -10,9 -

*) Schätzung

Quelle: Economist Intelligent Unit, Februar 2019

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Sri Lanka können Sie unter http://www.gtai.de/sri-lanka abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Sri Lanka Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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