Wirtschaftsausblick

16.05.2019

Wirtschaftsausblick - Südafrika (Mai 2019)

Inhalt

Wahlausgang bietet Chancen für mehr Wirtschaftswachstum / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - Die Parlamentswahlen vom 8. Mai 2019 geben dem bisherigen und zukünftigen Präsidenten Cyril Ramaphosa größere Spielräume für eine Wiederbelebung der Wirtschaft Südafrikas.

Wirtschaftsentwicklung: Schrittweise Erholung zu erwarten

Trotz Verlusten gegenüber 2014 geht der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa gestärkt aus der Parlamentswahl 2019 hervor: Seine Regierungspartei ANC erreichte einen Stimmenanteil von 57,5 Prozent. Auf der Tagesordnung Ramaphosas steht vor allem die Fortsetzung der glaubhaft in Angriff genommenen Bekämpfung der Korruption. Diese gipfelte während der Amtszeit seines Vorgängers Jacob Zuma in einer systematischen Plünderung des Staates.

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Stärkeres Vertrauen in die Führung des Landes, ausländische Investitionen und die Exporte der Industrie, etwa von Kfz, werden die Wirtschaftserholung 2019 moderat beschleunigen. Das Realwachstum könnte bei einer erfolgreichen Reformpolitik 2020 stärker ausfallen als die erwarteten 2,5 Prozent. Bei den Wirtschaftsreformen ist vor allem mit Widerständen des staatlichen Wirtschaftssektors, der staatsnahen Gewerkschaften und aus dem ANC, sprich der eigenen Partei, zu rechnen. Zudem bremsen geschrumpfte fiskalische Spielräume und niedrige Rohstoffpreise.

Eine Reihe von Staatsunternehmen ist praktisch insolvent und muss umstrukturiert werden. Der öffentliche Versorger Eskom ist marode; weitere Stromausfälle sind ein erhebliches Risiko.

Wirtschaftliche Eckdaten Südafrika
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 368 361 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 6.182 6.377 48.269
Bevölkerung (Mio.) 57,4 58,1 82,9
Wechselkurs (1 US$ = x Rand) 13,422 13,427 -

Quellen: EIU; Internationaler Währungsfonds (IWF); Statistisches Bundesamt

Unsicherheiten im Hinblick auf den Beschluss des ANC, die Möglichkeit einer Enteignung ohne Entschädigung in der Verfassung festzuschreiben, werden sich weiter relativieren. Das ökonomisch breit diversifizierte Südafrika bietet schon jetzt große Beteiligungsmöglichkeiten in den Bereichen Energie, Umwelt und Industrie. Mittels Partnerschaften mit südafrikanischen Unternehmen lassen sich auch die Nachbarländer erschließen.

Bislang ist kein Konzept sichtbar, wie die Armut in dem Land mit extrem ungleicher Einkommensverteilung wirksam bekämpft werden soll. Dieser Aspekt könnte sich als erhebliches Wachstumsrisiko entpuppen. Weder die tendenziell staatsdirigistische Industriepolitik, noch das Programm zur Stärkung schwarzer Unternehmenseigner und weiterer schwarzer Gruppen (Black Economic Empowerment) haben die sozialen Gegensätze mindern können. Weiterer Hemmfaktor ist die vernachlässigte schulische und berufliche Bildung.

Investitionen: Privatinvestitionen ziehen an, Staat investiert weniger

Im Jahr 2019 werden die Bruttoanlageinvestitionen mit 2 Prozent nur leicht stärker als die Gesamtwirtschaft wachsen. Während die staatlichen Investitionen mit ihrem in den letzten Jahren hohen Anteil von mehr als 50 Prozent rückläufig sind, werden die privaten zulegen können. Dank steigendem internationalen Vertrauen ist vor allem bei den ausländischen Direktinvestitionen in die erneuerbaren Energien, in Stahl, Chemie, Kfz und Erdgas mit einer starken Dynamik zu rechnen.

Dagegen sind die Bruttoanlageinvestitionen der südafrikanischen Staatsunternehmen 2018 gegenüber dem Vorjahr um 12,5 Prozent gefallen. Auch für die kommenden Jahre ist mit schwachen öffentlichen Investitionen zu rechnen. Unter anderem sind der Stromproduzent Eskom, der Schienen- und Hafenbetreiber Transnet sowie die nationale Fluggesellschaft SAA hoch verschuldet und müssen umstrukturiert werden.

Ausgewählte Großprojekte in Südafrika
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Transnet Schienen und Häfen 16,0 Realisierung bis 2024 Bau beziehungsweise Ausbau von Häfen und Bahntrassen, Schienenflotte. http://www.transnet.net
PRASA Schienenpersonenverkehr 12,7 Realisierung bis 2030 1. Teil des Auftrages für Schienenflotte ging an Alstom; Erneuerung der Schienenflotte mit Bau einer 74 Mio. US$ teuren Fertigungsstätte (Gibela-Fabrik in Ekurhuleni bei Johannesburg), Neubau und Erneuerung von Bahntrassen und Signalanlagen. http://www.prasa.com
Musina-Makhado Sonderentwicklungszone (SEZ) rund 10 Teilweise im Bau SEZ in der Provinz Limpopo. Bei Fertigstellung: 4.600 MW Kohlekraftwerk und ein Metallkomplex für die Produktion von Edelstahl, Ferrochrom und Silizium-Mangan.
Tshwane Auto City 3,0 Teilweise im Bau, weitere Ausschreibungen folgen Beginn 1. Phase: Bau von Studentenunterkünften, eines Shopping-Zentrums und einer Privatschule in Rosslyn, nördlich von Pretoria. Entwicklungsunternehmen: Staatliches Automotive Industry Development Centre (AIDC). http://www.tshwane.gov.za/sites/Departments/Economic-Development/Pages/About-the-Automotive-City-Programme.aspx
Liquefied Natural Gas Independent Power Producer (IPP)-Programme 3,5 Start des Ausschreibungsverfahrens noch unklar Ausschreibung von IPP-Gaskraftwerken für insgesamt 3.000 MW. http://www.gaslng.ipp-gas.co.za
De Bron Merriespruit Project 2,4 Machbarkeitsstudie Goldmine, Tiefe: 500 bis 1200 m. http://www.sibanyestillwater.com/about-us
Lesotho Highlands Water-Project 1,7 Planung, Abschluss2024 Phase 2, Bau eines Staudamms. http://www.lhda.org.ls/phase2/
Swazilink Railway 1,4 Machbarkeitsstudie Bau einer Bahnverbindung von der Mpumalanga-Provinz zu den Häfen in Richards Bay und Maputo durch Swasiland.
Cato Ridge Logistics Hub 1,3 Entwurf Logistikhub, rund 50 km vom Hafen Durban entfernt, für den Containerumschlag.
BP Oil SAPREF Refinery Upgrade 1,0 Investition angekündigt Im Rahmen eines Investitionsprogramms für die kommenden 10 Jahre plant BP Southern Africa eine Umrüstung der Sapref-Raffinerie (Kapazität 180.000 Barrel am Tag). http://www.sapref.com

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Nationale Datenbank für öffentliche Ausschreibungen:

http://www.etenders.gov.za

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/suedafrika, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Leichte Erholung

Für 2019 und 2020 ist im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Erholung mit einem Anziehen der Konsumausgaben zu rechnen. Der private Verbrauch dürfte in den beiden Jahren um die 2 bis 2,5 Prozent zunehmen. Hohe Arbeitslosigkeit von offiziell 27,1 Prozent (Ende 2018) und eine Inflation von rund 5 Prozent begrenzen eine stärkere Konsumentwicklung. Für Inflationsdruck sorgen steigende Stromtarife und wegen schwächerer Ernten leicht anziehende Preise für Grundnahrungsmittel.

Trotz Aufwertung des südafrikanischen Rand nach den Wahlen bleibt dieser relativ schwach und erhöht im Vergleich zu den Vorjahren die Importkosten. Dem stehen ein schwacher Weltmarktpreis für Erdöl und Preiskämpfe bei Produzenten und Händlern gegenüber.

Außenhandel: Exporte stützen das Wachstum

In den ersten beiden Monaten 2019 haben die deutschen Exporte nach Südafrika gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 22 Prozent und damit deutlich zugelegt. Im Jahr 2018 waren sie gegenüber dem Vorjahr um 4,7 Prozent zurückgegangen. Mit über 9 Milliarden Euro entfielen 2018 mehr als 68 Prozent der deutschen Subsahara-Ausfuhren auf Südafrika.

Außenhandel Südafrikas (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/17
Importe 83,1 92,6 11,4
Exporte 89,2 93,7 5,0
Handelsbilanzsaldo 6,1 1,1

Quelle: South African Revenue Services 2019

Die südafrikanischen Exporte dürften 2019 und 2020 um jeweils rund 1,5 und 2 Prozent zulegen. Vor allem bei den Industrieerzeugnissen ist mit einem stärkeren Schub zu rechnen; hier wirken neue Modelle (unter anderem bei Mercedes, BMW, VW) und der schwache Rand. Die wichtigen Exporterleichterungen im Rahmen des US African Growth and Opportunity Acts stehen bislang nicht zur Disposition.

Wegen Kapitaltransfers und Zahlungen im Rahmen der Zollunion SACU fährt Südafrika 2019 trotz Warenüberschüssen ein Leistungsbilanzdefizit von rund 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ein. Mit einer guten Ressourcenausstattung bei Metallerzen und einer hohen Eigenbedarfsdeckung bei Nahrungsmitteln sowie Energie bleibt das Defizit beherrschbar.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/suedafrika

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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