Wirtschaftsausblick

02.10.2018

Wirtschaftsausblick - Südafrika (September 2018)

Inhalt

Regierungswechsel verbessert Wachstumsaussichten / Von Fausi Najjar

Johannesburg (GTAI) - Nach Jahren der Misswirtschaft müssen Südafrikas Infrastruktur und Industrien dringend modernisiert werden. Doch westliche Anleger halten sich noch zurück.

Wirtschaftsentwicklung: BIP-Wachstum zu schwach

Im 3. und 4. Quartal 2018 wird das Realwachstum wieder leicht zulegen. Im 1. und 2. Quartal waren jeweils Minus 2,6 und 0,7 Prozent zu verzeichnen. Nach einer Rekordsaison war die Landwirtschaft im 1. Halbjahr 2018 deutlich geschrumpft. Bergbau, verarbeitendes Gewerbe und Handel hatten sich zudem besonders im 1. Quartal 2018 negativ entwickelt. Die Landwirtschaft wird sich in der zweiten Jahreshälfte erholen. Der Bergbausektor wird sein Wachstum im 2. Quartal, wenn auch zaghaft, fortsetzen, während für das verarbeitende Gewerbe erste positive Indikatoren festzustellen sind.

Das Problem ist weniger die technische Rezession der ersten Jahreshälfte, sondern das seit rund fünf Jahren allgemein viel zu niedrige Wachstum sowie dessen schwache Aussichten für 2018 und 2019. Das durchschnittliche Wachstum lag im besagten Zeitraum mit 1,5 Prozent unter dem der Bevölkerung. Die Wachstumsprognose 2018 dürfte zu optimistisch sein.

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Mit dem Machtantritt des neuen Präsidenten Cyril Ramaphosa im Februar 2018 ist mit einer stetigen Verbesserung der Wirtschaftslage zu rechnen. Vorausgesetzt, die Rohstoffpreise bleiben stabil und starke Turbulenzen auf den globalen Finanzmärkten bleiben aus. Bei seinem Amtsvorgänger Jacob Zuma grassierte die Misswirtschaft: Es gab eine nahezu systematische Vereinnahmung des Staates und von Staatsunternehmen durch private Interessengruppen. Die Regierung Ramaphosa arbeitet die Korruption ernsthaft ab. Sie muss jedoch nicht nur die verschuldeten Staatsbetriebe sanieren, sondern auch das Vertrauen von Investoren herstellen, Wachstumsblockaden aufheben und die Armut bekämpfen. Die Kreditzusage Chinas von 15 Milliarden US-Dollar (US$) wird die angespannte Finanzlage lindern.

Wirtschaftliche Eckdaten Südafrika
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 296 349 3.686,7
BIP pro Kopf *) 12.374 12.337 44.595
Bevölkerung (Mio.) 55,620 56,522 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = x Rand) 14,69 13.30

*) Pro-Kopf-BIP in Kaufkraftparitäten (in US$ zu jeweiligen Preisen)

Quellen: EIU; Internationaler Währungsfonds; Statistisches Bundesamt

Strukturelle Hürden für ein stärkeres Wachstum können nur schrittweise abgebaut werden: Der Dienstleistungssektor wird selbst mit seinem gut entwickelten Bankensektor und dem Tourismus kaum das gesamtwirtschaftliche Wachstum antreiben können. Die Produktivität der Goldminen sinkt, während die Marktaussichten beim Abbau von Platin schwach ausfallen. Mittlerweile trägt vor allem die mittelfristig wenig dynamische Kohlebranche den Bergbausektor. Im verarbeitenden Gewerbe müsste ein grundlegender Wandel erfolgen. Vor allem kleinere und mittlere Industrieunternehmen leiden unter Stromausfällen, fehlenden Fachkräften und einer schwachen Binnennachfrage. Der hohe Modernisierungsbedarf bei Infrastruktur und Industrie bietet deutschen Unternehmen Beteiligungschancen.

Investitionen: Regierung will Konjunkturpaket schnüren

Das am 21. September 2018 angekündigte Konjunkturpaket soll über Umschichtungen im Haushalt finanziert werden und sich auf beschäftigungsintensive Maßnahmen konzentrieren. Avisiert sind die Bereiche Jugend, Frauen, kleine Unternehmen, Landwirtschaft, Infrastruktur und Kommunen. Auch verspricht Ramaphosa klarere Rahmenbedingungen. Die Maßnahmen des Konjunkturpaketes werden die Investitionsschwäche bestenfalls mindern können. Dem Staatshaushalt 2018/19 zufolge sollten 64 Großvorhaben von nationaler Bedeutung beschleunigt werden. Ob beziehungsweise welche dieser Vorhaben von der Umschichtung betroffen sein werden, ist offen.

Das nach dem Machtantritt Ramaphosas steil angestiegene Vertrauen der Geschäftswelt ist mittlerweile wieder gesunken, offenbar wegen der 2019 anberaumten Wahlen. Ramaphosa hat angekündigt, Möglichkeiten kompensationsloser Enteignungen im Rahmen einer Verfassungsänderung vorantreiben zu wollen. Entgegen mancher Übertreibungen dürfte sich die Diskussion im Ergebnis auf symbolische Maßnahmen begrenzen. Dennoch untergräbt sie das Vertrauen in die Besitzrechte. Südafrika ist von ausländischen Anlegern stark abhängig.

Ausgewählte Großprojekte in Südafrika
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Transnet Schienen und Häfen 16,0 Realisierung bis 2024 Bau bzw. Ausbau von Häfen und Bahntrassen, Schienenflotte; http://www.transnet.net
Solar Park-Project Bau von 1,5 GW bis zu 14,0 Machbarkeitsplanung Solarerzeugung in der Provinz Northern Cape, Ausbau auf bis zu 5 GW; http://www.ippsolarparks.co.za
PRASA Schienenpersonenverkehr 12,7 Realisierung bis 2030 1. Teil des Auftrages für Schienenflotte ging an Alstom; Erneuerung der Schienenflotte mit Bau einer 74 Mio. US$ teuren Fertigungsstätte, Neubau und Erneuerung von Bahntrassen und Signalanlagen; http://www.prasa.com
Clean Fuels 2-Programme 7,0 In Planung; Realisierung verzögert, nicht vor 2022 Investitionen von Raffinerien zur Erzeugung von Kraftstoffen nach Euro V-Standard, u.a. Sasol 0,9 Mrd. und BP/Shell 0,4 Mrd. US$
Liquefied Natural Gas Independent Power Producer (IPP)-Programme 3,5 Start des Ausschreibungsverfahrens noch unklar Beschaffung von 3.000 MW bei IPP; http://www.gaslng.ipp-gas.co.za
De Bron Merriespruit Project 2,4 Machbarkeitsstudie Goldmine, Tiefe: 500 bis 1.200 m; http://www.sibanyestillwater.com/about-us
Centurion Lake Redevelopment - Symbio City 2,2 Entwurf Umfasst ein bis zu dreistöckiges Einkaufzentrum mit mindestens 100.000 qm, drei Hochhäusern mit 110, 64 und 63 Stockwerken einschließlich eines Hotels (295 Betten), Büroräumen (350.000 qm) und Wohnappartements; http://www.dubruto.co.za
Lesotho Highlands Water-Project 1,7 Planung, Abschluss 2024 Phase 2, Bau eines neuen Staudamms; http://www.lhda.org.ls/phase2/
Swazilink Railway 1,4 Machbarkeitsstudie Bau einer Bahnverbindung von der Mpumalanga-Provinz zu den Häfen in Richards Bay und Maputo durch Swasiland; http://www.transnetfreightrail-tfr.net
Redstone Solar Thermal Power Project 750 Mio. bis 1 Mrd. US$ Entwurf 100 MW Solarthermieanlage (CSP) / 250 m hoher Solarturm / Hitzespeichersystem mit geschmolzenem Salz / Projekt im Rahmen eines unabhängigen Energieerzeugers in der Provinz Northern Cape; das IPP-Projekt führt ein Konsortium unter Führung von Solar Reserve und ACWA Power durch

*) Aufgrund der hohen Wechselkursschwankungen und einer unübersichtlichen Datenlage handelt es sich bei den Angaben lediglich um Schätzungen.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Nationale Datenbank für öffentliche Ausschreibungen: http://www.etenders.gov.za

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/suedafrika, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Enttäuschungen praktisch vorprogrammiert

Der südafrikanische Index für das Konsumentenvertrauen hat im 3. Quartal 2018 einen historischen Höchststand erreicht. Bis auf einen guten Lohnabschluss im staatlichen Sektor sehen jedoch die wirtschaftlichen Realitäten anders aus. Deswegen dürften die sich im genannten Index widerspiegelnden Erwartungen enttäuscht werden. Das niedrige Wachstum und eine gestiegene Arbeitslosigkeit begrenzen die Einkommen. Zwischen April und September 2018 hat der südafrikanische Rand gegenüber dem Euro um 18 Prozent abgewertet. Deshalb steigen die Importkosten und hier vor allem die Benzinpreise. Im Juli 2018 lagen diese 25,3 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Im Oktober 2018 werden die Benzinpreise nochmals steigen. Niedrige Preise, etwa für das Grundnahrungsmittel Mais, bremsen die Teuerungen. Im Laufe des Jahres 2018 und für 2019 ist allerdings mit höheren Preisen zu rechnen.

Privathaushalte werden aufgrund der leeren Staatskassen im Haushaltsjahr 2018/19 mit Steuererhöhungen von 3 Milliarden US$ belastet. Nicht ganz zu Unrecht fassen große Teile der Bevölkerung die steigenden Abgaben und Preise als Instrument auf, um Korruption und Missmanagement der letzten Jahre zu finanzieren.

Außenhandel: Wichtigster Handelspartner auf dem afrikanischen Kontinent

In den Jahren 2016 und 2017 hat Südafrika Warenbilanzüberschüsse eingefahren. Für 2018 zeichnet sich bestenfalls eine uneinheitliche Entwicklung ab. Während die Exporte für Kohle und Erze im zweiten Quartal wieder anziehen, bleibt deren weitere Entwicklung unsicher. Zudem steigert der schwache Rand die Importkosten, insbesondere für Erdöl, dessen Weltmarktpreise ohnehin gestiegen sind.

Außenhandel Südafrikas (in Mrd. US$; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/16
Importe 74,7 83,1 11,2
Exporte 74,8 89,2 19,3
Handelsbilanzsaldo 0,1 6,1

Quellen: South African Revenue Service; South African Reserve Bank

Exportchancen für Lieferanten aus Deutschland sind eingetrübt. In den ersten sieben Monaten 2018 sind die deutschen Ausfuhren gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 9,1 Prozent gefallen. Vor allem die Ausfuhren von Kraft- und Landfahrzeugen sowie Produkte des Maschinenbaus haben sich mit einem Minus von jeweils 21,3 und 13,2 Prozent ungünstig entwickelt. Die Ausfuhren pharmazeutischer Erzeugnisse konnten hingegen um 18,2 Prozent zulegen. Südafrika ist das mit Abstand bedeutendste Abnehmerland Deutschlands in Afrika. 2017 entfielen knapp 70 Prozent der deutschen Ausfuhren nach Sub-Sahara-Afrika auf Südafrika. Auch als Lieferland führt die Kap-Republik. 2017 hat Südafrika 58,6 Prozent der deutschen Importe aus Sub-Sahara auf sich vereinigt.

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--suedafrika-oktober-2018,did=2155084.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/branchencheck,t=branchencheck--suedafrika-oktober-2018,did=2161296.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Südafrika Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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