Wirtschaftsausblick

14.03.2019

Wirtschaftsausblick - Togo (März 2019)

Inhalt

Lomé entwickelt sich zum Logistikhub / Von Carsten Ehlers

Lomé (GTAI) - Die Aussichten für die Wirtschaft des westafrikanischen Togo sind gemischt. Die politischen Spannungen lassen potenzielle Investoren zögern.

Wirtschaftsentwicklung: Mäßige Aussichten

Die Erwartungen für die togoische Wirtschaft in naher Zukunft sehen mäßig aus. Economist Intelligence Unit (EIU) erwartet für das Jahr 2019 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 5,3 Prozent. Für 2020 werden 5,6 Prozent prognostiziert. Mehrere Beobachter schätzen diese Prognose als äußerst optimistisch ein und gehen von einem niedrigeren BIP-Wachstum aus. Insbesondere vielen mittelständischen Unternehmen geht es derzeit schlecht, weil der Markt unter Kapitalmangel leidet.

Für positive Impulse sorgt die Landwirtschaft. Produktionssteigerungen werden insbesondere beim wichtigsten Exportgut Baumwolle erzielt. Im Aufschwung befindet sich der Logistiksektor. Die Hauptstadt Lomé hat sich durch seine zentrale Lage in Westafrika sowie durch den Ausbau von Überlandstraßen, Hafen und Flughafen zum regionalen Logistikhub entwickelt, insbesondere für die nördlichen Nachbarstaaten Niger und Burkina Faso.

Politische Spannungen haben insbesondere im Jahr 2017 die Wirtschaft negativ beeinflusst, als die Proteste für eine Amtszeitbegrenzung des togoischen Präsidenten Faure Gnassingbé zunahmen. Derzeit hat sich die Lage beruhigt, allerdings dürften die Spannungen im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im April 2020 wieder zunehmen. Gnassingbé regiert Togo seit dem Jahr 2005. Landeskenner gehen von seiner erneuten Kandidatur aus.

Positiv wird gesehen, dass Gnassingbé die wirtschaftlichen Reformen vorantreibt. Die Fortschritte werden durch einen um 18 Plätze verbesserten Rang im Doing-Business-Report 2019 der Weltbank verdeutlicht.

Die in Togo zuletzt wieder stärker aktiven Geberorganisationen knüpfen ihr Engagement an eine Fortsetzung dieses Kurses. Im Jahr 2018 wurde Togo in die Reihe derjenigen afrikanischen Staaten aufgenommen, die von zusätzlichen Hilfsgeldern der G20-Initiative "Compact with Africa" profitieren können.

MKT201903138001.14

Wirtschaftliche Eckdaten in Togo
Indikator 2017 2018 1) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 4,81 5,43 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 611,1 1) 698,7 44.791
Bevölkerung (Mio.) 7,8 8,0 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x CFA-Franc (FCFA)) 2) 656,0 656,0 -

1) Schätzung; 2) Wechselkurs des Franc FCFA ist an den Euro gebunden

Quellen: EIU; Internationaler Währungsfonds (IWF); Statistisches Bundesamt

Investitionen: Der Staat dürfte im Vorfeld der Wahlen Investitionen vorantreiben

Von staatlicher Seite wird aufgrund der hohen Staatsverschuldung derzeit wenig investiert, es ist aber mit einer Zunahme der Infrastrukturprojekte ab dem 2. Halbjahr 2019 im Vorfeld der Wahlen 2020 zu rechnen. Das Geld kommt überwiegend von Geberorganisationen wie der Weltbank, der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB), der EU oder auch einzelnen Staaten wie China und Frankreich. Die togoische Regierung hat die aus ihrer Sicht dringendsten Projekte im Plan National de Développement (PND) 2018-2022 aufgeführt.

Die Präsenz deutscher Unternehmen ist bislang gering. HeidelbergCement ist Mehrheitseigner am größten Zementproduzenten Cimtogo und das Ingenieurbüro Inros Lackner ist regelmäßig beratend an Infrastrukturprojekten beteiligt. Im Gespräch bleibt der Bau einer zweiten Brauerei mit deutscher Beteiligung. Darüber hinaus verfügen DHL, Allianz sowie die zur Lufthansa gehörende Brussels Airlines über kleinere Niederlassungen in Lomé.

Ausgewählte Großprojekte in Togo
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkung
Modernisierung Nangbéto-Wasserkraftwerk 22 Geplant. Anfang 2019 erhielt Voith Hydro den Zuschlag. Die Bauarbeiten des 1988 errichteten Kraftwerks sollen bis 2022 abgeschlossen sein.
Kékéli-Efficient-Power 97,5 Geplant. Im Oktober 2018 erhielt Eranove die Lizenz von der Regierung. Kapazität: 65 Megawatt, Technologie: Combined-Cycle, Finanzierung: unter anderem Westafrikanische Entwicklungsbank, Projektdurchführer: Eranove.
Ausbau des Stromnetzes in Lomé im Rahmen des "Programme d'appui au secteur de l'energie au Togo" (PASET) 47,8 Geplant. Gemeinsame Finanzierung durch EU, KfW Entwicklungsbank und Agence Francaise de Développement (AFD) wurde Anfang 2018 verkündet. Mit dem Projekt soll das Stromnetz von Lomé erweitert werden.
Projet d'aménagement du barrage hydroélectrique d'Adjarala (PABHA) 238,5 Seit 2009 geplant. Projekt verzögert sich immer wieder. China Eximbank sagte 2016 die Finanzierung zu. Sinohydro soll den Bau des 147-Megawatt-Wasserkraftwerks übernehmen.
Phase II: Lomé-Cotonou Road Rehabilitation Project k.A. Geld wurde Mitte 2018 zugesagt. Ausschreibungen wurden bereits veröffentlicht. Finanzierung unter anderem durch die AfDB und Islamische Entwicklungsbank. Vierspuriger Ausbau. Im Rahmen des Projektes werden Küstenschutzmaßnahmen durchgeführt.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/togo, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Einzelhandelsketten fehlen bislang

Das Konsumklima wird konjunkturell bedingt derzeit als schlecht eingestuft. Der Großteil der Bevölkerung muss sich angesichts des niedrigen Pro-Kopf-Einkommens von unter 700 US-Dollar (US$) pro Jahr beim Konsum auf das Notwendigste beschränken. Hierzu zählen größtenteils importierte Nahrungsmittel, Hygieneartikel und Gebrauchtwagen. Für eine stetig steigende Nachfrage nach Konsumgütern sorgt das Bevölkerungswachstum. Jährlich kommen zu den derzeit etwa 8 Millionen Menschen mehr als 200.000 hinzu.

In Togo wurde in den vergangenen Jahren wenig in den modernen Einzelhandel investiert. In Lomé und in anderen Städten gibt es weder Einkaufszentren noch sind größere Supermarktketten wie in anderen westafrikanischen Staaten vertreten. Der Einzelhandel wird dominiert von offenen Märkten wie dem Assigamé-Markt in Lomé. Interessant aus deutscher Sicht ist die Belieferung der wenigen lokalen Konsumgüterhersteller in Lomé mit Maschinen, Chemikalien und anderen Input-Produkten.

Außenhandel: Deutsche Lieferungen stiegen 2018 deutlich

Togo ist für die deutsche Wirtschaft in Subsahara-Afrika ein kleiner Absatzmarkt. Für Unternehmen, die ihre Produkte ohnehin in Westafrika verkaufen, kann sich ein Engagement gleichwohl lohnen. Aufgrund seiner zentralen Lage ist der Markt relativ leicht zu erschließen. Laut dem Statistischen Bundesamt lagen die deutschen Exporte im Jahr 2018 bei 49,2 Millionen Euro. Damit sind sie im Vergleich zum Vorjahr um etwa 21 Prozent gestiegen. Geliefert werden nach Togo vor allem Kraftfahrzeuge, Chemikalien, technische Komponenten, Nahrungsmittel und Maschinen.

Interessant ist Togo auch als Handelsdrehscheibe für die im Hinterland gelegenen Staaten Niger und Burkina Faso. Dank der Modernisierung des Hafens sowie der in den Norden führenden Überlandstraßen wurde der Warenverkehr erleichtert. Hinzu kommt, dass Niger und Burkina Faso wie auch Togo zur Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion gehören. Diese verwendet als Währung einheitlich den an den Euro gekoppelten CFA-Franc.

Außenhandel Togos (in Mio. US$; Veränderung in %)
2017 *) 2018 *) Veränderung 2018/17
Importe 2.009 2.152 7,1
Exporte 1.045 1.113 6,5
Handelsbilanzsaldo -964 -1.039 -

*) Schätzung

Quelle: EIU

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/togo

Dieser Artikel ist relevant für:

Togo Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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