Wirtschaftsausblick

20.07.2018

Wirtschaftsausblick - Uganda (Juli 2018)

Inhalt

Öffentliche Gelder für Strom- und Transportprojekte / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Uganda setzt auf den Bau von Straßen, Kraftwerken und eine neue Eisenbahn. Bezahlt werden soll später mit Petro-Dollars, die ab 2022 kräftig fließen und das Land in eine neue ökonomische Liga katapultieren sollen. Die Erdölförderung und der Rohöltransport sind aber teure Kraftakte, die angesichts einer schlechten Infrastruktur und endemischer Korruption kaum reibungslos verlaufen werden. Und ob die Bevölkerungsmehrheit von dieser Entwicklung profitieren wird, bleibt offen.

Wirtschaftsentwicklung: Landwirtschaft bleibt ökonomisches Rückgrat

Uganda kann 2018 mit einem Wirtschaftswachstum von 5,1 Prozent rechnen, prognostiziert die britische Economist Intelligence Unit (EIU). Das ist zwar mehr als im Subsahara-Afrika-Durchschnitt, jedoch viel zu wenig, um angesichts der schnell wachsenden Bevölkerung die weitverbreitete Armut zu lindern. Positiven Einfluss auf das Wirtschaftswachstum nehmen öffentliche, kreditfinanzierte Infrastrukturausgaben für Projekte im Strom- und Transportsektor sowie private Immobilienvorhaben. Eine verlässlichere Stromversorgung und verbesserte Transitlogistik in den Nachbarländern kann der Industrie Impulse geben. Die Fernmelde- und Finanzsektoren dürften sich fortgesetzt positiv entwickeln.

Die Landwirtschaft, die etwa ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet, erhält mehr Zugang zu leistungsfähigerem Saatgut, was die Nahrungsmittelversorgung und die Erzeugung von Cash Crops verbessert. Nach einem guten Agrarjahr 2017 mit einem realen Zuwachs von 6,3 Prozent werden für 2018 rund 4 Prozent erwartet und danach sogar 5,5 Prozent. Ugandas Landwirtschaft kann damit seine Bevölkerung besser ernähren - im regionalen Kontext ein bemerkenswerter Erfolg.

Unverändert groß bleibt das Thema "Aufnahme von Ölexporten". Dabei wird das Datum immer weiter nach hinten geschoben. Mit einer ersten nennenswerten Förderung wird nunmehr ab der zweiten Jahreshälfte 2021 gerechnet. Damit verbunden sind Investitionen, um die Förderung und den Abtransport des Öls zu realisieren (Ziel: 200.000 bis 230.000 Barrel am Tag). Die Aufnahme einer kommerziell lohnenden Ölförderung wäre für Uganda ein "Game Changer". Ob die erhofften Petro-Dollars dann allerdings für das Gemeinwohl verwendet werden, bleibt abzuwarten.

Im letzten Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International belegt Uganda Platz 151 von 180 Ländern. Und auch in anderen Indices macht Uganda keine gute Figur: So rangierte das Land im letzten "Fragile States Index" der privaten US-amerikanischen Denkfabrik Fund for Peace auf Platz 24 (von 178 untersuchten Ländern) und damit in einer Gruppe von Ländern, bei denen die Gefahr besteht, sich in einen gescheiterten Staat zu entwickeln (Platz 1: Südsudan; Platz 178: Finnland). Im letzten "Ease of Doing Business"-Index der Weltbank gibt es immerhin einen "ausreichenden" 122. Platz unter 190 Ländern, wenngleich weit hinter dem Nachbarn Kenia (Rang 80). Politisch bleibt alles wie gehabt: Das repressive Regime von Staatschef Yoweri Museveni hat das Land fest im Griff - trotz steigendem Unmut in der Bevölkerung und hoher Gewaltkriminalität.

MKT201807198008.14

Wirtschaftliche Eckdaten Ugandas
Indikator 2017 2018 *) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 27,1 27,4 3.686,7
BIP pro Kopf (US$) 631 619 44.595
Bevölkerung (Mio.) 42,9 44,3 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = x U.Sh. (Uganda-Schilling)) 3.611 3.796 -

*) Prognose

Quellen: EIU; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Hohe Risiken verlangen schnellen Return on Investment

Nach realen Investitionssteigerungen im Jahr 2017 von schätzungsweise 6,5 Prozent kann Uganda für 2018 und 2019 mit 5,8 beziehungsweise 5,5 Prozent rechnen, prognostiziert die EIU. Treibende Kräfte sind bislang Infrastrukturvorhaben und die Bauwirtschaft. Dabei profitiert letztere sowohl von öffentlichen Projekten als auch von der hohen Korruption im Land.

Zunehmende Investitionen dürfte es auch im Ölsektor geben, das Gros vermutlich 2020/21. Mit dem Bau der Exportpipeline soll noch 2018 begonnen werden, danach müssen Ölförder- und Tankanlagen gebaut werden. Dies wird vermutlich deutlich langsamer gehen als von der Regierung antizipiert. Auch die großartigen Pläne für eine eigene Raffinerie, geschweige denn einer eigenen Petrochemie-Industrie, werden sich nicht über Nacht realisieren lassen. Bevor die schwierigen Finanzierungshürden genommen werden können, muss erst einmal die Regierung die regulativen Rahmenbedingungen erarbeiten. Dabei ist es im Interesse der beteiligten Ölfirmen, so schnell wie möglich Geld zu verdienen, weil sie mit hohen Beträgen in Vorlage getreten sind und nun verständlicherweise das Länderrisiko verringern wollen.

Ausgewählte Großprojekte in Uganda
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Aufbau einer Ölproduktions-Infrastruktur Mehr als 10,0 Erarbeitung eines Masterplans. Gemeinschaftsvorhaben von Total, Tullow Oil und China National Offshore Oil Corp. (CNOOC). Tullow Oil Uganda-Büro: +233 302 742 200.
60.000-Barrel-am-Tag-Ölraffinerie; Bau in zwei Phasen 4,3 Wahl eines neuen Partners. Neuer Wunschpartner: Konsortium von GE (USA) und Saipem (Italien).
Rohölpipeline durch Tansania zum Indischen Ozean 3,6 Front End Engineering Design (FEED) abgeschlossen. Gemeinschaftsvorhaben von Total, Tullow Oil und CNOOC.
Bau einer Normalspureisenbahn von Malaba nach Kampala 2,3 Finanzierungsvertrag angeblich kurz vor dem Abschluss; Baubeginn noch offen. Auftragnehmer: China Harbour Engineering Co.
Isimba- und Karuma-Wasserkraftwerke (zusammen 788 MW) 2,1 Im Bau; Fertigstellung zweite Jahreshälfte 2018. Massive Baumängel. Finanzierung und Bauunternehmen aus China.
800-MW-Ayago-Wasserkraftwerk k.A. Absichtserklärung Wunschpartner: China.
Stromnetzausbau im Rahmen eines Sieben-Jahre-Plans 1,2 Finanzierung gesucht. Auftraggeber: Stromverteilungs-Monopolist Umeme.
95 km lange Autobahn zwischen Kampala und Jinja 1,1 Finanzierung gesucht. Uganda National Roads Authority (UNRA).

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/uganda, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Noch kein Geld für gehobene Konsumgüter

Der private Konsum wuchs 2017 um schätzungsweise 6 Prozent. Für 2018 und 2019 erwartet die EIU jeweils 5 Prozent. Der staatliche Verbrauch legte 2017 um 8 Prozent zu; für die beiden Folgejahre werden 7 beziehungsweise 8 Prozent erwartet. Als Nachfrager gehobener Konsumgüter kommen bislang nur die Oberschicht, das Diplomatencorps und Experten aus der Öl- und Entwicklungsindustrie in Frage.

Anders als in Kenia haben sich die neuen Shoppingcenter in der Hauptstadt Kampala nicht zu Kundenmagneten entwickelt, weil das Angebot von Importwaren zu teuer ist und es selbst der Mittelschicht an der nötigen Kaufkraft fehlt. Daran dürfte sich so schnell nichts ändern: Der gesamte Außenhandel muss über teure Landtransporte sowie über die wenig effizienten Häfen von Mombasa (Kenia) oder Dar es Salaam abgewickelt werden. Offen bleibt die Frage, wer eines Tages von den erhofften Petro-Dollars profitieren wird. Ist es nur eine kleine Oberschicht, dürften Nairobi und Dubai das Geschäft machen. Ist es eine breite Mittelschicht, könnte sich der Aufbau von modernen Shoppingcentern wie in Kenia lohnen. Die Inflation wird 2018 dank einer verbesserten Nahrungsmittelversorgung auf durchschnittlich etwa 2,8 Prozent sinken.

Außenhandel: Nennenswerte Erdölerlöse ab 2022

Die ugandischen Agrarexporte haben 2017 eine längere Schwächephase überwunden und dürften 2018 und in den Folgejahren auf einem vergleichsweise hohen Niveau bleiben. Wichtige Abnehmer sind Nachbarländer wie Kenia, Südsudan, Ruanda, die Demokratische Republik Kongo und Tansania. Sie gelten allerdings allesamt als schwierige Vertragspartner, weshalb politische Störungen jederzeit möglich sind. Uganda hat grundsätzlich das Potenzial, seine Agrarexporte weiter deutlich zu steigern, müsste hierfür aber erst infrastrukturelle und bürokratische Hindernisse beseitigen. Mit einem deutlichen Anstieg der Ausfuhr kann erst ab 2022 gerechnet werden, wenn die Ölexporte anlaufen.

Auf der Importseite wird es in den nächsten Jahren weiterhin zu einer verstärkten Lieferung von Kapitalgütern für Erdölförderung und -transport kommen. Zu den wichtigsten Lieferländern Ugandas zählen China, Indien und die VAE. Deutschland war 2017 das neuntwichtigste Lieferland mit einem Anteil an den Gesamtimporten von 2 Prozent. Nach den noch vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lieferte Deutschland 2017 für 106 Millionen Euro Waren nach Uganda, 11 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die deutschen Importe aus Uganda erreichten 2017 rund 105 Millionen Euro, ein Plus von 16 Prozent.

Außenhandel von Uganda (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe (fob) 4.424 5.036 13,8
Exporte (fob) 2.921 3.339 14,3
Handelsbilanzsaldo -1.503 -1.697 -

Quelle: EIU

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Uganda können Sie unter http://www.gtai.de/uganda abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Uganda Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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