Wirtschaftsausblick

03.12.2018

Wirtschaftsausblick - Ungarn

Inhalt

Nachlassende Wachstumsdynamik erwartet / Von Waldemar Lichter

Budapest (GTAI) - Ungarns Wirtschaftswachstum wird in den nächsten Jahren spürbar nachlassen. Der private Verbrauch bleibt jedoch robust. Auch die Importe wachsen.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum bleibt hoch, wird sich aber ab 2019 verlangsamen

Die ungarischen Wirtschaft hat ihre hohe Wachstumsdynamik auch 2018 beibehalten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm nach Angaben von Eurostat im 1. Quartal real um 4,8 Prozent und im 2. Quartal um 4,7 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode zu. Das Wachstum in Ungarn war damit deutlich höher als in der Europäischen Union (EU) (2,3 beziehungsweise 2,1 Prozent). Diese Ergebnisse sind der starken Inlandsnachfrage zu verdanken. Sie wird getragen vom robusten privaten Verbrauch und überdurchschnittlich wachsenden Investitionen.

Für das Gesamtjahr 2018 rechnet die Europäische Kommission mit einem hohen realen Plus von 4,3 Prozent. In den folgenden Jahren wird allerdings allgemein mit einer Abschwächung des BIP-Wachstums gerechnet. Die Einkommen der privaten Haushalte werden weniger stark wachsen, die Inflation nimmt zu. Der private Konsum wird in der Folge schwächer zulegen. Für die Investitionen, die in hohem Maße von den Zuflüssen von EU-Geldern abhängen, rechnen Experten mit einer deutlichen Abschwächung des Wachstums im Vergleich zu 2018.

Die Binnennachfrage wird also stark bleiben, während die Auslandsnachfrage das Wachstum weniger stark stützen wird. Die wichtigsten Risiken gehen vom steigenden Fachkräftemangel sowie von der unsicheren Entwicklung auf wichtigen Exportmärkten infolge des zunehmenden Protektionismus und des Brexit aus.

MKT201811308006.14

Wirtschaftliche Eckdaten Ungarns
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. Euro) 113,9 124,1 3.277,3
BIP pro Kopf (Euro) 11.600 12.700 39.649
Bevölkerung (Mio.) 9,8 9,8 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... Forint) 311,44 309,19 -

Quellen: Eurostat, Europäische Zentralbank, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Starker Anstieg befeuert durch EU-Transfers

Die Investitionen werden in den nächsten Jahren eine wichtige Stütze des ungarischen Wirtschaftswachstums bleiben. Die positive Entwicklung des Jahres 2017 wird in abgeschwächter Form auch 2018 und 2019 weitergehen. Die Europäische Kommission erwartet einen immer noch hohen realen Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen von 12,5 beziehungsweise 9,4 Prozent. Diese günstige Entwicklung ist auf die gute konjunkturelle Entwicklung und die verbesserten Aussichten der Unternehmen zurückzuführen.

Die Kapazitätsauslastung in der Industrie nimmt weiter zu. Sie erreichte im 4. Quartal 2018 mit 86,7 Prozent den höchsten Wert seit 2007. Die Unternehmen denken über Projekte zur Erweiterung ihrer Anlagen nach. Einen wesentlichen Beitrag zum Anstieg der Investitionen leisten aber auch die nach Ungarn fließenden EU-Gelder der Förderperiode 2014 bis 2020.

Ausgewählte Großprojekte Ungarn
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Bau des Kernkraftwerks PAKS 2 (zwei Blöcke a 1.200 MW brutto) 12.500; russischer Kredit von 10 Mrd. Euro Baubeginn Ende 2019 geplant, Inbetriebnahme 2026/27 vorgesehen Generalunternehmen: Rosatom-Tochter JSC ASE EC; Koordinierung durch Minister ohne Geschäftsbereich Janos Süli; http://www.paks2.hu/en/default.aspx
Modernisierung der Bahnstrecke Budapest-Belgrad Rund 2.000; ungarischer Abschnitt: 166 km Tender für den Hauptauftragnehmer im November 2017 veröffentlicht; bis Anfang 2018 zwei Interessenten - die Konsortien CRE und Strabag-CCCC 2018 Betrieb der Strecke durch das Joint Venture: Kinai-Magyar Vasuti Nonprofit Zrt; Finanzierung des Projektes zu 85% durch die Eximbank Chinas, 15% durch Ungarn
Errichtung eines neuen Automobilwerkes durch BMW in Debrecen Rund 1.000 Baubeginn voraussichtlich Mitte 2019, Produktionsstart 2023; Bau eines Logistik- und Containerterminals bis Ende 2021 Jahreskapazität: 150.000 Pkw; Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und Elektroantrieb
Bau eines neuen Mercedes-Werkes in Kecskemet Rund 1.000 Baubeginn 2018 Werk für flexible Produktion von Pkw mit Front- und Heckantrieb
Bau eines Werkes für Antriebsbatterien für Elektroautos SK Innovation (Korea Rep.): 310 Baubeginn März 2018 Jahreskapazität: Batterien mit einer Leistung von rund 7,5 GWh - für 250.000 Pkw

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Amtsblatt für öffentliche Ausschreibungen Közbeszerzési Értesíto: http://www.kozbeszerzes.hu/nyelvi-verziok/english/

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Steigende Einkommen treiben den privaten Verbrauch weiter an

Zum Wachstum der Konsumausgaben haben vor allem die steigenden Löhne und die günstige Lage am Arbeitsmarkt beigetragen. Für 2017 gibt das ungarische Statistikamt KSH den Anstieg der Brutto- und der Nettoverdienste mit 12,9 Prozent an. Im vorangegangenen Jahr waren es 6,1 beziehungsweise 7 Prozent. In den ersten acht Monaten 2018 belief sich die Zunahme auf 11,8 Prozent.

Die Arbeitslosenquote ging von 11,2 Prozent im Jahr 2010 beständig zurück und fiel im August 2018 auf das Allzeittief von 3,8 Prozent. Nach Angaben von Eurostat war das das viertbeste Ergebnis in der EU (6,7 Prozent) nach Deutschland, Polen und Tschechien. Kehrseite der günstigen Beschäftigungslage ist der zunehmende Facharbeitermangel im Land. Das bremst die Wachstumsdynamik der Wirtschaft und lässt die Realisierung mancher Investitionsprojekte fraglich erscheinen.

Außenhandel: Einfuhren legen stärker zu als die Ausfuhren

Die ungarischen Exporte steuern einen neuen Höchststand an. Nach Ausfuhren von über 100 Milliarden Euro im Jahr 2017 ist für 2018 ein neuer Rekord zu erwarten. Von Januar bis August 2018 nahmen die Exporte um 6 Prozent zu. Einer der wichtigsten Ausfuhrposten des Landes sind Straßenfahrzeuge. Das ist den hohen ausländischen Direktinvestitionen in dem Industriezweig zu verdanken. Deren Bedeutung für die ungarischen Exporte wird angesichts der zahlreichen neuen Investitionsvorhaben in der Branche (zum Beispiel das neue BMW-Werk in Debrecen) in den nächsten Jahren noch zunehmen. Auch die Importe legen kräftig zu. In den ersten acht Monaten des Jahres 2018 wuchsen sie um 7 Prozent. Der hohe Anstieg ist auf die gute konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen. Sie hat eine steigende Nachfrage zufolge, die zum großen Teil durch Bezüge aus dem Ausland gedeckt wird.

Außenhandel Ungarns (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 84.829 95.158 12,2
Exporte 92.990 100.752 8,3
Handelsbilanzsaldo 8.161 5.594 -

Quelle: Eurostat

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Ungarn

Dieser Artikel ist relevant für:

Ungarn Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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