Wirtschaftsausblick

09.05.2019

Wirtschaftsausblick - Uruguay (April 2019)

Inhalt

Regionale Krise bremst auch Uruguay aus / Von Judith Illerhaus

Bonn (GTAI) - Im Wahljahr sind die Prognosen für Uruguays Wirtschaft unsicher. Ein geplanter Anstieg der öffentlichen Investitionen bietet jedoch Chancen.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum verschiebt sich auf 2020

In Uruguay stehen im Oktober 2019 Präsidentschaftswahlen an. Aktuellen Umfragen zufolge liegt die Mitte-rechts Partei Partido Nacional nur knapp hinter dem aktuell regierenden Mitte-links Bündnis Frente Amplio. Die politische Unruhe und die abflauende Konjunktur des Nachbarlandes Argentinien übertragen sich auf die wirtschaftliche Entwicklung des kleinen Landes. Während der Internationale Währungsfonds (IWF) die Entwicklung des Bruttoinlandprodukts (BIP) für 2019 im Herbst 2018 noch auf +3,2 Prozent prognostizierte, korrigierte die Institution ihre Prognose im Frühjahr 2019 auf 1,9 Prozent.

In der zweiten Jahreshälfte 2018 sank das BIP-Wachstum im Vergleich zu den Vorquartalen um 0,1 Prozent. Grund der schwächeren Wirtschaftsleistung sind vor allem ein sinkendes Handelsvolumen sowie Rückgänge im verarbeitenden Gewerbe. Insbesondere die eingebrochenen Exporte nach Argentinien und Brasilien

wirken sich negativ auf Uruguays Leistungsbilanz aus. Nach China sind sie die wichtigsten Absatzmärkte. Niedrige Agrarexporte aufgrund einer Dürre, schwache Investitionen und sinkende Beschäftigungszahlen sind darüber hinaus Gründe, die zu einer negativen Leistungsbilanz geführt haben.

Als kleine offene Volkswirtschaft ist Uruguay anfällig für Veränderungen der globalen Konjunktur und regionale Ansteckungseffekte. Dennoch präsentierte sich Uruguays Wirtschaft und Finanzsektor im Vergleich zu seinen großen Nachbarn 2018 robust. Das Land profitiert heute von einem stabilen Bankensystem mit ausreichenden Reserven, einer soliden Wirtschaftspolitik und zuverlässigen Institutionen. Durch das schwierige externe Umfeld der Nachbarstaaten und eine wirtschaftliche Abschwächung in China sind die Prognosen für 2019 unsicher.

MKT201905088001.14

Wirtschaftliche Eckdaten Uruguays
Indikator 2017 2018 *) Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 59,2 60,2 4.001,5
BIP pro Kopf (US$) 16.942 1) 17.165 48.269
Bevölkerung (Mio.) 3,49 1) 3,51 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ? Uruguayischer Peso (urug$)) 28,13 30,73 -

*) Schätzung

Quellen: IWF; Banco Central del Uruguay; Destatis

Investitionen: Starker Anstieg öffentlicher Investitionen geplant

Die Investitionen sollen in den kommenden Jahren kräftig steigen: Die Economist Intelligence Unit (EIU) prognostiziert für 2019 einen Zuwachs von 5,5 Prozent. Allerdings lag der Anteil der Investitionen am BIP 2018 laut IWF lediglich bei 18 Prozent. Die besonders stark ansteigenden öffentlichen Investitionen können die geringen privaten Engagements ausgleichen. Für die Zukunft sind vor allem öffentlich-private Partnerschaften (PPP) geplant, um die zahlreichen Infrastrukturprojekte umzusetzen, unter anderem den Bau einer Eisenbahnlinie. Darüber hinaus sieht die Regierung größere Investitionen im Bildungssektor vor, um den Anforderungen eines technologiegetriebenen Arbeitsmarkts begegnen zu können.

Grundsätzlich gilt Uruguay als Magnet für ausländische Direktinvestitionen im lateinamerikanischen Raum. Zwar haben die Investitionen in den letzten Jahren leicht abgenommen, doch zahlreiche Infrastrukturprojekte sowie der Bau einer weiteren großen Zellulosefabrik im Land werden als Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung gehandelt. 2016 lagen die deutschen Direktinvestitionen im Land bei 598 Millionen Euro.

Ausgewählte Großprojekte in Uruguay
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Errichtung einer weiteren Zellulosefabrik des finnischen Unternehmens UPM, in der Nähe von Paso de los Toros (Durazno) Ca. 2.200 2017 unterzeichneten UPM und die uruguayische Regierung eine Investitionsvereinbarung; zeitlicher Horizont ist unklar Die Regierung verpflichtete sich, die infrastrukturellen Voraussetzungen für die Fabrik zu errichten (u.a. die Errichtung einer zentralen Eisenbahnlinie); Widerstand in der Bevölkerung ist groß; info@upm.com
Errichtung einer zentralen Eisenbahnlinie zwischen Montevideo und Paso de los Toros (273km) 825 2019: Baugenehmigungen sind erteilt; Bauphase soll 07/2021 beendet sein Bauherr: Grupo Vía Central http://www.saceem.com/index.php
Río Negro Wasserkraftwerk, Soriano 170 Seit 2013 befindet sich das Projekt in der Planung; Weiterführung unsicher Projektplanung bei UTE: Jorge Cabrera jcabrera@ute.com.uy
Errichtung einer Müllentsorgungsanlage, Canelones 50 Ausschreibung erfolgte 2017; Umweltaufsichtsbehörde hat Verlegung des Standortes angeordert (Jan 2019), daher aktuell erneute Studien notwendig Bauherr: Consorcio Aborgama HYPERLINK "http://www.aborgama.com/"http://www.aborgama.com
Umwandlung eines bestehenden Hafens in einen Tiefwasserhafen, Rocha 1.000 In Planung seit 2011; aktuell werden Machbarkeitsstudien durchgeführt; Bauphase soll 2025 beendet sein Verkehrsministerium http://www.mtop.gub.uy

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/uruguay, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Keine treibende Kraft für die wirtschaftliche Entwicklung

Der Konsum galt lange Zeit als Antrieb des wirtschaftlichen Aufschwungs Uruguays. Doch der Abbau von Arbeitsplätzen und eine Reduzierung der Reallöhne haben zuletzt zu einem immer weiter sinkenden Verbrauch geführt. Darüber hinaus liegt das Verbrauchervertrauen seit August 2018 im negativen Bereich und schwächt damit den privaten Konsum. Grund hierfür sind die hohe Inflation von aktuell 7,5 Prozent und der schwächelnde Peso.

Die Arbeitslosigkeit soll 2019 auf rund 7,4 Prozent sinken und die Reallöhne dürften wieder steigen, so Schätzungen der EIU. Daher gehen die EIU-Prognosen für die Jahre 2019 bis 2023 von einem durchschnittlichem Wachstum des Konsums von 3 Prozent aus. Uruguays BIP pro Kopf ist das höchste im lateinamerikanischen Vergleich.

Außenhandel: Deutschland unter den Top 10 der Handelspartner

Das Leistungsbilanzdefizit wird von 2019 bis 2023 voraussichtlich leicht ansteigen. Grund hierfür sind einerseits die schwierigen Handelsbedingungen sowie steigende Importe. Dennoch bleibt es überschaubar und wird vor allem durch die ausländischen Direktinvestitionen abgedeckt werden können.

Nach der großen Krise 2002 hat Uruguay seinen Außenhandel diversifiziert und auf neue Handelspartner gesetzt. China ist gegenwärtig Uruguays wichtigster Handelspartner. Deutsche Exporte nach Uruguay sind von 2017 auf 2018 um 9,2 Prozent gesunken. Im Jahr 2018 importierte Uruguay deutsche Waren im Wert von 227,5 Millionen Euro.

Deutschland liefert vor allem Chemische Erzeugnisse (36 Prozent), Maschinen (27 Prozent) und Kfz und -Teile (10 Prozent). Knapp 57 Prozent der uruguayischen Exporte an Deutschland sind Rohstoffe (außer Brennstoffe). An zweiter Stelle folgen Nahrungsmittel mit 36 Prozent.

Außenhandel Uruguays (in Mio. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 1) 8.478 8.950 5,6
Exporte 2) 7.820 7.492 -4,2
Handelsbilanzsaldo -658 -1.458 -

1) cif; 2) fob

Quelle: Cámara de Industrias del Uruguay

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.gtai.de/Uruguay

Dieser Artikel ist relevant für:

Uruguay Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

Funktionen

Kontakt

Judith Illerhaus

‎+49 228 24 993 248

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche