Wirtschaftsausblick

23.05.2019

Wirtschaftsausblick - USA (Mai 2019)

Inhalt

Handelskonflikte beeinträchtigen Außenwirtschaft / Von Ullrich Umann

Washington, D.C. (GTAI) - Die US-Wirtschaft steht im internationalen Vergleich äußerst gut da. Doch lassen Konsum und Investitionen als Wachstumstreiber nach.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstumsschwäche nach starkem Start

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) expandierte im 1. Quartal 2019 mit real 3,2 Prozent auf vergleichbarer Vorjahresbasis unerwartet stark. Die entscheidenden Wachstumsbeiträge lieferten dafür die Außenwirtschaft sowie die Aufstockung der Lagerbestände. Dass diese Wachstumsdynamik bis Jahresende anhält, gilt aber als unwahrscheinlich, zumal sich Konsum und die Investitionen schwächer als im Vorjahr entwickeln.

MKT201905228001.14

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hält an seiner Prognose fest, wonach das BIP 2019 um real 2,3 Prozent wachsen wird, nach 2,9 Prozent im Vorjahr. Die Blue Chip Economic Indicators (Konsenswert aus über 50 Einzelprognosen) gehen von einem Wachstum von 2,6 Prozent aus. Im Folgejahr sinkt dieser Wert weiter auf 1,9 Prozent.

Der IWF hat schon unmittelbar nach Verkündung der US-Steuerreform Ende 2017 darauf hingewiesen, dass deren wirtschaftsfördernde Wirkung bis 2020 graduell nachlassen würde. Selbst im wachstumsstarken 1. Quartal 2019 entwickelte sich die Inlandsnachfrage nach Dienstleistungen und Gütern schwächer als im analogen Vorjahreszeitraum.

Wachstumsimpulse aus dem Ausland sind bei der gegenwärtig schwächelnden Weltwirtschaft ebenfalls keine zu erwarten. Die US-Handelspolitik sowie der starke Außenwert des US-Dollars konterkarieren die Exportbemühungen amerikanischer Unternehmen zusätzlich.

Wirtschaftliche Eckdaten USA
Indikator 2018 2019 1) Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 20.494 21.345 4.002
BIP pro Kopf (US$) 62.606 64.767 48.269
Bevölkerung (Mio.) 327,4 329,6 83
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro/US$ = US$) 1,1817 1,1234 2) -

1) Prognosen; 2) Durchschnittskurs April 2019

Quellen: Internationaler Währungsfonds (IWF), Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt Wiesbaden

Investitionen: Rückläufige Entwicklung auf hohem Niveau

Im verarbeitenden Gewerbe überschritten die Investitionen im September 2018 ihren vorläufigen Höhepunkt und wachsen seither weniger stark. Zur gedämpften Stimmung in der Industrie beigetragen haben unter anderem die Handelskonflikte mit wichtigen Wirtschaftspartnern in Asien, Europa und auf dem amerikanischen Kontinent.

Sonderzölle sowie die Ungewissheit, wie sich die abgabenrechtlichen und handelspolitischen Rahmenbedingungen kurz- bis mittelfristig weiterentwickeln, verunsichern insbesondere Großinvestoren, die grenzüberschreitende Liefer- und Abnahmeverpflichtungen in ihren Planungen zu berücksichtigen haben.

Punktuell kann der aktuell gravierende Fachkräftemangel Investitionen aber regelrecht erzwingen: Offene Stellen, für die kein Personal zu finden ist, werden in einigen Industrie- und Dienstleistungsbranchen durch den Einsatz von Automatisierungs- und Robotertechnik, vereinzelt unter Nutzung künstlicher Intelligenz, wegrationalisiert.

Ausgewählte Großprojekte in den USA

Projektbezeichnung Investitionssumme in Mrd. US$ Projektstand Anmerkung
Ausbau eines Export-Terminals für LNG am Standort Sabine Pass (Texas) 10,0 Planung Exxon Mobile zusammen mit Qatar Petroleum http://www.goldenpassproducts.com/assets/GPLNGFSFID2019.pdf
Rechenzentren, Serverfarmen, Labor- und Büroflächen, Google, Mountain View, Kalifornien 13,0 Planung angelaufen Nachfolgeprojekte für Nevada, Texas, Oklahoma, Nebraska, Ohio, South Carolina und Virginia angekündigt http://www.nnbusinessview.com/news/google-to-invest-13-billion-in-data-centers-including-in-nevada/
Stadtteil City Place, Los Angeles County Metropolitan Transportation Authority, Santa Clara, Kalifornien 6,5 Planung angelaufen, Baustart 2020 Bau von Wohn-, Handels- und Bürofläche nebst Freizeit- und Bewirtungseinrichtungen http://www.keystonedg.com/projects/city-place/
Montagewerk Fiat Chrysler, Detroit, Michigan 4,5 Planung angelaufen Schaffung von 6.500 Arbeitsplätzen http://www.motor1.com/news/307016/fca-investing-michigan-plant-detroit/
Einkaufsmall American Dream, Triple Five Developer, Miami, Forida 4,0 Planung angelaufen http://www.miamitodaynews.com/2019/02/19/american-dream-mall-waits-on-canadian-developer/
Stahlwerk, Nucor Corp.; Brandenburg, Kentucky 1,3 Eröffnung 2022 Kapazität wird 1,2 Mio. Jato betragen; 400 Arbeitsplätze, http://www.nucor.com/news-release#item=2392550
Apple Campus, Apple Computer Inc., Austin, Texas 1,0 Planung angelaufen 5.000 Beschäftigte erhalten Büro- und Laborfläche http://www.apple.com/newsroom/2018/12/apple-to-build-new-campus-in-austin-and-add-jobs-across-the-us/
Ausbau des Hampton Roads Bridge Tunnels (HRBT), Norfolk (Virginia) 4,0 Planung The Hampton Roads Transportation Accountability Commission http://www.hrbtexpansion.org
Modernisierung des Wasserreservoirs am Standort Yonkers (New York) 3,0 Planung Projektlaufzeit beträgt 30 Jahre http://www.enr.com/articles/46532-in-consent-decree-nyc-agrees-to-nearly-3b-in-reservoir-projects
Bau der Hochspannungsleitung "Grain Belt Express transmission";Wind Energy Power Line von Kansas über Missouri und Illinois, mit Anschluss an ein Stromnetz in Indiana 2,3 Genehmigung erteilt, Fertigstellung bis 2024 Missouri Public Service Commission, Windenergie soll aus dem Mittleren Westen in ein Stromnetz für die östlichen Bundesstaaten fließen (1.255 Kilometer Länge) http://www.grainbeltexpresscleanline.com/site/home
Modernisierung und Bau von Abwassersystemen, Houston (Texas) Einzelvorhaben von bis zu 0,2 Fertigstellung bis 2022 Paket aus 20 Einzelvorhaben HYPERLINK "http://www./" http://www.houstontx.gov/cip/18cipadopt/wastewater.pdf

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Konsum: Neuer Preisauftrieb unausweichlich

Der Konsum hat sich im 1. Quartal 2019 mit einem Zuwachs von 1,3 Prozent auf vergleichbarer Vorjahresbasis relativ schwach entwickelt - im 4. Quartal 2018 stand der Wert noch bei 2,6 Prozent. Zumindest der März hatte mit einem Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat das Quartalsergebnis noch etwas aufgebessert, nach 0,1 Prozent im Februar. Gestiegen waren zum Quartalsende hin die Zahl der Autokäufe sowie die privaten Ausgaben zur Gesundheitsfürsorge.

Im 2. Quartal dürfte ebenfalls ein durchmischtes Ergebnis erreicht werden: Zwar sank die Arbeitslosigkeit im April auf 3,6 Prozent, und damit auf den niedrigsten Stand seit 49 Jahren, wogegen die Durchschnittseinkommen um 3,2 Prozent im Vorjahresvergleich zulegten. Der Index für das Verbrauchervertrauen des Conference Board stieg daraufhin im April auf 129,2 Punkte, nachdem er im März zurückgegangen war.

Doch erreichte der Handelskonflikt mit China im Mai eine neue Ebene: So gelten seit dem 10.5.2019 Sonderzölle von 25 Prozent statt der bisherigen 10 Prozent auf Waren mit Ursprung in China im Wert von 200 Milliarden US$, darunter Konsumgüterimporte im Wert von 40 Milliarden US$. Diese waren von den schon bestehenden Zusatzabgaben kaum betroffen. Die Ausweitung der Sonderzölle werden daher zum Teil amerikanische Konsumenten in Form steigender Einzelhandelspreise zu zahlen haben.

Außenhandel: Handelskonflikte behindern Aufschwung

Der Beitrag der Außenwirtschaft zum BIP-Wachstum fiel im 1. Quartal höher als erwartet aus. So ging im Januar der Import von Waren und Dienstleistungen auf Monatsbasis um 2,6 Prozent zurück, wogegen der Export um knapp 1 Prozent angezogen hatte.

Der Fehlbetrag im Waren- und Dienstleistungsaustausch mit dem Ausland summierte sich im 1. Quartal 2019 auf 150,4 Milliarden US$, was einen Rückgang um 3,7 Prozent gegenüber dem 1. Quartal 2018 beziehungsweise um 9,9 Prozent gegenüber dem 4. Quartal 2018 darstellte. Im Gesamtjahr 2018 lag das Defizit bei 622 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 12,6 Prozent im Vorjahresvergleich.

US-Sonderzölle sowie die chinesischen Vergeltungsmaßnahmen treffen auch deutsche Firmenniederlassungen in den USA, darunter BMW und Mercedes. Innerhalb der US-Unternehmen werden vor allem Hersteller von Baumaschinen und Agrartechnik Ausfuhreinbußen zu verkraften haben. Besonders hart trifft der Handelskonflikt aber die US-Agrarexporte - ein Teil der Landwirte hat Konkursschutz beantragt. Inzwischen ist sogar die Halbleiterbranche betroffen, von einem US-Lieferverbot an den großen Hersteller von Telekommunikationstechnik Huawei.

Außenhandel der USA (in Mio. US$; Veränderung in Prozent) *)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 2.341.963 2.542.733 8,6
Exporte 1.546.273 1.664.056 7,6
Handelsbilanzsaldo -795.690 -878.678

*) Warenhandel

Quelle: U.S Department of Commerce; U.S. International Trade Commission

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/USA

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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