Wirtschaftsausblick

09.05.2019

Wirtschaftsausblick - Usbekistan (April 2019)

Inhalt

Fortschreitende Marktliberalisierung und zahlreiche neue Projekte versprechen wachsende Geschäftschancen / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Usbekistan treibt Wirtschaftsreformen und Marktöffnung mit Nachdruck voran. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2019 um bis zu 5,5 Prozent zulegen.

Wirtschaftsentwicklung: Reformen und Investitionen bleiben Haupttriebkräfte

Die mittelfristigen Aussichten für ein solides Wirtschaftswachstum sind gut. Der Internationale Währungsfonds und die Weltbank prognostizieren für 2019 ein Plus von jeweils 5,5 Prozent. Für 2020 ist ein Zuwachs von bis zu 6 Prozent realistisch. Es sind vor allem zwei Faktoren, die hinter der Prognose stehen: die Reformen hin zu mehr Liberalisierung und Marktöffnung sowie das rege Investitionsgeschehen.

Der von der Regierung 2017 eingeleitete Reformkurs trägt erste Früchte. Die geschäftlichen Rahmenbedingungen im Land haben sich spürbar verbessert. Indikatoren hierfür gibt es viele. So wurden 2018 rund 2.400 neue Firmen mit einer teilweisen oder 100%igen ausländischen Kapitalbeteiligung registriert - gegenüber nur 863 im Vorjahr. Im Jahresverlauf 2018 haben ausländische Firmen mit usbekischen Partnern Vereinbarungen über die mögliche Realisierung von Projekten im Wert von 58 Milliarden US-Dollar (US$) geschlossen. Allein die Umsetzung eines Drittels der Vorhaben würde der usbekischen Wirtschaft enormen Schub verleihen.

Bei aller Euphorie für die unbestritten bemerkenswerten Wirtschaftsreformen ist darauf hinzuweisen, dass sich viele Reformen noch am Anfang befinden oder bisher nicht konsequent umgesetzt werden. Neue Gesetze stehen nicht selten im Widerspruch zu älteren, bislang nicht außer Kraft gesetzten Regelungen. Zahlreiche neue oder umstrukturierte öffentliche Institutionen sind noch in der Findungsphase, was sich in einer mangelnden Entscheidungsfreudigkeit bezüglich neuer Projekte oder Ausschreibungen niederschlägt.

Trotz der großen Herausforderungen auf dem Weg zu Liberalisierung, Privatisierung und Marktöffnung, lohnt sich schon heute ein näherer Blick auf das große Geschäftspotenzial des Landes. Zahlreiche Projekte in allen Branchen bieten eine Fülle von Liefer- und Kooperationschancen.

MKT201905088003.14

Wirtschaftliche Eckdaten Usbekistans
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 58,4 (37,4) 1) 50,5 3.999
BIP pro Kopf (US$) 1.803,8 (1.155,8) 1) 1.532,2 48.246
Bevölkerung (31.12.; Mio.) 32,7 33,3 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Usbekistan-Sum) 5.178,37 (8.081,46) 2) 8.070,28 -

1) Angaben in Klammern: BIP beziehungsweise BIP pro Kopf bewertet zum durchschnittlichen Wechselkurs nach der Devisenliberalisierung (05.09. bis 31.12.2017); 2) durchschnittlicher Wechselkurs nach der Angleichung des offiziellen Kurses an den in etwa doppelt so hohen Parallelkurs (Mittelwert der offiziellen wöchentlichen Wechselkurse im Zeitraum 05.09. bis 31.12.2017)

Quellen: Staatliches Komitee für Statistik Usbekistans; Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank (Devisenkurse), Berechnungen von Germany Trade & Invest

Investitionen: Hohe Investitionsneigung nach mehrjähriger Flaute

Rege Investitionen zählen zu den Hauptmotoren des Aufschwungs. Für 2019 prognostiziert die Regierung eine reale Steigerung der Bruttoanlageinvestitionen von 16 Prozent auf etwa 17 Milliarden US$. Der erwartete Zuwachs basiert auf einer Wiederbelebung der ausländischen Direktinvestitionen (einschließlich direkt vergebener ausländischer Kredite), einem weiteren signifikanten Wachstum des Kreditgewerbes und zahlreichen eigenfinanzierten Projekten der Unternehmen. Allein die im Rahmen staatlicher Entwicklungsprogramme für verschiedene Industriezweige realisierten Investitionen erreichen 2019 voraussichtlich 8 Milliarden US$.

Der Gesamtwert der Investitionen in Usbekistan ist zwar immer noch niedrig, aber zwei Trends sind besonders positiv: Das Land weist eine hohe Investitionsquote auf (Anteil der Bruttoanlageinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt). Diese wird 2019 voraussichtlich auf bis zu 29 Prozent steigen, gegenüber 26 Prozent im Vorjahr. Beachtliche zwei Fünftel des insgesamt investierten Kapitals dürften 2019 auf Maschinen, Ausrüstungen und Inventar entfallen (wie schon 2018).

Ausgewählte Großprojekte in Usbekistan
Projektbezeichnung Investition (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Werk für synthetische Kraftstoffe aus gereinigtem Methan nahe Karschi (Verarbeitung von jährlich bis zu 3,6 Mrd. cbm Gas zu 1,5 Mio. t Kraftstoffen der Euro-Norm 5, 743.000 t Dieselkraftstoff, 311.000 t Kerosin und anderen Produkten) 3.600 Realisierung: 2018 bis 2021 O´zbekneftgaz/Uzbekistan GTL (http://www.uzneftegaz.uz, Kofinanzierung durch ausländische Banken (2,3 Milliarden US$)
Stadtentwicklungsprojekt "Smart City" in der Region Taschkent 2.500 Projekt in einer frühen Vorbereitungsphase Universal Success Enterprises (Singapur; http://www.usel.biz)
Modernisierungsprogramm des Bergbau- und Hüttenkombinats Almalyk (Erzförderung, Kupfer- und Zinkproduktion) mindestens 2.000 Realisierung: 2019 bis 2022/2023 Kombinat AGMK (http://www.agmk.uz), Interim-Management: SFI Management Group (office@sfi.uz)
Programm zum Ausbau der Förderung von Öl und Gas (Investitionen in neue Bohrlöcher und die Beschaffung von Maschinen und Ausrüstungen) etwa 2.000 (2. Phase) Realisierung: 2020 bis 2021/2022 Auftraggeber: O´zbekneftgaz (http://www.uzneftegaz.uz), Natural GAZ-Stream (Usbekistan, Schweiz, Russland), ausländische Kooperationspartner
Stadtentwicklungsprojekt Internationales Handelszentrum Tashkent City (80 ha, Büro, Handel, Hotels, Wohnungen) 1.300 Realisierung: 2018 bis 2020/21 Stadtverwaltung Taschkent (http://www.tashkent.uz), Finanzierung durch neun usbekische und drei ausländische Investoren (Deutschland, Vereinigtes Königreich, Südkorea)
Anlage für die Förderung, Aufbereitung und Verhüttung von Titan-Magnesiumerzen der Lagerstätte Tebinbulak, Karakalpakstan (jährliche Kapazität: 1,5 Mio. t Roheisen und bis zu 1 Mio. t Stahlerzeugnisse) etwa 1.500 Projekt in Vorbereitung (Studien) O´zbekiston Temir Yo´llari (Usbekische Eisenbahnen, http://www.railway.uz)
Ausbau des Kraftwerks Talimardzhan auf 2.600 MW (2 GuD-Blöcke mit insgesamt 900 MW), Nuriston (Region Kaschkadarja) etwa 1.000 Realisierung: 2019 bis 2023 O´zbekenergo AJ (www.uzbekenergo), Kofinanzierung durch ADB und EBRD
Ausbau des Gaschemiekomplexes Schurtan (Produktion von jährlich 280.000 t Polyethylen und 100.000 t Polypropylen) 1.000 Realisierung: 2018 bis 2020/21 Gaschemiekomplex Schurtan (Teil der Holding Uzbekneftegaz, http://www.sgcc.uz), Kofinanzierung durch Gazprombank (Russland)
Produktion von jährlich 400.000 t Ammoniak und 600.000 t Harnstoff, Region Syrdarjy 600 Realisierung: 2019 bis 2021/2222 O´zkimyosanot AJ (http://www.uzkimyosanoat.uz), Technologiepartner: Samsung Engineering
Errichtung eines Textilclusters (Verarbeitung von Baumwollfasern zu Halb- und Fertigwaren) 340 Projekt in Vorbereitung; Realisierung: 2019 bis 2023 Investor: Indorama (Singapur; http://www.indorama.com)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/usbekistan, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Privatausgaben trotz realer Zuwächse immer noch niedrig

Die generelle Marktöffnung, reale Einkommenszuwächse (2018: +8,4%) und anhaltend massive private Geldtransfers der im Ausland tätigen usbekischen Gastarbeiter (Gesamtzufluss 2018: 5,1 Milliarden US$) führen zu steigenden Einzelhandelsumsätzen. Diese legten 2018 um 5,5 Prozent auf umgerechnet 16,3 Milliarden US$ zu. Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben im Handel bewegen sich jedoch mit rund 500 US$ weiterhin auf einem sehr bescheidenen Niveau. Die Einwohner der Hauptstadt Taschkent gaben 2018 im Schnitt fast 1.500 US$ aus.

Bei der Bewertung dieser Angaben ist zu beachten, dass ein erheblicher Teil des tertiären Sektors informellen Charakter hat und somit der Schattenwirtschaft zuzurechnen ist. Generell lassen sich im Einzelhandel positive Trends beobachten: die Eröffnung vieler neuer Geschäfte, ein wachsendes Interesse an Einkäufen in Shoppingzentren und Supermärkten sowie eine deutliche Ausweitung des Produktangebotes. Auf die Hauptstadt Taschkent entfallen 22 Prozent des landesweiten Umsatzes und gut ein Drittel des Absatzes von Importgütern.

Außenhandel: Importe von Investitionsgütern steigen kräftig

Die Liberalisierung des Devisen- und Außenhandels sowie rege Investitionen treiben den Außenhandel an. Die Importe stiegen 2018 um fast 40 Prozent auf 19,6 Milliarden US$. Hauptlieferländer waren China (3,6 Milliarden US$), Russland (3,5 Milliarden US$) und Südkorea (2 Milliarden US$). Die Einfuhren von Maschinen und Ausrüstungen inklusive Zubehör und Ersatzteile legten um 42,5 Prozent auf 8,3 Milliarden US$ zu. Deutschland war in dieser Warengruppe mit 0,6 Milliarden US$ Hauptlieferant unter den Ländern der Europäischen Union. Angesichts neuer Investitionsprojekte dürfte der Warenimport 2019 um ein Viertel und mehr zunehmen.

Das Exportgeschäft ist noch wenig diversifiziert. Auf Gold und Energieträger (vor allem Gas) entfielen 2018 zwei Fünftel der Ausfuhren. In Warengruppen wie Textil-, Obst- und Gemüseerzeugnissen erzielte Usbekistan deutliche Zuwächse. Hauptausfuhrländer waren China (2,9 Milliarden US$), Russland (2,2 Milliarden US$) und Kasachstan (1,5 Milliarden US$). Für 2019 erwarten die internationalen Geberbanken ein Exportplus von mindestens 10 Prozent. Die Regierung Usbekistans peilt eine Steigerung der Ausfuhren um ambitionierte 26 Prozent auf 18 Milliarden US$ an.

Außenhandel Usbekistans (in Millionen US$; nominale Veränderung in %)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe (Waren und Dienstleistungen) 14.012 19.557 39,6
Exporte (Waren und Dienstleistungen) 12.554 14.258 13,6
Handelsbilanzsaldo -1.458 -5.299 -

Quelle: Staatliches Statistikkomitee

Weitere Informationen zu Usbekistan (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/usbekistan

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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