Wirtschaftsausblick

20.11.2018

Wirtschaftsausblick - Usbekistan (November 2018)

Inhalt

Usbekische Wirtschaft profitiert von Marktöffnung und Reformen / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Das Wirtschaftswachstum stockt. Trotzdem ist Usbekistan für Investoren interessant: Das Land hat seine Märkte geöffnet und setzt nun auf Privatwirtschaft statt auf Kontrolle.

Wirtschaftsentwicklung: Reformen und Vorhaben stimulieren Wachstum

Usbekistans Wirtschaft wird im Jahr 2019 real um etwa 5 Prozent wachsen, erwarten die usbekische Regierung und internationale Beobachter. Neue Industrie- und Bauprojekte und die Sektoren Transport, Handel und Landwirtschaft treiben das Wachstum an. Unwägbar bleibt der sich stark verändernde institutionelle Rahmen. Die leichte Währungsabwertung und die restriktive Geldpolitik der Zentralbank zur Bekämpfung der Inflation dämpfen ursprünglich höhere Wachstumsprognosen von etwa 6 Prozent.

Liberalisierung, mehr unternehmerische Freiheit, deregulierte Branchen und die Marktöffnung bieten eine solide Grundlage für das angepeilte Wachstum. Allerdings sind Rückschläge als Folge inkonsequent umgesetzter Reformen, ineffizienter neuer Institutionen und unklarer oder sich widersprechender Gesetze nicht auszuschließen.

Dank seiner großen Liberalisierungs- und Reformwelle gelangt Usbekistan zu Recht stärker in das Blickfeld der ausländischen Geschäftswelt. Die Ergebnisse der ersten acht Monate 2018 können sich sehen lassen: Geplant sind insgesamt 849 neue Projekte mit einem Wert von 64 Milliarden US-Dollar (US$), davon 182 Vorhaben mit ausländischen Partnern im Umfang von 17 Milliarden US$. Die Regierung zählte von Januar bis August 2018 1.396 Firmengründungen mit teilweise oder mit 100-prozentigem ausländischen Kapital, 912 mehr als in der in der Vorjahresperiode.

Vor allem drei Faktoren sind für die Konjunkturdynamik in den kommenden Jahren ausschlaggebend: die Verbesserung des unternehmerischen Umfelds für die Privatwirtschaft, die Neuausrichtung der staatlichen Industrievereinigungen weg von Planung und Kontrolle hin zu mehr Regulierung und nicht zuletzt die noch ausstehende Umstrukturierung der großen Staatsbetriebe. Die Reformfortschritte lassen erwarten, dass neue zentrale und regionale Investitions- und Branchenprogramme und zahlreiche mit ausländischen Partnern vereinbarte Projekte erfolgreich umgesetzt werden.

MKT201811198009.14

Wirtschaftliche Eckdaten Usbekistans
Indikator 2016 2017 2018 3) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 67,3 49,1 (31,4) 1) 30,5 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 2.111,6 1.514,7 (970,68) 1) 928,1 44.791
Bevölkerung (31.12.; Mio.) 32,1 32,7 33,1 4) 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Usbekistan-Sum) 2.973,82 5.178,37 (8.081,46) 2) 8.009,18 5) -

1) Angaben in Klammern: Bruttoinlandsprodukt (BIP) beziehungsweise BIP pro Kopf bewertet zum durchschnittlichen Wechselkurs nach der Devisenliberalisierung (5. September 2017 bis 31. Dezember 2017); 2) durchschnittlicher Wechselkurs nach Angleichung des offiziellen Kurses an den in etwa doppelt so hohen Parallelkurs (Mittelwert der offiziellen wöchentlichen Wechselkurse im Zeitraum 5. September 2017 bis 31. Dezember 2017); 3) Januar bis September; 4) 30. September 2018; 5) durchschnittlicher Kurs für Januar bis September (Mittelwert der monatlichen Durchschnittskurse)

Quellen: Staatliches Komitee für Statistik Usbekistans; Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank (Devisenkurse), Berechnungen von Germany Trade & Invest

Investitionen: Marktöffnung zieht Investitionen an

Die Bruttoanlageinvestitionen, bemessen in US-Dollar, waren 2014 bis 2017 rückläufig. Die deutlich verbesserten Investitionsbedingungen lassen ab 2018 wieder Zuwächse erwarten. Bereits in den ersten neun Monaten 2018 überstiegen die Kapitalanlagen mit 8,9 Milliarden US$ die Investitionen des gesamten Vorjahrs (8,5 Milliarden US$). Die wertmäßigen Anlagen sind angesichts des Investitionspotenzials noch gering. Doch der Anteil der Bruttoanlagen am Bruttoinlandsprodukt kann sich mit 29,1 Prozent sehen lassen. Zwei Fünftel des investierten Kapitals entfallen auf Maschinen, Ausrüstungen und Inventar.

Die günstigen Aussichten auf ein weiteres reales Wachstum werden durch bereitgestellte Kredite internationaler Geberbanken in Milliardenhöhe und zahlreiche Kreditzusagen ausländischer Geschäftsbanken untermauert. Diese Finanzierungshilfen fließen vorrangig in die Sektoren Energie, Wasser/Abwasser, Bewässerung, Ernährungswirtschaft, Transportinfrastruktur, Stadtentwicklung und Wohnungsbau.

Ausgewählte Großprojekte in Usbekistan
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Programm für die ausgebaute Förderung von Kohlenwasserstoffen (Investitionen in neue Bohrlöcher und die Beschaffung von Maschinen und Ausrüstungen) 3.900 (1. Phase bis 2019: 2.000) Realisierung: 2017 bis 2021 1. Phase -Auftraggeber: O´zbekneftgaz (http://www.uzneftegaz.uz), Natural GAZ-Stream (Usbekistan, Schweiz/Russland), Auftragnehmer: ERIELL Oilfield Services Middle East DMCC, VAE; Kofinanzierung durch ausländische Kredite (über 1,5 Mrd. US$)
Werk für synthetische Kraftstoffe aus gereinigtem Methan nahe Karschi (jährliche Verarbeitung von bis zu 3,6 Mrd. cbm Gas zu 1,5 Mio. t Kraftstoffen der Euro-Norm 5, 743.000 t Dieselkraftstoff, 311.000 t Kerosin und anderen Produkten) mindestens 2.400 Realisierung: 2018 bis 2021 O´zbekneftgaz/Uzbekistan GTL (http://www.uzneftegaz.uz), Ende Oktober 2018: Klärung der Finanzierung, Kofinanzierung durch die Gazprombank (Russland) und die KEXIM (Südkorea)
Neue Ölraffinerie in der Freizone Jizzakh (Verarbeitung von 5 Mio. t Rohöl zu 3,7 Mio. t Kraftstoffen der Euro-Norm 5, 0,7 Mio. t Kerosin und 0,3 Mio. t anderen Produkten wie Flüssiggas, Masut und Bitumen) 2.200 Realisierung: 2018 bis 2021 O´zbekneftgaz/ Jizzakh Petroleum (http://www.uzneftegaz.uz), Kofinanzierung hauptsächlich durch Gazprombank (Russland), Generalauftragnehmer: ENTER Engineering (Tochter der Gazprombank; http://www.ent-en.com)
Anlagen für die Förderung, Aufbereitung und Verhüttung von Titan-Magnesiumerzen der Lagerstätte Tebinbulak, Karakalpakstan (geplante jährliche Kapazität: 1,5 Mio. t Roheisen und bis zu 1,0 Mio. t Stahlerzeugnisse) circa 1.500 Erstellung einer Machbarkeitsstudie bis Ende 2018; Realisierung: voraussichtlich 2019 bis 2024 O´zbekiston Temir Yo´llari (Usbekische Eisenbahnen, http://www.railway.uz)
Errichtung von Fotovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von 1.000 MW in sechs Regionen (PPP-Projekte) 1.300 offizieller Projektstart erfolgt, Realisierung in 3 Phasen Sky Power Global (Kanada/Kaimaninseln, http://www.skypower.com; Projektierung, Finanzierung, Inbetriebnahme und laufender Betrieb der Solaranlagen), lokaler Partner: O´zbekenergo AJ (http://www.uzbekenergo.uz)
Ausbau des Kraftwerks Talimardzhan auf 2.600 MW (2 GuD-Blöcke mit insgesamt 900 MW), Nuriston (Region Kaschkadarja) 1.050 (Schätzung) internationale Ausschreibung in Vorbereitung; Bauzeit: 2019 bis 2022 O´zbekenergo AJ (www.uzbekenergo), Kofinanzierung durch die ADB sowie die EBRD (endgültige Entscheidung steht noch aus)
Ausbau des Gaschemiekomplexes Schurtan (Produktion von jährlich 280.000 t Polyethylen und 100.000 t Polypropylen) 1.000 Realisierung: 2018 bis 2020/21 Gaschemiekomplex Schurtan (Teil der Holding Uzbekneftegaz, http://www.sgcc.uz), Kofinanzierung durch die Gazprombank (Russland)
Zementfabriken in den Regionen Taschkent und Andischan (jährliche Kapazität: 1,0, 1,2 und 2,4 Mio. t) Karakalpakstan, Bulakbaschi (Region Andishan) und Ohangaron (Region Taschkent) 420 (drei Projekte) Realisierung: 2019 bis 2020 Hauptkontaktpartner für alle Projekte: Gesellschaft für Baustoffindustrie O´zqurilishmaterialli (http://www.uzsm.uz); ausländische Investoren: Eurocement Group (Russland), Hubei Provincial R&B und Zhejiang Shangfeng Building Materials (VR China)
Errichtung eines Textilclusters (Verarbeitung von Baumwollfasern zu Halb- und Fertigwaren) 340 2019 bis 2023, Projekt wird zurzeit präzisiert Investor: Indorama (Singapur)

Quellen: Recherchen von Germany Trade and Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/usbekistan, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Neue Handelsfirmen erschließen den Markt

Der monatliche Einzelhandelsumsatz pro Einwohner ist, bemessen in US-Dollar, noch sehr bescheiden. Er dürfte 2019 knapp 50 US$ betragen nach 39 US$ in den ersten neun Monaten 2018. Dennoch gibt es positive Trends: Die Devisenliberalisierung und zunehmende unternehmerische Freiheiten beflügeln die Neugründung usbekischer Handelsfirmen und den Markteintritt ausländischer Einzelhandelsakteure.

Der Verbrauchertrend hin zu mehr Einkäufen in Handelszentren, Supermärkten und Geschäften setzt sich fort. Es dominieren jedoch immer noch die Basare und Märkte.

Wichtigstes Zentrum des Einzelhandels bleibt die Hauptstadt Taschkent. Dort übersteigt der Pro-Kopf-Umsatz den usbekischen Durchschnitt um das Dreifache. Auf die Metropole entfällt fast ein Viertel des landesweiten Umsatzes. Wachstumsimpulse für den Einzelhandel gehen nicht zuletzt von dem seit 2017 wieder steigenden privaten Geldtransfer usbekischer Gastarbeiter aus Russland aus.

Außenhandel: Einfuhr profitiert von Devisenliberalisierung und neuen Projekten

Infolge der Devisen- und Handelsliberalisierung stiegen die Einfuhren in den ersten neun Monaten 2018 gegenüber der Vorjahresperiode um 33 Prozent auf 13,7 Milliarden US$. Zwei Fünftel der Gesamtbezüge waren Maschinen und Ausrüstungen. Weitere vorrangige Importgüter waren chemische Erzeugnisse, Metalle und Nahrungsmittel. Bedeutendste Beschaffungsmärkte sind Russland (Januar bis September 2018: 2,6 Milliarden US$) und China (2,5 Milliarden US$). Unter den EU-Ländern ist Deutschland der wichtigste Importmarkt (0,5 Milliarden US$). Auch für 2019 ist dank vieler neuer Projekte ein zweistelliges Wachstum der Einfuhren realistisch.

Die Exporte stagnierten in den ersten drei Quartalen 2018 auf Vorjahresniveau, trotz sichtlicher Zuwächse in einigen Produktgruppen (vorrangig Obst-, Gemüse und Textilien). Wichtigste Ausfuhrgüter waren Energieträger (Erdgas), Nahrungsgüter, Textilien und chemische Erzeugnisse. Hauptabnehmer sind China und Russland. Zahlreiche laufende und geplante Projekte, unter anderem mehr Produktion, sollen die Ausfuhren befördern. Die Regierung strebt 2019 einen Zuwachs von mindestens 10 bis 15 Prozent an.

Außenhandel Usbekistans (in Mio. US$; nominale Veränderung in %)
2016 2017 2018 1) Veränderung 2018 2)
Importe (Waren und Dienstleistungen) 12.138 14.012 13.677 33,3
Exporte (Waren und Dienstleistungen) 12.095 12.893 9.368 -0,4
Handelsbilanzsaldo -43 -1.119 -4.309 405,2

1) Januar bis September; 2) Januar bis September 2018 gegenüber Januar bis September 2017

Quelle: Staatliches Statistikkomitee

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen sind unter http://www.gtai.de/usbekistan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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