Wirtschaftsausblick

07.11.2019

Wirtschaftsausblick - Usbekistan (November 2019)

Inhalt

Marktliberalisierung, Reformen und viele Investitionsprojekte / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Usbekistan bleibt auf Reform- und Wachstumskurs. Modernisierungs- und Ausbauprogramme bieten eine Fülle von Geschäftschancen.

Wirtschaftsentwicklung: Stabiles Wachstum ist realistisch

Usbekistans Wirtschaft hat in den kommenden Jahren mittelfristig gute Aussichten auf ein anhaltendes reales jährliches Wachstum von bis zu 6 Prozent. Die Regierung sowie die Weltbank und die Asian Development Bank (ADB) erwarten für das Jahr 2020 einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von etwa 5,5 Prozent und für 2021 von 6 Prozent und mehr.

Das BIP wird 2020 voraussichtlich nominal auf etwa 66 Milliarden US-Dollar (US$) anwachsen. Es fußt auf einer breiten Basis: Die Bruttoanlageinvestitionen sollen mit etwa 22 Milliarden US$ das 2018 erreichte Volumen um die Hälfte übersteigen. Die Baubranche könnte im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent wachsen, die Industrie um 6,3 Prozent, die Sektoren Transport und Lagerung, Telekommunikation und IT insgesamt um 5,5 Prozent, der Einzelhandel und das Hotel- und Gaststättenwesen zusammen um 5,3 Prozent und die Landwirtschaft um 4 Prozent.

Die Ergebnisse des 2017 gestarteten Liberalisierungs- und Reformmarathons können sich sehen lassen. Dies stimuliert Investitionen. Importe ziehen spürbar an. Es gibt mehr Firmengründungen und einen Zuwachs von etwa 3.800 Unternehmen mit ausländischer Kapitalbeteiligung. Deren Anzahl stieg im Zeitraum 1. Juli 2017 bis 1. Juli 2019 auf 9.000. Die Umstrukturierung und Privatisierung staatlicher Unternehmen macht Fortschritte.

Doch noch steht Usbekistan am Anfang. Viele neue Regelungen werden nur schleppend in die Praxis umgesetzt oder stoßen bei den regionalen Machthabern auf Widerstand. Auch hält die Regierung an wettbewerbsverzerrenden Regularien fest. Dies gilt namentlich für die Unternehmensförderung und die Umsetzung zentraler Branchenprogramme. Die meisten Ausschreibungen sind wenig transparent. Es besteht ein großer Nachholbedarf bei der Schaffung effektiver marktwirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Trotzdem lohnt sich ein näherer Blick auf das große Geschäftspotenzial. Das Land öffnet sich heute mehr denn je.

MKT201911068002.14

Wirtschaftliche Eckdaten Usbekistans
Indikator 2017 2018 2019 1) Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. US$) 58,4 (37,4) 2) 50,5 26,3 3.949,7
BIP pro Kopf (US$) 1.803,8 (1.155,8) 2) 1.532,2 787,3 47.642
Bevölkerung (31.12.; Mio.) 32,7 33,3 33,5 3) 82,9
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = Usbekistan-Sum) 5.178,37 (8.081,46) 4) 8.070,28 8.445,3 5)

1) 1. Halbjahr; 2) Angaben in Klammern: BIP beziehungsweise BIP pro Kopf bewertet zum durchschnittlichen Wechselkurs nach der Devisenliberalisierung (5. September 2017 bis 31. Dezember 2017); 3) 1. Juli 2019; 4) durchschnittlicher Wechselkurs nach der Angleichung des offiziellen Kurses an den in etwa doppelt so hohen Parallelkurs (Mittelwert der offiziellen wöchentlichen Wechselkurse im Zeitraum 5. September 2017 bis 31. Dezember 2017); 5) Durchschnittskurs für das 1. Halbjahr 2019

Quellen: Staatliches Komitee für Statistik Usbekistans; Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank (Devisenkurse), Berechnungen von Germany Trade & Invest

Investitionen: Bruttokapitalanlagen legen deutlich zu

Die Bruttoanlageinvestitionen bleiben 2019 und 2020 einer der Hauptmotoren des BIP-Wachstums. Sie expandierten im 1. Halbjahr 2019 im Vergleich zu Vorjahresperiode um nominal 59 Prozent (bemessen in der Nationalwährung) und erreichten ein Volumen von umgerechnet etwa 10,2 Milliarden US$ Die Investitionsquote betrug 38,6 Prozent. Der Zuwachs geht auf das Konto staatlich garantierter Kredite, ausländischer Direktinvestitionen und Haushaltsmittel. Marktbeobachter bemängeln, dass ein Großteil der öffentlich mitfinanzierten Projekte nicht die erwünschte Effizienz bringen.

Zahlreiche Projekte befinden sich in fortgeschrittener Planung oder kurz vorm Start. Mehr als zwei Fünftel des insgesamt investierten Kapitals dürften auf Maschinen, Ausrüstungen und Inventar entfallen. Die Regierung verabschiedete zudem neue Ausbauinitiativen und -programme unter anderem in der Ernährungswirtschaft, der Textil-, Bekleidungs-, chemischen, Baustoff- und Elektroindustrie sowie im Erzbergbau.

Ausgewählte Großprojekte in Usbekistan
Projektbezeichnung Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Modernisierungs- und Ausbauprogramm des Bergbau- und Hüttenkombinats Nawoi (Gold-, Silber- und Uranerzförderung, Erzaufbereitung und -verarbeitung) 3.900 Realisierung: 2018 bis 2026 Kombinat NGMK (http://www.ngmk.uz)
Werk für synthetische Kraftstoffe aus gereinigtem Methan nahe Karschi (jährliche Verarbeitung von bis zu 3,6 Mrd. cbm Gas zu 1,5 Mio. t Kraftstoffen der Euro-Norm 5, 743.000 t Dieselkraftstoff, 311.000 t Kerosin und anderen Produkten) 3.600 Realisierung: 2018 bis 2021 O´zbekneftgaz/Uzbekistan GTL (http://www.uzneftegaz.uz, Kofinzierung durch ausländische Banken (2,3 Mrd. US$)
Modernisierungsprogramm des Bergbau- und Hüttenkombinats Almalyk (Erzförderung, Kupfer- und Zinkproduktion) 2.300 Realisierung: 2019 bis 2022/2023 Kombinat AGMK (http://www.agmk.uz), Interim-Management: SFI Management Group (office@sfi.uz)
Programm für den Ausbau der Förderung von Öl und Gas(Investitionen in neue Bohrlöcher und die Beschaffung von Maschinen und Ausrüstungen) 2.000 (2. Phase) Realisierung: 2020 bis 2021/2022 Auftraggeber: O´zbekneftgaz (http://www.uzneftegaz.uz), Natural GAZ-Stream (Usbekistan, Schweiz/Russland), ausländische Kooperationspartner
Stadtentwicklungsprojekt Internationales Handelszentrum Tashkent City (80 ha, Büro, Handel, Hotels, Wohnungen) 1.300 Realisierung: 2018 bis 2020/21 Baudirektion Tashkent City, Stadtverwaltung Taschkent (http://www.tcibc.uz, http://www.tashkent.uz),
Anlagenkomplex für die Förderung, Aufbereitung und Verhüttung von Titan-Magnesiumerzen der Lagerstätte Tebinbulak, Karakalpakstan (jährliche Kapazität: 1,5 Mio. t Roheisen und bis zu 1,0 Mio. t Stahlerzeugnisse) 1.300 Projekt in Vorbereitung O´zbekiston Temir Yo´llari (Usbekische Eisenbahnen, http://www.railway.uz)
Ausbau des Kraftwerks Talimardzhan auf 2.600 MW (2 GuD-Blöcke mit insgesamt 900 MW), Nuriston (Region Kaschkadarja) etwa 1.000 Realisierung: 2019 bis 2023 O´zbekenergo AJ (www.uzbekenergo),Kofinanzierung durch die ADB sowie die EBRD
Ausbau des Gaschemiekomplexes Schurtan (Produktion von jährlich 280.000 t Polyethylen und 100.000 t Polypropylen) 1.000 Realisierung: 2018 bis 2020/21 Gaschemiekomplex Schurtan (Teil der Holding Uzbekneftegaz, http://www.sgcc.uz), Kofinanzierung durch die Gazprombank (Russland)
Stadtentwicklungsprojekte Business Cities - Olmazor, Yunusobod und Mirzo Ulugbek, alle Taschkent (Wohn-, Büro-, Handels- und Freizeitbauten) 1.000 Realisierung: 2019 bis 2023 Direktion für den Bau und Betrieb der Business Cities (https://bcity.uz)
Produktion von jährlich 400.000 Ammoniak und 600.000 t Harnstoff, Region Syrdarja 600 Realisierung: 2019 bis 2021/2022 O´zkimyosanot AJ (http://www.uzkimyosanoat.uz), Technologie-Partner: Samsung Engineering (Korea/Rep.; http://www.samsungengineering.com)
Modernisierung der Ölraffinerie Buchara (in 3 Phasen; jährliche Verarbeitung von 2,5 Mio. t Öl und Gaskondensat zu Benzin, Dieselkraftstoff und anderen Erzeugnissen) 550 Projekt in Vorbereitung; Realisierung: 2020 bis 2025 Ölraffinerie Buchara (http://www.bnpz.uz), Technologiepartner: SK E&C Co., Ltd. (Korea/Rep.; http://www.skec.com)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/usbekistan, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Privatausgaben sind trotz realer Zuwächse niedrig

Das reale Pro-Kopf-Einkommen stieg im1. Halbjahr 2019 um 5,2 Prozent. Anhaltend hoch bleiben private Geldtransfers der im Ausland tätigen usbekischen Gastarbeiter. Auch das deutlich wachsende unternehmerische Engagement der Bevölkerung findet Widerhall im Einzelhandel. Er stieg offiziell im 1. Halbjahr 2019 um 6,4 Prozent auf 9,1 Milliarden US$. Aber die monatlichen Pro-Kopf-Ausgaben im Handel bewegen sich mit 46 US$ (1. Halbjahr) auf einem niedrigen Niveau. In Taschkent gaben die Konsumenten pro Monat im Schnitt 138 US-Dollar aus.

Aufgrund des ausgeprägten informellen Charakters im tertiären Sektor dürfte der reale Handelsumsatz deutlich höher sein. Ein klares Indiz hierfür ist die zu beobachtende Ausweitung der Flächen und Warenangebote in modernen Handelszentren, Fachgeschäften und Supermärkten. Auf die Landesmetropole Taschkent entfallen 23 Prozent des landesweiten Umsatzes und mehr als ein Drittel des Absatzes von importierten Konsumgütern.

Außenhandel: Investitionsgüterimporte steigen kräftig

Die Liberalisierung des Devisen- und Außenhandels und rege Investitionen treiben den Handel an. Für 2019 und 2020 sind Zuwächse von 20 Prozent und mehr zu erwarten. Usbekistan importiert Maschinen, Ausrüstungen und Inventar sowie Transportmittel. In den ersten neun Monaten 2019 entfielen auf diese Produktgruppen 32 und 13 Prozent der Gesamteinfuhr. Auch chemische, pharmazeutische und Kunststofferzeugnisse sowie Konsumgüter zählen zu den meisten Einfuhrgütern. Hauptbezugsländer sind China, Russland und Südkorea.

Das Exportgeschäft hat gegenüber der Vorjahresperiode kräftig angezogen. Die Goldexporte haben sich auf 3,9 Milliarden US$ verdoppelt. Größter Abnehmer ist die Schweiz. Gestiegen sind auch die Ausführen von Erdgas, Textilien und Bekleidung, Gemüse und Obst sowie Kupfererzeugnissen. Hauptausfuhrländer (ohne Goldexporte) sind China, Russland und Kasachstan. Usbekistans Regierung peilt für 2020 ein Exportwachstum von gut 20 Prozent an.

Außenhandel Usbekistans (in Mio. US$; nominale Veränderung in %)
2017 2018 2019 1) Veränderung 2)
Importe (Waren) 12.035 18.252 15.600 22,5
Exporte (Waren) 10.388 11.386 11.103 52,4
Handelsbilanzsaldo -1.647 -6.866 -4.497 -

1) vorläufige Angaben; 2) Januar bis September 2019:Januar bis September 2018

Quelle: Staatliches Komitee für Statistik Usbekistans (2017), Zentralbank Usbekistans (2018, 2019)

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/usbekistan

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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