Wirtschaftsausblick

17.12.2018

Wirtschaftsausblick - Vereinigte Arabische Emirate (Dezember 2018)

Inhalt

Wirtschaftswachstum zieht wieder an / Von Katrin Pasvantis

Dubai (GTAI) - Die Emirate investieren wieder mehr. Risiken für die künftige Entwicklung bleiben die Ölpreisentwicklung, geopolitische Spannungen und ein schwacher Immobilienmarkt.

Wirtschaftsentwicklung: Es geht wieder aufwärts

Das Wirtschaftswachstum legt an Tempo zu, nachdem es 2017 nahezu zum Erliegen gekommen war. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostizierte im Oktober für 2018 ein reales Plus von knapp 3 Prozent und rechnet für 2019 mit einem Anziehen auf 3,7 Prozent.

Die Regierungen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) investieren wieder mehr, insbesondere das ölreiche Emirat Abu Dhabi. Positiv auf die öffentlichen Investitionen wirken sich die Einnahmen aus der Anfang 2018 eingeführten fünfprozentigen Mehrwertsteuer und die leicht gestiegenen Ölpreise aus.

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Abu Dhabi investiert wieder kräftig, nachdem es infolge des Ölpreisabsturzes öffentliche Projekte stark zusammengekürzt hatte. Das Emirat hat einige Aufträge für Megaprojekte im Ölsektor vergeben. Milliardeninvestitionen sind auch in der Downstreamindustrie geplant. Im Juni kündigte Abu Dhabi das dreijährige Konjunkturprogramm "Tomorrow 2021" an. Von den insgesamt 13,6 Milliarden US-Dollar (US$) sollen 5,45 Milliarden US$ im Jahr 2019 ausgegeben werden.

Dubai setzt seine rege Investitionstätigkeit fort. Die Bautätigkeit könnte 2019 nochmal kräftig anziehen, um Projekte rechtzeitig zur Weltausstellung Expo 2020 fertigzustellen. Die Expo läuft von Oktober 2020 bis April 2021. Die Arbeiten auf dem Ausstellungsgelände laufen. Dabei geht es nicht allein um Projekte, die direkt mit der Expo zusammen hängen, wie das Ausstellungsgelände oder die Anbindung der Expo an die Metro. Es geht auch um zahlreiche Vorhaben, die Dubai für Besucher noch attraktiver machen sollen und Mehrwert über die Expo hinaus schaffen.

Investiert haben nicht nur das Emirat, sondern auch zahlreiche private Projektentwickler. Mit der Expo 2020 als Zugpferd ist es Dubai in den letzten Jahren gelungen, ein reges Interesse privater Investoren aus dem In- und Ausland zu generieren. Ganze Stadtteile wurden und werden neu entwickelt, zahlreiche Freizeitattraktionen geschaffen und viele neue Tourismusprojekte umgesetzt.

Risiken für die künftige Entwicklung bleiben unter anderem der Ölpreis, geopolitische Spannungen und ein schwacher Immobilienmarkt. Unsicherheit herrscht in Unternehmerkreisen über die wirtschaftliche Entwicklung nach der Expo 2020, wenn die Zugwirkung der Ausstellung entfällt. Steigende Kosten für Unternehmen und Privatpersonen dämpfen die Nachfrage.

Wirtschaftliche Eckdaten der VAE
Indikator 2017 2018 1) 2019 1) Vergleichsdaten Deutschland 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 2) 383 433 456 3.702,4
BIP pro Kopf (US$) 1) 40.773 44.819 44.799 44.791
Bevölkerung (Mio.) 1) 9,4 9,7 9,9 82,8
.Einheimische (12%) 1,1 1,2 1,2
.Ausländer 8,2 8,5 8,7
Wechselkurs (1 US$ = AED) 3) 3,6725 3,6725 3,6725

1) vorläufige Angaben, Schätzungen, 2019: Prognosen 2) jeweils zur Jahresmitte; 3) der Dirham ist fest an den US-Dollar gekoppelt

Quellen: Federal Competitiveness and Statistics Authority; EIU; Recherchen von Germany Trade & Invest; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Auftragseingang rege, Umsetzung langsam

Die Investitionen in den VAE steigen weiter. Der Projektdatenbank Meed Projects zufolge wurden in den ersten elf Monaten 2018 die Hauptaufträge im Gesamtwert von knapp 43 Milliarden US$ vergeben. Dies entspricht fast der Hälfte des Projektwerts der gesamten GCC-Region. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum legten die neu vergebenen VAE-Projekte um 9 Prozent zu. Die Auftragsvergabe zog vor allem im Emirat Abu Dhabi stark an (+57 Prozent auf 15 Milliarden US$), insbesondere im Öl- und Gassektor. Dubai bleibt der größte Projektmarkt (-9 Prozent auf 24 Milliarden US$) der VAE.

Unternehmensberichten zufolge habe sich die Projektumsetzung in den letzten zwei Jahren indes deutlich verlangsamt. Es dauere jetzt teilweise zwei- bis dreimal so lange, bis ein Vorhaben fertig gestellt würde. Die Projektfinanzierung sei schwieriger geworden. Unternehmen beklagen Zahlungsverzögerungen, größeren Konkurrenzdruck, geringere Margen und Nachverhandlungen.

Im Jahr 2019 dürfte die Bautätigkeit in Dubai anziehen, wenn noch offene Projekte passend zur Expo 2020 fertiggestellt werden sollen. Manche Vorhaben, wie das Großprojekt Dubai Creek Harbour, haben einen längeren Zeithorizont.

Ausgewählte Großprojekte in den VAE in der Planungsphase
Projektbezeichnung Investitions-Summe (Mio. US$) Projekt-stand *) Projektträger
Adnoc Refinery 15.000 ST Adnoc Refining
Dubai Creek Harbour : Dubai Square 5.500 DE Emaar Properties
Bur Dubai: Strategic Sewerage Tunnel 5.100 DE Dubai Municipality
Borouge 4 Petrochemical Complex 4.000 ST Abu Dhabi Polymers Company (Borouge)
Al Maktoum International Airport (AMIA) Expansion: Concourse 1 & West Terminal Building (Substructure Works) 2.700 A Dubai Aviation Engineering Projects (DAEP)
Gasoline & Aromatics Project (GAP) 2.500 A Adnoc Refining
Shah Gas Development : Gas Plant : Package 2 2.000 PQ Adnoc Sour Gas
Jebel Ali Gardens 2.000 DE Nakheel
Yas Island : SeaWorld Abu Dhabi 1.550 PQ Miral Asset Management
Dubai Metro : Green Line Extension 1.500 ST Dubai Roads & Transport Authority (RTA)

*) Projekte in Frühstadien (Design/Studie) werden häufig nur in stark modifizierter Form realisiert, teilweise ganz gestrichen; ST = Studie, DE = Design, PQ = Präqualifizierung, A = Ausschreibung

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen; MEED Projects

Der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen belief sich 2017 auf 130 Milliarden US$ (+8,7 Prozent).

Konsum: Weniger zahlungskräftige Käufer

Die Kauflaune der Konsumenten ist seit dem Ölpreiseinbruch getrübt. Dazu trägt Unsicherheit über die weitere Beschäftigung ebenso bei wie eine geringere Kaufkraft. Die Lebenshaltungskosten sind hoch und steigen. Zum Jahresbeginn 2018 trat eine fünfprozentige Mehrwertsteuer in Kraft. Der psychologische Effekt der Einführung war stark, zumal sie in einer ohnehin schwierigen Wirtschaftslage erfolgte. Seit dem Rückgang der Ölpreise fährt der Staat zudem sukzessive Subventionen zurück und die Preise für Strom, Wasser und Benzin steigen. Die Kosten für Unterkunft sind trotz hoher Leerstandsraten im Immobiliensektor weiter hoch.

Eine große Anzahl ausländischer Arbeitskräfte und ihre Familien, sogenannte Expats, haben das Land verlassen. Unternehmen haben infolge der schwächeren Wirtschaftsentwicklung hochbezahlte Angestellte entlassen. Teils wurden sie durch günstigere Arbeitskräfte ersetzt. Gleichzeitig haben viele Alleinverdiener ihre Familien wegen der hohen Lebenshaltungskosten zurück in die Heimatländer geschickt.

Der Einzelhandel dürfte 2019 unter Druck bleiben. Dazu tragen die anhaltende Ausgabenschwäche ebenso bei wie das wachsende Angebot. Mittelfristig erwartet Euromonitor Zuwächse. Der Einzelhandelsumsatz in den VAE soll von 57 Milliarden US$ Ende 2016 auf über 71 Milliarden US$ im Jahr 2021 steigen.

Außenhandel: Hohe Einbußen bei deutschen Exporten

Der Wert der deutschen Lieferungen in die VAE ist in den ersten neun Monaten 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel auf 4,4 Milliarden Euro zurückgegangen, meldete Eurostat. Allerdings verzerren Großlieferungen von Flugzeugen die Statistik. Bleiben diese unberücksichtigt, ist der Rückgang mit 18 Prozent dennoch erheblich. Einbußen wurden über fast alle Warengruppen hinweg verbucht. Der Export von Straßenfahrzeugen, dem nach Flugzeugen gemessen am Wert zweitwichtigsten deutschen Liefergut, ging um ein Viertel zurück. Bei Maschinen wurden je nach Segment zwischen zehn und zwanzig Prozent Minus gemeldet.

Auch andere große Lieferländer verzeichneten teils Einbußen. In den ersten acht Monaten 2018 meldete China ein Minus um 0,4 Prozent (auf 19 Milliarden US$), die USA um 5,3 Prozent (auf 12 Milliarden US$), Japan dagegen ein Plus von 10,7 Prozent (5 Milliarden US$). Für Südkorea ging es in den ersten neun Monaten um 11,5 Prozent zurück (4 Milliarden US$).

Außenhandel der VAE (in Milliarden US$; Veränderung in %)
2015 2016 2017 Veränderung 2017/16
Importe (fob) 223,9 226,6 232,6 2,7
Exporte (fob) 300,5 295,0 313,5 6,3
.Öl und Gas 2) 61,5 46,5 58,1 25,1
.Nichtöl-und Gasprodukte 104,2 103,5 106,6 3,0
.Re-Exporte 134,8 145,1 148,8 2,6
Handelsbilanzsaldo (fob) 76,6 68,4 80,9 18,2

1) Revidierte und vorläufige Angaben; 2) einschließlich Raffinerieprodukte

Quelle: Central Bank

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/VAE

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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