Wirtschaftsausblick

25.09.2019

Wirtschaftsausblick - Vereinigte Arabische Emirate (Oktober 2019)

Inhalt

Ölsektor bleibt wichtigste Konjunkturstütze / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - In den Vereinigten Arabischen Emiraten ist gegenwärtig eine leichte Wachstumsbelebung zu verzeichnen. Eine weitere Eskalation des Iran-Konflikts könnte jedoch zu einer Rezession führen.

Wirtschaftsentwicklung: Weiterhin nur mäßiges Wachstum im Nicht-Öl-Sektor

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hat sich 2018 das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwar auf real (preisbereinigt) 1,7 Prozent beschleunigt (2017: 0,5 Prozent), blieb damit aber hinter den Erwartungen zurück. Für das laufende Jahr wird mit einem BIP-Plus von möglicherweise über 2 Prozent gerechnet. Eine wichtige Konjunkturstütze dürfte auch 2019 der Ölsektor sein. Die Ölfördermenge könnte sich gegenüber dem Vorjahr um etwa 3 Prozent auf 3,1 Millionen barrel per day erhöhen.

Nach offiziellen Angaben legte der Ölsektor 2018 um 2,8 Prozent zu, die Nicht-Öl-Wirtschaft nur um 1,3 Prozent. Der Ölsektor kam 2018 auf einen BIP-Anteil von 30 Prozent. Die Zentralbank der VAE hat in ihren Bericht zum 2. Quartal 2019 die BIP-Prognose für 2019 von 2 auf 2,4 Prozent erhöht. Für den Ölsektor wird mit einem Zuwachs um 5 Prozent gerechnet, die Nicht-Öl-Wirtschaft soll nur um 1,4 Prozent zulegen.

Die im September veröffentlichte EIU-Prognose (Economist Intelligence Unit) geht für 2019 von einem BIP-Zuwachs von 1,9 Prozent aus, die jüngste Vorhersage des Internationalen Währungsfonds (April 2019) lautet auf 2,8 Prozent. Alle Prognosen berücksichtigen eine mögliche weitere (militärische) Eskalation des Iran-Konflikts nicht.

MKT201909248001.14

In Abu Dhabi, dem wirtschaftlich stärksten der sieben Emirate, ist die Nicht-Öl-Wirtschaft in den beiden vergangenen Jahren real lediglich um 0,9 (2017) und 0,6 Prozent (2018) gewachsen. Abu Dhabis Ölsektor expandierte 2018 um 3,4 Prozent (2017: -2,9 Prozent). Der Nicht-Öl-Sektor erwirtschaftete 2018 in Abu Dhabi etwa 51 Prozent des BIP (zu konstanten Preisen von 2007), zu laufenden Preisen waren es sogar fast 60 Prozent.

Abu Dhabi hatte 2018 einen Anteil an der VAE Wertschöpfung von 63 Prozent (zu laufenden Preisen). Das Emirat Dubai kam auf geschätzte 28 Prozent. Die restlichen 9 bis 10 Prozent teilten sich die fünf nördlichen Emirate.

Wirtschaftliche Eckdaten Vereinigte Arabische Emirate
Indikator 2016 2017 2018 1) Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Milliarden US$) 2) 357,0 377,7 414,2 4.002
BIP pro Kopf (US$) 39.100 40.600 44.500 48.269
Bevölkerung (Millionen) 3) 9,1 9,3 9,3 82,9
.Einheimische (Emiratis) 1,1 1,2 1,2 --
.Ausländer 8,0 8,1 8,1 --
Wechselkurs (1 US$ = Dirham) 4) 3,6725 3,6725 3,6725 --

1) vorläufig; 2) zu Marktpreisen; 3) jeweils zur Jahresmitte; Schätzungen; 4) der Dirham ist fest an den US-Dollar (US$) gekoppelt

Quellen: Central Bank; Federal Competitiveness and Statistics Authority; Statistisches Bundesamt; Bundesbank; Germany Trade and Invest

Das Emirat Dubai meldet für 2018 einen realen BIP-Anstieg von 1,9 Prozent. Auf den Dienstleistungssektor entfielen etwa 80 Prozent der Wertschöpfung. Die verarbeitende Industrie hatte einen Anteil von 9 Prozent, die Bauwirtschaft lag bei 6 Prozent, die Strom-, Gas-, Wasser- und Entsorgungswirtschaft bei 3 Prozent und der Bergbau bei 2 Prozent. Die wichtigsten Konjunkturstützen waren 2018 die Immobilienwirtschaft, der Groß- und Einzelhandel sowie die Bauwirtschaft. In diesen drei Bereichen dürfte es aber 2019 eine Wachstumsabschwächung geben.

Investitionen: Noch keine Trendwende

Die Bruttoanlageinvestitionen sind in den vergangenen beiden Jahren real um 8,2 (2017) und 0,4 Prozent (2018) gesunken. Der Privatsektor schraubte seine Investitionen um 12,8 und 0,7 Prozent zurück, die staatlichen Investitionen schrumpften nur um 2,8 und 0,1 Prozent. Beobachter erwarten für 2019 sowohl im Privat- als auch im Staatssektor keine anziehende Investitionstätigkeit.

Die staatlichen Investitionen dürften erst nach einer Stabilisierung des Ölpreises auf einem höheren Niveau wieder deutlich steigen. In Dubai werden die öffentlichen Investitionen vermutlich 2019 (spätestens aber 2020) mit Abschluss vieler Projekte, die zur EXPO 2020 fertig sein sollen, sinken.

Die privaten Unternehmen zeigen sich derzeit nicht besonders optimistisch und werden sich vorerst mit Neuinvestitionen zurückhalten. Der die Entwicklung des Privatsektors spiegelnde Purchasing Managers' Index (PMI) ist im August 2019 auf den niedrigsten Wert seit acht Jahren gefallen. Mit nur noch 51,6 Punkten befindet sich der Index kurz vor der 50 Punkte-Marke, die als Stagnation der Privatwirtschaft interpretiert wird.

Ausgewählte Großprojekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Projektbezeichnung Investitions-summe (Millionen US$) Projekt-stand *) Projektträger
Al Maktoum International Airport: Phase 2 (Stage 2) 17.000 ST Dubai Aviation Engineering Projects
New Refinery 15.000 FEED Adnoc
Borouge 4 Petrochemical Complex 4.500 FEED Abu Dhabi Polymers Company
Kizad Industrial Cluster: Alumina Facility 3.000 ST East Hope Group
Deira: Strategic Sewerage Tunnel 3.000 FEED Dubai Municipality
Al Maktoum International Airport: Concourse 1 & West Terminal Building (Substructure Works) 2.700 AP Dubai Aviation Engineering Projects
Second Solar Independent Power Plant 1.500 A Abu Dhabi Department of Energy
Etihad Railway Network: Phase 3 1.000 DE Etihad Rail
Fujairah F3 Independent Power Plant 1.000 A Emirates Water & Electricity Company
LNG Import Terminal 800 AP Sharjah National Oil Corporation / Uniper

*) ST = Studie, FEED = Front End Engineering and Design, AP = Angebotsprüfung, A = Ausschreibung, DE = Design

Quellen: MEED Projects; Recherchen von Germany Trade & Invest

Konsum: Verbraucher zeigen Zurückhaltung

Der private Konsum hat sich seit dem Einbruch von 2015 (als Folge des Ölpreiseinbruches) nicht wieder erholt. Die Statistik weist für 2015 einen realen Rückgang des privaten Verbrauchs um 19,1 Prozent aus. In den beiden folgenden Jahren wurden schwache Zuwächse von 1,6 (2016) und 0,9 Prozent (2017) verzeichnet. Vorläufigen Angaben zufolge kam es 2018 zu einer Schrumpfung von 0,5 Prozent. Damit lag der private Verbrauch 2018 um 17,5 Prozent unter dem 2014 erreichten Niveau.

Auch 2019 ist nicht mit einer wesentlichen Belebung des privaten Verbrauchs zu rechnen. Nach Erhebungen der Marktforscher von Yallacompare hat sich die Stimmung der Verbraucher im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem vorangegangenen Quartal weiter verschlechtert. Insbesondere die Angst um den Arbeitsplatz ist gewachsen. Die unverändert schwache Konjunktur und die anhaltenden Bestrebungen zur Senkung der Personalkosten drücken auf die Konsumfreude. Der Entlastung der Privathaushalte durch die seit 2016 kontinuierlich sinkenden Mieten stehen deutliche Preissteigerungen in anderen Sektoren gegenüber.

Dem Vernehmen nach schrumpft die Zahl der kaufkräftigen westlichen Expats weiter. Die asiatischen Arbeitskräfte, die nun aus Kostengründen verstärkt westliche Fachkräfte ersetzen, konsumieren deutlich weniger und überweisen große Teile des Einkommens ins Heimatland.

Trotz schwacher beziehungsweise schrumpfender Nachfrage hat sich das Angebot an Einzelhandelsflächen erhöht. Da jedoch der Einzelhandel seine Expansionspläne derzeit zusammenstreicht, ist der Leerstand in den Einkaufszentren erheblich gewachsen, entsprechend sind die Mieten gesunken. Selbst große Shopping Malls, die zumeist auf den gehobenen und Luxusbedarf zielen, vermieten nun freie Flächen immer häufiger auch an Discounter.

Außenhandel: Deutsche Exporte legen kräftig zu

Die VAE Ausfuhren könnten 2019 mit einem positiven Ergebnis abschließen. Das Ölexportvolumen lag in den ersten neun Monaten 2019 mit geschätzten 3,06 Millionen barrel per day etwa 2 Prozent über dem 2018 erreichten Jahresdurchschnitt. Die vorübergehende Reduzierung der saudiarabischen Förderung als Folge des Angriffs auf wichtige Ölanlagen am 14. September 2019 hat den VAE mehr Spielraum für eine weitere Erhöhung der Förderung eröffnet, zudem haben die Ölpreise angezogen. Das VAE Handelszentrum, das Emirat Dubai, meldet für das erste Quartal 2019 einen Anstieg der Nicht-Öl-Ausfuhren um 29,8 Prozent auf 12 Milliarden US$, das Re-Export-Geschäft expandierte um 6,6 Prozent auf 29 Milliarden US$.

Vereinigte Arabische Emirate: Außenhandel (in Millionen US$; Veränderung in Prozent)
2016 2017 2018 *) Veränderung 2018/2017
Importe (fob) 239,9 246,3 235,4 -4,4
Exporte (fob) 295,0 313,5 316,9 1,1
.Öl, Gas und Ölprodukte 46,4 58,1 63,2 8,7
.Nicht-Öl-Exporte 103,5 106,6 111,8 4,9
.Re-Exporte 145,1 148,8 141,9 -4,6
Handelsbilanzsaldo 55,1 67,2 81,5 21,3

*) vorläufig

Quelle: Central Bank

Die Daten der wichtigen Lieferländer weisen einen uneinheitlichen Trend aus. Eurostat zufolge sind die Ausfuhren der EU28 Gruppe in die VAE in den ersten sieben Monaten 2019 um 2,4 Prozent auf 22 Milliarden Euro gestiegen, die deutschen Exporte legten um 19,3 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zu.

Für den Siebenmonatszeitraum gibt Chinas Zollbehörde eine Expansion der Ausfuhren in die VAE um 11,5 Prozent auf 18,2 Milliarden US$ an. Indiens Department of Commerce registriert einen Anstieg um 4,8 Prozent auf 18,1 Milliarden US$. Die U.S. International Trade Commission meldet eine Steigerung um 7,5 Prozent auf 11,3 Milliarden US$. Japans Außenhandelsstatistik verbuchte einen Einbruch um 18,8 Prozent auf 3,8 Milliarden US$.

Weitere Informationen (zum Beispiel Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/VAE

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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