Wirtschaftsausblick

17.05.2019

Wirtschaftsausblick -China (Mai 2019)

Inhalt

Von Wirtschaftseinbruch weit entfernt / Von Stefanie Schmitt

Beijing (GTAI) - China erlebt eine konjunkturelle Schwächephase. Ein Wirtschaftseinbruch ist aber nicht in Sicht. Die Politik reagiert mit Steuererleichterungen und investiert in moderne Infrastruktur.

Wirtschaftsentwicklung: Chinas Wirtschaft kühlt merklich, aber kontrolliert ab

Chinas Wirtschaft befindet sich in schwierigerem Fahrwasser: So sank der Zuwachs der Industrieproduktion seit Februar 2018 stetig und erreichte im Januar und Februar 2019 mit 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum den tiefsten Punkt seit Jahrzehnten. Auch im April 2019 zeigt sich der Wert mit 5,4 Prozent niedrig.

In der Tat dürfte 2018 auf lange Sicht das letzte Jahr gewesen sein, in dem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mehr als 6,5 Prozent zulegte. Für 2019 sind 6,3 Prozent realistisch. Allein der Handelsstreit mit den USA könnte China, sollte es nicht doch noch zu einer Einigung kommen, Berechnungen der Schweizer Bankengruppe UBS zufolge 2019 etwa 1,6 bis 2,0 Prozentpunkte Wachstum kosten. Im Jahr 2018 gingen 19,2 Prozent aller chinesischen Exporte in die USA.

Zwar gelang es der chinesischen Führung mit ihrer Politik, die Wirtschaft weg von einer exportorientierten hin zu einer mehr auf den Binnenkonsum fußenden Wirtschaft zu transformieren. So sank die Ausfuhrquote des Landes zwischen 2010 und 2018 von 26 Prozent auf 18 Prozent. Dennoch dürften die international zunehmenden Protektionismen die weltgrößte Exportnation treffen. Hinzu kommen die für viele Länder - speziell auch in der EU - hinuntergeschraubten Konjunkturprognosen.

Die Regierung steuert mit einem Bündel fiskal- und geldpolitischer Maßnahmen gegen. Diese sollen den privaten Konsum stärken und die Gesamtwirtschaft stützen. So wurden zum 1. April 2019 die Mehrwertsteuersätze gesenkt: im produzierenden Gewerbe von 16 auf 13 Prozent und im Verkehr-, Transport- sowie Bausektor von 10 auf 9 Prozent. Weitere Steuerreduktionen sind angekündigt.

Wirtschaftsexperten erwarten vor diesem Hintergrund, dass China mittelfristig nicht mehr so stark wachsen wird wie bisher. Die Zuwächse sollten sich aber immer oberhalb von 6 Prozent, wenn auch unter 6,5 Prozent bewegen.

MKT201905168006.14

Wirtschaftliche Eckdaten China
Indikator 2017 2018 Vergleichsdaten Deutschland 2018
BIP (nominal, Mrd. USD) 12.154 13.618 4.002
BIP pro Kopf (USD) 8.744 9.762 48.269
Bevölkerung (Mio.) 1.390 1.395 83
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = RMB) 6,7531 6,6114

Quellen: National Bureau of Statistics of China (NBS), Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Neuausrichtung im Zeichen der Digitalisierung

Mit einem nominalen Plus von 5,9 Prozent entwickelten sich die Bruttoanlageinvestitionen 2018 schwächer als in den Vorjahren. Hauptursache war das deutlich niedrigere Wachstum der Infrastrukturinvestitionen, womit die Regierung die Schuldensituation der Gebietskörperschaften verbessern wollte. Inzwischen setzt sie erneut auf Infrastrukturmaßnahmen. Schnellere Genehmigungen und die verstärkte Nutzung von Public-Private-Partnership-Modellen sollen den Ausbau beflügeln.

Zu den künftigen Kernbereichen zählen neben ländlichen Projekten innerstädtische Transportsysteme, Versorgungseinrichtungen, Stromübertragung, Umweltvorhaben, Logistik und 5G. Darüber hinaus ermutigt die Regierung Investitionen in Informationstechnologie, künstliche Intelligenz oder Internet der Dinge als "neue" Infrastrukturaufgaben. Zugleich geht aber der klassische Ausbau des Straßen-, Schienen- und Luftfahrtnetzes weiter.

Ausgewählte Großprojekte in China
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mrd. US$) *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Hochgeschwindigkeitsbahn (bis 350 km/h) in Shandong (Rizhao West bis Lankao Süd) 11,1 Baubeginn Januar 2019; erwartete Inbetriebnahme Ende 2022 Länge 494 km; Ansprechpartner: China Railway Corporation, http://www.china-railway.com.cn
Teilstrecke der Hochgeschwindigkeitsbahn Chongqing - Hunan 7,9 Baubeginn November 2018; geplante Bauzeit 5,5 Jahre Länge 265 km; Ansprechpartner: Chongqing Municipal Traffic Bureau, http://www.cqjt.gov.cn
Bau von 5 Pumpspeicherwasserkraftwerken in Hebei, Jilin, Zhejiang, Shandong und Xinjiang 5,7 Baubeginn Januar 2019; geplante Inbetriebnahme 2026 Gesamtleistung 6 GW; Ansprechpartner: State Grid Corporation of China, http://www.sgcc.com.cn
U-Bahn Linie 4, Phase I in Dalian ca. 2,7 Baubeginn 2019; geplante Bauperiode 5 Jahre Länge 23 km mit 17 Stationen; Ansprechpartner: Beijing Infrastructure Investment Co., Ltd., http://www.bii.com.cn
Chinas drittes nationales Messezentrum - National Exhibition and Convention Center Tianjin;größtes Messegelände in Nordchina 2,6 Baubeginn April 2019; geplante Fertigstellung der Bauphase I (16 Ausstellungshallen, Gesamtbaufläche 0,79 Mio. qm) Mitte 2021 Gesamtbaufläche 1,34 Mio. qm; Grundstücksfläche 2,2 km2; entworfen von China Academy of Building Research und GMP; Ansprechpartner: GMP Architekten, https://www.gmp-architekten.de/start
Einkaufszentrum von IKEA in Shanghai über 1,2 Baubeginn Dezember 2018; geplante Eröffnung Ende 2022 Weltgrößtes Einzelprojekt des Konzerns; Einzelhandelsfläche ca. 120.000 qm mit über 300 Händlern plus 60.000 qm Büroflächen; Ansprechpartner: IKEA China, http://www.ikea.cn
Changcheng-Kraftwerk in der Inneren Mongolei (bei Erdos) ca. 1,0 Baubeginn Ende 2018; geplante Inbetriebnahme Ende 2020 für Block 1; 1. Quartal 2021 für Block 2 Zwei Blöcke mit einer Leistung von je 1.000 MW; Ansprechpartner: China Huaneng Group, http://www.chng.com.cn
Chuzhou-Logistikindustriepark, Provinz Anhui 0,7 Baubeginn Januar 2019 Planungsfläche 133 Hektar; Gesamtbaufläche 710.000 qm; Ansprechpartner: Chuzhou Economic & Technological Development Zone, http://kfq.chuzhou.gov.cn

*) Umrechnung aufgrund des durchschnittlichen Jahreswechselkurses der Deutschen Bundesbank 2018: 1 US$ = 6,7344 RMB

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/china, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Regierung kurbelt Verbrauch mit Steuernachlässen an

Chinas private Verbraucher sind die wichtigste Wachstumsstütze: Der private Konsum erreichte 2018 einen Anteil am BIP-Zuwachs von 76 Prozent. Neuerdings deutet sich aber eine gewisse Zurückhaltung bei langlebigen Konsumgütern wie Autos an. Trotz hohem Konsumoptimismus (der China Consumer Trend Index von Nielsen wuchs 2018 um einen Prozentpunkt auf 113 Punkte) bremsen etwa die eskalierenden Immobilienkosten und Mieten den Spielraum zum Geldausgeben.

Um die verfügbaren Einkommen aufzustocken, führte die Regierung zum 1. Januar 2019 mehrere Einkommensteuerkürzungen ein. Allerdings dürfte dies den sinkenden Trend nur abfedern. Für 2019 soll Konsumbeitrag zum BIP-Wachstum Schätzungen zufolge auf 70 Prozent zurückgehen.

Grundsätzlich verlagert sich die Dynamik von den Städten der großen Metropolen an der Ostküste (Beijing, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen) in die Städte im Inland. Dort sind die Märkte nicht so gesättigt und die Gehälter steigen überproportional.

Außenhandel: Chinas Einfuhren schwächeln

Nachdem im Gesamtjahr 2018 die Ein- und Ausfuhren noch um kräftige 15,8 beziehungsweise 9,9 Prozent gestiegen waren, betrug im 1. Quartal 2019 das Einfuhrplus laut chinesischer Zollstatistik lediglich 4,8 Prozent. Die Ausfuhren erhöhten sich sogar nur um 1,4 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Lieferungen aus Deutschland wider: So verringerten sich die Einfuhren aus Deutschland im 1. Quartal 2019 um 1,3 Prozent. Dieser Trend könnte sich verstärken, da die Importzuwächse 2019 weiter nachgeben sollen. Umgekehrt wiesen die Ausfuhren nach Deutschland im 1. Quartal 2019 ein Plus von 10 Prozent aus.

Dagegen steht der Außenhandel mit den USA deutlich unter dem Zeichen des Handelskonflikts: Im 1. Quartal 2019 waren die Handelsströme in beide Richtungen stark rückläufig: so gingen die Exporte Chinas in die USA um 8,5 Prozent zurück, die Importe aus China brachen sogar um 31,8 Prozent ein.

Außenhandel China (in Mio. US$; Veränderung in Prozent)
2017 2018 Veränderung 2018/2017
Importe 1.844.246 2.135.637 15,8
Exporte 2.263.331 2.487.401 9,9
Handelsbilanzsaldo 419.085 351.764 -16,1

Quelle: China Customs, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/china

Dieser Artikel ist relevant für:

China Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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