Wirtschaftsausblick

08.02.2018

Wirtschaftsausblick Februar 2018 - Gabun

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Leicht verbesserte Aussichten / Von Carsten Ehlers

Libreville (GTAI) - Gabun blickt in näherer Zukunft auf schwierige wirtschaftliche Zeiten. Auch wenn sich der Ölpreis weiter erholt, dürfte das zentralafrikanische Land im Jahr 2018 im günstigen Fall mit der Tilgung seiner Schulden beschäftigt sein. Auch einige deutsche Unternehmen warten noch auf den Eingang ausstehender Forderungen. Landeskenner erwarten eine spürbare Verbesserung der Konjunktur, zum Beispiel in Form von höheren Auftragseingängen, erst für das Jahr 2019.

Wirtschaftsentwicklung: IWF hilft bei der Bedienung von Schulden

Die Aussichten für Gabuns Wirtschaft in den kommenden Jahren sind ein wenig positiver als zuletzt. Nachdem im Jahr 2017 mit geschätzten 1,1 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) noch ein sehr schlechtes Ergebnis erzielt wurde, prognostiziert Economist Intelligence Unit (EIU) für 2018 immerhin eine Zunahme des BIP in Höhe von 2,7 Prozent und für 2019 gar 3,5 Prozent. Grund dafür ist ein sich langsam wieder erholender Ölpreis. Dieser liegt Anfang 2018 bei etwa 65 US-Dollar (US$) je Barrel, nachdem er Anfang 2016 kurzzeitig bei unter 30 US$ seinen Tiefstand erreicht hatte. Gleichwohl bleibt die Lage kritisch. Zuschüsse des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von insgesamt 1,1 Milliarden US$ zwischen 2017 und 2019 sind notwendig, damit die Regierung die Schulden bedienen kann.

Trotz Diversifizierungsbemühungen hängt das zentralafrikanische Land nach wie vor vom Ölexport ab. Der Ölboom der letzten Jahre hat das Land reich und anspruchsvoll gemacht. Gleichwohl sehen Experten auch Fortschritte in Nicht-Öl-Bereichen wie der Landwirtschaft, dem Bergbau, der Verarbeitung von Mangan oder im Holzexport. Weiterhin dürfte sich die Regierung um weitere Investitionen in diesen Bereichen bemühen. Gute Beziehungen zur Regierung sind von hoher Wichtigkeit in Gabun, da der Einfluss dieser auf das Wirtschaftsleben massiv ist. Wieder fest im Sattel zu sitzen scheint Präsident Ali Bongo Ondimba, der im Zuge der recht knapp ausgegangenen Präsidentschaftswahlen 2016 eine kurze Phase der Instabilität durchlitten hat.

Der Ölsektor selbst verzeichnet seit Jahren keine größeren Investitionen mehr und schrumpft langsam vor sich hin. Shell, neben Total der größte Ölförderer im Land, hat seine Anlagen und Onshore-Konzessionen verkauft. Ein Großteil der Ölfelder Gabuns erreicht das Ende seiner Lebensspanne, sodass die Ölförderung trotz vereinzelter neuer Investitionen insgesamt stetig sinkt. Im Jahr 1997 wurde mit einer Ölproduktion von rund 340.000 Barrel pro Tag ein Rekordwert erreicht. Inzwischen liegt die Förderung bei nur noch etwa 220.000 Barrel pro Tag.

MKT201802078000.14

Wirtschaftliche Eckdaten Gabuns
Indikator 2016 2017 *) Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 14,2 16,3 3.480,2
BIP pro Kopf (US$) 7.453,4 7.583,9 42.188
Bevölkerung (Mio.) 2,0 2,0 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x Franc CFA) 656,96 656,96 -

Quellen: EIU; IWF; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Singapurische Olam wird auch im Infrastrukturbereich aktiv

Angesichts der Krise im Ölsektor ist das Investitionsklima schlecht. Wenn sich die Ölgesellschaften herausziehen, die die Zugpferde der gesamten Wirtschaft darstellen, dann erodiert auch die Geschäftsbasis von Zulieferern und Dienstleistern. Von ihnen haben etliche ihre Präsenz heruntergefahren oder sie haben, wie der französische Baukonzern Bouygues, das Land verlassen. Auch Investitionen des Staates wurden auf Eis gelegt oder unterbrochen, weil das Geld aus dem Ölexport fehlt. Beobachter rechnen frühestens 2019 mit einer Zunahme von Staatsprojekten.

Im Rahmen eines Public-private-Partnership (PPP) hat immerhin die singapurische Olam den Ausbau des Hafens in Owendo für 300 Millionen US$ Ende 2017 abgeschlossen. Darüber hinaus bleibt ein neuer Flughafen für Libreville geplant. Nur wenige Investitionen werden von privater Seite durchgeführt. Noch in weiter Ferne scheint der Aufbau der Maboumine-Mine von Comilog, für den erst noch Geldgeber gefunden werden müssen.

Ausgewählte Großprojekte in Gabun
Projekt Investitionssumme (in Mio. Euro) Projektstand Anmerkung
Maboumine-Mine 3.500 Geplant. Konzessionär Comilog plant den Aufbau einer Mine sowie eine Verarbeitungsanlage für unter anderem Niobium, Seltene Erden und Titan.
Bahntrasse Transgabonais" 330 Geplant. Modernisierung der über 670 Kilometer verlaufenden Bahntrasse von Libreville nach Franceville.
Kinguele Aval Wasserkraftwerk 152 Geplant. Fonds Gabonais d'Investissements Strategiques (FGIS), Meridiam (französischer Investmentfonds) und nationaler Stromversorger Societe d'energie et d'eau du Gabon (SEEG) sind beteiligt.
Port Mole Waterfront Projekt in Libreville Circa 500 Baubeginn 2013. Derzeit keine Bautätigkeit. Bau einer Marina in Libreville mit Konferenzzentrum, Einkaufszentrum, Büros und Hotels.

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/gabun, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Deutsche Kraftfahrzeuge verfügen weiterhin über gute Absatzchancen

Im Zuge der Wirtschaftskrise hat sich auch das Konsumklima deutlich verschlechtert. Tausende Expats haben das Land verlassen und der Staat kann viele Mitarbeiter, die er über Jahre ohne konkrete Tätigkeit "durchgeschleppt" hat, nicht mehr bezahlen. Ein Großteil der Kaufkraft ist daher verloren gegangen. Hotels, Restaurants und Bars in Libreville sind weitgehend leer. Die meisten Gabuner leben in sehr bescheidenen Verhältnissen und nur eine kleine Oberschicht lebt in Wohlstand. Deutlich reduziert hat sich in den vergangenen Jahren die Mittelschicht, welche sich ohne Probleme importierte Konsumgüter leisten konnte. Zu dieser Schicht zählten kleinere Angestellte der Ölfirmen, Dienstleister und auch jede Menge Staatsbedienstete.

Fast alle Waren im Nahrungsmittel- und Körperpflegesegment kommen aus Frankreich, dessen Konsumgewohnheiten das Land weitgehend übernommen hat. Bei Kraftfahrzeugen hingegen verfügen deutsche Limousinen über gute Absatzchancen. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl mit nur etwa zwei Millionen Menschen lohnt sich der Aufbau einer lokalen Konsumgüterindustrie nur bedingt, sodass deutsche Lieferungen von Maschinen und Vorprodukten für eine derartige Industrie gering ausfallen.

Außenhandel: Deutsche Lieferungen auch 2017 auf niedrigem Niveau

Die deutschen Lieferungen nach Gabun haben in den letzten Jahren stark gelitten. Konnte in guten Jahren noch ein Exportwert von über 80 Millionen Euro erzielt werden, sind es seit 2016 weniger als die Hälfte. Zwischen Januar und September 2017 lag der deutsche Ausfuhrwert nach Angaben des Statistischen Bundesamtes bei 29,9 Millionen Euro. Durch die einseitige Abhängigkeit Gabuns vom Ölsektor schwanken auch die Lieferzahlen in das zentralafrikanische Land einhergehend mit der Dynamik in diesem Sektor. Für 2018 darf ein leichter Anstieg der Lieferungen erwartet werden, da auch die Konjunktur sich leicht erholt.

Deutsche Lieferungen nach Gabun erfassen hauptsächlich Ausrüstungen, Maschinen und Chemikalien für die Ölindustrie und Luxuslimousinen. Darüber hinaus wird regelmäßig bei Infrastrukturvorhaben der Regierung zugeliefert. Positive Auswirkungen auf den Außenhandel mit Gabun dürfte der 2017 abgeschlossene Ausbau des Hafens in Owendo haben.

Außenhandel Gabuns (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 *) 2017 *) Veränderung 2017/2016
Importe 2.652 2.824 6,5
Exporte 4.519 5.479 21,2
Handelsbilanzsaldo 1.867 2.655 -

*) Schätzung

Quelle: EIU

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--gabun-februar-2018,did=1864854.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/branchencheck,t=branchencheck-gabun-februar-2018,did=1864862.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Gabun Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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