Wirtschaftsausblick

23.01.2018

Wirtschaftsausblick Januar 2018 - Albanien

Inhalt

Investitionen halten Wirtschaft auf robustem Wachstumskurs / Deutliche Zuwächse im Außenhandel / Von Jan Triebel

Tirana/Belgrad (GTAI) - Albaniens Konjunktur läuft hochtourig. Nach einer Erhöhung der Wirtschaftsleistung 2017 um 4 Prozent spricht auch für das Jahr 2018 Vieles für einen ähnlich temporeichen Verlauf. Mit einer Reihe von Großvorhaben zur Entwicklung der vielerorts noch rückständigen Infrastruktur stützen die Investitionen maßgeblich den Aufschwung. Als Schwerpunkte gelten die Energieversorgung und der Verkehr, die auch für ausländische Ausrüster gute Zuliefererchancen eröffnen.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum hält sich im Bereich von 4 Prozent

Albaniens Konjunkturhoch hielt auch 2017 an. Die Ergebnisse zur Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in den ersten drei Quartalen setzten mit Steigerungsraten zwischen 3,6 und 4,1 Prozent ausgesprochen positive Akzente. Das bereits gute Ergebnis aus dem Jahr 2016 mit einem Plus von 3,4 Prozent wurde Schätzungen zufolge mit einem um 4 Prozent höheren BIP 2017 noch übertroffen. Auch der Ausblick auf 2018 gibt keinen Anlass zur Sorge, dass die Schubkraft kurzfristig erlahmen könnte. Die Europäische Kommission rechnet mit einem weiteren BIP-Anstieg um 3,8 Prozent.

Die Unternehmen teilen die positiven Aussichten für die Gesamtwirtschaft. Der von der Zentralbank Albaniens als Stimmungsbarometer quartalsweise ermittelte Indikator der allgemeinen wirtschaftlichen Einschätzung bewegte sich 2017 durchweg und dabei zum Teil deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Für einen erneuten Vertrauensgewinn hatte zuletzt auch der Ausgang der Parlamentswahlen Ende Juni 2017 gesorgt. Der Urnengang bescherte den Sozialisten von Ministerpräsident Edi Rama, der einen möglichst schnellen Beitritt seines Landes zur Europäischen Union (EU) anstrebt, die absolute Mehrheit im Parlament und beendete eine mehrmonatige Phase politischer Instabilität.

Neuerdings zählt auch wieder der leicht gestärkte private Verbrauch zu den Trägern des Wirtschaftswachstums. Die Rolle der Konjunkturlokomotive kommt jedoch nach wie vor der regen Investitionstätigkeit zu. Dabei steht vor allem die Infrastruktur im Mittelpunkt, die in all ihren Facetten landesweit einen zum Teil gewaltigen Ausbau- und Modernisierungsbedarf hat.

Als eines der wichtigsten Projekte gilt der Bau der Transadriatischen Pipeline (TAP). Das Vorhaben, dessen albanischer Abschnitt das Land in Ost-West-Richtung durchquert, ist Teil des sogenannten südlichen Gaskorridors. Nach dessen Fertigstellung soll ab etwa 2020 Erdgas aus Aserbaidschan nach Westeuropa gepumpt werden. Im Zuge seiner Umsetzung in Albanien hat das TAP-Projekt überwiegend aus dem Ausland stammenden Zulieferern gute Geschäfte mit Ausrüstungen und lokalen Firmen vor allem Bauaufträge beschert.

MKT201801228003.14

Wirtschaftliche Eckdaten Albaniens
Indikator 2015 *) 2016 *) Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 10,2 10,8 3.134
BIP pro Kopf (Euro) 3.547 3.747 37.849
Bevölkerung (Mio.) 2,9 2,9 82,8
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro= ... Leke) 139,7 137,4 -

*) vorläufig

Quellen: Instituti i Statistikave (Instat; Statistikamt Albanien), Banka e Shqiperise (Zentralbank Albaniens), Berechnungen von Germany Trade & Invest, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Ausländer bauen Engagement aus

Die Bruttoanlageinvestitionen sind zurzeit der wichtigste Wachstumstreiber für die albanische Wirtschaft. Nachdem sie 2016 bereits um 6 Prozent zugelegt hatten, lief es 2017 auf eine weitere Beschleunigung hinaus. Angaben des albanischen Statistikamtes Instat zufolge stiegen die Kapitalanlagen während der ersten drei Quartale 2017 um durchschnittlich 9,9 Prozent. Das deckt sich mit der Prognose der EU-Kommission für das Gesamtjahr 2017 in Höhe von 10 Prozent. Im Jahr 2018 dürften die Investitionen mit einem Plus von 4,4 Prozent etwas an Dynamik verlieren, so die Erwartung der Brüsseler Experten.

Schwerpunkte bilden neben dem Bau der Erdgaspipeline TAP einige größere Ausbau- und Modernisierungsvorhaben im Straßen- und Schienennetz sowie die Wasserkraft. Hinter diesen Investitionsvorhaben stehen nicht selten ausländische Akteure, was sich auch im Anstieg der nach Albanien strömenden Direktinvestitionen ablesen lässt. Für 2016 konnte die Zentralbank Albaniens einen Anstieg um 14,4 Prozent auf gut 936 Millionen Euro (netto) vermelden. Und zumindest im 1. Halbjahr 2017 ging es mit einem Plus von 10,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ähnlich dynamisch weiter.

Ausgewählte Großprojekte in Albanien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Teilabschnitt der TAP auf albanischem Territorium (215 km onshore, 37 km offshore) circa 1.500 (einschließlich der Abschnitte in Griechenland und Italien) Rohrstrang seit Ende September 2016 im Bau; Bau der Verdichterstation in Fier vorgesehen; Inbetriebnahme: etwa 2020 Projektträger: TAP-konsortium (https://www.tap-ag.com/about-us/our-contractors-and-sub-contractors); Kapazität: 10 Mrd. cbm pro Jahr; Ausbau auf 20 Mrd. cbm möglich
Bau des Wasserkraftwerks Moglice (Leistung: 172 MW) am Fluss Devoll und dessen Anbindung an das landesweite Übertragungsnetz 535 (für die Kaskade aus zwei Kraftwerken) Im Bau; Fertigstellung für 2019 angestrebt Projektträger: Devoll Hydropower (100%ige Tochter der norwegischen Statkraft; http://www.devollhydropower.al/new/); Wasserkraftwerk Banja (70 MW) seit Herbst 2016 am Netz Erweiterung um ein drittes Kraftwerk beabsichtigt
Sanierung und Ausbau zahlreicher regionaler und lokaler Straßen 150 Erste Ausschreibungen seit 2017 im Gange; Projektdauer bis Ende 2021 Projektträger: Albanian Roads Authority (Kontakt: Afrim Qendro, E-Mail: afrim.qendro@arrsh.gov.al); Finanzierung u.a. mit Mitteln der Weltbank
Bau des Wasserkraftwerks Kalivac (Leistung: 125 MW) 125 Konzession im November 2017 erteilt Projektträger: türkisch-albanisches Konsortium Ayen Enerji & Fusha (http://ayenas.al/)
Bau der Umgehungsstraßen in Fier und Vlora 100 Ausschreibungen für Bau- und sonstige Leistungen bis Sommer 2018 zu erwarten Projektträger: Albanian Roads Authority, (Kontakt: Dashamir Xhika, E-Mail: dashamir.xhika@arrsh.gov.al); Finanzierung u.a. durch EBWE und EIB (http://www.ebrd.com/cs/Satellite?c=Content&cid=1395258903605&d=Mobile&pagename=EBRD%2FContent%2FContentLayout)
Modernisierung und Ausbau der Eisenbahnstrecke Tirana-Durres (Neubau von 5 km zum Anschluss des Flughafens Tirana; 34 km Modernisierung) 90 Erste Ausschreibungen erfolgt, weitere bis Herbst 2018 zu erwarten Projektträger: Albanian Railways HSH ( Kontakt: Ilir Dashi, E-Mail: ilir.dashi@hsh.com.al); Finanzierung durch EU und EBWE
Bau eines 400-kV-Interkonnektors zwischen den Stromnetzen Albaniens und der ejR Mazedonien (Abschnitt Fier-Elbasan-Grenze Albanien/ejR Mazedonien über 130 km) 70 Kreditvereinbarung Mitte Januar 2017 ratifiziert; Ausschreibungen im Gange, Inbetriebnahme angestrebt für 2020 Projektträger: Betreiber des albanischen Übertragungsnetzes OST; Finanzierung durch KfW und EU (Kontakt: Peter Ley, E-Mail: peter.ley@kfw.de)
Windpark Tepelena (Leistung: 12 MW) 13 Genehmigungsverfahren Ende März 2017 abgeschlossen Projektträger: Alb-Building (http://www.albbuilding.com); zunächst sechs Windräder
Fertigstellung und Betrieb der Arber-Autobahn k.A. Konzession Ende Oktober 2017 erteilt; Baubeginn im Jahresverlauf 2018 vorgesehen Projektträger: albanische Firma Gjoka Konstruksion (http://www.gjokakonstruksion.al/home2/)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Albanien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Privathaushalte nehmen wieder mehr Geld in die Hand

Weiter aufwärts geht es auch mit dem privaten Verbrauch. Nach einer realen Zunahme um 2,9 Prozent im Jahr 2016 ließ die Dynamik 2017 leicht nach. Ein Übertreffen der Marke von 2 Prozent gilt jedoch als realistisch. Im Durchschnitt der ersten drei Quartale 2017 nahm der Konsum der privaten Haushalte um 2,5 Prozent zu. Zu dieser positiven Entwicklung trugen laut Zentralbank im Wesentlichen der leicht entspannte Arbeitsmarkt und mehr Möglichkeiten für die Bevölkerung, Kredite aufzunehmen, bei. Für 2018 geht die EU-Kommission davon aus, dass der private Verbrauch um 2,8 Prozent wachsen wird.

Als förderlich für das Konsumklima erweisen sich nach wie vor die beträchtlichen Barmittel, welche die Auslandsalbaner ihren Familien in der Heimat zukommen lassen. Laut Zentralbank hatten diese Transferleistungen 2016 gegenüber dem Vorjahr um gut 4 Prozent auf rund 960 Millionen Euro zugenommen. Für 2017 ist ein Stagnieren auf diesem Niveau oder sogar ein leichter Rückgang der Zuflüsse mit Blick auf das 1. Halbjahr wahrscheinlich. Jedenfalls fiel der von der Zentralbank für die ersten sechs Monate ausgewiesene Bruttobetrag in Höhe von 441 Millionen Euro um rund 3 Prozent geringer aus als ein Jahr zuvor.

Außenhandel: Exporte zweistellig im Plus

Der albanische Außenhandel hat sich 2017 belebt. Laut statistischen Erhebungen für die ersten elf Monate legten die Umsätze auf Basis der albanischen Währung Lek im Vergleich zur Vorjahresperiode um 9,5 Prozent zu. Gegenüber dem zwischen 2016 und 2015 erzielten Umsatzplus von relativ bescheidenen 4,4 Prozent nahm das Außenhandelsgeschäft somit wieder spürbar an Fahrt auf.

Besonders hohe Zugewinne gab es bei den Exporten, die um 13,2 Prozent zulegen konnten. Mit den Produktgruppen Metalle sowie Textilien und Schuhe erwiesen sich bedeutende Erzeugnisse der albanischen Wirtschaft als Wachstumsmotor. Der Zuwachs der Importe war im betrachteten Zeitraum mit 8 Prozent ebenfalls robust. Ein überdurchschnittliches Plus verbuchten mineralische Erzeugnisse und Brennstoffe sowie Textilien und Schuhe.

Deutschland war basierend auf Daten der albanischen Statistik für die ersten elf Monate 2017 das drittwichtigste Herkunftsland für Importe - hinter Italien und der Türkei. Laut Destatis dominieren Pkw die deutschen Ausfuhren. Albanische Waren gingen vor allem nach Italien, Kosovo, Spanien und Griechenland. Deutschland folgte hier auf Platz fünf.

Außenhandel Albaniens (in Mio. Euro; reale Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 3.898,4 4.215,8 8,1
Exporte 1.740,8 1.772,2 1,8
Handelsbilanzsaldo -2.157,6 -2.443,6 13,3

*) nur Waren ohne Dienstleistungen; umgerechnet zum Jahresdurchschnittskurs: 1 Euro =...Leke - 2015: 139,7; 2016: 137,4

Quellen: Instituti i Statistikave (Instat; Statistikamt Albanien), Banka e Shqiperise (Zentralbank Albaniens), Berechnungen von Germany Trade & Invest

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Albanien

Dieser Artikel ist relevant für:

Albanien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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