Wirtschaftsausblick

22.01.2018

Wirtschaftsausblick Januar 2018 - Armenien

Inhalt

Wirtschaftsleistung steigt weiter / Zahlreiche Infrastrukturprojekte in der Pipeline / Von Uwe Strohbach

Eriwan (GTAI) - Armeniens Aussichten auf ein reales Wirtschaftswachstum im Jahr 2018 von über 4 Prozent stehen gut. Die Prognose basiert auf erwarteten Zuwächsen in den Sektoren Industrie, Handel, Dienstleistungen, IKT und beim Export. Die Investitionen im Land konzentrieren sich auf die Modernisierung und den Ausbau der Energie-, Transport- und Wasserinfrastruktur.

Wirtschaftsentwicklung: Gute Chancen für kräftiges Wachstum 2018

Die Regierung Armeniens prognostiziert für 2018 einen realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 4,5 Prozent auf umgerechnet 12 Milliarden US-Dollar (US$). Damit setzt sich die dynamische Wirtschaftsentwicklung des Vorjahres in der südkaukasischen Republik fort. Im Jahr 2017 betrug das BIP-Wachstum nach ersten Schätzungen der Regierung mindestens 4,3 Prozent. Internationale Beobachter erwarten für 2018 ein Plus in einem Korridor von etwa 3,8 bis 5,8 Prozent.

Für die günstigen Wachstumsaussichten sprechen anhaltende reale Zuwächse in vielen Wirtschaftssektoren des Landes, der Konjunkturaufschwung auf wichtigen Auslandsmärkten, weiter anziehende private Geldtransfers der armenischen Gastarbeiter im Ausland und nicht zuletzt ein erwarteter stabiler Wechselkurs. Trotz des eingeleiteten Gesundungsprozesses bleibt die Gesamtlage der armenischen Volkswirtschaft weiterhin kritisch.

Die Staatsverschuldung nimmt zu. Die Staats- inklusive Auslandsschulden dürften Ende 2018 gut 60 Prozent des BIP erreichen gegenüber 55,1 Prozent im Jahr 2017 (Schätzung) und 44,2 Prozent im Jahr 2015. Die Armutsquote im Land beträgt fast 30 Prozent. Eine forcierte und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und vor allem eine effiziente Einbindung Armeniens in die internationale Kooperation wird durch die geschlossenen Grenzen zu den Nachbarn Aserbaidschan und Türkei als Folge des ungelösten geopolitischen Konflikts um die Region Bergkarabach erheblich erschwert.

MKT201801198004.14

Wirtschaftliche Eckdaten Armeniens
Indikator 2016 2017 1) Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 10,6 11,2 3.480
BIP pro Kopf (US$) 3.524,5 3.756,5 42.188
Bevölkerung (Mio.; 31.12.) 3,0 3,0 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = ... Armenischer Dram/AMD) 480,5 482,7 2) -

1) Schätzung von Ende Dezember 2017; 2) durchschnittlicher Wechselkurs für Januar bis November 2017

Quellen: Nationaler Statistikdienst Armeniens, Statistisches Bundesamt

Dennoch gibt es Hoffnung, dass sich das Gesamtbild der armenischen Wirtschaft in den kommenden Jahren weiter aufhellen wird. Das Regierungsprogramm für den Zeitraum 2017 bis 2022 umfasst ein ganzes Maßnahmenbündel für deutlich verbesserte unternehmerische Rahmenbedingungen (Niederlassungs-, Steuer- und Zollrecht), ausgeweitete Exporte von Waren und Dienstleistungen (auf bis zu 45 Prozent des BIP), forcierte Investorenanwerbung und beschleunigten Armutsabbau (um 12 Prozentpunkte). Zielmarkte des Programms für die Jahre bis 2022 ist ein durchschnittliches jährliches BIP-Wachstum von 5 Prozent.

Investitionen: Lang erwartete Trendwende in Sicht

Die schwache Investitionsneigung ist eines der Hauptprobleme der armenischen Wirtschaft. Die Anlagen schrumpften in den Jahren 2011 bis 2016 jährlich im Schnitt um real 7 Prozent und betrugen 2016 umgerechnet nur noch 854 Millionen US$. Der Zufluss ausländischer Direktinvestitionen hat sich 2015 und 2016 mit jeweils weniger als 140 Millionen US$ gegenüber den beiden Vorjahren halbiert. Seit dem 2. Halbjahr 2017 ist eine leichte Investitionsbelebung zu beobachten. Für 2018 rechnet die Regierung mit einer klaren Trendwende. Die erwarteten Investitionen von etwa 1 Milliarde US$ berücksichtigen internationale Geberfinanzierungen bei Infrastrukturprojekten, erste Projekte neuer Investitionsfonds sowie Initiativen zur Investitionsförderung, Gewerbeansiedlung und für den Tourismus.

Das gesamte Projektportfolio des zentralen Investitions- und Exportförderers "The Development Foundation of Armenia" betrug mit Stand 1. Januar 2018 rund 1,6 Milliarden US$. Vorhaben im Umfang von 125 Millionen US$ werden zurzeit mit potenziellen Investoren verhandelt. Darunter befinden sich mehrere Projekte, die in den steuerlich begünstigten Freizonen des Landes realisiert werden sollen. Im Frühjahr 2017 ging ein neues Portal für die Präsentation von Investitionsprojekten und die Suche nach potenziellen Investoren an den Start: http://www.investmentprojects.am.

Ausgewählte Großprojekte in Armenien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Ausbau/Erneuerung des Nord-Süd-Autobahnkorridors (Gesamtlänge: 470 km, fünf Phasen) mindestens 2.000 (Plan 2018: 47) Realisierung: 2009 bis 2022, Ausschreibungen der südlichen Trassen ab 2018 geplant (Investitionen: etwa 1,5 Mrd. US$), auch PPP-Projekte erwogen Kontakt über das Ministerium für Transport, Kommunikation und IT (http://www.mtc.am); bisheriges Volumen internationaler Kredite: circa 1,2 Mrd. US$ (Abruf und Zusagen)
Projekt Amulsar - technische Ausrüstung der zweitgrößten Goldmine Armeniens, Region Wajoz Dsor 370 (1. Phase) Realisierung: 2016 bis 2018 Lydian Armenia (Tochter der Lydian International Limited, Großbritannien/USA, http://www.lydianinternational.co.uk)
Programm für den Bau neuer Wasserspeicher *) bis zu 250 2017 bis 20220 Hauptkontakt: Staatliches Komitee für Wasserwirtschaft, (http://www.scws.am)
.Neuer Wasserspeicher Vedi, Region Ararat (Füllmenge: 31,5 Mio. cbm, Bewässerung von 7.500 ha) 90 Mio. Euro Realisierung: März 2017 bis Mitte 2022 Auftragnehmer: SAO Saakyanschin (Armenien) und Pega Construction (iranisches Konsortium), Finanzierung: Staatshaushalt/15 Mio. Euro und Französische Entwicklungsagentur/75 Mio. Euro
.Fertigstellung des Wasserspeichers Kaps, Region Schirak (Füllmenge: 25 Mio. cbm/1. Phase, Ausbau der Bewässerungsfläche um 5.000 ha) 56 Mio. Euro (1. Phase) Ausschreibung des Baus im Frühjahr 2018; geplante Fertigstellung: 2022 Finanzierung hauptsächlich über Kredite der KfW
.Bau der Speicheranlage Selav-Mastara, Region Armawir (Füllmenge: 10,2 Mio. cbm; Bewässerung von etwa 4.400 ha Ackerboden) 30 Erstellung einer detaillierten Machbarkeitsstudie und Vorbereitung eines ersten Projektdesigns bis Ende 2018 Kofinanzierung über einen Kredit der Eurasischen Entwicklungsbank
.Bau von elf kleinen Wasserspeichern 70 zurzeit Suche nach Investoren
Neues Kombi-Wärmekraftwerk (234 MW), Eriwan 280 Realisierung: 2017/18 bis 2019 ArmPower/Renco S.p.a. (Italien, http://www.renco.it); Projektvereinbarung vom 23.3.17 (Regierung Armeniens und Renco S.p.a); Finanzierung über privates Kapital
Modernisierung/Ausbau der Stromnetze (1. Phase) circa 200 Realisierung: 2018 bis 2021 ENA (Electric Networks of Armenia/Firmengruppe Tashir, Russland) (http://www.ena.am)
Modernisierung der Wasserkraftwerkskaskade Worotan (drei Kraftwerke, 404 MW) mindestens 150 Realisierung: 2017 bis 2020/21 Contour Global Hydro, USA (http://www.contourglobal.com); internationale Kredite über 140 Mio. US$ (IFC/45 Mio. US$, KfW/65 Mio. US$ und DEG/30 Mio. US$)
Modernisierung und Ausbau der Gasversorgung (Schwerpunkte: Ausbau des Gasspeichers in Abowjan und Bau neuer zentraler Leitungsnetze) 70 Realisierung: 2018 bis 2020 SAO Gazprom Armenien (100%ige Tochter der russischen Energieholding Gazprom; http://www.armenia.gazprom.ru)

*) laut einer Aktualisierung des Programms vom Oktober 2017 (weitere Projekte für den Bau kleiner Wasserspeicher sind geplant)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest, Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten finden Sie unter http://www.gtai.de/armenien "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Verbraucher geben wieder mehr aus

Die Konsumneigung der Armenier weist nach stetigen Rückgängen in den Jahren 2014 bis 2016 seit 2017 wieder nach oben. Der Einzelhandelsumsatz stieg in den ersten elf Monaten 2017 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 6,1 Prozent auf umgerechnet 2,4 Milliarden US$. Die Importe von solchen Produktgruppen wie Haushalts- und Unterhaltungstechnik, weißer Ware und Möbel wuchsen zum Teil zweistellig. Die Einzelhändler können auch 2018 mit einer realen Ausweitung ihrer Umsätze um etwa 5 Prozent rechnen. Angekurbelt wird das Geschäft durch die gute Konjunktur, wieder steigende private Geldüberweisungen der armenischen Gastarbeiter aus Russland sowie durch ein wachsendes Interesse der Verbraucher an Ratendarlehen für den Kauf langlebiger Konsumgüter.

Euphorie im Handel ist jedoch fehl am Platz. Eine offizielle Armutsquote von fast 30 Prozent, eine Arbeitslosenquote von circa 18 Prozent und geringe durchschnittliche Bruttomonatslöhne (Januar bis November 2017: 390 US$) dämpfen den Konsum. Die meisten armenischen Verbraucher setzen auf preiswerte in- und ausländische Produkte sowie Sonderangebote. Wenn in letzter Zeit auch langsamer als bisher, so setzt sich der Trend hin zu modernen Geschäften und Einkaufszentren und weg von den früheren traditionellen Basaren und Märkten fort.

Außenhandel: Gute Aussichten auf weiteren signifikanten Zuwachs

Der Außenhandel verbuchte 2017 ein kräftiges Wachstum und hat damit wieder das frühere Rekordniveau von 2014 erreicht. Das Importplus von 28 Prozent in den ersten elf Monaten 2017 im Vergleich zur Vorjahresperiode geht vor allem auf das Konto der Warengruppen mineralische Produkte, fertige Nahrungsmittel, chemische Erzeugnisse, Transportmittel (Pkw), Maschinen, Ausrüstungen und Geräte sowie Textilien und Bekleidung. Im Jahr 2018 dürfte sich der positive Trend bei den Einfuhren fortsetzen. Die wichtigsten Bezugsländer Armeniens waren in den ersten elf Monaten 2017 Russland, Georgien, die Schweiz, die VAE, die Türkei und Deutschland (138 Millionen US$). Bei den Lieferungen aus Georgien, der Schweiz und der VAE handelte es sich größtenteils um Waren mit Ursprung in anderen Ländern.

Der Exportzuwachs von 23,5 Prozent in den ersten elf Monaten 2017 resultiert aus erheblichen wert- und zum großen Teil auch mengenmäßigen Mehrlieferungen von mineralischen Produkten (Kupfer und Kupferkonzentrat), Getränken und fertigen Lebensmitteln, frischem Obst und Gemüse, NE-Metallen sowie Textilien und Bekleidung. Die Ausfuhren sollen laut den Prognosen der Regierung auch 2018 deutlich zweistellig steigen. Ein umfangreicher elektronischer Katalog mit armenischen Exportwaren wird gegenwärtig erstellt. Dieser ist Teil neuer zentraler Initiativen zur Exportförderung. Armeniens Exporte gehen vor allem nach Russland, Bulgarien, in die Schweiz, nach Georgien und Deutschland (119 Millionen US$).

Außenhandel Armeniens (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 1) Veränderung 2017/16 2)
Warenimporte (cif) 3.273,5 3.770,4 28,0
Warenexporte (fob) 1.791,7 2.013,8 23,5
Handelsbilanzdefizit -1.481,8 -1.756,6 -

1) Januar bis November; 2) Veränderung Januar bis November 2017 gegenüber Januar bis November 2016

Quelle: Nationaler Statistikdienst Armeniens

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Armenien

Dieser Artikel ist relevant für:

Armenien Export, Import, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Außenhandel / Struktur, allgemein, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures, Konsum / Konsumentenverhalten

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