Wirtschaftsausblick

23.01.2018

Wirtschaftsausblick Januar 2018 - Guinea

Inhalt

Bauxit-Boom beflügelt die Wirtschaft / Von Carsten Ehlers

Conakry (GTAI) - Guinea befindet sich in einem Prozess wirtschaftlichen Aufschwungs. Das westafrikanische Land, welches noch vor wenigen Jahren von der Ebola-Krise betroffen war, profitiert von umfangreichen Investitionen in den Bauxitbergbau und Zusagen von Geberorganisationen in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar. Große Teile davon dürften in Infrastrukturprojekte fließen. Die Geschäftschancen dürften in den kommenden Jahren deutlich zunehmen.

Wirtschaftsentwicklung: Guinea rechnet auf Jahre mit hohem Wachstum

Nachdem Guineas Wirtschaft in der Periode der Ebola-Epidemie 2014 und 2015 heftige Einbußen verzeichnete, erholt sie sich nun sichtbar. Während die Steigerungsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2017 auf etwa 6,7 Prozent beziffert wird, rechnet Economist Intelligence Unit (EIU) für 2018 mit einem BIP-Plus von 7,2 Prozent. Guinea war neben Liberia und Sierra Leone das von der Ebola-Krise am meisten betroffene Land.

Das derzeitige Wachstum hebt sich innerhalb der zurzeit kriselnden Region Subsahara-Afrika deutlich positiv ab. Vorteilhaft für die Stimmung in dem latent instabilen Land dürfte sich auch auswirken, dass vorerst kein Wechsel an der Spitze des Staates ansteht und damit ein gewisses Maß an politischer Stabilität gewährleistet scheint. Der im Oktober 2015 gewählte Präsident Alpha Condé muss sich erst 2020 wieder zur Wahl stellen.

Treibende Kraft für die wirtschaftliche Dynamik ist der relativ plötzlich boomende Bauxitabbau. Investoren aus aller Welt investieren derzeit mehrere Milliarden US-Dollar (US$) in den Auf- oder Ausbau von Großminen. Das Abbauvolumen soll nach Abschluss der Arbeiten von zurzeit etwa 26 Millionen auf über 40 Millionen Tonnen pro Jahr steigen.

Der Run auf das Bauxit hat seine Ursache im hohen Bedarf an Aluminium auf den Weltmärkten. Aluminium verzeichnete seit etwa Ende 2015 eine kräftige Preissteigerung von rund 1.450 US$ je Tonne auf nun über 2.100 US$ je Tonne. In Guinea befinden sich die größten bekannten Bauxitlagerstätten der Welt. Insgesamt werden die Reserven auf 7 Milliarden Tonnen geschätzt, mehr als ein Viertel der weltweiten Vorkommen.

Zudem erhielt Präsident Condé bei einem China-Besuch im September 2017 Zusagen über chinesische Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 20 Milliarden US$. Im Gegenzug sollen die Chinesen Bauxitkonzessionen erhalten. Es ist vor allem mit Maßnahmen in den Bereichen Energie und Transport zu rechnen. Auf einem "Gebergipfel" im November 2017 in Paris signalisierten auch andere Geber wie Weltbank, Islamische Entwicklungsbank, Afrikanische Entwicklungsbank, EU und Frankreich ihre Bereitschaft zur Unterstützung. So wurden Hilfsgelder in Höhe von mehreren Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt, um die Regierung bei der Umsetzung ihres Entwicklungsplans "Plan National de Développement Economique et Social (PNDES)" zu unterstützen.

MKT201801228004.14

Wirtschaftliche Eckdaten Guinea
Indikator 2016 2017 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 6,5 7,5 3.480,2
BIP pro Kopf (US$) 669,9 708,0 42.188
Bevölkerung (Mio.) 12,4 12,7 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = x Guinea-Franc (GNF)) 9.914,8 10.304,5 -

Quellen: EIU; Internationaler Währungsfonds; Oanda; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Hoffnung auf mehr staatliche Infrastrukturinvestitionen

Das Investitionsvolumen ist zuletzt deutlich gestiegen. Einen Großteil machen die Milliarden-US-Dollar-Investitionen im Bauxitbergbau aus. Dort sind Gesellschaften aus Russland, der VR China, Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten dabei, massive Produktionskapazitäten aufzubauen. Im Zuge dessen fließt seitens der Unternehmen auch viel Geld in den Ausbau von Bahntrassen, Straßen und Verschiffungsterminals. Beobachter hoffen, dass sich die mit dem Bauxitboom einhergehenden steigenden staatlichen Einnahmen auch in öffentlichen Infrastrukturinvestitionen niederschlagen, unter anderem im Straßen- und im sozialen Wohnungsbau.

Insbesondere die in Guinea sehr aktiven Chinesen dürften unter Verwendung der zugesagten 20 Milliarden US$ eine Reihe von Infrastrukturinvestitionen durchführen. Auch besteht die Hoffnung, dass es zu größeren Projekten in der Landwirtschaft, zum Beispiel zum Ausbau der Reisproduktion, kommt. In der Hauptstadt Conakry werden etliche private Hochbauprojekte durchgeführt. Auffällig ist, dass nach vielen Jahren des Stillstandes mehrere große Hotels wie Noom, Sheraton, Niger, Kaloum und Radisson Blu gebaut wurden oder werden.

Ausgewählte Großprojekte in Guinea
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Compagnie des bauxites de Guinée (CBG) Expansion 1.200 Im Bau. CBG baut seine Minen in Kamsar und Sangarédi aus.
Bauxitmine von Emirates Global Aluminium (EGA) in Boké 1.000 Im Bau. Erwarteter Produktionsbeginn 2018. Investition durch die Guinea Alumina Corporation (GAC), einer Tochter von EGA. Produktionskapazität soll bei 12 Mio. jato liegen.
Alufer Mining in Bel Air 205 Im Bau. Erwarteter Produktionsbeginn ab Ende 2018. Alufer baut eine Mine mit einer Kapazität von 5,5 Mio. jato auf.
Bauxitmine von Alliance Minière Responsable (AMR) in Boké 200 Geplant. Angestrebter Produktionsbeginn 2019. Die französische AMR will eine Abbaukapazität von 5 Mio. jato erreichen.
Société des bauxites de Dabola-Tougué (SBDT) 553 k.A. Der iranische Staat hält 51% der Anteile und plant einen Aufbau der Minen bei Dabola und Tougué.
Bauxitmine von Rusal in Dian-Dian (Tinquituta). 220 in 1. Phase Im Bau. Bau einer neuen Bauxitmine mit einer Abbaukapazität von 3 Mio. jato, später 6 Mio. jato.
Aluminium Corporation of China (Chalco) 500 Geplant. Chalco will 2018 mit dem Aufbau der Mine starten.
Wasserkraftwerk Souapiti (500 MW) 1.500 Im Bau. Gebaut von China International Water and Electric Corporation (CWE), Tochter von China Three Gorges Corporation (CTG).
Instandsetzung des Friguia Aluminiumkomplex von Rusal k.A. Geplant. Die Anlage steht seit 2012 still, soll von Rusal wieder in Betrieb genommen und später auf eine Kapazität von 1,05 Mio. jato ausgebaut werden.
Cité Internationale de Conakry 100 Im Bau seit 2015. Wohnungskomplex auf 24 ha Land in Conakry-Kipé, finanziert und durchgeführt von China.
Ausbau des Hafens von Conakry 770 Geplant. Ausbau soll durch die China Harbour Engineering Company (CHEC) realisiert werden.

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/guinea, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Dynamik im Großraum Conakry

Durch den Konjunkturaufschwung kommt auch der Konsum in Fahrt. Für zunehmende Nachfrage sorgt zudem die jährlich um etwa 300.000 Menschen wachsende Bevölkerung. Allerdings lebt der Großteil weiterhin in Armut. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von etwa 670 US$ (2016) zählt Guinea zu den ärmeren Ländern Afrikas. Steigenden Konsum gibt es in Conakry, wo größtenteils die guineische Mittel- und Oberschicht lebt, sowie im Umfeld der Bauxitminen, wo Tausende von Bau- und Minenarbeitern plötzlich Arbeit finden.

In Conakry wird in den Ausbau des formellen Einzelhandels investiert. Im Jahr 2016 öffnete mit dem Prima Center das erste Einkaufszentrum Guineas seine Pforten. Die spanische Supermarktkette Dia hat bereits drei Supermärkte in Conakry eröffnet. Da die heimische Landwirtschaft und Industrie die lokale Nachfrage nicht annähernd bedienen können, muss fast alles importiert werden, wie Zwiebeln aus Holland, Tomatenmark aus China, Hühnerfleisch aus Brasilien, Speiseöl aus Malaysia und Reis aus Asien. Gleiches gilt für Körperpflegeprodukte wie Shampoos und Kosmetika. Deutsche Produkte fehlen in Guinea fast völlig, obwohl sie nach Angaben von Importeuren auch vom Preis her gut mithalten könnten.

Außenhandel: Deutsche Exporte nehmen deutlich zu

Noch im "Ebola-Jahr" 2014 lagen die deutschen Exporte in das westafrikanische Land bei gerade einmal 27,5 Millionen Euro. Seitdem hat sich der Wert vervielfacht und erreichte 2016 etwa 89 Millionen Euro. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Ausfuhrwert zwischen Januar und Oktober 2017 bereits bei 104,3 Millionen Euro. Damit rückt Guinea zumindest vorübergehend in die Riege der mittelgroßen afrikanischen Absatzmärkte für die deutsche Wirtschaft auf, in etwa auf Augenhöhe mit Kamerun, Senegal oder Uganda. Normalerweise ist Guinea ein Absatzmarkt mit geringer Signifikanz.

Ein überwiegender Teil der gestiegenen Nachfrage kommt von den Großbaustellen der Bauxitminen. Von dort werden Bergbaumaschinen und Fördertechnik in großem Umfang geordert. Hinzu kommen Investitionen für den Abtransport des Rohstoffs. Technische Ausrüstungen werden für die neuen Verschiffungsterminals ebenso benötigt wie für Eisenbahntrassen von den Minen zu den Häfen. Darüber hinaus werden aus Deutschland Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Chemikalien und Gebrauchtwagen geliefert. Guinea exportiert ausschließlich Rohstoffe, vor allem Bauxit, Gold und Diamanten.

Außenhandel Guineas (in Mio. US$; Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2017/2016
Importe 4.429,5 4.980,4 12,4
Exporte 2.414,3 3.258,1 35,0
Handelsbilanzsaldo -2.015,2 -1.722,3 -

Quelle: EIU

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--guinea-januar-2018,did=1854452.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=branchencheck-guinea-januar-2018,did=1855302.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Guinea Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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