Wirtschaftsausblick

14.07.2017

Wirtschaftsausblick Juni 2017 - Peru

Inhalt

Wiederaufbau nach Unwetterkatastrophe / Von Anne Litzbarski

Santiago de Chile (GTAI) - In Peru leiden Wirtschaftswachstum und Konsum unter den schweren Überschwemmungen vom Frühjahr 2017. Der Finanzierungsbedarf für die Beseitigung der Schäden ist hoch. Doch das Land ist makroökonomisch gut gewappnet. Der unternehmensfreundliche Kurs der neuen Regierung unterstützt Investitionen.

Wirtschaftsentwicklung: Starke Niederschläge und Korruption bremsen Wachstum

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte im Mai die Wachstumsprognose des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2017 von 3,5 auf 2,7%. Neben den Schäden durch das Klimaphänomen El Niño berücksichtigte er dabei die Verzögerung großer Infrastrukturprojekte nach dem Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht. Für 2018 hob der IWF seine Prognose leicht auf 3,8% an. Er erwartet eine zügige Wiederaufnahme der Großprojekte. Wenn weiterhin in den Bergbau investiert wird und die Reformen greifen, vor allem die zum Arbeitsmarkt, könnte die Rate höher ausfallen.

Für die Beseitigung der Schäden an Straßen, Brücken und Häusern rechnet die Regierung kurzfristig mit Kosten in Höhe von 9 Mrd. US$. Anders als nach den El-Niño-Überschwemmungen von 1983 und 1998 kann Peru den Wiederaufbau 2017 finanziell stemmen. Außerdem verspricht Präsident Kuczynski Anreize für den privaten Sektor, um sich am Wiederaufbau zu beteiligen

Der höchste Finanzbedarf fällt nach den bisherigen Planungen 2018 an. Anstelle von Steuererhöhungen plant die wirtschaftsliberale Regierung höhere Haushaltsdefizite für die kommenden vier Jahre. Infolgedessen prognostiziert die Zentralbank einen Anstieg des Fehlbetrags im öffentlichen Haushalt von 2,8% des BIP. Analysten bewerten das als nicht besorgniserregend, weil das Niveau der Staats- und Auslandsverschuldung niedrig ist. Die Brutto-Staatsverschuldung lag 2016 bei etwa 24,8% des BIP. Da die Steuereinnahmen 2016 höher und die staatlichen Ausgaben niedriger als erwartet ausfielen, blieb das Haushaltsdefizit mit 2,7% des BIP um 0,3 Punkte unter dem Ziel der Regierung. Staatsausgaben werden das Wirtschaftswachstum ankurbeln.

MKT201707138002.14

Wirtschaftliche Eckdaten
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 192,1 180,3 3.468
BIP pro Kopf (US$) 6.120 6.506 42.047
Bevölkerung (Mio.) 31,4 31,5 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, Neuer Sol/US$) 3,19 3,38 -

Quellen: Banco Central de Reserva del Perú, Bundesbank, Statistisches Bundesamt, IWF

Investitionen: Private Projekte in Bergbau, Energie- und Infrastruktur

Die drei Pfeiler Ausfuhr, staatliche Investitionen und private Projekte sollen den Aufschwung nach dem holprigen Jahresbeginn tragen. Die Zentralbank traut den privaten Investitionen 2017 ein Plus von 2,5% zu; den öffentlichen sogar von 11,0%.

Die Studie "Portfolioinvestitionsprojekte 2017-2022" der Handelskammer von Lima (Cámara de Comercio de Lima, CCL) listet 332 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 109 Mrd. US$. Sie bezieht dabei Projekte mit einem Volumen über einer Mio. US$ ein. Die 191 privaten Projekte umfassen etwa 90 Mrd. US$, die 76 öffentlich-privaten Initiativen circa 15 Mrd. US$ und die restlichen 65 Projekte aus dem öffentlichen Sektor knapp 4 Mrd. US$.

Die Pläne des Privatsektors konzentrieren sich wertmäßig außer auf Transport (17); Öl (10), Strom (48) und den Bergbau (42), Die Stromprojekte teilen sich auf in 35 Wasserkraftprojekte, 3 mit Windkraft, 2 mit Solarenergie und 1 thermoelektrisches Kraftwerk sowie 7 Übertragungsleitungen.

Ausgewählte Großprojekte

Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Südamerikanische Transkontinentalbahn (Corredor Ferroviario Bioceánico Central) durch Brasilien, Bolivien und Peru 10.000 Design und Engineering (im Anfangsstadium), Inbetriebnahme 2025 Ministerio de Obras Públicas, Servicios y Vivienda, oopp@oopp.gob.bo, Alberto Gutierrez, Projektmanager, Telefon: 00591/22 11 99 99. Ministerio de Transportes y Comunicaciones, atencionalciudadano@mtc.gob.pe, Tel.: 0051/16 15 79 00 und -78 00. Ministerio de Transporte y Obras Públicas Uruguay, Empresa de Planejamento e Logística, China Railway Eryuan Engineering Group
Metro von Lima, Linie 2 5.658 Seit 2014 im Bau, geplante Fertigstellung 2021. Nach Verzögerungen scheint im Juni 2017 eine Einigung in Sicht Lima/Ministerio de Transportes y Comunicaciones, Svetlana Tarasova, Manager Infrastruktur, starasova@aate.gob.pe, Telefon: 0051/224 24 44. Consultigfirmen: Consorcio Geodata-Esan-Serconsult,ConsultingConsorcio Supervisor, Internacional Línea 2,ControllingMetro de Madrid.
Gold- und Kupfer-Bergbauprojekt Conga 4.800 Umweltverträglichkeitsstudie genehmigt; vorerst gestoppt wegen anhaltendem Widerstand Regionen Cajamarca, Celendín/ Minera Yanacocha, Meredith H. Bandy, VP Investor Relations, meredith.bandy@newmont.com, Tel.: 0051/30 38 37 51 43
Ölraffinerie Talara, Erweiterung und Modernisierung 4.800 Seit 2015 im Bau, Fertigstellung 2019 Region Piura/ Petróleos del Perú - Petroperú Carlos Ortega Chiwonk, Purchasing Manager, cortegac@petroperu.com.pe. ExxonMobil, Corporación Financiera de Desarrollo, Société Générale, Mota-Engil Perú, TechnipFMC plc., UOP LLC, Técnicas Reunidas, Minor building Works, Consorcio PMC Talara, Haldor Topsoe, Esmetal, Axens, Consorcio JJC - Cosapi/Talara
Sistema Integrado de Transporte de Gas Zona Sur del Perú, vormals Gasoducto Sur Peruano (GSP), Gasleitung in den Süden 4.600 Neuausschreibung erwartet, vermutlich 2018 Projekt soll mit anderen Betreibern fortgesetzt werden
Bergbauprojekt Quellaveco 3.300 Im Bau, Fertigstellung 2019 Region Moquegua/Anglo American Quellaveco S.A. (Vereinigtes Königreich), Luis Vargas, Project Manager, luis.vargasmalaga@angloamerican.com, Telefon: 0051/53 58 44 30. Fluor Corp., Arcadis N.V., Minor building Works, Knight Piésold Consultores, Minor building Works, ZER Geosystem Perú, MWH Perú, Penta Ingenieros Asociados, CPD & A, Proyectos y Estudios Mineros (Proesmin), Minor building Works, Skava Consulting
Wasserkraftwerkkomplex Río Grande I and II 2.500 Zusätzliche Umweltstudie verlangt Regionen Cajamarca, Amazonas und La Libertad/ Odebrecht Energía del Perú, César Gonzáles, Sustainability and communications manager, cesargonzales@odebrecht.com, Telefon: 0051/12 02 20 55. Amec Foster Wheeler, AMEC Perú, Amec Foster Wheeler, AMEC Perú
Anden-Tunnel (Túnel trasandino del centro) zur Verkürzung der Eisenbahnlinie zwischen Lima und Huancayo 2.000 Auftrag für die Machbarkeitsstudie im Mai 2017 vom Transport- und Kommunikationsministerium an das Konsortium Ferrocarril Transandino vergeben Lima und Region Junín/Ministerio de Transportes y Comunicaciones;Konsortium Ferrocarril Transandino: Dohwa Engineering, Geodata Engineering, Italferr. Consulting: Tra(¿)sandino ISGConsulting
Kupferbergwerk Tía María 1.400 Genehmigung zur Umweltverträglichkeitsprüfung erhalten; Warten auf die Baugenehmigung Region Arequipa/Southern Perú Copper Corporation (Mexiko), José Vargas, Project Manager, josevargasr@southernperu.com.pe, Telefon: 0051/15 12 04 40 und -48 90. Schlumberger Water Services (SWS), JRI Ingeniería, Outotec (Perú), RAS Industries Ltd., Isotope Tracer Technologies Inc. (IT2), Ego Aguirre & Smuda, Geoservice Ingeniería, Esmetal
Chavimochic III; Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen, Wasserkraftwerk 715 Verzögerung. Geplante Fertigstellung 2018 kann wohl nicht eingehalten werden PPP-Projekt, Region La Libertad/ Ministerio de Transportes y Comunicaciones, atencionalciudadano@mtc.gob.pe, Telefon: 0051/16 15 79 00 und -78 00 und Grupo Graña y Montero, Nicolay Castillo Gutzalenko, Business Development VP - Infrastructure, nicolay.castillo@gym.com.pe, Telefon: 0051/12 13 04 44

*) Umrechnung mit dem durchschnittlichen Wechselkurs 2016: 1 US$ = 3,38 peruanische Sol (S/.)

Quellen: MEF, ProInversión, BNamericas, Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/peru, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Stillstand bei der Armutsbekämpfung hemmt Binnennachfrage

Die Prognosen für den Anstieg des privaten Konsums hat die peruanische Zentralbank in ihrem jüngsten Bericht vom Juni 2017 auf 2,5% gesenkt (von 3,1% aus dem Bericht von März). Im nächsten Jahr soll die Rate wieder auf 3,0% steigen, was aber ebenfalls verhaltener ist als die ursprüngliche Einschätzung - und niedriger als die früheren Werte von jeweils 3,4% in den Jahren 2015 und 2016. Seit 15 Jahren steigt die Rate, doch im Vergleich zu den früher sehr starken Zuwächsen von 6,6% ist seit 2014 von Stagnation die Rede.

Das liegt zum einen daran, dass sich die Armut 2017 nicht mehr im gleichen Umfang verringern wird wie zuvor. Weniger Menschen aus der strukturellen Armut zu befreien, bedeutet auch eine niedrigere Kaufkraft. Der zweite Grund sind informelle Einkommen aus nicht offiziell registrierten Jobs, die mehr als 80% der Haushalte betreffen. Zwar wurden Fortschritte bei der Formalisierung des Arbeitsmarktes erzielt, aber die aktuelle Konjunkturabschwächung verzögert den Prozess. Positiv ist, dass sich das durchschnittliche Familieneinkommen zwischen 2006 und 2016 verdoppelt hat.

Außenhandel: Importe im 1. Quartal 2017 deutlich gestiegen

In den ersten drei Monaten des Jahres 2017 gab Peru 32% mehr für Einfuhrgüter aus als im gleichen Zeitraum 2016. Als Wachstumstreiber macht die Handelskammer von Lima Investitionsgüter aus. Außerdem legten Kraftstoffe und Schmiermittel sowie Rohstoffe für die Lebensmittelverarbeitung und die chemisch-pharmazeutische Industrie am stärksten zu. Auch elektrische Generatoren für den Bergbau wurden nachgefragt. Für 2017 und 2018 prognostiziert das Wirtschafts- und Finanzministerium einen Anstieg der Importe um 7,8 beziehungsweise 4,8% gegenüber dem Vorjahr.

Aufgrund der größten Überschwemmungen seit zwei Jahrzehnten gelangten Ausfuhrgüter nicht wie gewohnt zu den Verladehäfen an der Küste und es kam zu Versorgungsengpässen. Inzwischen sind die Verkehrswege wieder passierbar. Die Zentralbank geht dennoch davon aus, dass sich der positive Außenhandelssaldo 2017 im Vergleich zu 2016 auf knapp 4 Mrd. US$ etwa verdoppelt. Bei rund 4,3 Mrd. US$ soll er der Prognose zufolge 2018 liegen.

Außenhandel Perus (in Mio. US$; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 37.385 35.107 -6,1
Exporte 34.236 36.838 7,6
Handelsbilanzsaldo -3.150 1.730 -

Quelle: MEF

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/peru

Dieser Artikel ist relevant für:

Peru Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

Jutta Kusche Jutta Kusche | © GTAI

Kontakt

Jutta Kusche

‎+49 228 24 993 419

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche