Wirtschaftsausblick

06.07.2017

Wirtschaftsausblick Juni 2017 - Serbien

Inhalt

Wachstum von 3% möglich / Von Jan Triebel

Belgrad (GTAI) - Serbiens konjunktureller Aufschwung setzt sich fort. Wetterbedingt blieb das Wirtschaftswachstum im 1. Quartal 2017 zwar hinter den Erwartungen zurück. Ein Zuwachs im Bereich von 3% gilt für das Gesamtjahr aber nach wie vor als erzielbar. Dafür sorgt vor allem die anhaltend robuste Auslandsnachfrage. Einen wichtigen Beitrag steuern zudem die Investitionen bei, die erneut spürbar zulegen. Den Aufwärtstrend trägt zudem die private Nachfrage.

Wirtschaftsentwicklung: Exporte und Investitionen sorgen für nötigen Schwung

Dank einer erneuten Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Zeitraum Januar bis März 2017 expandierte Serbiens Wirtschaft mittlerweile das achte Quartal in Folge. Dies geschah zuletzt aber mit weitaus weniger Schwung als im gesamten Vorjahr. Das 1. Quartal 2017 schnitt mit einer BIP-Zunahme um lediglich 1,2% auf Jahresbasis bescheiden ab. Grund dafür war an erster Stelle ein kalter und langer Winter, der in der Landwirtschaft und im Bau merkliche Wachstumsdellen verursachte.

Bleiben gravierende Wetterunbilden und negative wirtschaftliche Einflüsse von außen im weiteren Jahresverlauf aus, so kann Serbiens Konjunktur mit einem erneuten Zugewinn an Dynamik rechnen. Daher behält die Prognose, dass die Wirtschaft des Landes 2017 um etwa 3% wachsen wird, zunächst Bestand. Für 2018 halten EU-Kommission, Weltbank, der Internationale Währungsfonds und die Economist Intelligence Unit einstimmig einen Anstieg auf etwa 3,5% für wahrscheinlich.

Mit Zunahmen bei den Exporten, den Bruttoanlageinvestitionen und dem Privatkonsum ist der Aufschwung weiterhin breit aufgestellt. So profitiert etwa Serbiens Wirtschaft stark von der anhaltend hohen Auslandsnachfrage - hauptsächlich aus der EU. Aber auch die Importe legen zu. Zwar belebt sich die private Nachfrage nur zögerlich; der Einzelhandel erzielt jedoch ansehnliche Umsatzzuwächse. Unterstützend wirkt ein leichtes Wachstum bei den Reallöhnen und den Geldtransfers der serbischen Diaspora in die Heimat.

Für eine weitere Stärkung der Kaufkraft sprechen geplante Gehaltserhöhungen für große Teile des Personals im öffentlichen Sektor. Spürbare Vergütungseinschnitte, die im Ende 2014 als Herzstück der Sparmaßnahmen zur Haushaltskonsolidierung galten, wurden mittlerweile zwar in ausgewählten Beschäftigtengruppen durch erste moderate Anpassungen wieder teilweise kompensiert. Der bereits mehrfach angekündigte signifikante Anstieg der Gehälter und Renten wird Regierungskreisen zufolge voraussichtlich aber nicht vor Ende 2017 zum Tragen kommen.

MKT201707058005.14

Wirtschaftliche Eckdaten Serbiens
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 33,49 34,12 3.132,7
BIP pro Kopf (Euro) 4.720 4.821 37.866
Bevölkerung (Mio.) *) 7,095 7,076 82,7
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = ... RSD) 120,7328 123,1179 -

*) Schätzung Jahresbeginn

Quellen: RZS, Statistisches Bundesamt

Investitionen: Bausektor steuert auf hohes Aktivitätsniveau zu

Die positive Investitionsneigung hat Bestand. Während die Bruttoanlageinvestitionen 2016 im Vorjahresvergleich ein Plus von vorläufig 4,9% verzeichneten, ist für 2017 eine moderate Beschleunigung auf 5,8% zu erwarten. Auch für 2018 gilt ein ähnliches Wachstum als wahrscheinlich.

Impulse geben vor allem Großprojekte in der Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie zunehmend im Hochbau mit den Schwerpunkten Wohn- und Büroraum. Die Kälteperiode im 1. Quartal 2017 ließ zunächst die im Land erbrachten Bauleistungen gegenüber dem Vorjahresstand real um 7,6% sinken. Der deutliche Anstieg bei Zahl und wertmäßigem Umfang der neu erteilten Baugenehmigungen lässt auf eine gute Auftragslage im weiteren Jahresverlauf und für die Zeit danach schließen.

Die ausländischen Direktinvestitionen zogen 2016 laut serbischer Zentralbank netto mit 1,86 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr um 3,2% an. Der Start ins Jahr 2017 sorgte zunächst für einen Dämpfer. Das Neuengagement von Investoren aus dem Ausland verringerte sich im Vorjahresvergleich im 1. Quartal 2017 um 26,1%. Aber auch hier gilt angesichts mehrerer in der Pipeline befindlicher Vorhaben ein Plus für das Gesamtjahr als wahrscheinlich.

Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Wohn- und Geschäftsviertel Belgrade Waterfront 3.500 Bau zweier Wohnhäuser und Erschließungsarbeiten für weitere Gebäude des Komplexes im Gang; Auftrag für Wohnturm BW Vista im Frühjahr 2017 an Strabag Serbien vergeben Mehrere Bauabschnitte für insgesamt 1,8 Mio. qm Nutzfläche (darunter 5.700 Wohnungen, 2.200 Hotelzimmer, 12.700 Büroräume; Eagle Hills/VAE, (http://www.eaglehills.com/our-developments/serbia/belgrade-waterfront; Kontakt für potenzielle Zulieferer: http://www.eaglehills.com/sr/suppliers)
Modernisierung und Ausbau der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Belgrad 1.000 Mehrere Projektphasen bis 2025; PPP für bestimmte Einzelvorhaben im Gespräch; Abwassersammler und Kläranlage Batajnica im Frühjahr 2017 mit Ausschreibung bestimmter Leistungen zur Beratung und Bauvorbereitung angestoßen Verantwortlich im Großraum Belgrad für Wasserver- und Abwasserentsorgung Beogradski vodovod i kanalizacija (http://www.bvk.rs; Kontakt: Milan Stamenic, E-Mail: milan.stamenic@bvk.rs)
Modernisierung und Erweiterung der Ausrüstungen für den Braunkohletagebau Kolubara 250 Beginn noch für 2017 angekündigt Kraftwerks- und Tagebaubetreiber: EPS (Kontakt: Slobodan Mitrovic, E-Mail: proizvodnja.uglja@eps.rs)
Wohn- und Geschäftsviertel Skyline Belgrade 200 Bauvorbereitungen abgeschlossen; Baubeginn noch für 2017 geplant Mehrere Bauabschnitte für insgesamt 68.000 qm Fläche, davon 34.000 qm Wohnungen, 30.000 qm Büros, 4.000 qm Einzelhandel; AFI Europe/Israel (http://www.belgradeskyline.rs/; http://afi-europe.eu/Projects/SkylineBelgrade/Pages/default.aspx?SourceURL=/Projects/Pages/default.aspx)
Bau einer Heißwassertrasse zwischen dem Braunkohlekraftwerk TENT A (Obrenovac) und dem Heizkraftwerk Novi Beograd (Belgrad) 200 Absichtserklärung über Bau und Finanzierung zwischen der serbischen Seite und Powerchina (VR China) Anfang Juni 2017 unterzeichnet; Baubeginn voraussichtlich 2018 Umfasst eine 28 km lange Heißwasserleitung; Kraftwerksbetreiber EPS, Wärmeversorger Beogradske elektrane, (http://www.beoelektrane.rs/?p=9198#more-9198; Kontakt: Vojislav Glodjovic, E-Mail: v.glodjovic@beoelektrane.rs)
Windpark Kovacica 185 Studie zur Umweltverträglichkeit liegt seit April 2017 vor; Zusage zur Teilfinanzierung des Projekts seitens der EBWE soll Mitte Juli 2017 erfolgen Gesamtleistung: 104,5 MW verteilt auf insgesamt 38 Windräder unter Einschluss eines Umspannwerks (220/33-35 kV); Electrawinds K-Winds/Serbien, Israel; (http://www.vpkovacica.rs/home.html; Kontakt: Milos Colic, E-Mail: milos.colic@newenergy.rs)
Wohn- und Geschäftsviertel Vozdove kapije - The Duke´s Gate (Belgrad) 170(erste Bauphase) Bau seit Februar 2017 im Gang Zunächst mehr als 700 Wohnungen mit rund 70.000 qm Fläche; nachfolgend weitere Bauabschnitte für Geschäfts-, Sport- und Erholungsobjekte; Shikun & Binui Real Estate Development/Israel (http://www.vozdovekapije.rs/eng/)
Windpark Kosava 124 Baubeginn Mitte Juni 2017 Gesamtleistung: 117 MW verteilt auf insgesamt 20 Windräder; spätere Verdoppelung der Kapazität möglich; MK-Fintel Wind/Serbien, Italien; (http://www.mkgroup.rs/eng/page/101/70/Fields-of-Operations/Other-Fields/Renewable-energy-sources; Kontakt: Ivan Stanisavljevic, Petar Kovacevic, E-Mail: ivan.stanisavljevic@energogreen.com, petar.kovacevic@energogreen.com)
Erneuerung von Gleisabschnitten und Signal-/Kommunikationsanlagen entlang des Eisenbahnkorridors X sowie des Abschnitts Belgrad-Rakovica-Resnik 92 Anfang 2017 ein 7,5 km langer Teilabschnitt an China Civil Engineering Construction Corporation (VR China) vergeben, Bauarbeiten seit Ende März 2017 im Gang; weitere Teilausschreibungen bis Ende 2017; Finanzierung seitens der EBWE Infrastruktur der Serbischen Eisenbahnen (http://www.infrazs.rs; Kontakt: kabinet.infrastruktura@srbrail.rs)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Serbien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Leichte Zugewinne bei verfügbaren Einkommen

Im Anschluss an eine längere Durststrecke sorgt der private Konsum wieder für Wachstumsimpulse. Zur Stärkung der Kaufkraft tragen vor allem eine höhere Beschäftigung bei, die mit Einkommenszuwächsen einhergeht. Ihr Ausmaß bleibt jedoch überschaubar. Der Anstieg der durchschnittlichen Bruttolöhne belief sich 2016 auf real 2,6%. Zwischen Januar und April 2017 trat das Lohnniveau bei umgerechnet rund 520 Euro auf der Stelle.

Das erneute Anziehen der Privattransfers aus dem Ausland stellt jedoch die Aufbesserung der Einkommen vieler Familien im Land zunächst sicher. Nach einem Rückgang der Auslandsüberweisungen 2016 um immerhin 9,8% auf 1,87 Mrd. Euro lagen die Transferleistungen laut serbischer Zentralbank im 1. Quartal 2017 um 5,5% höher als ein Jahr zuvor.

Von der Stärkung der Einkommen der Bevölkerung profitiert insbesondere der Einzelhandel. Mit real 7,5% verbuchte er 2016 einen außerordentlich kräftigen Umsatzanstieg. Für das Jahr 2017 ist hingegen wieder mit weniger Dynamik zu rechnen. Darauf lässt auch schließen, dass das Umsatzplus des serbischen Einzelhandels im Zeitraum Januar bis April 2017 nur 2,4% ausmachte.

Außenhandel: Ex- und Importe legen deutlich zu

Serbiens Außenhandel bleibt weiterhin deutlich auf Wachstum getrimmt. Im Jahr 2016 konnte ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr von 8,4% erzielt werden. Dem serbischen Statistikamt zufolge schlugen sich darin die gute Entwicklung der Importe und noch mehr der Exporte nieder. Auf Euro-Basis zogen die Einfuhren im Vergleich zu 2015 um 6,1% an, während sich die Warenausfuhren um 11,5% ausweiteten.

Auch für 2017 spricht viel für eine ausgesprochen temporeiche Entwicklung. Bereits während der ersten vier Monate legten die Umsätze gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12,5% zu. Dabei wuchsen Serbiens Importe wertmäßig um 13,0%. Unter den wichtigsten Warengruppen verbesserten sich Spezialmaschinen, elektrische Maschinen, Erdöl, Arzneimittel und Metalle besonders deutlich.

Parallel dazu wuchsen die Exporte zwischen Januar und April ähnlich stark um 11,8%. Nicht profitieren von diesem Trend konnte der wichtigste Einzelexporteur des Landes, der Pkw-Hersteller FCA Srbija, der weiterhin mit Absatzproblemen kämpft. Entsprechend schrumpfte im Berichtszeitraum dessen Anteil an den Gesamtlieferungen ins Ausland im Vorjahresvergleich von 10,1 auf 8,0%. Dahinter baute der Stahlproduzent Hesteel Serbia an zweiter Stelle seinen Beitrag von 1,9 auf 3,9% aus.

Außenhandel Serbiens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 16.387,5 17.389,6 6,1
Exporte 12.041,0 13.429,7 11,5
Handelsbilanzsaldo -4.346,5 -3.959,9 -

Quelle: RZS

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=swotanalyse--serbien,did=1614456.html

(T.J.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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‎+49 (0)228 24 993-321

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