Wirtschaftsausblick

10.05.2017

Wirtschaftsausblick Mai 2017 - Taiwan

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Wirtschaftsausblick Mai 2017 - Taiwan

Taiwans Wirtschaft profitiert 2017 von internationaler Konjunkturerholung / Jürgen Maurer

Taipei (GTAI) - Taiwans konjunkturelle Entwicklung weist 2017 Aufwärtsdynamik auf, die sich 2018 fortsetzen soll. Dabei basiert die Erholung zum einen auf dem steigenden Außenhandel, angeregt insbesondere durch die internationale Nachfrage nach elektronischen Erzeugnissen. Zum anderen will die Regierung durch ein Infrastrukturprogramm dazu beitragen, die Binnenwirtschaft zu stärken.

Wirtschaftsentwicklung: Aufwärtstendenz durch Außenhandel

Die Wirtschaft Taiwans befindet sich auf einem langsamen Erholungskurs, gestützt durch die internationale Konjunkturentwicklung. Vor allem ein erhöhter Außenhandel und damit eine höhere Produktionsaktivität trägt zur Aufwärtstendenz bei. Das Momentum soll sich 2018 fortsetzen und das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf über 2% hieven.

Von den meisten Analysehäusern wurden die Schätzungen für 2017 im Laufe des Jahres aufgrund der besseren Außenhandelsentwicklung nach oben angepasst und gehen von einem Zuwachs des realen BIP von zwischen 1,8 und 2,5% aus. Dabei ist das staatliche Statistikamt DGBAS (Directorate General of Budget, Accounting and Statistics) mit 1,9% auf der konservativen Seite. Den stärksten Zuwachs erwartet die DBS-Bank mit 2,5%.

MKT201705108005.14

Allerdings bleibt die Unsicherheit vor allem in der Ausfuhrentwicklung groß. Denn steigende protektionistische Tendenzen in den USA, die politischen Hürden im Handel mit China und die Aufwertung der Währung machen die exportabhängige Insel verwundbar. Zwar hat die Regierung eine stärkere wirtschaftliche Verflechtung mit Südost- und Südasien eingeleitet. Dies dürfte jedoch kurz- bis mittelfristig keine signifikanten Auswirkungen haben.

Als wichtigster Wachstumspfeiler bleiben die Elektronikindustrie sowie die Informations- und Kommunikationstechnik mit einem breiten Spektrum an Branchenunternehmen. Insbesondere die Nachfrage nach smarten und mobilen Produkten, die bessere Leistung und Produktivität versprechen, führt zu anhaltend hohem internationalen Bedarf an Halbleitern und anderen elektronischen Erzeugnissen.

Wirtschaftliche Eckdaten Taiwans
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 525 530 3.468
BIP pro Kopf (US$) 22.384 22.530 42.047
Bevölkerung (Mio.) 23,5 23,5 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$) 31,9 32,3 -

Quellen: DGBAS, Statistisches Bundesamt

Um die Binnenwirtschaft zu stärken und Investitionen anzuregen, will Taiwan die Infrastruktur weiter modernisieren und ausbauen. Dazu hat die Regierung im März 2017 ein Sonderbudget beschlossen, das 882,5 Mrd. Neue Taiwan-Dollar (NT$; etwa 28,5 Mrd. US$; 1 US$ = circa 31 NT$) über acht Jahre vorsieht. Dies soll Investitionen des Privatsektors von 1,77 Bill. NT$ nach sich ziehen. Allerdings muss das Budget noch vom Parlament abgesegnet werden.

Die Infrastrukturinvestitionen, die unter dem Titel "Forward-looking Infrastructure Development Program" (http://infrastructure.ey.gov.tw) laufen, sollen sich auf fünf Bereiche verteilen: Schienennetz, Wasserresourcen, Digitalinfrastruktur, grüne Energien sowie städtische und ländliche Entwicklung. Darunter werden die Modernisierung und der Ausbau des Schienennetzes den Löwenanteil öffentlicher Gelder erhalten.

In die Entwicklung grüner Energie und der Digitalinfrastruktur fließen deutlich weniger staatliche Mittel, da hier genügend private Geschäftsinteressen und Finanzierungsquellen existieren. Dazu werden die Rahmenbedingungen angepasst, um Investitionen in diesen Bereichen anzuregen. Denn ab 2025 soll auf Nuklearenergie ganz verzichtet werden. Mit dem "Asian Silicon Valley"-Konzept wird eine innovative Digitalwirtschaft angestrebt.

Investitionen: Infrastrukturbau als Konjunkturprogramm

Die Bruttoanlageinvestitionen, die 2017 relativ schwach wachsen, sollen 2018 aufgrund des staatlichen Infrastrukturprogramms wieder zulegen. Darunter werden eine Reihe von Projekten mit privater Beteiligung ausgeschrieben. Die privaten Unternehmensinvestitionen dürften insgesamt eher gering zunehmen, da die Firmen die politische und wirtschaftliche Entwicklung abwarten. Relativ robust bleiben die Investitionen in die Elektronikbranche.

http://ppp.mof.gov.tw/ppp.website/Refers/Refer/View1.aspx?fId=4010

Ausgewählte Großprojekte in Taiwan (Investitionen in Mrd. US$)
Projektbezeichnung Investition *) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Taoyuan International Airport 2,3 Start 2017; Vollendung 2020 Bau drittes Terminal zur Verdopplung der Kapazität auf 59 Mio.
West District Gateway, Taipei 2,0 Ausschreibung 2018 Verkehrshub neben Hauptbahnhof; Department of Rapid Transit
Abwassersysteme 5,0 Laufend Ausbau der Abwassersysteme
Wasserversorgung 2,2 2013-2022 Modernisierung des Kanalnetzes; Verringerung der Verlustrate von 19,5 auf unter 15% (2022)
Anschaffung von Lokomotiven und Waggons 3,1 2015 bis 2024 Taiwan Railway Administration (TRA)
Tamshui Straßenbahn Projekt 0,51 Phase I bis 2018; Phase II bis 2025 Straßenbahn für neue Satellitenstadt im Großraum Taipei
Film & Audiovisueller Park Linkou 0,6 Ausschreibung Sommer 2017 New Taipei Government

*) Umrechnung anhand des Wechselkurses 1 US$ = circa 31 NT$

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Die Investitionen taiwanischer Unternehmen im Ausland, die 2015 erstmals einen zweistelligen US-Dollar-Milliardenbetrag überstiegen, dürften sich 2017 weiter erhöhen. Zwischen 2013 und 2016 haben sie sich auf 12 Mrd. US$ - ohne gesondert ausgewiesene Investitionen auf dem chinesischen Festland - bereits mehr als verdoppelt.

Umgekehrt sollten die ausländischen Direktinvestitionen 2017 auf einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag zurückfallen, nachdem sie 2016 nach oben ausbrachen. Laut Investment Commission des Ministry of Economic Affairs stiegen die genehmigten FDI (foreign direct investment) 2016 um mehr als das Doppelte auf über 11 Mrd. US$, ausgelöst durch Akquisitionen im Elektronik- und Ausrüstungsbereich.

Konsum: privater und staatlicher Verbrauch ohne Aufwärtstrend

Trotz relativ geringer Arbeitslosigkeit und besserem Wirtschaftswachstum bleiben die Einkommenserwartungen verhalten. Was an Lohnzuwächsen zu verzeichnen ist, wird aufgrund höherer Inflation kaum für einen größeren Konsum sorgen. Zumal die Unsicherheit der Konsumenten steigt, je länger die internen Querelen um die reformierte Arbeitsgesetzgebung und die Rentenreform andauern.

Die Konsuminflationsrate soll 2017 zwischen 1,0 bis 1,5% zunehmen, die Teuerung für den Großhandel zieht dagegen deutlich stärker an, abhängig davon, wie weit sich die Öl- und Rohstoffpreise weiter erholen. Abgesehen davon spüren die Verbraucher die Teuerung im Nahrungsmittelbereich. Es wird mit einer weiter expansiven Geldpolitik gerechnet, um die wirtschaftlichen Aktivitäten im Inland anzuregen.

Für den staatlichen Verbrauch prognostiziert das Statistikamt 2017, dass dieser kaum steigen wird. Denn die Regierung betreibt eine Ausgabenkontrolle. Höhere Steuereinnahmen ermöglichen es, die zunehmenden Ausgaben für den Gesundheitsbereich und die Renten zu schultern. Der Staatskonsum hatte 2016 um 3% zugelegt.

Außenhandel: Exporte und Importe auf Erholungskurs

Taiwans Wachstum von Im- und Exporten, das in den letzten Jahren negativ ausfiel, dürfte 2017 zweistellig zulegen. So erhöhten sich im 1. Quartal 2017 die Warenausfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,1%, und die Einfuhren stiegen gar um 21,6%. Aufgrund der wieder höheren Rohstoffpreise dürften die Importe stärker steigen und dafür sorgen, dass der Handelsbilanzüberschuss geringer ausfällt als in den Vorjahren.

Außenhandel Taiwans *) (in US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
2015 2016 Veränd.
Importe 237,3 230,6 -2,8
Exporte 285,3 280,3 -1,8
Handelsbilanzsaldo 48,1 49,8 -

*) nur Waren

Quelle: Customs Statistics, Ministry of Finance, 2017

Auf Wachstumskurs sollte 2017 auch der Güteraustausch mit Deutschland schwenken. Die Importe aus dem größten europäischen Handelspartner lagen 2016 mit 8,7 Mrd. US$ um 0,7% unter dem Vorjahr. Die Exporte nach Deutschland sanken gegenüber 2015 um 1,3% auf 5,9 Mrd. US$. Deutsche Lieferungen von elektronischen Bauteilen, Maschinen sowie chemischen Erzeugnissen dürften sich 2017 gut entwickeln.

Trotz stark abgekühlter politischer Beziehungen ist der Güteraustausch Taiwans mit China, inklusive Hongkong (SVR), wenig beeinflusst. Dieser zeigt sich sehr robust mit einem Anteil Chinas an den Gesamtausfuhren von 40%. Hingegen konnte der Anteil der Exporte in die sechs Kernländer der ASEAN-("Association of South-East Asian Nations"-)Region, die einen neuen Handelsfokus darstellen, 2016 lediglich um 0,2 Prozentpunkte auf 18,3% ausgeweitet werden.

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Taiwan

Dieser Artikel ist relevant für:

Taiwan Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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