Wirtschaftsausblick

29.11.2017

Wirtschaftsausblick November 2017 - Angola

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Wirtschaftswachstum kehrt zurück / Staatsverschuldung steigt weiter an / Von Heiko Stumpf

Johannesburg (GTAI) - Angola lässt die wirtschaftliche Schwächephase hinter sich und schlägt einen moderaten Wachstumspfad ein. Die hohe Abhängigkeit vom Erdölsektor bleibt aber ein Problem. Der Rohölpreis und damit die Exporteinnahmen sind noch immer zu niedrig, um die Staatsausgaben zu decken. Da zugleich die Diversifizierung der Wirtschaft nicht ausreichend vorankommt, nimmt die Staatsverschuldung weiter zu. Der neue Präsident Joao Lourenco will mit Reformen für ein besseres Investitionsklima sorgen.

Wirtschaftsentwicklung: Neuer Staatspräsident will die Wirtschaft reformieren

Angolas Wirtschaft kann sich aus der Stagnation des Jahres 2016 befreien. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2017 wieder um 2,7 Prozent zulegen. Mit einer weiteren Beschleunigung der wirtschaftlichen Dynamik ist mittelfristig allerdings nicht zu rechnen. Prognosen der Economist Intelligence Unit (EIU) zufolge muss sich Angola im Zeitraum 2018 bis 2022 mit einem durchschnittlichen BIP-Plus von 2,6 Prozent pro Jahr begnügen. Im historischen Vergleich stellt dies eine enttäuschende Entwicklung dar. Von 2011 bis 2015 konnte im Durchschnitt noch eine Steigerungsrate von 4,7 Prozent erzielt werden.

Größtes Wachstumshemmnis ist die mangelnde Diversifizierung. Mit der Fokussierung auf den Erdölsektor ist Angola eine der am einseitigsten ausgerichteten Volkswirtschaften der Welt. Das Petrogeschäft ist für mehr als 90 Prozent der Exporterlöse und rund 50 Prozent des Staatshaushaltes verantwortlich. Experten zufolge benötigt Angola einen Ölpreis von 85 US-Dollar (US$) pro Barrel, um das gegenwärtige Ausgabenniveau zu decken. Durch den Ölpreisverfall brachen die Staatseinnahmen in den vergangenen drei Jahren um etwa 70 Prozent ein.

Infolgedessen lähmt ein strikter Sparkurs die Konjunktur, die Staatsverschuldung steigt gleichzeitig rasant an. Noch 2013 machte die Nettoverschuldung nur rund ein Drittel des BIP aus, im Jahr 2018 dürfte die 100 Prozent-Marke überschritten werden. Gleichzeitig schrumpfen die Währungsreserven - von Juni 2013 bis Juni 2017 gab es einen Rückgang um 46,4 Prozent. Da für den Rohölpreis kein nachhaltiger Anstieg prognostiziert wird, dürfte der Staatshaushalt EIU zufolge auch weiterhin ein hohes Defizit einfahren (2018: 7,4 Prozent des BIP; 2017: 7,6 Prozent des BIP).

Der seit August 2017 amtierende neue Staatspräsident Joao Lourenco will die Wirtschaft mit umfassenden Reformen wieder auf Kurs bringen. Zu den zentralen Maßnahmen zählt ein neues Wettbewerbsrecht, um die in vielen Wirtschaftszweigen vorherrschenden monopolartigen Strukturen aufzubrechen. Des Weiteren verspricht Lourenco eine Bekämpfung der Korruption, Bürokratieabbau und Effizienzsteigerungen in der öffentlichen Verwaltung sowie Investitionen in Bildung und Gesundheit.

Die Beziehungen zur Weltbank und zum Internationalen Währungsfonds (IWF) verbessern sich unter der neuen Regierung bereits. So unterstützt die Weltbank die Gestaltung des Staatshaushaltes für 2018. Mit dem IWF laufen Gespräche über technische Hilfe, die mittelfristig auch zu neuen Kreditlinien führen könnte. Die Vorgängerregierung unter Staatschef Eduardo dos Santos hatte die Zusammenarbeit mit den internationalen Institutionen noch weitgehend zugunsten chinesischer Finanzpakete abgelehnt.

MKT201711288011.14

Wirtschaftliche Eckdaten Angola
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. US$) 103,0 95,3 3.480,2
BIP pro Kopf (US$) 3.876 3.485 42.188
Bevölkerung (Mio.) 26,6 27,4 82,5
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 US$ = x Kwanza (Kz) 121,617 164,837 -

Quellen: IWF; Statistisches Bundesamt; Deutsche Bundesbank

Investitionen: Schlechte Rahmenbedingungen behindern die Diversifizierung

Die öffentlichen Investitionsausgaben leiden unter dem Loch im Staatshaushalt. Im Zeitraum 2013 bis 2016 gab es Kürzungen um insgesamt 50 Prozent. Aufgrund der angespannten Finanzlage der Regierung dürfte in den kommenden Jahren kaum mit einer spürbaren Erholung zu rechnen sein. Weiterhin geplante Infrastrukturprojekte werden vor allem mit chinesischen Geldern finanziert, wie der Bau des 4,5 Milliarden US$ teuren Caculo Cabaca-Staudamms.

Aktivitäten der Privatwirtschaft werden durch die schwierigen Rahmenbedingungen wie Korruption und akuter Fachkräftemangel gehemmt. Im Doing Business Report 2017 der Weltbank landet Angola mit Rang 182 von 190 deshalb auf einem der hintersten Plätze. Chancen für künftige Investitionen könnten sich im Bergbausektor bieten. Der Mineralreichtum Angolas ist noch weitgehend unerforscht. Im Rahmen des Planageo-Projektes findet erstmals eine umfassende geologische Kartografierung des Landes statt.

Erste Ergebnisse lieferten Hinweise auf Rohstoffvorkommen wie Bauxit, Kupfer, Gold, Eisenerz oder Mangan. Die Explorationstätigkeit dürfte dadurch in den kommenden Jahren einen Schub bekommen. Im Jahr 2017 wurden bereits die ersten drei Bohrlizenzen für die Goldexploration erteilt. An den Vorhaben ist unter anderem die staatliche Ferrangol beteiligt.

Ausgewählte Großprojekte in Angola
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Luaxe Kimberlite Project 1.000 Planung Diamantenmine in der Provinz Luanda Sul, geplante Produktion/Jahr 10 Mio. Karat, Joint Venture aus Endiama und Alrosa http://www.endiama.co.aohttp://www.catoca.com
Caculo Cabaca Hydro Power Project 4.500 Planung, Realisierung bis 2022 Wasserkraftwerk am Kwanza-Fluss für 2.170 MW, Bau durch China Gezhouba Group Corporation (CGGC)
Dominovas Hydropower Plant 90 Planung 18 MW-Wasserkraftwerk http://dominovasenergy.com/
Baynes Hydropower Project 1.300 Planung 600 MW-Wasserkraftwerk am Cunene-Fluss, Gemeinschaftsprojekt mit Namibia
Porto Barra do Dande 1.500 Planung Seehafen zur Entlastung des Hafens Luanda http://www.portoluanda.co.ao
Porto de Caio 780 In Bau bis 2019, danach weitere Phasen Tiefseehafen für die Erdölregion Cabinda http://www.portocaio.com
National Network of Logistics Platforms 3.900 Fünf Einzelprojekte bereits in Bau Landesweit 44 Logistikzentren für den Warenumschlag http://www.mintrans.gov.ao
Kilamba City 2. Phase 607 Planung, Durchführung durch die chinesische CITIC Bau von weiteren 10.000 Wohneinheiten für die Satellitenstadt Kilamba bei Luanda
Luanda International Airport 3.800 In Bau bis voraussichtlich 2019 Neuer Hauptstadtflug-hafen 40 km außerhalb des Stadtzentrums (Bom Jesus)
International Airport Rail Link 255 In Bau Neuer Schienenanschluss an den in Bau befindlichen Flughafen in Luanda

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/angola, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Inflation und Abgaben belasten die Verbraucher

Das Konsumklima bleibt angespannt. Die Hauptstadt Luanda wurde im Cost of Living Survey 2017 des Mercer-Instituts zur weltweit teuersten Stadt für Expatriates gekürt. Eine galoppierende Inflation treibt das Preisniveau weiter nach oben. Angola ist für Konsumgüter wie Lebensmittel oder Bekleidung zu etwa 80 Prozent auf Importe angewiesen. Die Landeswährung Kwanza wertete im Zuge der schwindenden Erdöleinnahmen im Verhältnis zum US$ massiv ab, weshalb sich die Einfuhren verteuern.

Für 2017 wird eine Inflationsrate von rund 30 Prozent erwartet. Die Löhne im wichtigen öffentlichen Sektor sind hingegen nur um 15 Prozent gestiegen. Mittelfristig soll sich die Lage jedoch stabilisieren. Im Jahr 2018 dürfte die Teuerungsrate bereits auf rund 18 Prozent zurückgehen und sich bis 2022 bei etwa 9 Prozent einpendeln. Dennoch kommen auf die Verbraucher neue Belastungen zu. Um den Ausfall an Petrodollars zu kompensieren, setzte die Regierung bereits Steuererhöhungen für Luxusgüter wie Alkohol durch. Für 2019 ist die erstmalige Einführung einer Umsatzsteuer geplant.

Die Arbeitslosenquote liegt nach offiziellen Angaben bei rund 20 Prozent, wobei die Jungendarbeitslosigkeit mit 38 Prozent deutlich höher ausfällt. Noch immer sind mehr als zwei Drittel der Angolaner in der Subsistenzlandwirtschaft tätig und müssen häufig mit weniger als 2 US$ pro Tag auskommen.

Außenhandel: Devisenmangel sorgt für Probleme

In Angola ansässige Unternehmen berichten von großen Schwierigkeiten, dringend benötigte Waren zu importieren. Aufgrund des Devisenmangels können ausländische Lieferanten nicht rechtzeitig bezahlt werden. Die Versorgung der Wirtschaft mit Rohstoffen, Ausrüstungs- und Konsumgütern wird dadurch gefährdet. Der neue Staatspräsident Lourenco will das Management der Devisenzuteilungen verbessern, insbesondere soll es keine Bevorzugung bestimmter Unternehmen mehr geben.

Der Kwanza dürfte seinen Abwertungstrend fortsetzen, wenn auch in langsamerem Tempo. EIU erwartet bis 2022 einen Wechselkurs zum US-Dollar von 1:214. Trotz der daraus resultierenden Verteuerung soll sich die Einfuhr positiv entwickeln und 2018 um 12,6 Prozent auf 25,9 Milliarden US$ zulegen.

Das wichtigste Lieferland ist Portugal mit einem Anteil von rund 16 Prozent, gefolgt von den USA und der VR China. Die engen Beziehungen zu Portugal rühren aus der Kolonialzeit. Eine Vielzahl portugiesischer Unternehmen ist im Außenhandel mit Angola aktiv oder selbst vor Ort mit Niederlassungen ansässig. Auch viele deutsche und europäische Unternehmen wickeln ihre Angolageschäfte über ihre Niederlassungen in Portugal ab. Der bilaterale Handel mit Deutschland erreichte 2016 hingegen nur 404 Millionen Euro.

Außenhandel Angolas (in Mio. US$; Veränderung in %)
2015 2016 Veränderung 2016/2015
Importe 20.693 19.246 -7,0
Exporte 33.181 31.034 -6,5
Handelsbilanzsaldo 12.488 11.788 -

Quelle: EIU

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Branchen/produktmaerkte,t=branchencheck-angola-november-2017,did=1826308.html

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Geschaeftspraxis/swot-analyse,t=swotanalyse--angola-november-2017,did=1825312.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Angola Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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