Wirtschaftsausblick

24.11.2017

Wirtschaftsausblick November 2017 - Italien

Inhalt

Italienische Wirtschaft holt trotz struktureller Schwächen auf / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Das Wirtschaftswachstum in Italien wird mit einem voraussichtlichen Plus von 1,5 Prozent im Jahr 2017 das höchste Niveau seit sieben Jahren erreichen. Die Investitionen in Maschinen und Anlagen nehmen stark zu. Auch der Privatverbrauch entwickelt sich positiv. Der Außenhandel bleibt dynamisch, die Einfuhren wachsen schneller als die Ausfuhren. Doch die öffentlichen Investitionen stagnieren weiterhin.

Wirtschaftsentwicklung: Wachstum beschleunigt sich

Das Wirtschaftswachstum in Italien hat sich im Laufe des Jahres 2017 beschleunigt. Im vierten Jahr in Folge wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wachsen, für dieses Jahr erwartet die Europäische Kommission einen Anstieg von 1,5 Prozent und damit das stärkste Plus seit 2010. Trotz des verbesserten Umfelds gehört Italien damit beim Wirtschaftswachstum im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern.

Die Hauptgründe für die positive Entwicklung sind der Anstieg der Anlageninvestitionen sowie des Privatverbrauchs, hinzu kommt die anhaltende Exportnachfrage. Die deutlich höhere Investitionsneigung wiederum ist auf die Zunahme der Aufträge aus dem In- und Ausland sowie auf großzügige Steueranreize für Investitionen in die Digitalisierung der Produktion zurückzuführen. Die Konsumausgaben dürften dank der leichten Verbesserungen am Arbeitsmarkt weiter ansteigen. Gleichzeitig erwarten Beobachter in den kommenden Jahren eine höhere Inflation.

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Trotz der besseren Wirtschaftslage sind die tief verwurzelten Strukturschwächen weiterhin ein Risiko. Es ist vor allem die stagnierende Produktivität, die das Wachstum bremst. Hinzu kommen die politische Instabilität und die hohen Staatsschulden, die eine langfristige Gestaltung der Wirtschaftspolitik sowie öffentliche Investitionen begrenzen. In den vergangenen zwei Jahren hat die Anhäufung von faulen Krediten die Lage der italienischen Banken verschlechtert, hier konnte aber eine akute Krise verhindert werden.

Die Neuwahl des Parlaments ist für Mai 2018 vorgesehen, die Wahlergebnisse werden ohne Zweifel Auswirkungen auf die Kontinuität der Wirtschaftspolitik haben.

Wirtschaftliche Eckdaten Italiens
Indikator 2015 2016 Vergleichsdaten Deutschland 2016
BIP (nominal, Mrd. Euro) 1.652,2 1.680,5 3.133,9
BIP pro Kopf (Euro) 27.205 27.719 38.078
Bevölkerung (Mio.) 60,8 60,7 82,3

Quellen: ISTAT; Statistisches Bundesamt

Investitionen: Ausrüstungsinvestitionen in der Industrie steigen

Der Anstieg der Binnennachfrage und der anhaltend hohe Export haben zu einer Zunahme der Investitionen in der Industrie geführt. Die Bruttoanlageninvestitionen sind in Jahr 2016 um 2,8 Prozent gewachsen, sie werden 2017 laut EU-Kommission um weitere 2,5 Prozent zulegen. Im kommenden Jahr dürfte sich das Investitionstempo beschleunigen.

Privatinvestitionen in Maschinen und Anlagen zeigen Dynamik. Der Maschinenpark im verarbeitenden Gewerbe ist während der langen Krise in die Jahre gekommen, sodass viele Unternehmen dank der positiven Nachfrageentwicklung Ersatz- und Erneuerungsinvestitionen tätigen.

Weitere Impulse kommen von den aktuellen Förderprogrammen, die großzügige Abschreibungsmöglichkeiten beim Kauf von Produktionsgütern gewähren. Diese Maßnahmen wurden für 2018 verlängert und sind branchenunabhängig verfügbar.

Im kommenden Jahr wird ein noch stärkerer Anstieg der Investitionen vorausgesagt. Steigende Unternehmensgewinne und die verbesserte Kreditlage begünstigen diese Tendenz. Die allmähliche Zinswende der Europäischen Zentralbank dürfte mittelfristig negative Auswirkungen auf die Investitionsneigung haben.

Ausgewählte Großprojekte in Italien
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro ) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Autobahn Salerno-Reggio Calabria 9.054 Fertigstellung nach 2020 http://www.stradeanas.it
Eisenbahnachse Palermo-Messina 8.943 Fertigstellung nach 2025 http://www.fsitaliane.ithttp://www.palermocataniamessina.it
Hochgeschwindigkeitsstrecke Genua-Mailand 6.200 Fertigstellung 2022 http://www.terzovalico.it
Hochgeschwindigkeitsstrecke Neapel-Bari 6.178 Fertigstellung nach 2025 http://www.fsitaliane.ithttp://www.napolibari.it
Hochgeschwindigkeitsstrecke Mailand-Verona 5.887 Fertigstellung nach 2025 http://www.fsitaliane.it
Flutschutzwehr, MO.S.E Venedig 5.493 Fertigstellung 2018 http://www.mosevenezia.eu
SS 106 Jonica, Verbindung Reggio Calabria-Tarent 4.228 Fertigstellung nach 2020 http://www.stradeanas.it
Hochgeschwindigkeitsstrecke Verona-Padua 4.911 Fertigstellung nach 2025 http://www.fsitaliane.it
Brenner- Basistunnel (55,4 km) 4.400 (Anteil Italiens) Fertigstellung Ende 2025 http://www.bbt-se.com
Eisenbahnachse Turin-Lyon (250 km) 4.564 (Anteil Italiens) Fertigstellung 2029 http://www.telt-sas.com
Autobahn Pedemontana Lombarda 4.118 Fertigstellung 2021 http://www.pedemontana.com
U-Bahn Linie C, Rom 3.740 Fertigstellung 2024 http://metrocspa.it

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/italien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Informationen zu EU-Binnenmarktausschreibungen unter http://www.gtai-EU-Ausschreibungen.de.

Konsum: Verbraucherstimmung auf hohem Niveau

Der Privatverbrauch wächst seit 2015 kontinuierlich. Nachdem er 2016 um 1,5 Prozent gestiegen ist, wird für 2017 ein ähnlich hoher Zuwachs erwartet. Der Konsumklimaindex stand nach dem dritten Quartal auf dem höchsten Niveau seit Anfang 2016. Grund für die positive Stimmung ist vor allem die leichte Besserung am Arbeitsmarkt, auch wenn die überwiegende Mehrheit der neuen Arbeitsverhältnisse im Jahr 2017 befristet ist.

Im kommenden Jahr wird das Konsumwachstum schwächer als zuvor ausfallen, erwartet die Europäische Kommission. Gründe hierfür sind steigende Verbraucherpreise und eine Verlangsamung der positiven Arbeitsmarktentwicklung.

Die Arbeitsmarktreformen und Beschäftigungsanreize konnten im Jahr 2015 die Talfahrt am Arbeitsmarkt bremsen. Die Zahl der Beschäftigten ist gestiegen und die Arbeitslosenquote, die 2014 auf 12,7 Prozent geklettert war, ist bis Ende 2017 auf circa 11 Prozent gesunken. Ein großes Problem bleibt die hohe Jugendarbeitslosigkeit, insbesondere im Süden des Landes. Für 2018 sollen großzügige Einstellungsanreize, insbesondere für junge Leute, wieder eingeführt werden.

In den Jahren nach 2010 wurden die Konsumausgaben des Staates aufgrund der extremen Staatsverschuldung (132 Prozent des BIP im Jahr 2017) zurückgeschraubt. Die Regierung hatte die Ausgaben für Gesundheit sowie für Forschung und Entwicklung zurückgefahren.

Außenhandel: Importe legen stark zu

Die italienischen Ausfuhren erzielen seit Jahren immer wieder neue Rekorde. 2016 wurde der höchste Handelsbilanzüberschuss in der Geschichte des Landes erreicht. Industrieerzeugnisse bleiben die größte Produktgruppe im Außenhandel, gefolgt von Luxusgütern, zum Beispiel aus der Modebranche, und Nahrungsmitteln.

Im Jahr 2017 ist der italienische Außenhandel weiter gewachsen. Laut Prognosen der Europäischen Kommission werden die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen im Gesamtjahr um 4,8 Prozent zulegen, doppelt so viel wie 2016. Auch die Einfuhren steigen dank der Zunahme der Investitionen und des Konsums erheblich. Für 2017 wird eine Zunahme der Importe in Höhe von 5,9 Prozent erwartet, im Vorjahr sind die Importe um 3,1 Prozent gewachsen.

Vor dem Hintergrund des stärkeren Importanstiegs wird der Handelsbilanzüberschuss, der 2016 bei 51 Milliarden Euro lag, im laufenden Jahr niedriger ausfallen. Der Außenhandelsbeitrag zum italienischen BIP wird daher 2017 negativ sein.

Die wichtigsten Handelspartner sind die europäischen Länder. Italien bezieht 60 Prozent seiner Waren aus der Europäischen Union, gleichzeitig exportiert es 55 Prozent seiner Waren dorthin. Dabei ist Deutschland der mit Abstand größte Handelspartner. Im bilateralen Handel mit Deutschland wurde 2016 ein Rekordwert erreicht, auch für 2017 wird ein neues Allzeithoch erwartet. Die industrielle Verflechtung verbindet die beiden Länder. Italien ist nach Deutschland das zweitwichtigste Industrieland Europas.

Außenhandel Italiens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2016 1.HJ 2017 Veränderung 1HJ 2017/1HJ 2016
Importe 365.579 204.243 11,3
Exporte 417.077 223.303 8,0
Handelsbilanzsaldo 51.498 19.060 -

Quelle: ISTAT

Weitere Informationen (zum Beispiel SWOT-Analyse, Branchenberichte) finden Sie unter http://www.gtai.de/Italien

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

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