Wirtschaftsausblick

22.12.2016

Wirtschaftsausblick Winter 2016/17 - Serbien

Inhalt

Wachstumstrend verfestigt sich / Jan Triebel

Belgrad (GTAI) - Serbiens konjunktureller Aufschwung setzt sich weiter fort. Ein Wirtschaftswachstum von 3% gilt 2017 als möglich. Wichtige Impulse gibt einmal mehr die robuste Auslandsnachfrage nach Waren. Auch steuern die Investitionen dank einiger Großprojekte im Land auf ein deutliches Plus hin. Den Aufwärtstrend fördert zudem, dass die private Nachfrage dank realer Einkommenszuwächse wieder angesprungen ist.

Wirtschaftsentwicklung: Investitionen, Exporte und Privatkonsum im Plus

Dank einer Ausweitung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,6% im Zeitraum Juli und September 2016 konnte die Wirtschaft mittlerweile das sechste Quartal in Folge zulegen. Im Gesamtjahr 2016 steuert das Land auf eine Verbesserung des BIP um 2,7% zu. Für 2017 erwarten EU-Kommission und serbische Regierung eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 3%. Dieser Wert liegt auch dem Haushaltsentwurf Serbiens von Anfang Dezember zugrunde.

Den Aufschwung fördern derzeit vor allem die Zunahme der Exporte, der Bruttoanlageinvestitionen und des Privatkonsums. So ist etwa Serbiens Wirtschaft eng mit der guten Warennachfrage - hauptsächlich aus der EU - verbunden. Die private Nachfrage beschert dem lokalen Einzelhandel bereits anziehende Umsätze und auch die Importe steigen. Den Ausschlag dafür geben die Reallohnentwicklung und die Geldtransfers der serbischen Diaspora in die Heimat, die beide 2017 wachsen dürften.

Für eine nennenswerte Stärkung der Kaufkraft sprechen geplante Gehaltserhöhungen für große Teile des Personals im öffentlichen Sektor. Im Zuge von Sparmaßnahmen zur Gesundung der Staatsfinanzen, die mittlerweile Wirkung zeigen, waren Einkommensaufbesserungen für die öffentliche Hand seit Ende 2014 tabu. Mehr noch, die Belegschaft hatte seinerzeit sogar spürbare Vergütungseinschnitte zu akzeptieren. Diese sollen die laut Haushaltsentwurf für 2017 angestrebten Gehaltszugeständnissen zwischen 3 und 6% teilweise kompensieren. Ähnlich sieht es für zahlreiche Ruheständler aus, für die das Budget ein Rentenplus von 1,5% vorsieht.

MKT201612218008.14

Wirtschaftliche Eckdaten - Serbien
Indikator 2014 2015 Vergleichsdaten Deutschland 2015
BIP (nominal, Mrd. Euro) 33,32 33,49 3.033
BIP pro Kopf (Euro) 4.672 4.720 37.100
Bevölkerung (Mio.) *) 7,11 7,08 81,2
Wechselkurs (Jahresdurchschnitt, 1 Euro = RSD) 117,3060 120,7328 -

*) Schätzung

Quellen: RZS, Narodna Banka Srbije (NBS; Zentralbank Serbiens), Statistisches Bundesamt

Investitionen: Stärkere Investitionsneigung treibt Bausektor spürbar an

Nach zwei Jahren, in denen die Investitionen sich jeweils verringert hatten, erfahren diese seit 2015 einen spürbaren Schub. Nachdem die Bruttoanlageinvestitionen 2015 im Vorjahresvergleich ein Plus von 5,6% verzeichneten und wird für 2016 sogar ein leicht höherer Zuwachs erwartet. Auch für 2017 gilt eine Fortsetzung des Aufwärtstrends in ähnlichem Tempo als wahrscheinlich.

Impulse geben vor allem Großprojekte in der Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie im Städtebau. Davon profitiert insbesondere das Baugewerbe, das im Jahr 2016 seinen Aufschwung fortsetzen kann. Im 1. Halbjahr erhöhten sich die in Serbien erbrachten Bauleistungen um 9,2%. Angesichts einer guten Auftragslage ist der Ausblick auf 2017 vielversprechend.

Wichtiges Zugpferd des lokalen Investitionsgeschehens sind zudem ausländische Akteure. Für 2016 rechnet die serbische Zentralbank mit Nettozuflüssen in Höhe von 1,8 Mrd. Euro, womit das Neuengagement in etwa dem Vorjahresniveau entsprechen würde.

Ausgewählte Großprojekte
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. Euro) Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
Wohn- und Geschäftsviertel Belgrade Waterfront 3.500 Arbeiten für die ersten Gebäude (unter anderem Hauptturm) im Gange Mehrere Bauabschnitte für insgesamt 1,8 Mio. qm Nutzfläche (darunter 5.700 Wohnungen, 2.200 Hotelzimmer, 12.700 Büroräume; Eagle Hills VAE http://www.belgradewaterfront.com/en/#
U-Bahn-Netz für Belgrad 1.000 Projektstudie für zunächst zwei Linien liegt seit Mitte November 2016 vor; Beginn der Verhandlungen über Finanzierung; Baubeginn 2018 geplant Verwaltung der Stadt Belgrad; Kontakt: Sinisa Mali http://www.beograd.rs/en/contact/202661-city-bodies/
Modernisierung und Ausbau der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Belgrad 1.000 Mehrere Projektphasen bis 2025; PPP für bestimmte Einzelvorhaben im Gespräch Belgrader Wasserwerke und Kanalisationsnetze http://www.bvk.rs, Kontakt: Predrag Bogdanovic (Direktor für Entwicklung und Investitionen), E-Mail: predrag.bogdanovic@bvk.rs
Bau und Bewirtschaftung von Lagerkapazitäten für Ölreserven 500 Suche nach Berater für Projekt- und Vertragsvorbereitung im Rahmen einer PPP Ministerium für Bergbau und Energiewirtschaft - Verwaltung der Energiereserven http://www.mre.gov.rs/latinica/nafta-i-gas-cst.php; Kontakt: Olga Antic-Mijucinovic; Tel.: 00381 11/360 44 26
Donaubrücke bei Vinca 470 Planungsphase; Partnersuche für PPP läuft Teil der Belgrader Umgehungsstraße im Rahmen des Abschnitts Bubanj Potok-Vinca-Pancevo; Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur http://www.mgsi.gov.rs/cir/projekti/izgradnja-obilazne-pruge-beli-potok-vincha-sa-izgradnjom-drumsko-zheleznichkog-mosta-i
Wohn- und Geschäftsviertel in Novi Beograd (Block 26) 400 Machbarkeitsstudie abgeschlossen; Partnersuche läuft Energoprojekt Holding http://www.energoprojekt.rs
Fernwärmetrasse ausgehend vom Kraftwerk TENT A (Obrenovac) zum Heizkraftwerk Novi Beograd 187 Machbarkeitsstudie liegt seit November 2015 vor; Partnersuche für PPP läuft Belgrader Kraftwerke, Direktion für Entwicklung und Investitionen http://www.beoelektrane.rs/?lng=lat), Kontakt: Vojislav Glodjovic; Tel.: 00381 11/263-11 12
Erneuerung von Gleisabschnitten und Signal-/Kommunikationsanlagen entlang des Eisenbahnkorridors X sowie des Abschnitts Belgrad-Rakovica-Resnik 91 Mehrere Teilausschreibungen bis Ende 2017; Finanzierung seitens der EBWE Infrastruktur der Serbischen Eisenbahnen http://infrazs.rs

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Informationen zu aktuellen geberfinanzierten Projekten unter http://www.gtai.de/Serbien, "Ausschreibungen" und "Entwicklungsprojekte".

Konsum: Einkommensplus erfreut den Einzelhandel

Im Anschluss an eine längere Durststrecke gehen 2016 auch vom privaten Konsum wieder Wachstumsimpulse aus. Und diese könnten sich in der Folgezeit dank der weiter anziehenden Kaufkraft noch verstärken. Dies hat vor allem damit zu tun, dass die zwischenzeitlich erzielte Stabilisierung der Haushaltslage Spielraum für leichte Gehaltserhöhungen im öffentlichen Sektor eröffnet.

Nachdem der durchschnittliche Bruttomonatslohn in Folge eines strikten Austeritätskurses 2015 im Vorjahresvergleich real 2,4% nachgegeben hat, steigt er wieder. Vor allem dank der im Privatsektor nach oben weisenden Beschäftigung schlug für den Zeitraum Januar bis Oktober 2016 ein reales Plus von 3,8% zu Buche. Ein sich für 2016 abzeichnender leichter Rückgang der nach wie vor recht beträchtlich ausfallenden Privattransfers aus dem Ausland dürfte somit zu verschmerzen sein.

Insbesondere der Einzelhandel profitiert von den Einkommenszuwächsen. Nach den 2015 real um 1,8% gestiegenen Umsätzen werden diese 2016 und 2017 spürbarer zulegen. Im Zeitraum Januar bis Oktober 2016 setzte der Einzelhandel bereits 7,9% mehr um.

Außenhandel: Importplus bei zahlreichen Konsum- und Investitionsgütern

Der zunehmende private Konsum und die rege Investitionstätigkeit beflügeln weiterhin die allgemeine Nachfrage, was sich auch in nennenswert steigenden Warenimporten niederschlägt. Das für 2016 erwartete wertmäßige Einfuhrplus von etwa 6% gilt angesichts des weiterhin positiv gestimmten Konjunkturverlaufs auch im Folgejahr als durchaus erreichbar. Als wahrscheinlich gilt es ebenso, dass die 2016 um rund 10% zulegenden Ausfuhren von Waren und Gütern ihren Aufwärtstrend 2017 ähnlich dynamisch fortsetzen können.

Im Zeitraum Januar bis Oktober 2016 legten Serbiens Einfuhren um 5,1% auf 14,24 Mrd. Euro zu. Unter den größten Warengruppen (ab 100 Mio. Euro), wuchsen etwa Kraftwerksausrüstungen, elektrische Maschinen, Düngemittel und Bekleidung besonders deutlich.

Gleichzeitig verbesserten sich die Ausfuhren spürbar um 10,1% auf 11,07 Mrd. Euro. Dies ist umso bemerkenswerter, weil der wichtigste Einzelexporteur des Landes, der Pkw-Hersteller FCA Srbija, sich im Ausland mit Absatzproblemen konfrontiert sieht. Nach den ersten zehn Monaten 2016 hatte sich dessen Anteil an den Gesamtlieferungen ins Ausland im Vorjahresvergleich von 10,2 auf 8,4% reduziert. Den nächstgrößeren Beitrag eines einzelnen Unternehmens steuerte im Berichtszeitraum mit 2,5% der Stahlproduzent Hesteel Serbia bei.

Außenhandel Serbiens (in Mio. Euro; Veränderung in %)
2014 2015 Veränderung 2015/2014
Importe 15.490,4 16.387,5 5,8
Exporte 11.158,6 12.041,0 7,9
Handelsbilanzsaldo -4.331,8 -4.346,5 -

Quelle: RZS

Eine Analyse der Chancen und Risiken, die das Land aufweist, bieten wir Ihnen unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=swotanalyse--serbien,did=1614456.html

Eine Prognose der Entwicklung interessanter Märkte finden Sie unter: http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=produktmaerkte-in-serbien-2017,did=1612938.html

Dieser Artikel ist relevant für:

Serbien Außenwirtschaft, allgemein, Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Sozialprodukt / Volkseinkommen / BIP / BSP, Investitionen (Inland), Investitionsklima, allgemein, Konjunktur, allgemein, Konsum / Konsumentenverhalten, Produktion / Produktivität

Kontakt

Christian Overhoff

‎+49 (0)228 24 993-321

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechts-informationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche