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11.12.2017

Abbau von Bodenschätzen gewinnt in Tansania an Bedeutung

Enorme Vorkommen an Bodenschätzen / Neue Gasvorräte entdeckt / Abwarten wegen impulsiver Regierung / Von Chris Wegner, AHK Nairobi

Nairobi (AHK Kenia) - Neben hohen jährlichen Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts bietet Tansania auch mit seinen Rohstoffvorkommen gute Voraussetzungen für einen Markteinstieg. Wegen der Erschließung neuer Vorkommen gewinnt der Abbau von Bodenschätzen an Bedeutung. Insbesondere die Gasvorkommen vor der Küste sorgen für Aufmerksamkeit. Zudem gibt es ergiebige Lagerstätten für Gold und Diamanten sowie auch Kohle, Eisenerz und Graphit. Es bleiben jedoch Risiken bestehen.

Tansania besitzt enorme Vorkommen an Bodenschätzen, welche Investitionen aus der ganzen Welt anlocken. Im Bereich Goldproduktion hat sich das Land bereits profiliert, aber auch die Ausbeutung anderer Rohstoffe wie Graphit und Erdgas soll verstärkt und entsprechende Potenziale ausgeschöpft werden. So sind neben dem Ausbau von Großminen und der Errichtung kleinerer Minen auch die weitere Erschließung der riesigen Gasvorkommen vor der Küste Tansanias geplant. All diese Projekte deuten aufgrund des Bedarfs an hochwertiger Technik und Equipment Chancen für internationale Unternehmen auf, die entsprechende Ausrüstung und Expertise anbieten.

Großes internationales Interesse am tansanischen Bergbausektor

Die tansanische Wirtschaft wächst rasant und zieht auch aufgrund der Offshore-Gasfunde im regionalen Vergleich erhebliche Investitionssummen an. Diese fließen zum Teil in die Modernisierung und Neuanschaffung von Maschinen und Ausrüstungen. Der Sektor fragt hochwertige Produkte nach und benötigt Expertise, beispielsweise in den Bereichen Fördersysteme, Bohrtechnik, Pump- und Belüftungsanlagen, verschiedene Maschinen und Fahrzeuge. Auch wenn es für deutsche KMU relativ schwierig ist große Ausschreibungen gegen Konkurrenten aus der VR China, Indien, den USA oder Australien zu gewinnen, können deutsche Unternehmen dennoch punkten. Zudem gibt es zusätzliche Wettbewerbsvorteile im Bereich CSR, da beispielsweise die Einhaltung von Standards bei Personen- und Umweltsicherheit an Bedeutung zunimmt.

Bislang ist das Engagement deutscher Firmen in Tansania überschaubar. Das liegt vor allem an der ausgeprägten internationalen Konkurrenz. Zu den entsprechenden Unternehmen gehören beispielsweise die kanadischen Firmen Acacia Mining, Montero Mining and Exploration, Rift Valley Resources, Tanzanian Royalty Exploration Corp und East Africa Metals Inc., die südafrikanischen AngloGold Ashanti, Electra Mining und Bauma Conexpo, die australischen Unternehmen Black Rock Mining, Cradle Resources, IMX Resources, Intra Energy Corp, Mantrac Tanzania, Mantra Resources, Peak Resources, Rift Valley Resources und chinesische Unternehmen wie Sichuan Hongda Group oder Xinhai Mineral Processing EPC.

Starke Wettbewerber

Chinesische Firmen werden oftmals aufgrund niedriger Compliance-Hürden und wegen staatlichen Abkommen für Großprojekte bevorzugt, während andere Länder wie Kanada ihren Unternehmen umfangreichere Unterstützungen beispielweise im Bereich der Exportkreditversicherung bieten. Während andere EU-Länder wie Schweden, Italien oder Belgien im Bereich der Vermarktung von Bergbaumaschinen in Tansania mitmischen, konnte Deutschland bisher eher in geringer Größenordnung im Bereich Bau- und Baustoffmaschinen mitwirken.

Trotz der Marktdominanz anderer internationaler Konkurrenten und gewisser Risiken wie Facharbeitermangel, Korruption und relativ schlechter Infrastruktur gibt es deutliche Chancen für deutsche Unternehmen. Sie genießen einen guten Ruf basierend auf der hohen Qualität deutscher Technik. Insbesondere für deutsche Spezialtechnik gibt es umfangreiche Anwendungsmöglichkeiten im sehr diversifizierten tansanischen Bergbausektor.

Zwei relativ neue Hindernisse für Investoren bilden jedoch zum einen das Verbot der Ausfuhr von Mineralkonzentraten und zum anderen die Local-Content-Anforderungen. So hat das tansanische Ministerium für Energie und Mineralien ein Gesetz verabschiedet, welches die Ausfuhr von Mineralkonzentraten und Erzen für metallische Mineralien wie Gold, Kupfer, Nickel und Silber verbietet. Dieses Gesetz trat im März 2017 in Kraft. Seither müssen nun Rohmaterialien in Tansania vor dem Export verarbeitet werden.

Zum anderen gilt laut dem Konzept des "local contents", dass internationale Unternehmen in bestimmten Sektoren (Öl und Gas gehören dazu) mindestens 25 Prozent tansanische Arbeitskräfte beschäftigen sowie die Beschaffung von Ausrüstung und Produkten vorrangig lokal durchführen sollen. Diese Regelung stellt für die internationalen Unternehmen insbesondere aufgrund des Mangels an ausgebildeten Facharbeitern vor Ort ein Problem dar. Nicht zuletzt führt die Regierung unter Präsident Magufuli mit oftmals impulsiven Maßnahmen die Geschäftswelt in ungewisse Gewässer, wie beispielsweise die Entlassung des Energieministers und des Geschäftsführers der Energiebehörde im Mai 2017 zeigte.

Erdgasförderung soll steigen

Eine große Rolle spielen derzeit die großen Gasvorkommen vor der tansanischen Küste, die auf ein Gesamtvolumen von über 57 Billionen Kubikfuß (cbf)geschätzt werden. Tansania könnte sich zu einem bedeutenden Gasexporteur entwickeln, was zunehmende Folgeinvestitionen in andere Wirtschaftszweige sowie die öffentliche Infrastruktur erwarten ließe.

Die beiden bereits erschlossenen Gasfelder Songo Songo Island und Mnazi Bay fördern jährlich circa 1 Milliarde Kubikmeter Gas. Mit der geplanten Erweiterung der Gasproduktion ist die Errichtung von Verflüssigungsanlagen geplant. Der zeitliche Rahmen dieser Projekte ist jedoch noch unklar, da die Entwicklungsphase bis zu 40 Milliarden US-Dollar kosten soll. In diesem Zusammenhang planen die Unternehmen BG Group bzw. die Mutterfirma Royal Dutch Shell, Exxon Mobil und Ophir Energy in Partnerschaft mit der staatlichen Erdölentwicklungsgesellschaft (Tanzania Petroleum Development Corporation) ein Onshore-LNG-Export-Terminal in der südlich gelegenen Stadt Lindi.

Dieser Artikel ist relevant für:

Tansania Öl, Gas, Kohle, Mineralische Rohstoffe, Edelsteine, Erze, Bergbaumaschinen, Geo-Bohrtechnik

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