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04.09.2019

Absatz von Elektroautos in Frankreich wächst kräftig

Industrie verlangt mehr Unterstützung beim Ausbau der Ladeinfrastruktur / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Der Verkauf von Elektroautos in Frankreich legt weiter stark zu. Für die Hersteller sind jedoch die Voraussetzungen für einen echten Marktaufschwung noch nicht gegeben.

Der Absatz von Elektrofahrzeugen in Frankreich behält sein hohes Tempo im ersten Halbjahr 2019 bei. Die Verkäufe von Elektro-Pkw haben sich mit einem Plus von 46,1 Prozent gegenüber dem Gesamtjahr 2018 sogar noch beschleunigt. Geringer waren die Zuwächse vor allem bei Nutzfahrzeugen.

Zulassung von Elektro- und Hybridfahrzeugen in Frankreich (in Stückzahlen; Veränderung in %)
2017 2018 1. Halbjahr 2019 Veränderung 1. Halbjahr 2019/18
Elektrofahrzeuge Insgesamt 42.799 55.763 33.231 31,8
.Elektrische Pkw 24.910 31.055 21.006 46,1
.Elektrische Nutzfahrzeuge 6.011 8.103 4.286 16,5
.Elektrofahrzeuge mit Reichweitenverlängerer (range extender) 1.073 1.148 81 -86,8
Hybridfahrzeuge* 81.559 106.366 57.873 10,2
.Plug-In-Hybride 11.868 14.528 7.904 11,2

* ohne leichte Nutzfahrzeuge (Vans)

Trotz des starken Marktwachstums erwartet die französische Kfz-Industrie zumindest kurzfristig noch keinen nachhaltigen Aufschwung für Elektroautos. Der Präsident der Industrieplattform PFA (Plateforme Française Automobile), Luc Chatel, sagte Mitte Juli 2019 bei einem Treffen von französischen Vertretern der Kfz-Industrie und der Regierung, dass die Voraussetzungen für einen Marktaufschwung für Elektroautos derzeit noch nicht gegeben seien. Um die Elektrifizierung voranzutreiben, seien Planungssicherheit in Bezug auf Fördermaßnahmen und der Ausbau von Ladeinfrastruktur notwendig.

MKT201909038007.14

Zum 1. August 2019 hat die Regierung die Abwrackprämien eingeschränkt und wieder stärker auf den Kauf von Elektroautos ausgerichtet (siehe GTAI-Artikel: "Frankreich verschärft Kriterien für Abwrackprämie", http://www.gtai.de/MKT201908268007). Haushalte, die zur oberen Hälfte der Einkommensverteilung gehören, können seitdem nur noch beim Kauf von Elektroautos und Plug-In-Hybriden eine Prämie erhalten. Diese Maßnahme dürfte dem Markt für Elektroautos Impulse geben, da bisher die Hälfte der Abwrackprämien nicht für die Anschaffung von E-Autos sondern für den Kauf von Dieselfahrzeugen geltend gemacht wurden.

Haushalt 2020 dürfte Klarheit über Bonus und Kraftstoffsteuern schaffen

Die Industrie fordert neben einem Kaufbonus von 6.000 Euro für reine Elektroautos die Wiederaufnahme der Förderung für Plug-In-Hybride von mindestens 2.000 Euro. Bonus und Kraftstoffsteuern dürften im Haushaltsgesetz für 2020 festgeschrieben werden, das spätestens am ersten Dienstag im Oktober 2019 dem Parlament vorgelegt werden muss.

Nach Aussagen von Chatel trägt die Industrie mit großen Investitionen ihren Teil zur Elektrifizierung des Verkehrs bei. PSA hat im Juni 2019 am Standort Trémery nördlich von Metz eine Montagelinie für Elektromotoren in Betrieb genommen. Zunächst werden Teile von Zulieferern wie Continental montiert. In einem Joint Venture mit dem japanischen Unternehmen Nidec baut PSA bis 2022 aber eine eigene Produktion auf. Ab 2025 sollen jährlich 900.000 Elektromotoren produziert werden. Im August 2019 wurden die Fabriken von PSA in Poissy für die Produktion des DS 3 Crossback e-tense und des Peugeot E 208 umgerüstet, ebenso wie das Renault-Werk in Flins, wo der ZOE hergestellt wird. In Flins westlich von Paris wurden 2018 etwa 50.000 ZOE gebaut. In den kommenden Jahren soll die Produktion auf das Doppelte ansteigen. Die dafür notwendigen Investitionen sind Teil der 2018 angekündigten 1 Milliarde Euro, die Renault bis 2022 in die Elektromobilität stecken will.

Ausbau der Ladeinfrastruktur verläuft schleppend

Die Industrie sieht im langsamen Ausbau der Ladeinfrastruktur in Frankreich das größte Hemmnis für eine schnellere und stärkere Verbreitung von Elektroautos. Die Kommission der Europäischen Union (EU) empfiehlt einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt je zehn Elektrofahrzeuge. Der Ausbau verlief zuletzt stockend. Anfang 2019 zählte das Land etwa 25.000 frei zugängliche Ladesäulen für etwa 206.000 aufladbare Hybrid- und Elektroautos. Mitte Juni waren es nach Informationen der PFA 26.300 Ladesäulen für etwa 239.000 Fahrzeuge.

Die Regierung hatte 2018 in einer Übereinkunft mit der Kfz-Industrie 50.000 frei zugängliche Ladepunkte bis 2020 versprochen. 2022 sollen es 100.000 sein. Dann will die Regierung zudem 600.000 reine Elektroautos und 400.000 Plug-In-Hybride auf den Straßen sehen. Um den Ausbau zu beschleunigen, hat sie Anfang Juli 2019 im Rahmen des Programms Advenir zusätzliche Fördermaßnahmen für Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern und für Gebietskörperschaften verkündet. In ersterem Falle trägt sie künftig bis zu 50 Prozent der Kosten für die Installation, in letzterem bis zu 40 Prozent. Bis 2022 sollen so 3.000 Mehrfamilienhäuser ausgerüstet werden.

Der Industrie geht das nicht weit genug. Die Installation eines Ladepunktes in einem Mehrfamilienhaus benötigt die Zustimmung durch Eigentümerversammlungen und dauert daher in der Regel zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Die PFA fordert Maßnahmen, um eine Umsetzung innerhalb von drei Monaten zu ermöglichen. Dies könnte etwa über das Mobilitätsgesetz (loi d'orientation des mobilités) geschehen, das sich das Parlament nach der Sommerpause ab September 2019 wieder vornehmen will. Das Gesetz dürfte noch im Jahr 2019 verabschiedet werden.

Mehr Auswahl wird den Markt antreiben

Die Marktentwicklung für Elektroautos ist weiter sehr unsicher. Eine größere Modellvielfalt dürfte aber in den kommenden Monaten die Nachfrage antreiben. Aufgrund eines schärferen CO2-Grenzwerts von 95 Gramm pro Kilometer in der Europäischen Union (EU), der 2020 und 2021 schrittweise eingeführt wird, hat die Industrie zahlreiche neue Elektromodelle angekündigt. Nach dem europäischen Verband Transport & Environment könnte sich das Angebot an elektrischen Fahrzeugen europaweit von etwa 60 Exemplaren Ende 2018 bis 2020 auf 176, 2021 auf 214 und 2025 auf 333 elektrische Fahrzeugmodelle ausweiten.

In Frankreich will Renault im Herbst 2019 zwei neue Versionen des europaweiten Bestsellers ZOE und das Modell Captur als Plug-In-Hybrid auf den Markt bringen. 2020 soll ein neues Modell des elektrischen Lieferwagens Kangoo Z.E. folgen, der den französischen Markt für elektrische Vans beherrscht. Peugeot (PSA) plant noch 2019 die Einführung des Peugeot E 208, des DS 3 Crossback e-tense und des Opel Corsa-e.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Plateforme Française Automobile (PFA) https://pfa-auto.fr Industrieplattform der Kfz-Industrie
Association nationale pour le développement de la mobilité électrique (Avere-France) http://www.avere-france.org Verband für Elektromobilität

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Elektromobilität

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‎+49 228 24 993 274

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