Suche

12.10.2017

Abwassermanagement in Entwicklungsländern im Fokus

Maßgeschneiderte Technologien zur Sammlung und Aufbereitung gefragt / Von Dorothea Netz

GTAI (Bonn) - Abwassermanagement ist 2017 eines der Hauptthemen in der Fachdiskussion der internationalen Wassercommunity in der Entwicklungszusammenarbeit. Zunehmende Wasserknappheit und eine schnell voranschreitende Urbanisierung machen eine effiziente Wassernutzung und sachgerechte Aufbereitung notwendig. In Entwicklungsländern geschieht dies bislang nur punktuell. Eine steigende Nachfrage nach Abwasser- und Sanitärlösungen bietet hier Absatzchancen für deutsche Lieferanten. (Internetadressen)

Sauberes Wasser ist vielerorts Mangelware; gleichzeitig steigt die Nachfrage, ob in der Landwirtschaft, in der Industrie oder durch private Haushalte. Eine zunehmende Urbanisierung und Auswirkungen des Klimawandels verschärfen die Situation noch. Trotz dieser Verknappung werden in den ärmsten Ländern noch mehr als 90 Prozent des Abwassers unbehandelt in die Umwelt entlassen. Hier haben auch viele Menschen keinen Zugang zu sachgerechten Sanitäreinrichtungen und Siedlungsabwässer werden selten sicher behandelt. Der Handlungsdruck zur Vermeidung von Gesundheits- und Umweltgefahren ist für nationale Regierungen und die internationale Gebergemeinschaft groß. Sowohl bei der diesjährigen Weltwasserwoche im September in Stockholm als auch in dem im März veröffentlichten UN-Weltwasserbericht. diskutierten Experten Möglichkeiten eines optimierten Abwassermanagements.

Wasser- und Abwassersysteme in der Entwicklungszusammenarbeit

Der Wassersektor gehört zu den Kernsektoren der Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Das nachhaltige Entwicklungsziel der internationale Gemeinschaft (SDG) für diesen Bereich lautet: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten (SDG 6). Im Jahr 2015 wurden 15 Milliarden US-Dollar (US$) offizieller Entwicklungsfinanzierung (ODF), inklusive harter Kredite der Entwicklungsbanken, für Aktivitäten im Wassersektor zugesagt. Deutschland ist seit Jahren unter den drei größten bilateralen Gebern für den Sektor. Neben Wasserversorgung nimmt der Themenkomplex Sanitation, der Siedlungshygiene und Abwassermanagement beinhaltet, eine Schlüsselrolle ein. 2015 wurden für kombinierte Wasser und Sanitation-Vorhaben 4,3 Milliarden US$ bewilligt, für reine Sanitation-Projekte 3,9 Milliarden US$. Indien, China und Kolumbien sind die Hauptempfängerländer. Aus Wasserprojekten, die die Weltbank als größter multilateraler Geber finanziert, wurden im Finanzjahr 2016 (Juli 2015 - Juni 2016) 820 Verträge mit einem Gesamtwert von 2,3 Milliarden US$ vergeben. Erfasst sind nur Verträge, die die Bank aufgrund besonderer Risiken oder hoher Vertragswerte vorab prüfte. Schwerpunktregionen waren auch hier Lateinamerika und Südasien.

Schnelle Urbanisierung macht neue Sanitärkonzepte notwendig

Um den Bedarf für Wasser- und Abwasserinfrastruktur zu decken und die Entwicklungsziele zu erreichen, reichen Entwicklungshilfegelder allein nicht aus. Laut Weltbank sind hierfür jährlich Investitionen in Höhe von 114 Milliarden US$ notwendig. Zentrale Abwassersysteme mit einer guten Abwasserreinigung, wie sie in vielen Industrieländern üblich sind, sind kapital- und wartungsintensiv und oft subventionsbedürftig.

Die Finanzierung ist oftmals die größte Herausforderung bei der Planung und Umsetzung von Wasser- und besonders Abwassersystemen. Auf der Weltwasserwoche, die vom 27.8. bis 01.09.17 in Stockholm stattfand, diskutierten Experten verschiedene Finanzierungsmodelle. Ein Fazit war, dass neben öffentlicher Finanzierung private Investitionen notwendig sind, Finanzierungskonzepte jedoch sicherstellen müssen, dass auch die ärmsten Bevölkerungsschichten profitieren. In der Gewinnung von Nebenprodukten im Rahmen der Wasseraufbereitung sieht der Weltwasserbericht großes Potential, um die Rentabilität zu steigern. Durch Energierückgewinnung kann der Aufbereitungsprozess energieneutral sein oder sogar zusätzliche Energie produzieren. Auch die Rückgewinnung von Phosphor und Stickstoff birgt Geschäftspotential.

Ein wesentlicher Grund für ein unzureichendes und unwirtschaftliches Abwassermanagement liegt laut Weltwasserbericht an der mangelnden Umsetzung von regulatorischen Rahmenbedingungen. Die Verantwortung für Abwasserbewirtschaftung liegt meist auf kommunaler Ebene. Mitarbeiter sind oft nur unzureichend qualifiziert, und Betrieb und Wartungsarbeiten können nicht sachgerecht durchgeführt werden. Qualifizierung und Beratung der Versorgerbetriebe in betriebswirtschaftlichen und fachlichen Belangen sind wichtige Aspekte für ein langfristige funktionierendes Abwassermanagement. Beratungsleistungen sind daher ein wesentlicher Bestandteil von geberfinanzierten Abwasserprojekten.

Die Rahmenbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern erfordern angepasste planerische und technologische Lösungen. Ein Trend geht zu dezentralen Wasseraufbereitungssystemen, deren Investitionskosten laut UN-Wasserbericht um mehr als die Hälfte geringer sein können als bei konventionellen Anlagen. Sie kommen vor allem als Komponenten des Abwassermanagements für schnell wachsende urbane Gegenden zum Einsatz, auch als Interimslösung. Für ähnliche Situationen werden vermehrt auch Low-Cost-Kanalisationen gebaut, deren Rohre kleiner sind und weniger tief verlegt werden. In Brasilien ist dieser Kanalisationstyp bereits verbreitet und die Kosten pro Nutzer sind nur halb so hoch wie die konventioneller Abwassersysteme.

Eine besondere Herausforderung ist die Errichtung sachgerechter Sanitärsysteme in informellen Siedlungen und in Nothilfelagern. Hier werden immer mehr innovative, nicht vernetzte Lösungen umgesetzt. Ein Beispiel ist die Ausstattung von Haushalten mit Containern, in denen der Fäkalschlamm sicher eingeschlossen und zur Behandlung abtransportiert wird (container based sanitation). Ein weiterer Faktor, der die Planung städtischen Abwassermanagements beeinflusst, ist die klimabedingte Zunahme wetterbedingter Extremereignisse, zum Beispiel Hochwasser. Hier ist der Aufbau einer risikomindernden Infrastruktur notwendig, um sanitären Krisen vorzubeugen.

Innovative Abwassertechnologien gefragt

Viele Aufträge im Bereich Abwasser werden von Behörden vor Ort umgesetzt und ab bestimmten Schwellenwerten international ausgeschrieben. In Entwicklungsländern handelt es sich oft um geberfinanzierte Projekte. Germany Trade and Invest erfasste und veröffentlichte 2016 rund 250 EZ-Projektfrühinformationen und 950 Meldungen zu Ausschreibungen für die Kategorie Abwasser. Die meisten Ausschreibungen betrafen die Ukraine, Argentinien und Brasilien.

Die steigende Abwassermenge mit einer gleichzeitigen Verknappung der Frischwasserbestände bietet großes Potential für den Einsatz innovativer Lösungen. Dabei sind sowohl Verfahren zur effizienteren Wassernutzung als auch zur Abwasseraufbereitung gefragt. Neben Komponenten für Kläranlagen und Kanalisation werden auch dezentrale Anlagen eingekauft. Zudem werden Lösungen für klimasichere städtische Wasser- und Abwasserinfrastruktur gesucht. Deutsche Beratungsunternehmen und Lieferanten der Wasser- und Abwasser- sowie Kreislaufwirtschaft haben gute Chancen, ihre Leistungen und Produkte erfolgreich zu vermarkten.

Internetadressen

Bezeichnung Internetadresse
UN World Water Development Report 2017 http://www.unwater.org/publications/world-water-development-report-2017/
World Water Week 2017 http://www.worldwaterweek.org
German Water Partnership http://www.germanwaterpartnership.de
GTAI-Informationen zu Märkten für Wasser- und Abwassertechnologien http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/Future/umwelttechnik,t=wasser-und-abwasser,did=1450854.html
GTAI-Meldungen zu Projekten und Ausschreibungen http://www.gtai.de/projekte-ausschreibungen

Dieser Artikel ist relevant für:

Entwicklungsländer, Südasien, Lateinamerika Pumpen, Kompressoren, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Architektur, Bau-Consulting, Bauüberwachung, Kläranlagenbau, Abwasserentsorgung

Funktionen

Kontakt

Dorothea Netz

‎+49 228 24 993 339

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche