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06.12.2018

Accras Wasserversorgung stößt bald an ihre Grenzen

Jospong investiert in Abwasseraufbereitung / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - Der Bedarf an Investitionen ist riesig in Ghanas Wasser- und Abwassersektor. Gleichwohl fließen die Mittel eher spärlich und häufig kommt chinesische Technologie zum Einsatz.

In Ghanas Wasserversorgung und Abwasserentsorgung fließt viel zu wenig Geld gemessen an den Notwendigkeiten. In einer im Jahr 2018 veröffentlichten Untersuchung seitens der Weltgesundheitsorganisation WHO wurde der Investitionsbedarf im Bereich der Wasserversorgung auf etwa 11,5 Milliarden US-Dollar (US$) bis 2025 beziffert. Dies würden jährliche Ausgaben in Höhe von knapp unter 1 Milliarde US$ bedeuten. Tatsächlich liegt der Betrag bei nur 114 Millionen US$, wovon etwa drei Viertel aus dem Staatshaushalt und der Rest von ausländischen Gebern beigesteuert wird.

Ausbau der Wasserversorgung Accras wird dringend

Insbesondere im rasch wachsenden Großraum Accra-Tema dürften umfangreiche Maßnahmen an der Trinkwasserversorgung immer dringender werden. Die für den Osten der 3-Millionen-Stadt zuständige Trinkwasseraufbereitungsanlage in Weijia wurde zuletzt im Jahr 2008 ausgebaut und muss bald erweitert werden. Weil sich die Stadt in den letzten Jahren rund um den künstlichen Weijia-See ausgebreitet hat, dürften auch die Umweltprobleme zunehmen. Aus dem Weijia-See kommt das Trinkwasser für über 1 Million Menschen in Accra. Durch die Besiedelung direkt am Ufer kommt es immer häufiger zu Verschmutzungen.

Die für die städtische Wasserversorgung zuständige Ghana Water Corporation (GWC) sucht für Investitionen die Kooperation mit ausländischen Gebern. Bislang engagieren sich vor allem die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank (African Development Bank; AfDB) sowie die niederländische Regierung. Das Staatsunternehmen ist marode und kann aus eigenen Mitteln kaum investieren. Aus dem Haushalt kann das Geld aufgrund der hohen Verschuldung auch nur bedingt kommen. Nachdem bis 2014 Experten der niederländischen Vitens und des Johannesburger Wasserversorgers Rand Water bei der GWC tätig waren und nach Lösungen für eine Umstrukturierung suchten, wurde unter anderem die Teilprivatisierung empfohlen. Dies jedoch lehnt die ghanaische Regierung bis heute ab.

Marode Netze müssen ausgebaut und renoviert werden

Investitionsbedarf besteht bei der Modernisierung der maroden städtischen Netze sowie bei deren Ausbau. Auch ein effizienteres Management der GWC bei der Rechnungsstellung sehen Experten als dringend an. Die Einnahmeverluste haben neben technischen und administrativen auch politische Gründe. So bezahlen die Regierungsinstitutionen nichts für Wasser. Zudem wird der Wasserpreis niedrig gehalten, um Unruhe in der Bevölkerung zu vermeiden. In den Haushalten kommen zunehmend Prepaid-Zähler zum Einsatz, bei denen die Verbraucher im Voraus Guthaben kaufen müssen.

Eines der größten längerfristig angelegten Projekte ist derzeit das von der Weltbank mit 150 Millionen US$ finanzierte Greater Accra Metropolitan Area (GAMA) Sanitation and Water Project. Alleine etwa 50 Prozent des Geldes sollen an die GWC fließen. Neue Projekte in dem Sektor haben die AfDB sowie die VR China angekündigt. Geplant wird seit Jahren das von der AfDB-finanzierte Sogakope-Lomé-Transboundary-Water-Project, in dessen Rahmen Trinkwasser aus dem durch Ghana verlaufenden Volta-Fluss entnommen und per Pipeline in die etwa 150 Kilometer entfernte togoische Hauptstadt Lomé transportiert werden soll.

Private Aktivitäten sind rar im Wasser- und Abwasserbereich. Seit 2016 betreibt die spanische Abengoa eine Meerwasserentsalzungsanlage in Nungua nahe Accra. Kritisiert wird an diesem Projekt indes, dass das produzierte Wasser anscheinend zu einem viel zu hohen Preis an GWC verkauft wird. Vereinzelt investieren größere Hotels, wie das Labadi Beach Hotel und das Golden Tulip Hotel in Accra in eigene Abwasserentsorgungsanlagen.

Jospong baut Abwasseraufbereitungsanlagen mit Gebergeldern

Noch schlechter sieht es im Bereich der Abwasserentsorgung aus, die in Ghana in den Städten fast ausschließlich über das Abpumpen der Kloake aus den Klärgruben in Transportlaster bestanden hat. Diese ließen beispielsweise in Accra ihre Ladung an einer unter dem Namen "Lavender Hill" bekannten Stelle ungereinigt ins Meer abfließen. Mit chinesischer Unterstützung wurde 2017 die Abwasseraufbereitungsanlage gleichen Namens an gleicher Stelle aufgebaut. Das Werk wird von der privaten Sewerage Systems Ghana betrieben, die eine Tochter der ghanaischen Jospong-Gruppe ist. Sewerage Systems Ghana sucht aktiv den Kontakt zu ausländischen Geldgebern für seine Investitionen. Von der ungarischen Regierung kam zuletzt ein Zuschuss über 11,5 Millionen Euro für den Bau einer weiteren Abwasseraufbereitungsanlage in der zweitgrößten ghanaischen Stadt Kumasi. Diese Anlage soll eine Kapazität von 1.000 Kubikmeter am Tag erhalten. Auch Städte wie Takoradi oder Tamale benötigen dringend derartige Anlagen.

Deutsche Unternehmen im Umweltbereich bislang kaum in Ghana präsent

Für Unternehmen aus Deutschland bietet der Wasser- und Abwassersektor vor allem Beratungs- und Lieferchancen. Präsent sind deutsche Unternehmen aus diesen Bereichen in Ghana noch nicht. Gefragt sind nicht nur technische Komponenten, sondern Unternehmen, die Gesamtlösungen inklusive der Finanzierung und des Betriebs anbieten können. Wer sich für den ghanaischen Wasser- und Abwassersektor interessiert, dem bietet sich die Kontaktaufnahme mit der AHK Ghana an. Dort können sich seit dem Jahr 2018 Unternehmen von Experten für Umwelttechnologien über Markteintrittschancen beraten lassen. Leiterin des "Kompetenzzentrums Energie und Umwelt" ist Frau Katharina Felgenhauer (katharina.felgenhauer@ghana.ahk.de).

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ghana können Sie unter http://www.gtai.de/ghana abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ghana Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung

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Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

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