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11.03.2019

Ägypten kann Energieeffizienz von Gebäuden noch massiv steigern

Investitionen in Energieeffizienz rechnen sich verstärkt durch höhere Stromkosten / Von Oliver Idem (Februar 2019)

Kairo (GTAI) - Durch das Bevölkerungswachstum und den hohen Energiebedarf von Wohngebäuden könnte Ägypten von mehr Effizienz stark profitieren. Die Umsetzung von Vorschriften ist aber ein Schwachpunkt.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Steigende Strompreise. Keine einheitliche staatliche Zielsetzung und Zuständigkeit.
Neubauten im gehobenen Wohnungssektor sind tendenziell energieeffizienter ausgestattet. Allgemein geringes Umweltbewusstsein.
Bau der neuen Hauptstadt und 19 weiterer "smarter" Städte. Hoher Wohnungsbedarf führt zu eher kostenorientiertem als innovativem Bauen.

Aktuelles zum Thema Energieeffizienz in Gebäuden

Die ägyptische Regierung verfolgt mehrere Ziele mit Bezug zur Energieeffizienz in Gebäuden. Das Sustainable Development Goal 7.3 legt fest, dass pro Kilo Öläquivalent mehr Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet und die Primärenergieintensität verbessert werden soll. Der inländische National Energy Efficiency Action Plan nennt ein Gesamtziel von fünf Prozent mehr Energieeffizienz bis 2022 und 18 Prozent bis 2035.

Des Weiteren soll der Energieverbrauch 2022 um 20 Prozent unter dem Wert von 2007 liegen. Laut der New and Renewable Energy Authority (NREA) hatten private Haushalte, gewerbliche und Tourismusgebäude 2016 einen Anteil von 20 Prozent und öffentliche Bauten stellten drei Prozent des Stromverbrauchs. Die Reduktionsziele von je 15 Prozent entsprächen drei Prozent beziehungsweise 0,45 Prozent des Gesamtverbrauchs von 2016.

Die politischen Schwerpunkte lagen bislang auf dem Abbau der Stromsubventionen, einer energieeffizienteren Stromproduktion, Energiesparlampen, Effizienzlabeln für Haushaltsgeräte sowie solarer Warmwasserbereitung. Staatliche Effizienzvorgaben für Wohngebäude (2003), Wirtschaftsbauten (2006) und der Energy Efficiency Building Code (2013) werden dem Regional Center for Renewable Energy and Energy Efficiency (RCREEE) zufolge bislang nicht vollzogen. Gleiches gilt für das Ministerialdekret 401/1987, welches in Regierungsgebäuden in neuen Wohnsiedlungen verpflichtend solare Warmwasserbereiter vorschreibt.

Im Fiskaljahr 1. Juli 2016 bis 30.Juni 2017 verkaufte die Egyptian Electricity Holding Company (EEHC) insgesamt 151.606 Gigawattstunden Strom. Dabei dominierte der Wohnsektor mit 42,3 Prozent deutlich vor den Industriekunden mit 27,4 Prozent. Der Zensus 2017 des Statistikamtes CAPMAS ermittelte einen Bestand von knapp 13,5 Millionen Gebäuden in Ägypten. Davon verzeichneten 428.000 einen hohen Renovierungsbedarf und knapp 98.000 Gebäude galten als abbruchreif.

Im Fiskaljahr 2016/17 wurden 276.600 neue Wohneinheiten gebaut, rund 78 Prozent davon durch Privatunternehmen. Der Bedarf bleibt angesichts eines Bevölkerungswachstum von rund zwei Prozent pro Jahr hoch. Die nutzbare Landesfläche soll bis 2050 auf 14 Prozent verdoppelt werden, um die Bevölkerungsballung zu entzerren. Kairo und Alexandria sind mit Abstand die größten Städte, vermutlich bald auch die neue Hauptstadt. Der Zubau umfasst auch ganze Städte wie New El Alamein.

Bestehende Wohngebäude sind zumeist nicht isoliert und werden dezentral versorgt. Reine Raumkühlung, auch mit Wärmefunktion, ist der Regelfall. Ölradiatoren oder elektrische Heizgeräte für die kühlen Tage sind verbreitet. Raumklimageräte und -einrichtungen finden zusehends im gehobenen Neubausektor Verwendung. Die Chance auf den Einsatz umfassender Smart-Building-Lösungen bieten moderne Bauvorhaben. In gehobenen bis luxuriösen Wohn- und Ferienanlagen, neuen Büro- und Hotelbauten sowie Mischnutzungsprojekten kommen komplexe Lösungen zum Einsatz, die Energieeffizienz mit sich bringen. Hierzu zählen Systeme, die vollautomatisierte Beleuchtung und Abdunkelung, Visualisierung, Überwachung und Steuerung bis hin zur Betriebskontrolle von Versorgungsnetzen beinhalten.

In ihrem Bericht "Energy Efficiency and Rooftop Solar PV Opportunities" untersuchte die Weltbank 2017 Kairo und Alexandria. Dort liegt der Primärenergieverbrauch pro Kopf bei 41.02 Gigajoule und der Primär-Stromverbrauch bei knapp 1.911 Kilowatt pro Stunde. Das Potenzial für Einsparungen bei Wohngebäuden liegt dort bei 30 bis 50 Prozent.

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Regierungspläne, Förderprogramme, administrative Hürden

Über die neue Hauptstadt hinaus plante die ägyptische Regierung Ende 2018 weitere 20 "Städte der 4. Generation" für 30 Millionen Menschen. Für deren Infrastruktur und Einrichtungen soll Hochtechnologie eingesetzt werden, sodass mehr Energieeffizienz zumindest ein Nebeneffekt sein dürfte. Die Städte sind im Großraum Kairo und weiteren 12 Gouvernoraten auf 243.600 Hektar Gesamtfläche geplant.

Der Social Fund for Development vergibt Kredite an KMU, deren Spektrum auch Energieeffizienz umfasst. RCREEE zufolge sind zudem Ausrüstungen zur Steigerung der Energieeffizienz von Einfuhrzöllen befreit. Das Energiegesetz 87/2015 enthält einige Sollbestimmungen für große Stromkunden und Verteilungsunternehmen, aber ohne direkten Bezug zu Einsparungen im Gebäudesektor.

Zwei Kreditprogramme unter Federführung der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) fördern Investitionen privater Unternehmen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Dabei handelt es sich um die Egypt Sustainable Energy Financing Facility (EgyptSEFF) und die Green Environment Financing Facility (GEFF).

Der AHK Ägypten zufolge ermöglicht auch der Finanzdienstleister EFG Hermes die Unterstützung entsprechender Investitionen.

Der Egyptian Green Building Council hat 2009 ein "Green Pyramid Rating System" mit vier Stufen als nationales Energieeffizienzlabel entwickelt. Die Anzahl der seitdem zertifizierten Gebäude ist jedoch nicht bekannt. Die Zertifizierungsstufen orientieren sich laut RCREEE am LEED-System und enthalten zusätzlich einige landesspezifische Aspekte.

Sowohl Stromzähler mit Vorkasse als auch Smart Meters sind in Ägypten auf dem Vormarsch. Bis 2028 will das Energieministerium 40 Millionen smarte beziehungsweise Prepaidzähler installieren. Die EEHC und die Wadi El-Nile Company planten, bis Ende 2018 in North/South Cairo, Alexandria, Canal, South Delta und Middle Egypt 250.000 intelligente Zähler sowie ein zentrales Datenzentrum einzurichten. Siemens und Toyota errichten laut den Daily News Egypt Schaltzentralen im Norden Kairos und liefern auch 450.000 Smart Meters.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
New Urban Communities Authority (NUCA) http://www.nuca.gov.eg wichtiger Akteur des staatlichen Städtebaus
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/aegypten Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen etc.
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
AHK Ägypten https://aegypten.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

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Weitere Informationen zu Ägypten unter http://www.gtai.de/aegypten

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Ägypten Energie, Wasser, Wärme, allgemein, alternative Energien

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