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03.01.2019

Ägypten modernisiert und vernetzt seine Häfen

Zehnjahresstrategie im Juni 2019 erwartet / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Ägyptens Häfen wie Alexandria und Damietta sind wichtige Knotenpunkte für den Handel. Das Verkehrsministerium treibt den Ausbau und die Vernetzung mit anderen Verkehrsmitteln voran.

Das ägyptische Verkehrsministerium treibt den Ausbau, die Modernisierung und Vernetzung der inländischen Häfen voran. Gemeinsam mit der Suez Canal Authority wird das weitere Vorgehen geplant. Für Juni 2019 ist die Bekanntgabe einer Zehnjahresstrategie vorgesehen. Vorab befinden sich bereits größere Projekte in Alexandria, Safaga und Nuweiba in der Studienphase. Die Regierung plant bis 2030 eine Verdreifachung der inländischen Hafenkapazitäten auf 370 Millionen Tonnen.

Federführend bei ägyptischen Hafenprojekten sind das Verkehrsministerium beziehungsweise die jeweilige Hafen- oder Kanalbehörde. Die River Transport Authority plant außerdem, den Nil als Wasserstraße stärker zu nutzen. Dessen Potenzial gilt als kaum ausgeschöpft. Im Jahr 2013 soll der Anteil am inländischen Frachtaufkommen bei lediglich einem Prozent gelegen haben. Insgesamt verfügt Ägypten über 1.850 Kilometer schiffbare Wasserwege. Eine Verlagerung des Frachtaufkommens soll auch Staus vermeiden und den Kraftstoffverbrauch senken.

Insgesamt sollen Schifffahrt, Bahn- und Straßenverkehr jedoch nicht gegeneinander ausgespielt, sondern stärker vernetzt werden. Die für den Handel wichtigen Häfen und deren Anbindung an die Bahn stehen besonders im Fokus des Verkehrsministers. Jeder Hafen soll einen Bahnanschluss erhalten. Die Vernetzung von Verkehrsmitteln soll beispielsweise durch Trockenhäfen verbessert werden. Ein großes derartiges Projekt ist in der 6th of October City bei Kairo geplant und soll 2019 ausgeschrieben werden.

Um Erfahrungen bei der Modernisierung von Infrastruktur auszutauschen, arbeiten die Hafenverwaltungen von Alexandria und Damietta künftig mit der Ukrainian Sea Ports Authority zusammen. Die Kooperation erstreckt sich auch auf eine bessere Servicequalität und die Entwicklung von IT-Dienstleistungen und Technologien.

Erster "Green Port" Ägyptens soll Vorbildcharakter haben

Innovationen sind auch an anderer Stelle geplant. Einer Meldung von Egypt Today zufolge entsteht in East Port Said das erste "Green Port"-Projekt des Landes. Die Saudi Industrial Services Company (SISCO) vereinbarte im Dezember 2018 den Bau eines internationalen Mehrzweckterminals. Dabei übernimmt SISCO Design, Errichtung und Betrieb der Anlage. Das etwa 75 Millionen Euro teure Vorhaben ist als Modellprojekt für umweltgerechte Häfen in Ägypten vorgesehen.

Die East Port Said Development Company errichtet derzeit drei Industriezonen und plant 2019 zwei weitere in Ägypten. Für die 461 Quadratkilometer große Wirtschaftszone am Suezkanal sind ihre sechs Häfen ein wesentlicher Baustein. In Ain Sokhna und East Port Said sind sie Teile integrierter Logistikzonen. Hinzu kommen die Standorte West Port Said, Adabiya, Al Tor und Al Arish. Diese decken ein weites Gebiet vom Roten Meer bis zum Mittelmeer ab.

Ausgewählte Hafenprojekte in Ägypten
Projektbezeichnung, Standort Investitionssumme (in Mio. US$) Projektstand Projektträger
Max New Port, Alexandria 3.378 Studienphase Ministry of Transport
Ausbauvorhaben Industriehafen Safaga 513 Studienphase Ministry of Finance
Modernisierung, Hafen Nuweiba 400 Studienphase, Grundstein im März 2018 gelegt Ministry of Transport
Modernisierung, Hafen East Port Said k.A. Eröffnung Anfang 2019 geplant Suez Canal Authority
Bau eines Trockenhafens mit Anbindung an die wichtigen Seehäfen, 6th of October City 110 Ausschreibung Anfang 2019 geplant Ministry of Finance (Public-private Partnership Unit)
Flussschifffahrtskonzept "Nile River Inland Cargo Transport" mit fünf neuen Häfen und Lagerhäusern 100 Studienphase Ministry of Transport
Modernisierung von Docks und Piers, Hafen Alexandria k.A. technische Studien durch CDR (Niederlande) vereinbart Alexandria Port Authority

Quellen: MEED Projects (Dezember 2018); Pressemeldungen

In vielen Infrastrukturbereichen Ägyptens hat sich ein jahrzehntelanger Investitionsstau aufgebaut. Die Weltbank errechnete im Dezember 2018 eine Investitionslücke von 180 Milliarden US$ in den kommenden 20 Jahren. Zugleich kämpt das Land mit einem Haushaltsdefizit in der Größenordnung von 8 bis 9 Prozent im laufenden Fiskaljahr. Aus eigener Kraft können entsprechend nur wenige Projekte umgesetzt werden. Internationale Geber zeigen aber eine hohe Bereitschaft, Kredite zu gewähren. Dazu zählt beispielsweise die Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB). Mit der African Development Bank (AfDB) laufen Verhandlungen unter anderem wegen der Trockenhafenpläne.

Regeln für Public-private-Partnership offenbar vor Novellierung

Das Trockenhafenprojekt in der 6th October City ist in Zusammenarbeit mit dem Privatsektor geplant. Für die Beteiligung privater Unternehmen an ägyptischen Infrastrukturvorhaben existiert seit 2010 eine gesetzliche Grundlage. Pläne für Public-private-Partnership erlitten in der Folge allerdings Rückschläge durch die politischen Umbrüche ab 2011 und in der Phase nach der Währungsfreigabe im November 2016. Laut Medienberichten könnte das Gesetz über die Beteiligung des Privatsektors an Infrastrukturvorhaben in Kürze novelliert werden.

Kennzahlen zu den ägyptischen Häfen
Kennzahl 2017
abgefertige Fracht (in 1.000 t) 149.590
.davon Import 97.551
.davon Export 52.039
Anzahl der abgefertigten Container 6.240.928
.davon Import 3.128.985
.davon Export 3.111.943

Quelle: Internetportal "Maritime Transport Sector" des ägyptischen Verkehrsministeriums

Die Seeschifffahrt spielt für Ägypten mit seinen circa 2.000 Kilometer langen Küsten eine wichtige Rolle. Häfen befinden sich sowohl an der Mittelmeerküste im Norden des Landes als auch am Suezkanal, Golf von Suez und am Roten Meer im Osten. Ägypten verfügt über insgesamt 40 Häfen, von denen zwölf für die Abfertigung von Waren aus dem Ausland geeignet sind. Insgesamt 29 Seehäfen besitzen Spezialisierungen. Darunter befinden sich zwölf Erdöl-, jeweils sechs Bergbau- und Fischerei- sowie fünf touristische Häfen. Unter den Containerhäfen ragt Alexandria heraus: Etwa 40 Prozent der industriellen Ausfuhren Ägyptens werden darüber abgewickelt. Der Hafen in Damietta ist einer der ältesten des Landes und repräsentiert circa 20 Prozent des ägyptischen Frachtverkehrs.

Containerhäfen in Ägypten
Standort maximale Frachtkapazität (in Mio. t) Anzahl der Liegeplätze für Containerschiffe gesamte Lagerflächen (in qm)
Alexandria 37,9 6 544.770
El Dekheila 27,1 6 1.639.380
Damietta 19,8 4 1.115.380
Port Said 12,8 3 243.253
East Port Said 12,0 4 1.800.000
Ain Sokhna 8,5 1 11.140

Quelle: Internetportal "Maritime Transport Sector"

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Alexandria Port Authority http://www.apa.gov.eg Hafenbehörde Alexandria
Maritime Transport Sector http://www.emdb.gov.eg Informationsportal des ägyptischen Verkehrsministeriums
Ministry of Finance http://www.mof.gov.eg Finanzministerium mit der PPP Central Unit
Ministry of Transport http://mot.gov.eg Verkehrsministerium
Suez Canal Authority http://www.suezcanal.gov.eg Suezkanalbehörde

Weiterführende Informationen zu Ägypten unter http://www.gtai.de/aegypten

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Bauwirtschaft, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Wasser-, Hafenbau

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