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08.11.2018

Ägyptens Agrarsektor muss Wasser einsparen

Nahrungsmittelbedarf steigt bei knappen Wasserressourcen / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Bevölkerungswachstum und Auslandsnachfrage treiben die Agrarproduktion in Ägypten an. Bei der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen erhält das Land internationale Unterstützung.

Der ägyptische Agrarsektor ist mit einer steigenden Lebensmittelnachfrage im Inland und wachsenden Nahrungsmittelexporten bei einem geringen Wasserangebot konfrontiert. Während der Auffüllung des im Bau befindlichen Grand Ethiopian Renaissance Dam dürfte die verfügbare Nilwassermenge Ägyptens sinken. Trotz zahlreicher Gesprächsrunden konnte noch keine Einigung auf politischer Ebene erreicht werden.

Zudem bedrohen Verschmutzungen die Wasserqualität, da ländliche Gebiete nur zu etwa einem Drittel an das Abwassernetz angeschlossen sind. Entsprechend sind das Grundwasser, die Kanäle und landwirtschaftliche Nutzflächen gefährdet. Hinzu kommt, dass bei einem Anstieg des Meeresspiegels in Küstengebieten und Teilen des bewässerten Agrarlands eine verstärkte Bodenversalzung droht.

Landwirtschaft verbraucht 77 Prozent des Wassers in Ägypten

Zahlen des Ministry of Irrigation and Water Resources zufolge verfügt Ägypten über 80,25 Milliarden Kubikmeter Wasser. Davon verbraucht die Landwirtschaft derzeit 77 Prozent. Da die Lebensmittelnachfrage weiter wachsen dürfte, ist die Nutzung aller verfügbaren Wasserquellen und ein effizienter Umgang damit erforderlich.

Um die Wassersicherheit Ägyptens zu gewährleisten, wurde der National Water Resources Plan 2017 bis 2037 ins Leben gerufen. Er enthält auch einige Elemente, die sich explizit auf die Landwirtschaft beziehen. So sieht der Plan ein effizienteres Wassermanagement im Agrarsektor inklusive der Wiederverwendung von Drainagewasser vor. Die Weltbank und die Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen lobten im Sommer 2018 bereits das Recycling von Drainagewasser in Ägypten als vorbildlich. Dessen Anteil an der landwirtschaftlichen Bewässerung beträgt bereits 10 Prozent.

Ein weiteres Element des Ressourcenplans ist eine verbesserte Leistungsfähigkeit privater Bewässerungs- und Drainagekanäle. Auch die Wasserqualität spielt eine Rolle. Die Belastung durch Landwirtschaft und Aquakultur soll gesenkt werden. Zu diesem Zweck ist auch vorgesehen, den Import, die Produktion und die Nutzung von Düngemitteln und Agrarchemikalien stärker zu kontrollieren.

Ägypten kann auf die Unterstützung durch internationale Partner zählen

Dass der Wassersektor besonders im Fokus internationaler Geber steht, erleichtert die finanzielle Umsetzung von Projekten erheblich. Kredite stammen zum Beispiel von der EU und Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland unterstützte die Arbeiten am im August 2018 eröffneten Stauwehr in Assiut. Dieses regelt den Zufluss des Nils zu einem der größten Bewässerungskanäle und verfügt gleichzeitig über ein Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung. Deutschland trug mit über 300 Millionen Euro zur Finanzierung des Vorhabens bei, das die Bewässerung von circa 690.000 Hektar Land am linken Nilufer steuert.

Im Oktober 2018 wurde ein ähnliches Projekt bekannt. Mit einer Finanzierung der japanischen Förderagentur JICA wird auch das Stauwehr Dirout saniert. Unter anderem soll ein automatisches Kontrollsystem die Ressourcen steuern. Das neue Stauwehr verbessert die Bewässerung von 630.000 Hektar des ägyptischen Agrarlands. Bis Ende 2024 ist der Abschluss der Arbeiten vorgesehen.

Unterstützung setzt an den Faktoren Mensch und Technik an

Deutsche Experten beraten die ägyptischen Behörden dabei, die Wasserressourcen besser zu nutzen. Dazu werden Kanäle in Stand gesetzt und moderne Pumpen und Drainagesysteme zur Bewässerung der Felder installiert. Sowohl der technische Zustand der Bewässerungsinfrastruktur als auch Verschmutzungen sind ein Problem im Land. In manchen Bewässerungskanälen finden sich dem Vernehmen nach Plastikmüll, Autoreifen und weitere Abfälle.

Deutschland unterstützt auch die ökologische Modernisierung der ägyptischen Landwirtschaft. Dies geschieht durch ein Wissenszentrum als Kooperationsprojekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem ägyptischen Ökolandbau-Pionier SEKEM. Das Einsparpotenzial des biologisch-dynamischen Landbaus gegenüber dem herkömmlichen soll bei 20 bis 40 Prozent liegen. Deutschland engagiert sich auch durch Schulungen für Landwirte in neuen Anbaumethoden zur Steigerung der Ernteerträge. Das ägyptische Bewässerungsministerium will mit Unterstützung der EU einen Wettbewerb zwischen Landwirten um die wassersparendsten Anbaumethoden veranstalten.

Einem Beschluss des ägyptischen Parlaments zufolge dürfen die Ministerien für Landwirtschaft und Bewässerung den Anbau von Feldfrüchten in bestimmten Regionen verbieten. Um den Wasserverbrauch zu senken, wurde beispielsweise die Anbaufläche für Reis im Gouvernorat Dakahlia reduziert. Damit kann das Wasserproblem bekämpft werden. Da trotzdem der Reisbedarf gedeckt werden muss, sind als Ausgleich Einfuhren erforderlich. Allein von Januar bis Ende September 2018 importierte Ägypten knapp 76.000 Tonnen Reis aus China.

Agrarsektor wächst jährlich um drei Prozent

Die Landwirtschaft in Ägypten wächst seit 2012 konstant um real etwa 3 Prozent jährlich. Die Zunahme soll 2018 und 2019 der Economist Intelligence Unit zufolge 3,2 beziehungsweise 3 Prozent betragen. Der Anteil der Landwirtschaft und Fischerei am Bruttoinlandsprodukt lag im Fiskaljahr 2016/17 bei 11,1 Prozent. Angebaut werden auch Kulturen mit hohem Wasserverbrauch wie Reis, Zuckerrohr und Baumwolle.

Landwirtschaftliche Erzeugnisse werden nicht nur auf dem Binnenmarkt mit nahezu 100 Millionen Verbrauchern, sondern auch im Ausland vermehrt nachgefragt. Für das Gesamtjahr geht das Landwirtschaftsministerium von 4,4 Millionen Tonnen Exporte aus, was einem Zuwachs um zehn Prozent gegenüber 2017 entspräche. Zitrusfrüchte und Kartoffeln dominieren die Ausfuhren, gefolgt von Zwiebeln und Weintrauben. Das Potenzial der Exporte dürfte höher liegen, als die Zahlen von 2017 und 2018 vermuten lassen. Zeitweise Importbeschränkungen auf einigen arabischen Absatzmärkten aufgrund von Pestizidrückständen dämpften seit 2017 die Exportchancen. Betroffen waren unter anderem ägyptische Paprika, Guaven und Erdbeeren. Ägypten reagierte mit einer Verschärfung der Qualitätskontrollen, die ab der nächsten Erntesaison ihre volle Wirkung entfalten dürften.

Kontaktanschriften

Bezeichnung Internetadresse
Egyptian Environmental Affairs Agency http://www.eeaa.gov.eg/en-us/aboutus.aspx
Ministry of Agriculture & Land Reclamation, Bereich Foreign Agricultural Relations http://far-malr.gov.eg
Ministry of Water Resources and Irrigation http://www.mwri.gov.eg

Weiterführende Informationen zu Ägypten unter http://www.gtai.de/aegypten

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung

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