Suche

25.02.2019

Ägyptens Energiepolitik setzt auf Versorgungssicherheit für die Zukunft

Ausbau der Kapazitäten ermöglicht Stromexporte / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Die "Egypt Vision 2030" umfasst auch eine moderne und effiziente Übertragung von Strom. Kurzfristig sollen 14 Schaltzentralen für 750 Millionen Euro renoviert oder neu gebaut werden.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Laufend steigender Energiebedarf durch Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum Noch immer subventionierte Strompreise verzerren die Kosten unterschiedlicher Energiequellen
Ausbau und Erneuerung der Erzeugungskapazitäten und Netze ermöglichen neue Stromverbünde Fehlende Speicherlösungen dämpfen die Marktchancen erneuerbarer Energien
Eigenständige Independent Power Producers (IPP) können künftig selbst erzeugten Strom direkt an Abnehmer verkaufen Handeln in einem relativ neuen Rechtsrahmen für private Akteure und erneuerbare Energien muss sich erst einspielen

Netzpolitik in Ägypten zielt auf höhere Effizienz

Ägypten befindet sich in einem Umbruch von einem staatlich dominierten Energieversorgungssystem zur Öffnung für private Akteure. Unter dem Dach der staatlichen Egyptian Electricity Holding Company (EEHC) sind die neun regionalen Netzbetreiber organisiert. Die Regulierungsbehörde für den Energiesektor ist EgyptERA.

Verbesserungen in der Netzwirtschaft sind ein übergeordnetes politisches Ziel. Die "Egypt Vision 2030" von 2016 fordert auch eine höhere Effizienz der Übertragung und Verteilung von Strom sowie die Modernisierung der Energieinfrastruktur. Dies ist auch eine Notwendigkeit, um mit der höheren Erzeugung Schritt zu halten. Laut dem Energieministerium flossen von 2014 bis 2018 knapp 26 Milliarden Euro Investitionen in den gesamten Energiesektor.

Ein Dauerthema ist der Subventionsabbau bei den Stromtarifen. Die Öffnung des Stromsektors für Privatunternehmen steht ebenso im Blickfeld der Öffentlichkeit wie zahlreiche Solarenergieprojekte und der Bau des ersten ägyptischen Kernkraftwerks in El Dabaa am Mittelmeer. Relativ neu auf der Agenda steht seit dem Frühjahr 2018 die Elektromobilität.

Das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum in Ägypten sorgt jedes Jahr für 6 bis 7 Prozent Mehrbedarf an Strom. Die Regierung will dauerhaft die Versorgung durch einen breiten Energiemix sichern. Sonne und Wind sowie Erdgas als Brennstoff für die meisten konventionellen Kraftwerke sind reichlich vorhanden. Die jüngst entstandenen Überkapazitäten ermöglichen den Stromexport über Interkonnektoren.

Die Weltbank bescheinigte Ägypten Ende 2018 den universellen Zugang zu Energie. Diese Elektrifizierung ist ein großer Erfolg, nachdem noch 2015 Stromabschaltungen und -ausfälle häufig vorkamen. Die Netzintegration mit Libyen und Jordanien besteht bereits seit 1998, doch nun werden weitere Pläne vorangetrieben. Im März 2019 soll die Verbindung mit dem sudanesischen Stromnetz vollzogen werden, Ende 2021 steht die Anbindung an Griechenland und Zypern durch Seekabel auf dem Programm. Zwischen 2020 und 2022 ist mit der Inbetriebnahme der Stromautobahn mit Saudi-Arabien zu rechnen.

Offgrid-Systeme existieren in netzfernen Gebieten wie Marsa Alam am Roten Meer.

Aufdach-Fotovoltaik ist verglichen mit anderen Ländern der Region und gemessen am Potenzial noch kaum verbreitet. Auch bei großen Freiflächenanlagen dominiert bislang die Direkteinspeisung. Schneider Electric aus Frankreich will sich aber laut Informationen von Februar 2019 in diesem Bereich in Ägypten eingagieren und Offgrid-Solaranlagen mit Batterien versehen.

Am 30. Juni 2017 lag die Gesamtkapazität der Transformatoren laut der EEHC im Hoch- und Höchstspannungsnetz bei 120.160 Megavoltampere. Die Anzahl der Transformatoren im Hoch- und Höchstspannungsnetz betrug 2.534 und es waren 652 Umspannwerke vorhanden.

Die Jahreshöchstlast im Fiskaljahr 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017 erreichte 29.400 Megawatt. Sie konnte durch eine Stromerzeugungskapazität von 45.008 Megawatt mühelos gedeckt werden.

Regierungspläne, Förderprogramme, administrative Hürden

Energieminister Mohamed Shaker erklärte im September 2018, dass knapp 3 Milliarden Euro zur Modernisierung der Stromnetze vorgesehen seien. Dazu gehört auch der Aufbau eines Parallelnetzes durch die State Grid Corporation of China (SGCC) für 500 Millionen Euro. Das Projekt soll 2019 abgeschlossen werden. In die Erneuerung beziehungsweise den Bau von 14 Schaltzentralen im Land sollen 750 Millionen Euro fließen.

Durch das Gesetz 87/2015 wurde die EETC als Übertragungsnetzbetreiber von der EEHC abgekoppelt, was den Netzzugang für Dritte öffnete. Ein vollständiger rechtlicher Rahmen für den privaten Stromhandel soll bis 2021 geschaffen werden. Dann sollen auch die Stromsubventionen vollständig abgeschmolzen sein. Das Energieministerium will sich auf eine Aufsichtsrolle für den Wettbewerb beschränken. Die notwendigen Regelungen werden von EgyptERA erarbeitet. Noch sind beispielsweise die Netzentgelte für Independent Power Producers (IPP) nicht bekannt, die sie für die Nutzung der staatlichen Infrastruktur beim Verkauf ihres Stroms zahlen sollen.

Die Regierungsziele sehen vor, 20 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien bis 2022 und 42 Prozent bis 2035 zu gewinnen. Sie genießen Vorrang beim Netzzugang laut Gesetz 203/2014. Als regionaler Schwerpunkt kristallisiert sich Benban mit dem größten Solarpark der Welt heraus.

Elektromobilität ist in Ägypten ein neues, aber dynamisches Thema. Seit April 2018 ist der Import von gebrauchten Elektrofahrzeugen erlaubt, sofern diese weniger als drei Jahre alt sind. Laut Medienberichten will das Unternehmen Revolta Egypt Pkw der Marke Tesla importieren und Ladestationen aufbauen. Die geplanten 65 Stationen sollen rund drei Millionen Euro kosten. Zudem vereinbarte ABB im Mai 2018 mit der Militär-Tankstellenkette Wataniya die Einrichtung von Ladestationen. Der Energieausschuss des Parlaments arbeitete im Januar 2019 an einem Gesetz für Elektrofahrzeuge, das den Import und Export, Verkauf und Kundendienst regeln soll. Gleiches gilt für Ladestationen und Stromtarife zum Aufladen der Fahrzeuge.

Kontaktanschriften

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministry of Electricity and Renewable Energy http://www.moee.gov.eg Energieministerium
New & Renewable Energy Authority (NREA) http://www.nrea.gov.eg Behörde für erneuerbare Energien
Egyptian Electricity Holding Company http://www.eehc.gov.eg Ein Tochterunternehmen ist die Egyptian Electricity Transmission Company
Egyptian Electric Utility and Consumer Protection Agency (EgyptERA) http://www.egyptera.org Regulierungsbehörde
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/aegypten Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen etc.
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
AHK Ägypten https://aegypten.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

Für tagesaktuelle Informationen zu Energiemärkten und Umwelttechnologien folgen Sie uns auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Umwelt

Weiterführende Informationen zu Ägypten unter http://www.gtai.de/aegypten

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung

Funktionen

Manfred Tilz Manfred Tilz | © GTAI

Kontakt

Manfred Tilz

‎+49 228 24 993 234

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche