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13.09.2018

Ägyptens Gesundheitsmarkt auf Wachstumskurs

Steigende Nachfrage in einem stark regulierten Umfeld / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Der hochgradig importabhängige ägyptische Gesundheitsmarkt steht vor einer weiteren Expansion. Staatliche und private Akteure weiten ihre Investitionen aus.

Sicherheit hat politische Priorität

Die innenpolitische Lage in der Arabischen Republik Ägypten hat sich seit dem Sommer 2013 stabilisiert. Die Sicherheit hat Priorität und andere Themen werden ihr untergeordnet. Der Ausnahmezustand wurde bereits mehrfach in Folge verlängert. Seit der Wiederwahl von Präsident Abdel Fattah El Sisi im März 2018 stehen die Zeichen noch stärker auf Kontinuität. Großprojekte wie die neue Hauptstadt, das Landgewinnungsvorhaben "1.5 million feddan", die Wirtschaftszone am Suezkanal und das erste ägyptische Kernkraftwerk dürften energisch fortgeführt werden.

Der unpopuläre Abbau der milliardenschweren Subventionen für Kraftstoffe und Strom wird voraussichtlich in wenigen Jahren abgeschlossen. Mit den Einsparungen soll das wachsende Haushaltsdefizit gesenkt und eine bessere Absicherung für Bedürftige geschaffen werden. Zudem genießt der Ausbau der Infrastruktur Priorität und wird von ausländischen Gebern mit Krediten unterstützt. Massiv besser als in der jüngeren Vergangenheit waren Mitte 2018 die Versorgung mit Strom und Erdgas, die fallende Inflation und die steigenden Devisenreserven.

Ägypten exportiert vorwiegend Rohstoffe und gering verarbeitete Produkte und ist im Gegenzug vor allem bei Maschinen und Fahrzeugen stark importabhängig. Für technische Spezialaufgaben wird oft auf internationales Know-how zurückgegriffen. Außenpolitisch hat die Regierung El Sisi insbesondere seit 2015 die Zusammenarbeit mit zahlreichen Ländern ausgebaut. Ägypten ist in ein dichtes Netz von Handelsabkommen eingebunden und verfügt über ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union, die ein zentraler Handelspartner ist. Die wirtschaftliche Kooperation mit Russland und China hat stark zugenommen. Im Erdgassektor steht der Bau einer Pipeline nach Zypern an, und in Kürze soll neben Saudi-Arabien, auch mit Sudan ein Stromaustausch geschaffen werden. Neuerdings werden die Beziehungen zu den afrikanischen Ländern ausgebaut, die als Wirtschaftspartner interessanter werden.

Demografische Eckdaten Ägypten
2014 2015 2016
Bevölkerung gesamt (in Mio.) 91,8 93,8 95,7
Bevölkerungswachstum (in %) 2,2 2,1 2,0
Lebenserwartung bei Geburt Frauen (in Jahren) 72,6 73,1 73,5
Lebenserwartung bei Geburt Männer (in Jahren) 69,9 70,3 70,7
Altersstruktur der Bevölkerung
.Anteil der unter 14-Jährigen (in %) 31,3 31,3 31,3
.Anteil der über 65-Jährigen (in %) 5,0 5,1 5,1

Quelle: Statistikamt CAPMAS

Gesundheitsausgaben Ägypten
2017 * 2018 * 2019 *
Gesamt (in Mrd. US$) 8,3 9,0 9,5
.pro Kopf (in US$) 85,3 90,4 93,4
.Anteil (staatlich; in %) 39,8 39,9 39,9
.Anteil (privat; in %) 60,2 60,1 60,1

*Schätzung beziehungsweise Prognose

Quelle: Business Monitor International (BMI Research)

Krankenhäuser und Ärzte in Ägypten
2014 2015 2016
Anzahl Krankenhäuser 2.062 2.069 2.076
.privat 1.403 1.408 1.412
.staatlich 659 661 664
Anzahl Betten 130.900 126.500 122.248
Anzahl Ärzte 281.972 296.007 310.742
.pro 100.000 Einwohner 31 32 32

Quellen: BMI Research; Statistikamt CAPMAS; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Hohe Importabhängigkeit bei Medizintechnik

Die Kombination aus einem wachsenden Binnenmarkt, hoher Importabhängigkeit und noch geringen Pro-Kopf-Ausgaben lässt Ägypten auch weiterhin als attraktiven Gesundheitsmarkt erscheinen. Mit der Zunahme der Lebenserwartung sind auch vermehrt ältere Patienten zu versorgen. Dass die Regierung die Abdeckung der Krankenversicherung steigern will, dürfte das unterfinanzierte System mit neuen finanziellen Mitteln ausstatten. Bislang bleiben die staatlichen Möglichkeiten, den Investitionsstau im Gesundheitswesen aufzulösen, sehr begrenzt. Projekte stützen sich zum Teil auf Kredite internationaler Geber. Neben den öffentlichen Gesundheitsanbietern haben sich private Unternehmen mit einem Angebot auf internationalem Niveau etabliert. Ihre Präsenz in Ägypten nimmt zu. Mitte 2018 standen mehrere große private Investitionsprojekte an. In Alexandria, in Matruh und in der neuen Verwaltungshauptstadt östlich von Kairo werden "Medical Cities" mit umfangreicher Gesundheitsinfrastruktur errichtet. Hinzu kommen mindestens drei neue Krankenhäuser im Großraum Kairo sowie eine spezialisierte onkologische und eine radiologische Klinik.

Krankenversicherungssystem soll ausgebaut werden

In Ägypten sind Arbeitnehmer zumeist über ihre öffentlichen oder privaten Arbeitgeber krankenversichert, wobei der Leistungsumfang und die Höhe der Eigenanteile stark variieren können. Ziel der Regierung ist es, die Reichweite der Krankenversicherung zu erhöhen. Im Rahmen der 1964 gegründeten Health Insurance Organization waren 2014 bereits rund 50 Millionen von etwa 93 Millionen Einwohnern versichert. Die Veröffentlichung der Ausführungsbestimmungen zum "Law on comprehensive health insurance scheme; Gesetz Nummer 2-2018" wird Mitte 2018 erwartet. Erstmals sollen alle Bürger in das System einbezogen werden. Vorgesehen sind laut Medienberichten eine Pflichtmitgliedschaft und einkommensabhängige Beiträge. Arbeitgeber sollen Prämien im Wert von vier Prozent der Arbeitnehmergehälter zahlen und die Angestellten ein Prozent. Zudem ist vorgesehen, dass alle im Land aktiven Unternehmen eine Umsatzsteuer in Höhe von 0,0025 Prozent zur Finanzierung der Gesundheitsversorgung entrichten.

Für finanzschwache Bürger will der Staat eine kostenlose Mitgliedschaft ermöglichen. Zur Stärkung des Qualitätswettbewerbs ist vorgesehen, dass Versicherte Auswahlmöglichkeiten erhalten, wo sie sich behandeln lassen. Das neue System soll, ausgehend von einem ersten der 27 Gouvernorate, bis 2032 schrittweise auf das ganze Land ausgedehnt werden. Port Said im Norden des Landes soll den Anfang machen. Private Gesundheitsanbieter erhoffen sich schnelle Klarheit darüber, ob und in welchem Ausmaß der Staat die Preise für private Gesundheitsleistungen regulieren will.

Deutliche Zunahme chronischer Krankheiten

Als Resultat veränderter Lebensstile und Essgewohnheiten befinden sich laut Medienberichten Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck auf dem Vormarsch. Ägypten verfügt zudem über eine außergewöhnlich hohe Prävalenz von Hepatitis C, die dem Vernehmen nach vor allem aus Hygienemängeln bei früheren Massenimpfungen von Kindern herrühren soll. Die Weltbank stellt dem Land einen Kredit über 200 Millionen US$ zur Verfügung, um eine umfangreiche landesweite Umfrage durchzuführen. Die Regierung plant, dass 2020 Ägypten frei von Hepatitis C sein soll. Die Erfahrungen aus der Bekämpfung von Hepatitis C dienen auch dazu, den Medizintourismus in diesem Bereich anzukurbeln. Dazu wurde das Programm "Tour n' Cure" entwickelt. In der Oase Siwa sollen außerdem natürliche Behandlungen Medizintouristen anziehen. Ergänzend werden neue Visa speziell für Medizintouristen entwickelt.

Medizintechnikimporte weiter auf Wachstumspfad

Deutschland war im Jahr 2016, wie in den Vorjahren, das wichtigste Lieferland Ägyptens für Medizintechnik mit einem Anteil von 36,6 Prozent. Die USA erreichten 12,4 Prozent Lieferanteil und China 10,1 Prozent. Alle weiteren Bezugsländer erzielten wesentlich niedrigere Ergebnisse. Deutschland lieferte wertmäßig betrachtet vor allem andere Instrumente und Geräte (54,7 Millionen US$), elektrodiagnostische Apparate (34,2 Millionen US$) und tragbare Hilfsmittel (22,3 Millionen US$). Das schwache Jahr 2016 stellt, wegen des Höhepunkts der Devisenkrise und der Kursfreigabe des ägyptischen Pfundes, einen Ausnahmefall dar. Alles spricht dafür, dass sich die Medizintechnikimporte in den Folgejahren wieder auf dem üblichen Wachstumspfad bewegen werden.

Prognosen für den Umsatz von Medizintechnik in Ägypten (in Mio. US$)
2017 * 2018 * 2021 *
Verbandmittel 18,4 21,6 33,1
Nahtmaterial 9,2 10,9 16,9
Spritzen, Nadeln und Katheter 26,4 30,9 46,1
Andere Verbrauchsmaterialien 10,4 12,5 18,5
Elektrodiagnostische Apparate 55,0 62,8 82,4
Radiologische Apparate 23,7 29,6 51,8
Teile und Zubehör für bildgebende Verfahren 15,9 17,9 22,5
Zahnärztliche Investitionsgüter 9,6 11,2 15,5
Zahnärztliche Instrumente 21,1 25,6 36,8
Orthopädietechnik und Prothetik 27,3 31,9 46,1
Hilfsmittel für Patienten 42,6 50,4 74,3
Therapiegeräte 15,2 17,7 23,6
Andere medizinische Geräte 118,3 135,9 192,9
Summe 393,1 458,8 530,7

*Schätzung beziehungsweise Prognose

Quelle: BMI Research

Die lokale Produktion in Ägypten beschränkt sich vor allem auf Verbandsmaterial, Nadeln, Spritzen, Schläuche, Medizinmöbel und grundlegende Erzeugnisse für die Dialyse. Somit kann aus inländischen Quellen auch nur dieser Bedarf gedeckt werden. Große internationale Branchenunternehmen produzieren derzeit nicht in Ägypten. Auch einige Start-ups sind im Gesundheitsbereich aktiv. Mogassam produziert beispielsweise 3D-Drucker für den Dentalbereich. Vezeeta bietet die Möglichkeit, Arzttermine online zu koordinieren und Leistungen zu bewerten. Ta2heal entwickelt interaktive Software für Kinder mit Lernschwierigkeiten.

Interessanter Markt für deutsche Anbieter

Da der Medizintechnikbedarf auf absehbare Zeit weiterhin durch Importe gedeckt werden wird, ist Ägypten ein interessanter Markt für deutsche Anbieter. Die Umsetzung einiger Investitionsprojekte dürfte das lokale Angebot verbreitern, aber die Nachfrage nicht entscheidend decken können. In der Pipeline ist eine Fabrik für nicht näher bezeichnete medizintechnische Produkte der Partner Medtech aus der Republik Korea und der National Organization for Military Production. Die Ministerien für Höhere Bildung und für Militärische Produktion planen ein forschungsintensives Unternehmen zur Fertigung von medizinischer Ausrüstung und Prothetik.

Auf Initiative des Gesundheitsministeriums hin wird eins von drei internationalen Unternehmen eine Fabrik für Blutprodukte wie Plasma für rund 280 Millionen Euro errichten. Ein Tochterunternehmen der staatlichen Vacsera, die Abu Dhabi Medical Devices Company und Maadi Company for Engineering Industries planen innerhalb von zwei Jahren den Bau einer Fabrik für Einwegspritzen mit einer Kapazität von 100 Millionen Stück jährlich. AMECATH will ein zweites Werk zur Herstellung von Katheter-Kits bauen.

Rehabilitation und Langzeitpflege in neuer Dimension

Colliers International analysierte 2017 in der Publikation "The Pulse. Egypt Healthcare" Marktchancen und Zukunftstrends. Die Marktforscher gehen davon aus, dass im Zuge des technischen Fortschritts die Nachfrage nach chirurgischen Zentren mit kurzer Verweildauer der Patienten steigen wird. Da die Anzahl der Menschen über 65 Jahre zwischen 2015 und 2050 von 4,8 Millionen auf 16 Millionen hochschnellen soll, werden die Themen Rehabilitation und Langzeitpflege eine völlig neue Dimension erhalten. Labore und Diagnostikzentren werden ebenfalls vermehrt erforderlich sein. Der bereits vorhandene Trend zu Schönheitsbehandlungen und damit verbunden Wellness und Kosmetika heizen die Nachfrage insbesondere in den wohlhabenderen Vierteln Kairos an. Nicht zuletzt schließt Colliers aus der hohen Bevölkerungszahl und der Auslastung der Krankenhäuser, dass auch die medizinische Grundversorgung deutlich ausgebaut werden muss.

Stark reguliertes Umfeld

Hersteller und Importeure von Medizinprodukten müssen ihre Erzeugnisse bei der Central Administration of Pharmaceutical Affairs (CAPA) im Gesundheitsministerium registrieren, um eine Marktzulassung zu erhalten. Je nach Beschaffenheit der Ware können verschiedene Dokumente für den Registrierungsantrag verlangt werden, unter anderem Konformitätserklärung des Herstellers, konsularisch beglaubigte Freiverkäuflichkeitsbescheinigung sowie ein Nachweis der guten Herstellungspraxis.

Medikamente und medizinische Geräte müssen unmittelbar aus dem Ursprungsland in Ägypten eingeführt werden. Betäubungs- oder psychotrope Stoffe und deren Vorprodukte sind genehmigungspflichtig. Die Einfuhr von Waren nach Ägypten ist erst nach Inspektion der CAPA zum Zeitpunkt der Einfuhr möglich.

Der Importeur medizinischer Geräte muss den Nachweis erbringen, dass diese fabrikneu sind und er über einen Kundenservice für seine Produkte inklusive Wartung, Ersatzteilbeschaffung und Reparatur verfügt. Mehreren Informationsquellen zufolge verbietet das Gesundheitsministerium die Einfuhr von gebrauchter und aufgearbeiteter Medizintechnik. Dies gelte auch für gespendete medizinische Ausrüstungen.

Direkteinkäufe privater Gesundheitseinrichtungen üblich

Zentrale Ausschreibungsportale für die Gesundheitswirtschaft existieren nicht in Ägypten. Allgemein schreiben verschiedene Stellen auf ihren eigenen Internetseiten oder in lokalen Zeitungen aus. Dies geschieht zumeist auf Arabisch und manchmal mit kurzen Fristen aus Sicht von internationalen Anbietern. Hilfreich ist der Tenders Alert Service der American Chamber of Commerce in Ägypten. Er bietet branchenbezogene Zusammenstellungen von Ausschreibungen auch für den Bereich "Medical - Pharmaceuticals & Laboratory Sector".

Mangels lokaler Produktion sind ägyptische Kunden vor allem bei Hightechprodukten auf ausländische Erzeugnisse angewiesen. El Gomhoreya ist ein großer staatlicher Medizintechnikimporteur und -händler. Direkteinkäufe privater Gesundheitseinrichtungen im Ausland kommen ebenfalls häufig vor. Deutsche Produkte genießen eine hohe Wertschätzung in Ägypten. Ein guter Aftersalesservice sowie lokal verfügbare Ersatzteile und ein zuverlässiger Wartungsservice können Argumente sein, um sich von Wettbewerbern abzuheben. Bürokratische Erfordernisse können im Geschäft mit dem öffentlichen Sektor viel Zeit kosten. Das Privatkundengeschäft ist durch persönliche Beziehungen und offensive Verkaufsstrategien lokaler Hersteller geprägt, insbesondere bei Instrumenten und Implantaten.

Bei der Suche nach Händlern/Vertriebspartnern kann die AHK Ägypten helfen. Im Rahmen der Markteintrittsberatung bietet sie unter anderem Adressrecherchen, die Vermittlung von Geschäftspartnern und Bonitätsauskünfte an. An potenziellen Interessenten für eine Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen mangelt es meistens nicht. Oft unterscheiden sich die möglichen Partner aber qualitativ sehr stark. Damit sind Aspekte wie ein proaktives Vorgehen, konstantes Engagement, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit gemeint. Die Unterstützung durch die lokal gut vernetzte AHK mit 3.200 Mitgliedern kann eine erhebliche Erleichterung darstellen und das Risiko eines Fehlgriffs reduzieren. Für den Umgang mit ägyptischen Partnern gilt, dass Interesse zeigen und regelmäßige Besuche sehr wichtig sind. Sporadische und oberflächliche Kontakte werden schnell als Desinteresse wahrgenommen. Nicht zuletzt sorgt ein reger Kontakt auch dafür, dass beide Partner dauerhaft auf die gleichen Ziele hinarbeiten und Abweichungen oder Missverständnisse vermieden werden.

Kulturelle Unterschiede im Geschäftsleben

Ägypten ist im Vergleich zu Deutschland ein sehr konservatives Land, das stark durch den sunnitischen Islam geprägt wird. Während des Fastenmonats Ramadan ist das Essen, Trinken und Rauchen in der Öffentlichkeit verpönt. Im Geschäftsleben kennen ägyptische Partner meistens die kulturellen Unterschiede. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie auch nachvollzogen und akzeptiert werden. Konservative und bei Frauen nicht zu kurze Geschäftskleidung ist eine gute Wahl. Titel und Hierarchien spielen in Ägypten eine stärkere Rolle, als es manchmal für ausländische Gäste erkennbar ist. Gespräche mit einem Gegenüber sollten auf einer ähnlichen Hierarchieebene stattfinden. Kernziel ist immer das Kennenlernen und der Aufbau einer Vertrauensbasis. Statt eines klaren Nein sind indirektere Formulierungen üblich oder der Hinweis darauf, etwas zu prüfen oder versuchen zu wollen.

Beliebte Themen sind nationale Errungenschaften und die reizvollsten Reiseziele des Landes, Sport und die Familie. Auch ägyptische Gesprächspartner wissen um die positiven und negativen Aspekte ihres Landes. Werden kritische Punkte jedoch von Ausländern angesprochen, kann das schnell verletzend und belehrend wirken und die wichtige persönliche Ebene beschädigen. Nahezu garantiert ins Fettnäpfchen führen zum Beispiel Gespräche über Politik, Religion, das Militär, Israel, Frauen und Homosexualität.

Englisch ist als Geschäftssprache weit verbreitet, kann aber nicht automatisch vorausgesetzt werden. Übersetzer für Arabisch können eine große Hilfe sein. Wer sich ein paar Worte ägyptisches Arabisch aneignet, kann diese als Eisbrecher nutzen. Noch besser sind englisch und arabisch beschriftete Visitenkarten und arabische oder zweisprachige Unternehmensunterlagen, die Engagement und Interesse am Land belegen. Von deutschen Gästen wird unbedingt Pünktlichkeit erwartet, die sonst in Ägypten eher lax gehandhabt wird. Der körperliche Abstand ist geringer als in Deutschland, und Distanz wird schnell als Ablehnung interpretiert.

Schlussfolgerungen für deutsche Exporteure
Chancen Risiken
Ausbau des Krankenversicherungssystems. Staatliche Preislimits für private Gesundheitsdienstleister zu erwarten.
Medizintechnikbedarf für "Medical Cities" und neue Krankenhäuser. Allgemein geringe Planungssicherheit.
Hohe Importabhängigkeit wird auch mittelfristig anhalten. Bürokratie und Korruption.
Erholung der Kaufkraft nach dem Inflationsschock 2017. Sehr unterschiedliches Qualifikationsniveau von Fachkräften.
Vergleichsweise niedriges Ausgabenniveau spricht für erhebliche Wachstumschancen. Ärzte und paramedizinisches Personal wandern vielfach ins Ausland ab.

Um an den Chancen des wachsenden ägyptischen Gesundheitsmarktes teilhaben zu können, sollten Unternehmen die aktuellen Entwicklungen genau verfolgen. Neue rechtliche Vorgaben wie das Krankenversicherungsgesetz verändern den Rahmen entscheidend. Privatunternehmen warten derzeit auf die Details der Ausführungsbestimmungen. Zuvor sorgten Medienberichte über mögliche Preisdeckelungen oder Preisvorgaben für Beunruhigung. Zudem war im 1. Halbjahr 2018 zu beobachten, dass deutlich mehr neue Investitionsprojekte angekündigt wurden. Insbesondere Vorhaben wie die drei "Medical Cities", aber auch der Neubau und die Renovierung von Krankenhäusern bringen einen Bedarf an Medizintechnik mit sich.

Deutsche Produkte hoch geschätzt

Da die Bedarfsdeckung zu schätzungsweise 90 Prozent durch Importe erfolgt, stehen vor allem ausländische Lieferanten in Konkurrenz zueinander. Basisinformationen zur Registrierung und den Vorschriften im Bereich Medizintechnik können dem Internetauftritt der Egyptian Drug Authority entnommen werden. Dem Vernehmen nach beantworten ägyptische Behörden nicht immer Anfragen unbekannter Personen per Mail. Zeitweise kann es schwierig sein, bei offiziellen Stellen jemanden telefonisch zu erreichen. Hinzu kommt, dass die Englischkenntnisse von Gesprächspartnern stark variieren können. In besonders wichtigen Fällen ist es am sinnvollsten, sich direkt vor Ort im Ministerium oder der Behörde zu erkundigen und eine arabischsprachige Person mitzunehmen. Manchmal sind Abläufe oder Strukturen unklar oder nicht bis ins Detail geregelt. Generell ist ein zuverlässiger Partner vor Ort eine wertvolle Hilfe.

Die Wertschätzung für deutsche Produkte ist in Ägypten sehr hoch. Dies gilt insbesondere für das Vertrauen in die Qualität und Zuverlässigkeit bei einem so sensiblen Bereich wie Leben und Gesundheit. Da das Ausbildungsniveau von Person zu Person recht unterschiedlich ist und immer wieder Ärzte und Pflegepersonal zum Beispiel in die Golfregion abwandern, ist bei aufwendigerer Technik der Schulungsaspekt besonders wichtig. Dem Vernehmen nach gibt es Krankenhäuser, in denen Geräte mangels kundigen Personals nicht genutzt werden können. Ähnliche Schwierigkeiten sind denkbar, wenn Engpässe bei der Wartung oder Reparatur bestehen. Anbieter können mit einem guten Aftersalesservice und einer zuverlässigen lokalen Ersatzteilversorgung Punkte sammeln.

Marktakteure
Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/aegypten Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK Ägypten http://www.ahkmena.com Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Exportinitiative Gesundheitswirtschaft http://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de Portal der Exportinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
Egyptian Drug Authority http://www.eda.mohp.gov.eg Zulassungsbehörde für Medizintechnik und Medikamente
Egyptian Organization for Standards & Quality http://www.eos.org.eg Offizielle Stelle für Standardisierung
Export Council for Medical Industries http://www.ecmi-eg.org Verband der Exporteure für Medizintechnik
Federation of Egyptian Industries/Chamber of Engineering Industries/Non-pharmaceutical Medical Industry http://www.fei.org.eg Dachverband der ägyptischen Industrie
Ministry of Health and Population http://www.mohp.gov.eg Gesundheitsministerium

Weiterführende Informationen unter http://www.gtai.de/gesundheitsmaerkte-afrika und http://www.gtai.de/aegypten

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Arzneimittel, Diagnostika

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