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24.01.2017

Äthiopien plant Pharmapark

Steuer- und Ausschreibungsvorteile für Investoren / Verminderung der hohen Importabhängigkeit / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Äthiopien will binnen der nächsten zwei Jahre einen Industriepark für Pharmaunternehmen und Hersteller medizinischer Geräte einrichten. Die inländische Pharmaindustrie soll dadurch gestärkt, ausländische Unternehmen angesiedelt und die Abhängigkeit von Importen vermindert werden. (Internetadresse)

Nach Einschätzung des äthiopischen Industrieministeriums werden derzeit 80% bis 85% der im Land benötigten Arzneimittel und medizinischen Ausrüstung importiert. Und das, was im Land selber hergestellt wird, basiert ausschließlich auf eingeführten Einsatzmitteln. Von den mehr als 380 medizinischen Produkten, die auf der National Essential Medicines List stehen, können lokal nur etwa 90 hergestellt werden. Diese Liste wurde von der äthiopischen Food, Medicine and Healthcare Administration and Control Authority mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation erstellt (Link: http://www.who.int/selection_medicines/country_lists/en/).

Äthiopische Importe von medizinischen und pharmazeutischen Erzeugnissen (SITC 54; in Mio. US$)
Gesamtimport/Lieferländer 2015 2016
Gesamt 724,9 450,2
.Indien 152,2 143,0
.Niederlande 137,9 19,4
.Italien 86,2 10,1
.Belgien 83,9 69,6
.USA 65,5 29,2
.VR China 44,0 35,2

Anmerkung: Äthiopische Statistiken sollten kritisch gesehen werden. Importzahlen weichen mitunter erheblich von den Exportangaben der Partnerländer ab.

Quelle: Comtrade

Die Erfahrungen der VR China, von Indien, Südkorea und Singapur zeigten, wie man erfolgreich pharmazeutische Industrieparks einrichten könne, heißt es in einem Papier der Ethiopian Investment Commission und dem Ministry of Industry. Die VR China und Indien seien so zu den größten Lieferanten von Generika aufgestiegen, heißt es. Mit den richtigen Steuernachlässen könnten ausländische Hersteller dazu bewegt werden, in dem neuen Park zu investieren, während inländische Unternehmen ihre Produktion ausweiten könnten, so die Erwartung.

Bevorzugung lokaler Unternehmen

Bei ausländischen Branchenunternehmen ist der äthiopische Markt mit seinen mehr als 100 Mio. Menschen bereits in den Fokus gerückt. Anfang 2016 gab die britische Beteiligungsgesellschaft 54 Capital bekannt, sich mit 42 Mio. US$ an der äthiopischen Addis Pharmaceutical Factory beteiligen zu wollen, einem Hersteller von etwa 70 verschiedenen Arzneimitteln. Eine lokale Produktion hätte Vorteile gegenüber Importen, meint 54-Capital-Teilhaberin Nathalie Bennett. Die äthiopische Regierung wolle unbedingt ihre Importrechnung reduzieren und fördere deshalb die lokale Produktion. Bei öffentlichen Ausschreibungen sollen lokale Firmen zunehmend bevorzugt werden. Wegen der gleichen Überlegungen ist die lokale Medtech, die ursprünglich ein reiner Importeuer und Distributor war, mit Hilfe des VAE-Pharmaunternehmens Julphar inzwischen auch zu einem Produzenten geworden.

Deutsche Lieferungen für den äthiopischen Gesundheitssektor (in Mio. Euro)
Warengruppe 2013 2014 2015
EGW 740 Pharmazeutische Grundstoffe 0,10 0,15 0,22
EGW 834 Pharmazeutische Erzeugnisse 4,79 4,86 3,83
EGW 871 Medizinische Geräte und orthopädische Vorrichtungen 4,52 4,31 4,32

Quelle: Statistisches Bundesamt

Internetadresse

Food, Medicine and Healthcare Administration and Control Authority

Internet: http://www.fmhaca.gov.et/index.html

(M.B.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Äthiopien Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Arzneimittel, Diagnostika, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie

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Katrin Weiper

‎+49 228 24 993 284

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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