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08.01.2019

Afrika setzt auf Ausbau der Nahrungsmittelverarbeitung

Inhalt

Internationale Investoren an zahlreichen Projekten beteiligt

Bonn (GTAI) - Afrika will die Eigenproduktion von Nahrungsmitteln deutlich erhöhen. Lokale Produktionen werden zum Teil geschützt und ausgebaut, um Importe zu substituieren.

Nordafrika

Die österreichische Agrana-Gruppe hat Anteile von 49 Prozent am algerischen Marktführer für Fruchtzubereitungen, Elafruits, übernommen. Ziel ist, neben der Behauptung der lokalen Position, die Erschließung von Auslandsmärkten. Aktuell produziert Elafruit etwa 5.000 Tonnen pro Jahr, mittelfristig sollen es 15.000 Tonnen pro Jahr sein.

Die deutsche Döhler GmbH möchte mit der algerischen Cevital ein Konsortium zur Herstellung von Aromen gründen. Das Interesse von Döhler wurde durch eine Cevital-Technologie zur Reinigung von Wasser geweckt. Döhler möchte seinen Kunden damit ermöglichen, weltweit hoch- und gleichwertige Getränke produzieren zu können.

Die l'Agence Nationale pour le Développement de l'Aquaculture kündigte die Realisierung von 23 Aquakulturprojekten für insgesamt etwa 36,6 Millionen Euro in der Region Souss Massa (Marokko) an. Dabei soll es um 60 Produktionseinheiten für eine Jahresproduktion von 62.000 Tonnen Muscheln und Seetang gehen. Die Projekte bewegen sich im Rahmend des Plan Halieutis, mit dem das Königreich Produktion und Exporte von Meeresprodukten steigern will.

Um die Entwicklung des Verpackungssektors in Marokko zu unterstützen, stellt die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung der Multisac S.A. einen Kredit von maximal 4,3 Millionen Euro zur Verfügung. Darüber hinaus erhält Multisac weitere Finanzhilfen aus dem FINTECC-Programm (Climate Change Financing and Technology Transfer) sowie über einen Zeitraum von fünf Jahren Beratungsleistungen der Bank.

Crédit Agricole du Maroc gründet eine Leasinggesellschaft zur Finanzierung der Mechanisierung der Landwirtschaft. CAM Leasing wird auch die verarbeitende Industrie unterstützen. Crédit Agricole ist dazu eine Partnerschaft mit der International Finance Corporation der Weltbank eingegangen, die auf dem Gebiet durch die Africa Leasing Facility bereits Erfahrung gesammelt hat.

Die Investitionsgesellschaft Sokotra aus Dubai übernimmt zu 100 Prozent das älteste tunesische Fischzuchtunternehmen Aquaculture Tunisienne (AT). AT produziert etwa 20 Millionen Setzlinge und 1.500 Tonnen Fisch pro Jahr, vor allem Seebarsch und Meerbrasse. AT will mit Sokotra zu einem der führenden Unternehmen der Aquakultur im Mittelmeerraum werden.

West- und Zentralafrika

Der führende marokkanische Hühnerfleischproduzent Zalar Holding plant den Aufbau einer Hühnerproduktion in Senegal. Experten sehen die Investition zwar als relativ klein an, stufen diesen Schritt in der internationalen Ausrichtung des Unternehmens aber als bedeutsam ein. Es ist die erste Investition von Zalar Holding in Westafrika. Erst kürzlich kaufte sich der japanische Konzern Mitsui bei Zalar Holding ein und brachte frisches Kapital mit.

Auch der führende senegalesische Hühnerproduzent Sedima plant eine regionale Ausdehnung seiner bislang auf Senegal beschränkten Aktivitäten. Nach Angaben der Zeitschrift Jeune Afrique sind Produktionen in Äquatorialguinea, der Republik Kongo (Brazzaville) und Mali geplant. In Mali sind mehrere Hühnerfarmen, eine Brutanstalt und eine Futtermittelproduktion geplant. In Äquatorialguinea kommt noch ein Schlachthof hinzu und in der Republik Kongo eine Mehlproduktionsanlage.

Bereits seit einigen Jahren verzeichnet die Hühnerproduktion in Westafrika hohes Wachstum. Senegal ist derzeit im französischsprachigen Westafrika mit 62.000 Tonnen Fleisch pro Jahr (2016) führend vor Côte d'Ivoire mit etwa 47.000 Tonnen. Motor der lokalen Produktion ist zum einen die schnell steigende Nachfrage nach Hühnerfleisch. Dafür sorgt schon das hohe Bevölkerungswachstum. Hinzu kommt, dass einige Länder wie Senegal und Côte d'Ivoire Geflügelimporte mit hohen Importzöllen versehen und damit die lokale Produktion schützen. Insgesamt werden in Westafrika derzeit etwa 620.000 Tonnen Geflügel pro Jahr hergestellt. Der Vergleich zu einem reiferen Markt wie Südafrika, wo etwa 1,8 Millionen Tonnen im Jahr produziert werden, deutet an, dass die Entwicklung in Westafrika erst am Anfang stehen könnte. Nachdem die Fastfoodkette KFC bereits Filialen in Ghana und Nigeria betreibt, ist nun eine Expansion des amerikanischen Unternehmens auch nach Abidjan (Côte d'Ivoire) und Dakar (Senegal) geplant.

Anfang 2019 ist die Übernahme der Mehrheit seitens Coca Cola beim nigerianischen Getränkehersteller Chi geplant. Bereits im Jahr 2016 erwarb Coca Cola 40 Prozent der Anteile. Chi will seine Produktpalette diversifizieren. Geplant sind unter anderem kleinere Verpackungsgrößen, um auch weniger zahlungskräftige Kunden zu erreichen.

Eine südafrikanisch-britische Kooperation hat die Errichtung der ersten Schokoladenfabrik auf dem westafrikanischen Inselstaat São Tomé und Príncipe beschlossen. Hinter dem Projekt stehen der illustre südafrikanische Unternehmer Mark Shuttleworth und der britische Meister-Chocolatier David Greenwood-Haigh. Shuttleworth hat mit seinem Unternehmen HDB auf der am Äquator liegenden Insel Príncipe in einen nachhaltigen Tourismus investiert, der wiederum die lokale Landwirtschaft und dabei insbesondere den Kakaoanbau einbindet. Als nächster Schritt steht der Bau einer hochwertigen Schokoladenfabrik an.

Ostafrika

Madagaskar bleibt mit einer Jahresproduktion von 6.000 Tonnen grüner Vanille und 1.600 Tonnen verarbeiteter Vanille der mit Abstand weltweit wichtigste Produzent. Rund 80 Prozent der Weltproduktion entfallen auf die sogenannte Große Insel (Grande-Ile) im Indischen Ozean. In den letzten Jahren hat der pflanzliche Rohstoff auf dem Weltmarkt Rekordpreise erzielt. Und: die Preise steigen weiter. Im Juni 2018 kostete die verarbeitete Vanille rund 500 US-Dollar (US$) pro Kilogramm. Gegenwärtig nähert sich der Kilopreis des Gewürzes der 600-US$-Marke an. Im Jahr 2017 brachte der Export von Vanille 456 Millionen US$ ein, 2018 könnten es sogar 560 Millionen sein. Einem Bericht auf der Webseite Midi Madagaskira zufolge birgt diese Entwicklung allerdings auch Risiken. Nahrungsmittelfirmen könnten zunehmend auf Aromastoffe zurückgreifen, auch wenn damit geschmackliche Abstriche gemacht werden müssten. Das zweite Problem sei, dass der hohe Preis Wettbewerber auf den Plan ruft. Indien, Indonesien, Papua-Neuguinea sowie Uganda sind da als mögliche Konkurrenten zu nennen.

Südliches Afrika

Für die südafrikanische Ernährungsbranche rechnet das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Frost & Sullivan für 2020 mit einem Wachstum von 4 bis 7 Prozent. Die Prognose erfolgte vor dem Hintergrund einer gegenwärtig schwachen Wirtschaftsentwicklung und wurde deswegen von der Presse des Landes umso freudiger aufgenommen. Laut Justin Malherbe von Frost & Sullivan bieten eine sich erholende Landwirtschaft, Nahrungsmittelverarbeitung, Ernährungs- und Getränkeindustrie eine Reihe neuer Geschäftsmöglichkeiten.

Der Markt für Haustierfutter floriert in Südafrika. Davon profitieren vor allem die lokalen Hersteller. So hat das Unternehmen Montego Pet Nutrition 2018 seine Fertigung in Eastern Cape um 30 Prozent erhöht. Die Investitionen für die Expansion lagen bei rund 4,2 Millionen Euro. Das Unternehmen vertreibt laut eigenen Angaben seine Produkte in knapp 2.000 Geschäften und in 16 Ländern. Darunter fallen Südafrika, Mosambik, Namibia, die Seychellen, Tansania und die Vereinigten Arabischen Emirate. Montego stellt vor allem Hundefutter her. Insbesondere Südafrikas Weiße sind große Liebhaber von Haustieren und hier besonders von Hunden. Mit, so eine Schätzung aus 2015, rund 9,1 Millionen Hunden gegenüber 2,4 Millionen Hauskatzen ist das Kapland ein typisches "Hundeland".

Der an der Börse Johannesburg gelistete Fischereikonzern Sea Harvest steigt mit dem Ende August 2018 angekündigten Kauf von Ladismith in die Käseverarbeitung ein. Für den Anteilekauf ist ein Betrag von rund 31,6 Millionen Euro festgelegt. In einer Pressemitteilung begründet Sea Harvest die Transaktion damit, dass es sich um die Akquisition eines profitablen Markenherstellers mit starkem nationalem Markennamen und einer bewährten Geschäftsführung handele. Zudem hebt das Unternehmen hervor, dass die Milchwirtschaft wegen sich wandelnder Ernährungsgewohnheiten zunehmend wachsen würde. Ladismith Cheese ist ein 1999 gegründeter Milchverarbeiter mit Sitz in der Provinz Western Cape. Das Unternehmen hat im letzten Geschäftsjahr rund 9.000 Tonnen Käse sowie 7.500 Tonnen Milch- und Pflanzenpulver hergestellt. Sea Harvest ist insbesondere für den Fang von Seehechten und Riesengarnelen bekannt und vertreibt seine Produkte in praktisch allen Supermärkten Südafrikas. Darüber hinaus beliefert das Fischereiunternehmen 22 Länder.

Der argentinische Konfektkonzern Arcor und die mittlerweile in Genf ansässige Handelsgruppe Webcore haben die Gründung eines Joint Venture für den Bau einer Fabrik für Süßigkeiten in Angola beschlossen. Hauptsitz des Joint Venture soll Dubai sein. In der neuen Fabrik ist die Herstellung von Schokolade, Keksen und weiteren Süßigkeiten geplant. Die Vermarktung sei, so Pressemeldungen, nicht nur für Angola, sondern auch für die Nachbarländer Kongo, Sambia, Namibia und Botsuana vorgesehen.

Der in Paris ansässige Beteiligungsfonds Amethis Fund II hat eine Minderheitsbeteiligung an Mosambiks größtem Müllereiunternehmen Merec Industries erworben. Gemeinsam mit weiteren Investoren aus Mauritius (Proparco und Kibo Capital Partner) hat das französische Equity-Unternehmen sich das Ziel gesetzt, das mosambikanische Familienunternehmen bei der Erweiterung seiner Wertschöpfungskette, bei Investitionen in moderne Backanlagen und bei der weiteren Expansion in die Nachbarländer zu unterstützen. Angaben zur Höhe der Investitionen wurden nicht gemacht. Amethis Fund II hat 2017 ebenso in Kenafric Industries in Kenia investiert.

Der weltweit größte Bierbrauer Anheuser-Busch InBev will verstärkt in Afrika investieren, so das belgische Unternehmen im August 2018 in einer Pressemitteilung. Unter die Zielländer der Investitionen des Konzernriesen fällt auch Mosambik. In der Hauptstadt Maputo soll eine neue Brauerei entstehen. Deren Fertigstellung ist für das 2. Halbjahr 2019 vorgesehen. Mit der Option einer Erweiterung ist eine Kapazität von 200 Millionen Litern im Jahr geplant. Die Höhe der Investition in das Projekt hat Anheuser-Busch nicht bekannt gegeben. Neben Mosambik ist eine neue Brauerei in Dodoma (Tansania) geplant. Den Start der Produktion dort gibt Anheuser-Busch für das 2. Halbjahr 2020 an.

Das sambische Getränke- und Abfüllunternehmen Fairy Bottling Zambia Limited hat mit der Entwicklungsagentur Zambia Development Agency (ZDA) einen Deal im Wert von 50 Millionen US$ für ein Expansionsprojekt für die Herstellung von Kunststoffbehältern und für die Produktion von alkoholfreien Getränken unterzeichnet, berichtet die Daily Mail Zambia im August 2018. Im Jahr 2017 hat das Unternehmen laut eigenen Angaben schon 70 Millionen US$ in seine Getränkeanlagen investiert. Fairy Bottling exportiert nach Simbabwe und in die Demokratische Republik Kongo.

Schweppes Zimbabwe Ltd, ein Soft-Drink-Produzent und Lizenznehmer von Coca-Cola, will in den Anbau von Orangen einsteigen, um damit zukünftig sein Werk in Beitbridge in Simbabwe (an der Grenze zu Südafrika) zu beliefern. Für das Projekt sollen zunächst rund 2.000 Hektar vom simbabwischen Staat gepachtet werden, so der Geschäftsführer Charles Msipa gegenüber der Presse. Daraufhin würde der Anbau schrittweise erweitert. Es gebe auch Pläne, die Kapazität der Saftanlage von gegenwärtig 28.000 Tonnen im Jahr auf bis zu 150.000 Tonnen zu erhöhen, so Msipa.

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Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko, Côte d'Ivoire, Ghana, Nigeria, Äthiopien, Kenia, Dschibuti, Angola, Sambia, Simbabwe, Nordafrika, Westafrika, Zentralafrika, Ostafrika, Südliches Afrika Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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