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08.03.2019

Afrikas Getränkeproduktion zieht Investitionen an

Inhalt

Landwirtschaftliche Erzeugnisse sollen häufiger vor Ort verarbeitet werden

Bonn (GTAI) - In vielen afrikanischen Staaten wird die Nahrungsmittelverarbeitung stetig ausgebaut. Der Wunsch nach Selbstversorgung und einer Steigerung der Exporte veredelter Produkte ist groß.

Nordafrika

Ägypten: Von der Keksfabrik bis zur Bonbonproduktion

PepsiCo Egypt plant bis Ende 2021 Investitionen von insgesamt 515 Millionen US-Dollar (US$). Unter anderem sind 16 Millionen US$ für die Erneuerung von Produktionslinien für Getränke vorgesehen. Außerdem will PepsiCo in die Herstellung von salzigen Snacks investieren. Hinzu kommen der stärkere eigene Anbau von Rohstoffen, Erneuerungen der Flotte und Investitionen in die Verteilzentren des Unternehmens. PepsiCo zielt auch auf die Ausweitung der Exporte von Snacks und Getränken in verschiedene afrikanische Länder.

Murban und Al Ghurair aus den Vereinigten Arabischen Emiraten planen in Ägypten, neben dem Anbau von Zuckerrüben, auch eine Fabrik zur Zuckerherstellung im Wert von 400 Millionen US$. Das Projekt soll 2020 abgeschlossen werden.

Die Export Development Bank of Egypt plante im Herbst 2018 gemeinsam mit der Stiftung Misr Al-Khai den Bau von 50 Gewächshäusern. Die Produktionskapazität wurde mit 2.800 Tonnen jährlich angegeben.

Die ägyptische Amaar Group und nicht genannte saudische Partner wollen für 49 Millionen Euro zwei Einkaufszentren errichten. Beide sollen in der 6th of October City bei Kairo entstehen.

Das Ministry of Supply hat nach einem Bericht von Al Mal die Gewinner einer Ausschreibung bekanntgegeben. Sieben Einzelhandelskomplexe in Kairo, Alexandria, Gizeh und Qena stehen zur Sanierung an. Die Aufträge gehen an die Supermarktketten HyperOne, Seoudi und Carrefour.

Manfoods investiert 2019 rund 12 Millionen Euro in Ägypten. Das Unternehmen ist Franchisenehmer von McDonald's und plant unter anderem die Errichtung von 13 neuen Filialen.

Arma for Food Industry möchte neue Produktionsanlagen in Ägypten anschaffen und Arbeitskräfte schulen. Für beide Aktivitäten stehen der gesamten Arma-Gruppe 7,4 Millionen Euro zur Verfügung. Arma liefert Nahrungsmittel, Speiseöle und Reinigungsmittel in 27 Länder.

Nicht genannte chinesische Investoren planen im laufenden Jahr 2019 den Bau einer Tierfutterfabrik in Luxor. Das gab die Leiterin der Investitionsbehörde des Governorats Luxor im Januar 2019 bekannt. Im März soll eine Durchführbarkeitsstudie für das Vorhaben abgeschlossen werden. Die chinesischen Unternehmer planen, knapp 5 Millionen Euro in das Projekt zu investieren.

Trading Partners for Food Industries schwenkt in Ägypten auf die Herstellung von gefrorenem Obst und Gemüse um. Bis 2021 will das Unternehmen eine eigene Fabrik aufbauen, anstatt wie bisher Produkte von Zulieferern zu exportieren. Erste Arbeiten an dem Werk haben bereits begonnen, jedoch sollen erst in zwei Jahren 5 Tonnen Waren pro Stunde erzeugt werden können.

Der Wirtschaftszeitung Al Mal zufolge plant die Ismailia Development and Real Estate Company einen Lebensmittelkomplex. In Ismailia sollen demzufolge Anlagen für die Herstellung von Marmeladen und Säften errichtet werden.

Egypt Today berichtete im November 2018, dass Nabati aus Indonesien eine Keksfabrik in Ägypten plant. Nach einer Verzögerung bei der Lizenzerteilung hoffte der indonesische Botschafter in Kairo auf eine schnelle Umsetzung.

Cold Alex Food Industries möchte seine Exporte von gefrorenem Obst und Gemüse ausweiten. Im Herbst 2018 prüfte das Unternehmen die erforderliche Kapazität und die voraussichtlichen Kosten neuer Anlagen in Ägypten. Die Inbetriebnahme einer Produktionslinie ist noch 2019 geplant. Aufgrund der günstigen Weltmarktsituation erwägt Cold Alex weitere mögliche Investitionen.

Al-Baraka Sweets plant Mitte 2019 den Bau einer Bonbonfabrik in Ägypten. Das exportorientierte Unternehmen möchte insgesamt 2,5 Millionen Euro in die Steigerung seiner Ausfuhren investieren. Das neue Werk in der 10th of Ramadan City soll 20 Tonnen Bonbons pro Tag herstellen.

Om El Nour rechnet mit knapp 2,5 Millionen Euro Kosten für die Modernisierung einer Fabrik und die Anschaffung neuer Anlagen in Ägypten. Dabei handelt es sich um Verpackungslinien für Margarine und Speiseöle, die das Unternehmen aus Belgien importiert.

Organic Green plant für knapp 600.000 Euro eine Fabrik zum Trocknen von Heilkräutern. Die Anlage soll in der 6th of October City in Ägypten errichtet werden und noch 2019 in Betrieb gehen. Laut den Daily News Egypt ist eine Kapazität von 30 Tonnen pro Tag vorgesehen.

Herbs Egypt exportiert die gesamte Produktion an getrockneten Kräutern. Im 2. Halbjahr 2019 will das Unternehmen die Maschinen in seiner Fabrik erneuern.

Badr El-Deen Food Industries setzt auf eine massive Steigerung der eigenen Exporte. Das Unternehmen will die Kapazität seiner Fabrik von 800 auf 1.500 Tonnen pro Jahr erhöhen. Badr El-Deen stellt Trockenfrüchte und Säfte her.

Die Egyptian Countryside Development Company steht in Kontakt mit einem Investor, der Olivenöl extrahieren möchte. Das Staatsunternehmen plante im Herbst 2018 Gespräche mit weiteren möglichen Agrarinvestoren aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Libyen, Sudan und Jordanien.

Algerien: Amerikaner unterzeichnen mehrere Absichtserklärungen

Mitte Januar 2019 hat die US-amerikanische Robert International Agricultural Development im Rahmen eines Besuchs des algerischen Ministers für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei Abdelkader Bouazghi in Sacramento insgesamt vier Absichtserklärungen mit algerischen Partnern unterzeichnet. Dabei geht es um drei Projekte zur Aufzucht von insgesamt 70.000 Milchkühen sowie ein Vorhaben zur Weiterverarbeitung von Kartoffeln. Auf algerischer Seite sind die privaten ETRHB Haddad, CATM, Palma Groupe sowie Groupe Benaini beteiligt. Später erklärte Bouazghi, dass Algerien ab 2021 keine Kartoffelsamen mehr einführen werde, da man mit dem Ausbau der Kapazitäten zur Saatgutproduktion gut vorankomme. Bisher importiert Algerien nach Angaben des Ministeriums zwischen 120.000 und 150.000 Tonnen Kartoffelsamen pro Jahr.

Das Office Algérien Interprofessionnel des Céréales (OAIC) kündigte die Realisierung von neun Projekten zur Getreidelagerung mit einer Gesamtkapazität von 3,2 Millionen Doppelzentnern an. Für die laufende Erntesaison 2018/19 rechnet Algerien mit einer Produktion von 90 Millionen Doppelzentnern Getreide, günstige Witterung vorausgesetzt. Getreide ist neben Milch eines der beiden grundlegenden Agrarprodukte, bei denen Algerien noch nicht die Selbstversorgung erreicht hat.

Marokko: Subventionen für die Infrastruktur gefordert

Die marokkanische Cosumar möchte ab Ende 2020 rund 35.000 Tonnen pflanzliche Fette produzieren. Dazu sollen zusammen mit Wilmar aus Singapur rund 32 Millionen Euro in Casablanca investiert werden. Cosumar diversifiziert seine Produktpalette damit und verabschiedet sich von der bisherigen Konzentration auf Zuckerproduktion. Außerdem visiert Cosumar verstärkt Absatzmärkte in Afrika an. Das zeigt die 55 Prozent-Beteiligung an der guineischen Comaguis. Mit dem Geld aus dem Einstieg soll eine Zuckerfabrik in der Nähe des Hafens von Conakry entstehen.

Nach der Verabschiedung des Landwirtschaftsabkommens zwischen der EU und Marokko stellen sich marokkanische Exporteure auf eine höhere Nachfrage ein. Der Verband der Nationalen Landwirtschaftskammern drängt deswegen auf die Stärkung der Infrastruktur durch Subventionen. Nötig seien Investitionen in Verpackungs- und Kühleinrichtungen. Nach der relativ langen Verhandlungsphase sei die nun gewonnene Rechtssicherheit jedoch zu begrüßen. Umstritten war in den Verhandlungen unter anderem die Forderung Marokkos, das Abkommen auch auf das Gebiet der Westsahara anzuwenden.

Tunesien: Zusammenarbeit mit Deutschland verlängert

Nach Angaben der tunesischen Investitionsagentur APIA nahmen die privaten Investitionen in die Landwirtschaft 2018 um 3,7 Prozent auf rund 209 Millionen Euro zu. Vor allem landwirtschaftliche Dienstleistungen profitierten von dem Anstieg mit einem Plus von etwa 45 Prozent auf circa 34 Millionen Euro, gefolgt vom Bereich der ersten Verarbeitungsstufe. Rückgänge um 56,3 Prozent verzeichnete dagegen die Aquakultur.

Die Société Tunisienne du Sucre (STS) erhält rund 1,7 Millionen Euro für Investitionen. In Beja hat die STS im Mai 2018 die Produktion wiederaufgenommen, nachdem es im Jahr zuvor einen Brand im Lager gegeben hatte. Mit dem Geld sollen aufgeschobene Investitionen nachgeholt und neue Anlagen zur Produktionserweiterung angeschafft werden.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die tunesische Agence de Promotion des Investissements Agricoles (APIA) werden das Projekt "Agripreneur 2.0" voraussichtlich über den Juni 2019 hinaus verlängern. Im Rahmen des Projekts sollen die landwirtschaftlichen Erträge durch die Entwicklung und Nutzung von Apps und anderen IT-Anwendungen gesteigert werden. Hauptzielgruppe sind junge Tunesierinnen und Tunesier aus ländlichen Regionen.

Die Anlagegesellschaft Gulf Capital aus Abu Dhabi hat etwa 22 Millionen US$ in die tunesische Groupe CHO investiert. CHO ist auf die Produktion und den Export von Olivenöl aus biologischem Anbau spezialisiert, erzeugt aber unter anderem auch Kosmetikprodukte auf Basis von Oliven und Abfallprodukten der Olivenölextraktion. Laut Zeitungsmeldungen möchte CHO mit dem Einstieg von Gulf Capital seine Aktivitäten ausbauen. Aktuell verfügt CHO nach eigenen Angaben über Kapazitäten zur Extraktion des Öls aus 1.000 Tonnen Oliven pro Tag.

West- und Zentralafrika

Nigeria: Softdrinks liegen im Trend

Der britische Investmentfonds Duet hat 50 Millionen US$ für Anteile am nigerianischen Softdrink-Produzenten AJEast investiert. AJEast ist eine Tochter der peruanischen AJE-Gruppe (http://www.ajegroup.com). Das Unternehmen stellt in Lagos/Ikeja Marken wie Big Cola, Big Orange und Big Lemon her. Investitionen in Produktionslinien für Softdrinks liegen in Nigeria im Trend. Unter anderem hat bereits im Jahr 2018 die US-amerikanische Royal Crown Cola (RC Cola) den Bau seiner ersten Fabrik in Nigeria abgeschlossen.

Burkina Faso: Niederländischer Investor engagiert sich

Ende des Jahres 2018 kündigte der niederländische Investor Oikocredit (https://www.oikocredit.coop) an, Anatrans mit 2 Millionen Euro zu unterstützen. Mit dem Zuschuss soll Anatrans seine Verarbeitungskapazitäten erweitern. Anatrans ist einer der führenden burkinischen Verarbeiter von Cashewnüssen. Das Unternehmen bezieht die Nüsse von etwa 3.500 lokalen Bauern und verarbeitet diese dann für Kunden in Europa und den USA.

Ghana: Neue Getränkefabrik in der Ashanti-Region

Der ghanaische Getränkehersteller Kasapreko (http://kasapreko.com) baut eine weitere Fabrik in Tanoso in der Ashanti-Region. Das Unternehmen erhält hierfür einen Kredit der Ghana Eximbank in Höhe von 20 Millionen US$. Dieser wird im Rahmen des Regierungsprogramms "One-district One-factory" vergeben. Bis Juni 2019 soll der gerade begonnene Bau abgeschlossen sein. Mit der neuen Fabrik will das Unternehmen vor allem den Norden des Landes besser versorgen. Kasapreko hat bereits in den vergangenen Jahren massiv in den Ausbau seiner Abfülllinien im Großraum Accra investiert. Für deutsche Zulieferer entwickelte sich das Unternehmen zu einem wichtigen Abnehmer in Ghana.

Ostafrika

Äthiopien: Neue Industrieparks eröffnet

Äthiopien hat Anfang Dezember 2018 in der Stadt Jimma, Regionalstaat Oromia, einen modernen Industriepark eröffnet, in dem vornehmlich nahrungsmittelverarbeitende Betriebe angesiedelt werden sollen. Die Bedeutung des neuen Parks wurde durch die Anwesenheit des äthiopischen Premierministers Abiy Ahmed, des sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir und des dschibutischen Präsidenten Ismail Omar Guelleh unterstrichen. Das erschlossene Industriegebiet erstreckt sich über eine Fläche von 51 Hektar (510.000 Quadratmeter) und soll einmal 10.000 Arbeitskräfte beschäftigen.

Zuvor hatte Abiy Ahmed Anfang Oktober 2018 den Adama Industrial Park eingeweiht, in dem unter anderem ebenfalls nahrungsmittelverarbeitende Betriebe angesiedelt werden. In der Pipeline für weitere Eröffnungen sind die Parks Dire Dawa, Kilinto II, Bole Lemi II, Bahir Dar und Debre Birhan. Nach Ansicht von Beobachtern sind diese Parks für Äthiopien ein Game Changer, weil dort nicht nur Produkte für den nationalen Markt, sondern auch für Exporte hergestellt werden können.

Äthiopien will die Kontrolle von nahrungsmittelverarbeitenden Betrieben erhöhen und so eine Produktion nach international üblichen Qualitätsstandards "erzwingen". Betriebe, die sich nicht an Qualitätsregeln halten, müssen dann mit einer Schließung rechnen. Erstes namhaftes Opfer ist der Lemlem Food Komplex in Mekelle, Tigray Regional State, der Ende September 2018 geschlossen wurde, weil er "minderwertige" Nudeln hergestellt hatte.

Ferner wurde die Öffentlichkeit gewarnt, Trinkwasser der Marke "Classy" zu trinken, das von Belay Industrial in Sululta, Oromia Regional State, abgefüllt wurde. Abgefülltes Trinkwasser ist nicht nur in Äthiopien, sondern in ganz Ostafrika zu einem Riesenmarkt mit astronomischen Gewinnspannen geworden, sagen Marktkenner.

Die äthiopische Lominat Beverages darf die staatliche National Alcohol and Liquor Factory (NALF) erwerben. Lominat hatte im Rahmen einer Ausschreibung umgerechnet 128 Millionen US$ geboten. Das Interesse an dem Staatsunternehmen war unerwartet groß gewesen: 97 potenzielle Bieter hatten die Ausschreibungsunterlagen gekauft. Die Privatisierung der NALF und Übergabe an Lominat erfolgt schrittweise in einem Zeitraum von fünf Jahren.

Lominat baut derzeit in Mojo, 30 Kilometer von Addis Abeba entfernt, einen Alkohol- und Getränkebetrieb. NALF soll einmal mit diesem Betrieb fusionieren. Mit einem Marktanteil bei Alkoholika von 40 Prozent gilt NALF als eine der profitabelsten Staatsfirmen Äthiopiens. Trotz substanzieller Investitionen in seine vier Betriebsstätten in Mekanisa, Sebeta, Akaki und Maichew konnte das Unternehmen die rapide steigende Nachfrage nach seinen Produkten nicht befriedigen, sagen Marktkenner.

15 äthiopische Hersteller von jodiertem Speisesalz haben einen Verband, die Ethiopian Iodized Salt Producers Association, gegründet, um Salz landesweit einzuführen und die Industrie zu expandieren. Bislang haben nur etwa ein Viertel aller Haushalte einen ausreichenden Zugang zu jodiertem Salz. Laut einer Studie leiden 40 Prozent der äthiopischen Kinder unter Jodmangel. Es gibt etwa 1.000 salzproduzierende Unternehmen in Äthiopien. Der neue Verband will künftig Salzbetriebe, die sich an internationale Standards halten, mit einem Qualitätssiegel ausstatten.

Kenia: Nahrungsmittelindustrie schrumpft

In Kenia setzt sich der Schrumpfungsprozess des nahrungsmittelverarbeitenden Sektors weiter fort. Im Zeitraum Oktober 2017 bis September 2018 sei die Produktion um weitere 4,2 Prozent zurückgegangen, meldet das Kenya National Bureau of Statistics. Der Nahrungsmittelsektor gilt schon seit langem als kaum mehr konkurrenzfähig.

Zunehmende Importe seien schuld, dass nahrungsmittelverarbeitende Betriebe schließen müssten, schreibt die kenianische Presse. Die ganze Wahrheit ist das nicht: Aufgrund der Bevölkerungsexplosion und der üblichen Erbteilung geht jedes Jahr wertvolles Ackerland wegen Baumaßnahmen verloren. Hinzu kommen unzureichende Rahmenbedingungen (mangelhafte Infrastruktur, schlechte Zahlungsmoral) sowie eine aus dem Ruder gelaufene Korruption, die zu höheren Produktionskosten führt. Der Ruf nach höheren Schutzzöllen ist nicht die Lösung, sagen ausländische Experten.

Das kenianische Nairobi Assembly Environment Committee hat die Regierung des Landes aufgefordert, alle Schlachthöfe, die innerhalb von Siedlungen und dicht besiedelten Gebieten betrieben werden, in weniger bewohnte Gebiete umzusiedeln. Zudem sollen die weit verbreiteten unhygienischen Zustände nachhaltig beseitigt werden. Dies gelte vor allem für Schlachthäuser, die in Slums betrieben werden und sich nahezu jeglicher Kontrolle entziehen. Die kenianischen Schlachthöfe stehen im Ruf, weit hinter internationalen Hygienestandards zurückzufallen und ihre Abwässer ungeklärt in Bäche oder Flüsse einzuleiten. Der Verbreitung von Krankheiten sei so Tür und Tor geöffnet, heißt es.

Der britische Softdrink-Hersteller Vimto will seine Produkte künftig auch in Kenia erzeugen lassen. Exklusiver Franchise-Nehmer ist das kenianische Unternehmen Kevian Kenya, das sich bislang mit den Getränken Afia und Pick N' Peel einen Namen gemacht hat. Vimto ist ein rotes, kohlensäurehaltiges Erfrischungsgetränk aus dem Vereinigten Königreich, das weltweit, vor allem aber in Ländern des Commonwealth of Nations, verkauft wird. Das Produkt wurde bislang nach Kenia importiert. Nach Einschätzung von Kimani Rugendo, geschäftsführender Direktor von Kevian Kenya, zeigt der Deal, dass nahrungsmittelverarbeitende Betriebe vor Ort inzwischen in der Lage seien, internationale Marken auch lokal herzustellen.

Die kenianische Molkerei Brookside Dairy will künftig Milchzulieferer gestaffelt nach der angelieferten Qualität bezahlen. Das Unternehmen hofft, so die Zulieferer zu einer verbesserten Erzeugungsqualität animieren zu können. Die höherwertigere Milch soll dann zur Herstellung von Butter und -fett verwendet werden. Butter ist in Kenia bislang Mangelware, die, wenn überhaupt erhältlich, nur mit hohen Kalkulationsaufschlägen angeboten wird und im Laden etwa 7 bis 8 Euro das Pfund kostet. Brookside will angelieferte Rohmilch künftig auf den Fettanteil, beigefügtes Wasser und Rückstände von Antibiotika testen. Bislang werden Milchbauern lediglich nach dem angelieferten Gewicht bezahlt.

Die kenianische Coast Development Authority (CDA), eine staatliche Fördergesellschaft für Küstenregionen, will eine stillgelegte Saftfabrik wiederbeleben. Die Anlage war vor über sechs Jahren in Betrieb gegangen, aber schon ein Jahr später wegen Missmanagement stillgelegt worden. Mit Hilfe neuer Ausrüstung soll die Fabrik künftig 1,5 Tonnen Mangos pro Stunde in Fruchtfleisch verwandeln. CDA will den Farmern umgerechnet 0,17 Euro pro Kilogramm angelieferter Mangos zahlen, Zwischenhändler zahlen derzeit dagegen nur 0,08 Euro.

In der nicht enden wollenden Geschichte über die kenianische Zuckerindustrie sprechen Kommentatoren Anfang 2019 von einem Entscheidungsjahr: Seit den 1980er-Jahren leidet der einst blühende Sektor unter dubiosen Handelspraktiken, Vernachlässigung, fehlendem politischen Willen sowie veralteter Technologie und landwirtschaftlicher Praktiken. Während andere afrikanische Erzeuger auf schnell wachsende Zuckerrohrsorten umgestiegen sind, blieb Kenia bei langsam wachsenden Altsorten. Erntepraktiken, Transport und Verarbeitung blieben geradezu antiquiert. Man solle die Zuckerfabriken besser in Industriemuseen verwandeln, spotten Kommentatoren.

Nachdem der kenianische Staatspräsident die Wiederbelebung der Landwirtschaft zur Chefsache erklärt hat, muss 2019 eine Entscheidung getroffen werden: Entweder staatliche Betriebe entschulden und modernisieren oder die "Ruinen" an private ausländische Investoren verkaufen. Die Zeit drängt, weil Kenia mit seinen Importhemmnissen für Zucker bei anderen afrikanischen Erzeugern politisch nicht mehr durchkommt.

Tansania: Größter Cashewnuss-Produzent der Welt

China will Tansania bei der Verarbeitung und Vermarktung von Cashewnüssen helfen und vor Ort entsprechende Betriebe ansiedeln. Die tansanische Cashewnuss-Produktion ist ein Politikum, seit Präsident John Magufuli kürzlich die Armee seines Landes mobilisiert hat, um die Ernte zu einem garantierten Preis von 1,40 US$ das Kilo aufzukaufen. Der Präsident war darüber verärgert, dass private Zwischenhändler seiner Preisempfehlung nicht gefolgt waren und den Farmern nur halb so hohe Preise geboten hatten.

Tansania ist mit einer Jahresernte von 200.000 Tonnen einer der größten Cashewnuss-Produzenten der Welt. Ein erster chinesischer Nuss-Verarbeiter, die Sunshine Industry, will nun eine Anlage für 5.000 Tonnen/Jahr aufbauen. Tansania hat bislang neun größere private Betriebe mit einer installierten Produktionskapazität von insgesamt 26.500 Tonnen pro Jahr, darunter Micronix Matwara (2.000 Tonnen), CC Factory (5.000 Tonnen), Hawte Investment (2.000 Tonnen), Amama Factory (2.000 Tonnen), Micronix Newala (2.500 Tonnen) und Yalin Korosho (10.000 Tonnen). Allerdings sind einige Betriebe dem Vernehmen nach wegen "Betriebsstörungen" nicht in der Lage, ihre installierten Kapazitäten auszulasten.

Südliches Afrika

Südafrika: McDonald's will 120 neue Restaurants eröffnen

Der südafrikanische Hersteller verpackter Nahrungsmittel Tiger Brands darf seine Verarbeitungsanlagen für Fleisch in Polokwane in der nordöstlich gelegenen Region Limpopo wieder in Betrieb nehmen, so Pressemeldungen vom Dezember 2018. Das zu den größten Nahrungsmittelkonzernen in Südafrika zählende Unternehmen musste die Fabrik wegen ihres Befalls mit Listerien schließen. Infolge des Lebensmittelskandals hat Tiger Brands hohe Verluste eingefahren.

Ende 2018 hat der südafrikanische Zuckerproduzent Illovo dem ebenfalls südafrikanischen Ingenieur- und Beratungsunternehmen ELB Engineering Services den Auftrag für die Planung und Lieferung eines Zuckerversorgungssystems für seine Verpackungsanlage in Dwangwa (Malawi) gegeben. Die Illovo Gruppe produziert Zucker in Südafrika, Mosambik, Malawi, Tansania und Swasiland.

Laut einer Pressemitteilung von November 2018 hat die südafrikanische Taste Gruppe die im Rahmen eines Franchisings geplante Expansion der Restaurantketten Domino's Pizza und Starbucks vorerst gestoppt. Hintergrund sind eine gegenwärtig schwache Kaufkraft in Südafrika und schlechte Halbjahreszahlen des Unternehmens.

McDonald's SA - das in Südafrika tätige Franchise-Unternehmen für McDonald's - will in den nächsten fünf Jahren umgerechnet 180 Millionen Euro in die Eröffnung von 120 neuen Restaurants investieren. Dadurch sollen 7.000 direkte Arbeitsplätze entstehen, so das Unternehmen im Oktober 2018.

Mosambik: Kaffeeanbauprojekt in der Provinz Cabo Delgado

Italien will Mosambik bei einem Projekt zum Anbau und zur Verarbeitung von Kaffee in der Provinz Cabo Delgado finanziell fördern. Bei dem Zuschuss handelt es ich um einen Teil von 5,8 Millionen Euro, die Italien der UN-Organisation für industrielle Entwicklung UNIDO zur Verfügung stellt, um drei Projekte in Afrika und dem Mittleren Osten zu unterstützen. Partner des UNIDO-Projekts in Mosambik sind der italienische Kaffeekonzern Illy und die Ernesto Illy Stiftung.

Angola: Regierung will Selbstversorgung bei Nahrungsmitteln erreichen

Die angolanische Regierung will die Abhängigkeit des Landes von Nahrungsmittelimporten reduzieren, so Ende Januar 2019 der Minister für wirtschaftliche und soziale Entwicklung Manuel Nunes Junior. Anlässlich einer Eröffnungsrede zu Konsultationen über Maßnahmen zur Unterstützung der nationalen Produktion meinte er: "Wir müssen in der 1. Phase bei der Herstellung von Nahrungsmitteln autark sei und aufhören, solche zu importieren, die wir selbst produzieren können."

Im Jahr 2017 hat Angola Nahrungsmittel im Wert von etwas mehr als 3 Milliarden US$ importiert; im Jahr davor waren es fast 2,4 Milliarden. Das Importvolumen für Nahrungsmittel 2017 entspricht knapp 22 Prozent der gesamten Einfuhren. Größtenteils setzten sich die Nahrungsmittelimporte aus Grundnahrungsmitteln zusammen, wie Reis, Weizen, Zucker und Speiseöl. Die landwirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Selbstversorgung sind in Angola gegeben.

Stand: 31. Januar .2019

(FN; OI.; JPS; CE; MB)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojektenkönnen Sie unter http://www.gtai.de/afrika abrufen. Hier erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten, Algerien, Marokko, Tunesien, Nigeria, Burkina Faso, Ghana, Äthiopien, Kenia, Tansania, Südafrika, Mosambik, Angola, Afrika Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

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