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23.03.2018

Afrikas Hauptstädte erweitern ihre Hotel-Kapazitäten

Neue Hotelzimmer orientieren sich an internationalen Standards / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Nirgendwo in Subsahara-Afrika werden Hotelzimmer-Kapazitäten derart ausgebaut wie in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, sagt der südafrikanische Hotelberater HTI Consulting. Danach folgen die Hauptstädte Lagos (Nigeria) und Nairobi (Kenia). Viele Objekte sind in den oberen Preiskategorien, in denen deutsche Firmen grundsätzlich gute Zulieferchancen haben. Denn vor allem in Städten mit hohem Wettbewerb zählt die Ausstattung.

Der wirtschaftliche Boom in Äthiopien kam für viele überraschend. Im Hotelgewerbe schnellten quasi über Nacht die Zimmerpreise der besseren Hotels in die Höhe. Das wiederum rief Investoren auf den Plan. Eine Vielzahl von Hotelbauten, die eigentlich schon 2017 fertig werden sollten, dürften nunmehr erst 2018 aufmachen. Aktuell im Bau sind Hotels mit einer Gesamtkapazität von 2.864 Zimmern, sagt HTI. Dabei werden so viele aktuell gar nicht benötigt, weil die politischen Unruhen und der im Februar 2018 verhängte Ausnahmezustand die Nachfrage kräftig dämpfen.

Trend geht zu mehr Qualität

Auf den Plätzen zwei und drei liegen Lagos und Nairobi, die 1.665 beziehungsweise 1.597 neue Hotelzimmer bauen. In beiden Städten geht der Trend eindeutig zu mehr Qualität nach internationalen Standards, was deutschen Zuliefern entgegenkommen sollte. Anders formuliert: Wer im wachsenden Wettbewerb bestehen will, muss etwas bieten können. Mit 898 im Bau befindlichen Hotelzimmern kommt die ghanaische Hauptstadt Accra an vierter Stelle. Große Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation sollte dies nach Ansicht von HTI nicht haben, weil die Nachfrage wegen steigender Investitionen in die ghanaische Öl- und Gasförderung deutlich zunehmen dürfte.

Das Beherbergungsgewerbe ist derweil in vielen afrikanischen Ländern ein volatiles Geschäft. Kräftige Ausschläge nach oben und unten sind durchaus üblich. Eine sehr gute Marktentwicklung hatte zuletzt Nigeria: Lediglich 2,5 Prozent mehr Zimmer trafen 2017 auf eine 17,6 Prozent höhere Nachfrage. Ähnlich war es in Accra, das aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage im letzten Jahr 13,7 Prozent mehr Übernachtungen verkaufen konnte. Ein positives Wachstum gab es 2017 auch in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria, die von neu eröffneten Spielkasinos und Bürokomplexen profitieren konnte.

Dar es Salaam der große Verlierer

Großer Verlierer bei verkauften Hotelübernachtungen war 2017 die tansanische Hauptstadt Dar es Salaam, die Einbußen von rund 8 Prozent zu beklagen hatte. Der Grund dafür liegt im Exportverbot von Gold- und Kupfererzen, was dazu führte, dass Investoren verunsichert wurden. Mit minus 6 Prozent gab es auch schlechte Zahlen aus Addis Abeba zu vermelden, als Folge des politischen Klimas. In der botsuanischen Hauptstadt Gaborone wirkt sich der schwächelnde Bergbau negativ auf das Geschäft aus, während das Minus von 3,3 Prozent in Nairobi auf den gewalttätigen Wahlkampf im zweiten Halbjahr 2017 zurückzuführen ist.

Verkaufte Hotelübernachtungen sind die eine Seite der Medaille, die dafür erzielten Preise die andere Seite. Die größten Zuwächse bei den Übernachtungspreisen (Average Daily Rate; ADR) erzielte 2017 die namibische Hauptstadt Windhoek mit 20,6 Prozent, gefolgt von den südafrikanischen Städten Kapstadt (+18,5 Prozent), Pretoria (+12 Prozent), Sandton (+11,2 Prozent) und Umhlanga (+10,8 Prozent). Hauptgrund war eine Stärkung des südafrikanischen Rand gegenüber dem US-Dollar. (Der Namibische Dollar ist an den Rand gebunden).

Die größten Verlierer bei den Zimmerpreisen waren 2017 Lagos mit einem Minus von 19 Prozent, gefolgt von Nairobi (-8,4 Prozent), Dar es Salaam (-7,8 Prozent), der sambischen Hauptstadt Lusaka (-6,2 Prozent) und Accra (-3,2 Prozent). In Nigeria war der in US-Dollar bewertete Preisrückgang eine Folge des schwachen Naira, in Nairobi eine Folge der schwachen Nachfrage, in Dar es Salaam eine Folge sowohl einer schwachen Nachfrage als auch eines gestiegenen Wettbewerbs.

Lagos, Accra und Kapstadt 2018 im Fokus

Für 2018 und 2019 rät HTI, folgende Städte im Blick zu behalten: Lagos, Accra, Kapstadt und - überraschenderweise - die simbabwische Hauptstadt Harare. Lagos, sagt HTI, sollte in den nächsten Jahren dank eines positiven Wirtschaftswachstums mehr Übernachtungen verkaufen und somit die Preise (zumindest die in Naira bewerteten) steigen. Gleiches gilt auch für Accra, das neu auf den Markt geworfene Kapazitäten vermutlich schnell absorbieren dürfte, ohne dabei die Preise senken zu müssen. Kapstadt kann derweil mit fortgesetzt hohen Belegungsraten punkten und gute Preiszuwächse sowohl in Rand als auch in US-Dollar erzielen.

Harare könnte nach dem Abtritt des Präsidenten Robert Mugabe eine ökonomische Trendwende erfahren und von Investitionen - auch in Hotels - profitieren. Doch das sind Spekulationen und ob Harare wie Phönix aus der Asche steigt oder der alte Präsident ein Comeback schafft, bleibt abzuwarten.

Dieser Artikel ist relevant für:

Äthiopien, Ghana, Nigeria, Simbabwe, Südafrika, Kenia Tourismus / Hotels / Gastgewerbe, allg., Hochbau, Hotels

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