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21.06.2017

Albaniens Im- und Exporte steigen an

Außenhandel mit deutlicher EU-Orientierung / Bekleidung und Schuhe dominieren zunehmend Exporte / Von Jan Triebel

Tirana (GTAI) - Albaniens Außenhandel wuchs 2016 deutlich. Besonders dynamisch legten die Importe zu. Impulse gaben vor allem die spürbar belebten Investitionen. Demgegenüber nahmen die Exporte nur leicht zu. Hauptgrund waren die anhaltend niedrigen Preise für Rohstoffe. Mehr als zwei Drittel aller Einfuhren stammten zuletzt aus EU-Staaten. Bei den albanischen Ausfuhren fiel der Anteil der EU28 mit gut drei Vierteln noch höher aus.

Im Zuge einer allgemeinen positiven Wirtschaftsentwicklung hat Albaniens Außenhandel 2016 beachtlich zulegt. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes wuchs 2016 laut einer vorläufigen Schätzung des albanischen Statistikamtes Instat um 3,5%. Der Außenhandelsumsatz auf Euro-Basis steigerte sich parallel dazu wertmäßig um 6,2% und verfehlte die Marke von 6 Mrd. Euro nur knapp.

Dabei legten Albaniens Ausfuhren 2016 nur marginal um 1,8% auf umgerechnet 1,77 Mrd. Euro zu. Demgegenüber zogen die Einfuhren mit einem Plus von 8,1% gegenüber 2015 auf 4,22 Mrd. Euro vergleichsweise deutlich an. Daraus resultierte ein nennenswertes Anschwellen des ohnehin chronisch hohen Passivsaldos der albanischen Handelsbilanz. Mit 2,44 Mrd. Euro fiel dieser 2016 im Vorjahresvergleich um gut ein Zwölftel höher aus.

Ölausfuhren geben preisbedingt weiter nach

Die verhaltene Entwicklung der Exporte gilt einmal mehr als direkte Folge des weiterhin niedrigen Preisniveaus auf den weltweiten Rohstoffmärkten. Mit Blick auf die Waren, die Albaniens Exporte lange Zeit dominierten, verzeichneten vor allem Mineralöl und Erzeugnisse daraus dem Wert nach besonders deutliche Einbußen. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich 2016 die Bedeutung dieser Warengruppe als Beitrag zu den Gesamtexporten von 18,6 auf 11,3%.

Dem Gesamtbild kam jedoch zugute, dass die Ausfuhren in anderen wichtigen Warengruppen 2016 spürbar zulegen konnten. Im Fokus standen dabei vor allem Schuhe und Kleidung, die ihre Führungsrolle weiter ausbauten. Deren vereinigter Beitrag zu den Exporten des Landes nahm im Vorjahresvergleich von 36,1 auf 42,7% zu.

Investitionsgüter zunehmend gefragter

Auf Seiten der Einfuhren löste die gestärkte Investitionsneigung im Land einen merklichen Nachfrageschub vor allem bei Maschinen und Ausrüstungen sowie Waren aus Eisen und Stahl aus. In der albanischen Wareneinfuhr avancierte das Segment Maschinen 2016 zur wichtigsten Produktgruppe. Deren Anteil am Gesamtimport des Landes erhöhte sich gegenüber dem Jahr zuvor von 8,0 auf 8,5%.

Einen deutlichen Sprung nach oben von 3,2 auf 4,7% verzeichneten zudem Eisen- und Stahlerzeugnisse. Einen wesentlichen Beitrag daran hatten größere Partien von Stahlröhren, die ein deutscher Hersteller 2016 dem Konsortium für den Bau des albanischen Abschnitts der Transadriatischen Erdgaspipeline (TAP) auslieferte. Demgegenüber sorgten die anhaltend niedrigen Preise für Mineralöl und Erzeugnisse daraus auch einfuhrseitig für einen gewissen Bedeutungsverlust dieser Produktgruppe. Ihr Anteil an den albanischen Gesamtimporten gab zwischen 2015 und 2016 von 10,4 auf 8,1% nach.

Entwicklung von Aus- und Einfuhr nach wichtigen Warengruppen (in Mio. Euro) *)
Warengruppe (HS-Gruppe) 2015 2016 Veränderung 2016/15 (in %)
Ausfuhr insgesamt; darunter: 1.740,8 1.772,2 1,8
.Schuhe und Teile davon (64) 312,1 376,7 20,7
.Kleidung, nicht aus Gewirken und Gestricken (62) 193,1 227,0 17,6
.Mineralische Brennstoffe, Mineralöle (27) 323,6 200,2 -38,1
.Kleidung, aus Gewirken und Gestricken (61) 123,6 152,0 23,0
.Eisen und Stahl (72) 135,9 113,5 -16,5
.Erze (26) 84,6 90,7 7,2
.Elektrische Maschinen, Apparate, Geräte; Teile davon (85) 50,5 47,2 -6,5
.Aluminium und Waren daraus(76) 38,9 45,2 16,2
.Gemüse, Pflanzen, Wurzeln und Knollen zu Ernährungszwecken (07) 29,5 38,9 31,9
.Papier und Pappe (48) 39,8 38,4 -3,5
Einfuhr insgesamt; darunter: 3.898,4 4.215,8 8,1
.Maschinen, Apparate und mechanische Geräte (84) 311,6 359,1 15,2
.Mineralische Brennstoffe, Mineralöle (27) 405,4 341,7 -15,7
.Elektrische Maschinen, Apparate, Geräte; Teile davon (85) 278,6 301,1 8,1
.Straßenfahrzeuge (87) 231,7 288,2 24,4
.Waren aus Eisen und Stahl (73) 124,9 196,2 57,1
.Kunststoffe und Waren daraus (39) 142,1 162,6 14,4
.Pharmazeutische Erzeugnisse (30) 138,4 154,8 11,8
.Eisen und Stahl (72) 134,4 125,6 -6,5
. Kleidung, nicht aus Gewirken und Gestricken (62) 97,5 111,6 14,5
.Kleidung, aus Gewirken und Gestricken (61) 89,9 108,4 20,6

*) durchschnittliche Wechselkurse: 1 Euro =...Leke - 2015: 139,7; 2016: 137,4

Quellen: Instituti i Statistikave (Instat; Statistikamt Albanien), Banka e Shqiperise (Albaniens Zentralbank); Berechnungen von Germany Trade & Invest

Der Außenhandel des Landes, das seit Mitte 2014 offizieller EU-Beitrittskandidat ist, ist bereits seit längerem vergleichsweise deutlich mit dem Binnenmarkt der EU verflochten. Auf dessen 28 Mitgliedsstaaten entfielen 2016 mit 67,5% mehr als zwei Drittel aller für den lokalen albanischen Markt bestimmten Einfuhren. Im Gegenzug nahm die EU auch mit großem Abstand die meisten Waren albanischer Herkunft ab. Im Jahr 2016 flossenmit einem Anteil von 77,9% mehr als drei Viertel aller Warenausfuhren in Richtung EU ab.

Italien mit Abstand wichtigster Partner

In einzelstaatlicher Betrachtung spielt Italien nach wie vor eine hervorgehobene Rolle im Rahmen des albanischen Warenverkehrs mit dem Ausland. Im vergangenen Jahr gingen laut Instat 2016 allein 54,6% (2015: 50,9%) aller Ausfuhren nach Italien. Etwas weniger stark dominierte der Adrianachbar zuletzt Albaniens Warenbezüge aus dem Ausland. Hier macht 2016 der italienische Beitrag 29,3% (2015: 30,3%) aus.

Bei den Einfuhren folgten mit respektablem Abstand Deutschland mit einem Anteil von 9,5% vor der VR China mit 8,8% sowie Griechenland und der Türkei mit jeweils 7,9%. Als wichtige Abnehmerländer für Ausfuhren aus Albanien galten zuletzt neben Italien Kosovo mit einem Anteil am Gesamtaufkommen von 6,8%, Griechenland mit 4,6%, Deutschland mit 3,4% und die VR China mit 3,1%.

Entwicklung von Ein- und Ausfuhr nach wichtigen Ländern (in Mio. Euro) *)
Land 2015 2016 Veränderung 2016/15 (in %)
Ausfuhr insgesamt; darunter nach: 1.740,8 1.772,2 1,8
.Italien 885,5 967,2 9,2
.Kosovo 149,8 120,9 -19,3
.Griechenland 68,1 81,1 19,1
.Deutschland 54,2 60,3 11,3
.VR China 47,0 54,2 15,3
.Spanien 90,2 58,2 -35,5
.EjR Mazedonien 45,9 46,7 1,7
.Serbien 22,9 34,2 49,3
.Montenegro 24,2 31,9 31,8
.Rumänien 9,6 25,0 160,4
Einfuhr insgesamt; darunter aus: 3.898,4 4.215,8 8,1
.Italien 1.181,0 1.234,2 4,5
.Deutschland 260,2 400,0 53,7
.VR China 333,3 369,8 11,0
.Griechenland 305,8 332,3 8,7
.Türkei 313,0 332,3 6,2
.Serbien 148,5 131,5 -11,4
.Spanien 62,4 92,3 47,9
.Frankreich 86,3 83,6 -3,1
.Russische Föderation 86,1 79,3 -7,9
.USA 61,8 79,0 27,8

*) durchschnittliche Wechselkurse: 1 Euro =...Leke - 2015: 139,7; 2016: 137,4

Quellen: Instat, Albaniens Zentralbank; Berechnungen von Germany Trade & Invest

(T.J.)

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