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02.02.2017

Algeriens Pharmasektor entwickelt sich dynamisch

Zweitgrößter Markt in Afrika / Ausbau der lokalen Produktion / Von Peter Schmitz

Tunis (GTAI) - Die Nachfrage nach Medikamenten in Algerien steigt. Im 1. Halbjahr 2016 zogen auch die Importe stark an. Mittelfristig will die Regierung eine lokale Versorgungsquote von 70% erreichen. Zahlreiche internationale Hersteller sind bereits durch Partnerschaften vor Ort, Neue kommen hinzu. Die medizinische Grundversorgung ist im Regionalvergleich bereits gut, nun wird auch die Behandlung von nichtübertragbaren Krankheiten ausgebaut. (Internetadressen)

Algerien ist der wichtigste Absatzmarkt für Medikamente im Maghreb. Neben der mit 40 Mio. Einwohnern relativ großen Bevölkerung ist das umfassende, vor allem staatlich finanzierte Gesundheitswesen ein wichtiger Faktor. Der Bedarf soll zukünftig noch stärker aus lokaler Produktion gedeckt werden. Ein Instrument zur Steigerung der Selbstversorgung ist das Importverbot für Medikamente, die bereits lokal produziert werden. Erstmals 2008 eingeführt, wurde dieses 2012 nochmals ausgeweitet.

Ende 2015 lag der Anteil lokal produzierter Pharmazeutika laut der algerischen Zeitung El Watan bei 45%, 2013 noch bei 38%. Ob das Ziel der Regierung, diesen Anteil bis 2017 auf 70% zu erhöhen erreicht werden kann, bleibt abzuwarten. Der Bedarf jedenfalls ist groß: Die Oxford Business Group sieht Algerien als den zweitgrößten Markt für pharmazeutische Produkte in Afrika, mit einem Marktvolumen von 3 Mrd. US$.

Internationale Hersteller gehen Partnerschaften ein

In den vergangenen Jahren eröffneten und erweiterten zahlreiche internationale Hersteller Produktionsstandorte oder kündigten dies an. So ging Merck Ende 2015 eine Partnerschaft mit dem lokalen Labor Novapharm zur Herstellung von bis zu 500 Mio. Tabletten Glycophage pro Jahr ein. Andere wichtige lokale Partner sind beispielsweise SAIDAL, der einzige staatliche Hersteller, sowie der private Branchenprimus Biopharm, der im Sommer 2016 gemeinsam mit der deutsche Boehringer-Ingelheim den Produktionsstart für ein Bluthochdruckdruckmittel für den Jahresverlauf 2017 bekannt gab.

Nach eigenen Angaben hat Biopharm Partnerschaften mit mehr als 50 internationalen Pharmaunternehmen geschlossen, darunter neben Boehringer-Ingelheim auch Merck und Bayer. Bereits seit 35 Jahren ist GlaxoSmithKline (GSK) aus dem Vereinigten Königreich in Algerien vertreten. Bisher produziert GSK in zwei Fabriken Antibiotika und andere Tabletten. Bis 2020 soll vor allem die Produktion von Antibiotika ausgebaut werden, aber auch neue Medikamente sollen hergestellt werden.

Bei Import und Verkauf von Medikamenten unterliegen Hersteller zahlreichen Restriktionen. So wird beispielsweise der Preis von einem Ausschuss festgesetzt, der sich aus Vertretern verschiedener Einrichtungen zusammensetzt. Noch zuvor muss ein Zulassungsverfahren durchlaufen werden, welches wiederum alle fünf Jahre erneuert werden muss. Bürokratische Verfahren können in Algerien grundsätzlich relativ aufwendig sein. Ende 2015 wurde eine staatliche Aufsichtsbehörde für Medikamente gegründet (agence nationale des produits pharmaceutiques ANPP), die zukünftig auch für die Registrierung zuständig sein soll.

Algerische Regierung investiert in Gesundheitsversorgung

Die weitere Verbesserung der Gesundheitsversorgung ist elementar für die Regierung. In die gesamte medizinische Infrastruktur sollen deswegen bis 2025 etwa 22 Mrd. US$ investiert werden. 2013 lagen die Gesundheitsausgaben in Algerien pro Kopf laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei 778 US$ , und damit höher als in Ägypten (539 US$) oder Marokko (438 US$). Das zahlt sich aus: Seit 1990 konnten zahlreiche Gesundheitsindikatoren, wie Kinder- oder Müttersterblichkeit, signifikant reduziert werden.

Durch die Erfolge rücken auch nichtübertragbare Krankheiten, die oftmals speziellere Medikation und Behandlung erfordern, ins Blickfeld. Die Regierung will im laufenden Fünfjahresplan 2015 bis 2019 beispielsweise 180 Mrd. DA (rund 1,5 Mrd. Euro; 1 Euro = 117 DA) für krebsbezogene Behandlungszentren und -methoden investieren. Auch die Behandlung von Diabetes (vor allem Typ 2) verbreitet sich zunehmend. Das starke Engagement der Regierung sorgt für einen relativ niedrigen "out-of-pocket"-Anteil von nur etwa 20% der Gesundheitsausgaben, während dieser in Tunesien bei knapp 40% und in Marokko bei 53% liegt (Mediterranean World Economic Foresight Insitute).

Zudem wurde die Pharmaindustrie als wichtiger Baustein für die wirtschaftliche Diversifizierung identifiziert, um die Anhängigkeit von Öl und Gas zu senken, die Wertschöpfung zu erhöhen und die Einfuhren zu reduzieren. Pharmazeutische Produkte machten 2015 knapp 4% der algerischen Gesamteinfuhren aus.

Während der Pharmamarkt Presseberichten zufolge in den vergangenen Jahren um jeweils mehr als 10% im Jahr expandierte, ging der Wert der Importe 2015 um mehr als 20% zurück. Grund hierfür war nicht nur die Ausweitung der Produktion, sondern wohl auch Verhandlungen zwischen dem algerischen Ministerium für Gesundheit, Bevölkerung und Reform der Krankenhäuser (MSPRH) und internationalen Pharmaherstellern. Laut Ministerium konnten die Preise signifikant gesenkt werden. Für 2016 meldete das National Centre for Data Processing and Statistics (CNIS) einen wertmäßigen Anstieg der Einfuhren von pharmazeutischen Produkten von 18% gegenüber dem Vorjahr.

Algerischer Außenhandel mit pharmazeutischen Produkten und ausgewählten Laborausrüstungen (in Mio. US$)
2013 2014 2015
Export
.Pharmazeutische Produkte (HS 30) 3,5 1,9 2,5
Import
.Pharmazeutische Produkte (HS 30) 2.287,6 2.523,5 1.977,7
.Keramische Waren für Labore (HS 6909) 1,6 0,8 2,2
.Glaswaren für Labore 2,2 2,6 2,5
.Vorrichtungen oder Laborausstattung auch elektrisch beheizt (HS 8419) 244,5 229,1 244,2

Quelle: UN Comtrade, Stand: 25.1.17

Neben der Eigenversorgung ist mittelfristig auch der stärkere Export von pharmazeutischen Produkten geplant, vor allem in andere afrikanische Länder. Algerien unterzeichnete Ende Oktober 2016 ein Abkommen mit Tunesien, Côte D'Ivoire, Burkina Faso und Senegal, um gemeinsame Aktivitäten im Pharmabereich zu koordinieren. Mit Iran wurde eine Kooperation zur Produktion von Impfstoffen vereinbart.

Internetadressen

Ministere de la Santé, de la Population et de la Réforme Hospitalière

Internet: http://www.sante.gov.dz/index.php/pharmacie

Informationsportal Santé Algerie

Internet: http://www.ands.dz

Branchenportal der AHK Algerien

Internet: http://www.algerien.ahk.de/maerkte/gesundheit/

Exportinitiative Gesundheitswirtschaft

Internet: http://www.exportinitiative-gesundheitswirtschaft.de

(JPS)

Dieser Artikel ist relevant für:

Algerien Gesundheitswesen allgemein, Arzneimittel, Diagnostika, Produktionsanlagen für Chemie, Petrochemie und Pharmazie

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