Suche

10.01.2019

Algerische Regierung forciert Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln

Einfuhr von Maschinen und Ausrüstungsgütern dürfte steigen / Von Peter Schmitz

Tunis (GTAI) - Algerien setzt auf Maßnahmen zur Importsubstitution und zum Export landwirtschaftlicher Güter. Deutschlands Lieferungen von Maschinen zur Nahrungsmittelverarbeitung sind ausbaubar.

Algerien möchte sich unabhängig vom Import landwirtschaftlicher Produkte machen und selbst exportieren. Im Jahr 2017 konnten die Erträge deutlich gesteigert werden. Dennoch gehört die Republik zu den weltweit größten Importeuren von Weizen und Molkereiprodukten. Die Getreideproduktion wurde im Erntejahr 2017/2018 um 74,4 Prozent auf 60,5 Millionen Doppelzentner gesteigert, die Olivenernte legte um 27 Prozent auf 80.000 Tonnen zu. Die Geflügelzucht lieferte 2017 mit 5,3 Millionen Doppelzentnern 153 Prozent mehr als im Vorjahr.

Trotz der guten Ergebnisse und der Maßnahmen zur Importsubstitution sanken die Einfuhren nicht, sondern erhöhten sich nochmal leicht. Das lag vor allem an höheren Kosten für Weizen- und Milchimporte. Im Jahr 2017 wurde Weizen für 1,8 Milliarden US-Dollar (US$) eingeführt, 11,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Milch und primäre Milchprodukte wurden ebenfalls verstärkt eingeführt, der Zuwachs auf 888,6 Milliarden US$ war hier mit knapp 1 Prozent jedoch deutlich niedriger. Die Importe von Zucker, Fleisch und getrocknetem Gemüse sanken dafür.

Investoren werden Anreize gegeben

Algerien möchte die steigende landwirtschaftliche Produktion durch eine bessere Verzahnung auch verstärkt selbst weiterverarbeiten. Neben der Importsubstitution soll dies die Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor senken. Agrarzentren (Pôles Agricoles Intégrés, PAI) sollen helfen, die Potenziale mittels regionaler Spezialisierung und gezielter Förderung besser auszuschöpfen. Investoren werden Zuschüsse für Ausrüstung und Düngemittel, vergünstigte Kredite und andere Anreize geboten.

Die algerische Regierung hatte im Juli 2017 einen Einfuhrstopp für eine Reihe von Lebensmitteln erlassen, der inzwischen wieder durch Einfuhrzölle auf die entsprechenden Lebensmittel ersetzt wurde. Das dürfte die Einfuhren von Maschinen und Ausrüstungsgütern für die Nahrungsmittelverarbeitung steigern, eine lokale Industrie gibt es kaum. Deutschlands Lieferanteil ist bisher außerordentlich niedrig.

Algeriens Importe von Nahrungsmittelmaschinen (in Mio. US$, HS-Code)
Produkt 2016 2017 davon aus Deutschland (2017)
843410. Melkmaschinen 1,6 1,2 0,2
843420. Maschinen, Apparate und Geräte zum Verarbeiten von Milch zu Milcherzeugnissen 12,3 14,4 2,8
843510. Pressen, Mühlen und ähnliche Maschinen, Apparate und Geräte, zum Bereiten von Wein, Most, Fruchtsäften oder ähnlichen Getränken 0,4 0,2 0,0
843610. Maschinen, Apparate und Geräte für die Futterbereitung in landwirtschaftlichen oder ähnlichen Betrieben 15,5 16,1 0,1
843621. Brutapparate und Aufzuchtapparate für die Geflügelhaltung 9,5 2,1 0,2
843629. Maschinen, Apparate und Geräte für die Geflügelhaltung 31,0 21,4 4,1
843710. Maschinen, Apparate und Geräte zum Reinigen, Sortieren oder Sieben von Körner- oder Hülsenfrüchten 11,5 6,3 0,0
843780. Maschinen, Apparate und Geräte für die Müllerei oder zum Behandeln von Getreide oder Hülsenfrüchten (ausgenommen von der in der Landwirtschaft verwendeten Art), Warmbehandlungseinrichtungen, Zentrifugaltrockner, Luftfilter sowie Maschinen, Apparate und Geräte zum Reinigen, Sortieren oder Sieben von Körner- oder Hülsenfrüchten) 30,8 58,7 0,0
8438. Maschinen und Apparate, in Kapitel 84 a.n.g., zum industriellen Auf- oder Zubereiten oder Herstellen von Lebensmitteln, Futtermitteln oder Getränken, Teile davon (ausgenommen Maschinen und Apparate zum Gewinnen oder Aufbereiten von tierischen oder pflanzlichen Ölen oder Fetten) 133,2 132,0 10,0
847920. Maschinen, Apparate und Geräte zum Gewinnen oder Aufbereiten von tierischen oder fetten pflanzlichen Ölen oder Fetten (ausgenommen Zentrifugen, Filtrier- und Heizapparate) 5,2 28,6 0,9

Quelle: United Nations Statistics Division, September 2018

Die algerische Nahrungsmittelindustrie setzt sich aus rund 20.000 Unternehmen unterschiedlicher Größe zusammen, von denen 95 Prozent privat geführt werden. Die Privatisierung der 1990er Jahre brachte einige große Unternehmen hervor, wie Cecital, Groupe SIM, La Belle, Benamour und weitere.

Große multinationale Nahrungsmittelhersteller (Nestle Waters, Danone, Bel Algerie, Castle Algerie und weitere) sind anders als in anderen Bereichen der algerischen Wirtschaft nicht im Rahmen von algerisch-ausländischen Joint Ventures vertreten. Algeriens Getränkeindustrie ist zum großen Teil von großen Brauereien und Getränkeherstellern geprägt. Der Umsatz bei nichtalkoholischen Getränken dürfte Prognosen zufolge vor allem wegen eines Booms bei Energydrinks zulegen. Der Verbrauch lag 2017 bei etwa 110 Liter pro Kopf.

Die wachsende Zahl an nahrungsmittelverarbeitenden Unternehmen sorgt für eine gewisse Konkurrenz und damit auch zu hohen Modernisierungsanstrengungen. Die sich, wenn auch langsam, ausbreitenden Supermärkte und die Orientierung auf Exportmärkte erhöhen die Anforderungen an die Verpackungen. Vor allem Spekulationen um Bauland verlangsamen den Bau von Supermärkten, der Trend geht dennoch in diese Richtung. Zwölf Hyper- und 244 Supermärkte sind bei einer Bevölkerung von etwa 40 Millionen Einwohnern noch ausbaufähig.

Weiterführende Informationen zu Algerien finden Sie unter http://www.gtai.de/algerien

Dieser Artikel ist relevant für:

Algerien Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen

Funktionen

Kontakt

Meike Eckelt

‎+49 228 24 993 278

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche