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12.07.2018

Amsterdam sucht neue Lösungen für Verkehr und Abfall

Masterplan Amsterdam Smart City mit Infrastrukturlösungen / Von Inge Kozel

Berlin (GTAI) - Die niederländische Stadt Amsterdam wächst stetig. Um auch künftig ein lebenswertes Umfeld zu bieten, wurde das Projekt Amsterdam Smart City gestartet, das viele der bereits laufenden und geplanten Vorhaben umfasst. Verschiedene Unternehmen bieten Lösungen für eine Verbesserung des Verkehrsflusses und der Luft in der Stadt. Auch bei der Wiederverwertung und Vermeidung von Abfällen werden neue Wege beschritten. (Kontaktadressen)

Seit Jahren ist die niederländische Stadt Amsterdam ein Anziehungspunkt für Unternehmen, die sich in der Europäischen Union niederlassen wollen. Infolgedessen ziehen viele Arbeitnehmer mit ihren Familien dorthin. Bis 2040 rechnet die Stadt mit einem Bevölkerungswachstum von 20 Prozent. Bereits heute leidet die Innenstadt unter einer hohen Bebauungsdichte, Verkehrsstaus, Parkplatzmangel und Problemen mit der Abfallentsorgung.

Damit Amsterdam lebenswert bleibt, wurde vor einigen Jahren ein Masterplan (Structural Vision Amsterdam 2040 City Master Plan) beschlossen. Unterschiedliche Distrikte der Metropolregion werden künftig besser miteinander verbunden. Dazu investiert der Stadtrat in große Verbindungsstraßen wie Bilderdijkstraat, Middenweg und Beethovenstraat. Der öffentliche Nahverkehr wird optimiert, Fahrrad- und Gehwege werden erweitert. Zusätzliche Park and Ride-Möglichkeiten, auch entlang der Ringautobahn A10, sind geplant, um Autofahrern das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu erleichtern. Die verschiedenen Vorhaben bieten deutschen Unternehmen Geschäftschancen.

Zudem kooperieren im Projekt "Amsterdam Smart City" innerstädtische Gemeinden, Unternehmen, Einwohner und Universitäten in Smart City-Initiativen. Die Plattform http://www.amsterdamsmartcity.com stellt unterschiedliche Vorhaben in verschiedenen Bereichen wie Mobilität, Infrastruktur und Technologie, Energie, Abfall, Wasser oder Kreislaufwirtschaft vor. Unternehmen oder Institute können über das Portal miteinander in Verbindung treten und gemeinsam Projekte entwickeln.

Ausgewählte Projekte Amsterdam (Investitionssumme in Millionen Euro)
Projektbezeichnung Investitionssumme Projektstand Anmerkung/Ansprechpartner
E-Scooter k.A. Planung http://www.felyx.nl, klantenservice@felyx.nl, T +31(0)85/208 04 70
Intelligentes Energienetz für Schoonship k.A. Durchführung http://schoonschipamsterdam.org/#site_header
Zero Waste Lab k.A. Planung http://zerowastelab.amsterdam/
Kreislaufwirtschaft in Buiksloterham k.A. Planung https://buiksloterham.nl/projecten?reset=true,

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen; http://www.amsterdamsmartcity.nl

Mehrere Projekte machen den Verkehr smarter

Um die Luftverschmutzung im Zentrum zu verringern, werden elektrische Fahrzeuge für den innerstädtischen Frachttransport und für Dienstleistungen eingesetzt. Das Projekt läuft seit 2016 und unterstützt private und öffentliche Organisationen bei emissionsfreien Transporten. Die Firma Felyx bietet elektrische Roller, die mittels einer App gemietet und an beliebigen Stellen abgestellt werden können. Reparatur und Unterhalt der emissionsfreien E-Scooter übernimmt die Firma Helmstadt, geliefert werden sie von Govecs. Das Projekt befindet sich noch in der Konzeptionsphase.

Bis 2025 sollen etwa 1 Million Elektrofahrzeuge über niederländische Straßen rollen. Mit der Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) können Elektroautos sowohl geladen werden als auch Elektrizität in das Stromnetz zurückspeisen. NewMotion, ein Anbieter von Ladelösungen für Elektrofahrzeuge, hat in Amsterdam entsprechende Ladestationen installiert. An dem V2G-Pilotprojekt sind neben NewMotion Alliander, Enervalis und die Plattform Amsterdam Smart City beteiligt.

Um Lkw zu einer schnelleren Be- und Entladung zu motivieren und Parkflächen wieder frei zu geben, setzt Amsterdam intelligente elektronische Parkanzeiger für Lieferzonen ein. Die Anzeiger werden aktiviert, wenn der Lkw in die Zone einfährt. Sie zeigen die verbleibenden Minuten an und informieren die Behörden, wenn Lkw die Ladezeit überschreiten.

Kreislaufwirtschaft wird beim Bauen wichtig

Auch bei der Errichtung von Gebäuden will Amsterdam Abfälle reduzieren. Das Temporary Court House (das Haus wird nur einige Jahre als Gericht genutzt) entstand mit der Auflage, beim Bau Abfälle zu vermeiden. Zudem war eine spätere anderweitige Nutzungsmöglichkeit ausdrücklich Teil des Auftrags. Der Interimscharakter durfte nicht zu Lasten von Repräsentativität, Qualität oder Funktion gehen. Akustik, Komfort, Sicherheit und Design haben den gleichen Standard wie bei permanenten Gebäuden.

Nicht nur die Gemeinde, auch private Bauherren zeigen sich umweltbewusst. Der Circular Pavilion (Circl) der ABN AMRO Bank im Geschäftsbezirk Zuidas entstand fast vollständig aus wiederverwerteten Materialien. Sogar die Beschäftigten machten mit und spendeten 16.000 alte Jeans, mit denen die Wände isoliert wurden. Auch nach der Bauphase wird auf Umweltverträglichkeit Wert gelegt: Eines der auffälligsten Gebäude der Stadt, das Kranspoor Building, verwendet ein Wasserrecycling-System und nutzt Solarenergie, die gespeichert werden kann.

Auf Stadtteilebene engagieren sich die Bewohner in der Wiederverwertung von Abfällen. Im Viertel Dapperbuurt starteten sie mit dem Zero Waste Lab eine Kreislaufwirtschaftsinitiative. Sie trennen ihren Abfall, übergeben ihn an dafür bestimmte Stellen und erhalten Wertmünzen, mit denen sie in den umliegenden Geschäften einkaufen. Unternehmen des Stadtteils nutzen die Abfälle, indem sie beispielsweise Fahrräder daraus bauen. Das Zero Waste Lab kooperiert zudem mit der De Regenboog Groep: Arbeitslose werden als Wertstoffexperten ausgebildet und eingestellt.

Baugrundstücke nur bei nachhaltigem Bauen

Ein weiteres Pilotprojekt findet im Stadtteil Buiksloterham statt. Das Viertel liegt am Nordufer des IJ Flusses und beherbergte ursprünglich die schmutzigsten Industrien Amsterdams. In den nächsten zehn Jahren wird auch hier die Kreislaufwirtschaft groß geschrieben: 20 verschiedene Organisationen beschlossen im März 2015 das Manifest Circular Buiksloterham, das die intelligente Nutzung von Materialien, Recycling, nachhaltige Mobilität, Share Economy sowie neue Logistikkonzepte anstoßen will. Der Häuserbau erfolgt hier künftig unter Umweltgesichtspunkten: Grundstücke werden nur vergeben, wenn die Bauherren Nachhaltigkeit und Wiederverwertbarkeit in ihren Anträgen berücksichtigen.

Kontaktanschriften

Gemeinde Amsterdam (Gemeente Amsterdam) Ruimte en Duurzaamheid T +31 (0)20/14 020; http://www.amsterdam.nl/bestuur-organisatie/organisatie/ruimte-economie/ruimte-duurzaamheid/;info.rd@amsterdam.nl
Amsterdam Smart City info@amsterdamsmartcity.nl; http://www.amsterdamsmartcity.com
Bee Smart City https://beesmart.city

Weitere Informationen zum Masterplan Amsterdam Smart City finden Sie in dem Artikel „Amsterdam will Vorbild für Smart-City-Lösungen werden" unter http://www.gtai.de/MKT201807068004

Weitere Informationen zu den Niederlanden finden Sie unter http://www.gtai.de/niederlande.

Dieser Artikel ist relevant für:

Niederlande Abfallentsorgung, Recycling, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Elektromobilität

Funktionen

Kontakt

Ingeborg Kozel

‎+49 228 24 993 365

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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