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26.06.2018

Anbieter von Landtechnik in Bulgarien weiter optimistisch

Käufer fragen vermehrt ganzheitliche Lösungen nach / Von Michael Marks (Juni 2018)

Sofia (GTAI) - Bulgariens Markt für Landtechnik hat 2017 wieder in die Spur gefunden. Die Branche hofft auf eine Fortsetzung. Weniger Subventionen der Europäischen Union (EU) verschieben die Gewichte von neuem zu gebrauchtem Gerät. Importierte Landtechnik, ob neu oder alt, ist führend. Im Inland wird Großgerät nicht produziert. Deutschland und Italien dominieren mit Abstand den Markt.

"Moderne Landwirtschaft macht man nur mit moderner Technik." Diese Worte stammen von Daniel Minev, Vorsitzender des Verbandes der Landtechnikhändler und Geschäftsführer von Interagri Bulgaria. Die Branche hat sich über die Marktbelebung 2017 gefreut und deshalb herrscht Optimismus auch für das Jahr 2018. Die EU-Mittel aber, die in der Vergangenheit den Markt zum Großteil geprägt haben, erschöpfen sich langsam. Die Unternehmen sprechen von einer "Emanzipation von den Subventionen" und erwarten, dass die natürlichen Prozesse von Angebot und Nachfrage ein klareres Bild abgeben werden.

Die über 100 Unternehmen am Markt für Landtechnik sind überwiegend Händler. Ihr Umsatz belief sich 2017 auf rund 500 Millionen Euro, so der Bericht "Agri Tech Market 2018", ein Projekt der spezialisierten Webseite http://www.tractor.bg Die Daten beziehen sich auf eine Analyse der Finanzberichte der Firmen. Das beste Jahr bisher für den Sektor war 2015 mit Einnahmen im Wert von rund 600 Millionen Euro. Das Jahr 2018 hat das Potenzial, sich dieser Marke wieder zu nähern. Die (optimistische) Prognose für 2018 bezieht sich auf ein erwartetes Wachstum von 15 Prozent im Vergleich zu 2017.

Markt im Umbruch: EU-Subventionen laufen aus

Der Markt für Landtechnik in Bulgarien ist vor allem von europäischen Förderprogrammen getrieben. Dabei geht es hauptsächlich um die Investitionsmaßnahmen des Programms für die Entwicklung des ländlichen Raums. Für die aktuelle Förderperiode sind die Mittel fast erschöpft, zumindest sind die Fristen für die letzten Bewerbungen schon vorbei.

Die Marktbelebung 2017 war eine besonders erfreuliche Nachricht nach dem schwachen Jahr 2016. Das starke zweite Halbjahr 2017 war ein gutes Zeichen für das laufende Jahr. Die fehlenden Subventionen führen dazu, dass der Markt zu seiner normalen Dynamik zurückkehrt, wobei er vom Bedarf der Firmen bestimmt wird. In dieser Hinsicht erwartet man zumindest ein kleines Umsatzwachstum. Für die meisten Landtechnikhändler sind die Getreideproduzenten Hauptkunden. Die Landtechnik-Maschinen werden 2018 um etwa 3 Prozent teurer, wobei die Preiserhöhungen durch die starke Konkurrenz begrenzt werden.

Einfuhren dominieren

Landtechnik wird vor allem importiert. Das gilt sowohl für neue wie gebrauchte Technik. Bulgarien stellt generell kein Großgerät her. Die fünf bedeutendsten Händler im Jahr 2016 waren Megatron, Titan Machinery Bulgaria, Agrotron 2007, Zlateks und Rapid KB. Sie alle hatten einen Rückgang von Gewinnen und Erlösen hinzunehmen. Allerdings war 2016 ein sehr schwaches Jahr für die Branche und die Vergleichsbasis des Rekordjahres 2015 sehr hoch. Das inländische Angebot ist begrenzt. Die fünf umsatzstärksten lokalen Produzenten sind Madara Agro, Kamt, Perla, Ralomeks und Metalagro. Sie produzieren weitgehend Anhängertechnik.

Unter den neu registrierten Erntemaschinen war 2017 Claas mit 46 Einheiten und einem Anteil von fast 30 Prozent führend. Es folgten John Deere mit 35, New Holland mit 25 und Case IH mit 14 Einheiten. Bei den neu registrierten Traktoren stand (jeweils in Einheiten) John Deere (277) an der Spitze, gefolgt von New Holland (184), Kubota (130), Case IH (94) und Lamborghini (61). Auf andere Lieferanten entfielen 120 von somit insgesamt 866 Zugmaschinen.

Im Jahr 2017 arbeiteten in der Landwirtschaft 46.900 Traktoren, davon 32 Prozent älter als zehn Jahre. Bei den insgesamt 7.700 Erntemaschinen traf dies auf 34 Prozent zu. Die Landtechnik ist also eher veraltet, wobei die Einfuhr von gebrauchter Ausrüstung zu diesem Problem beiträgt. Es gibt zwar eine Tendenz zur Erneuerung, aber der Prozess verläuft eher langsam. Bei der neu registrierten Anhängertechnik stellen Geräte zur Bodenbearbeitung den größten Anteil, gefolgt von Ballenpressen sowie Anhängern für Düngemittel und Pflanzenschutz.

Bulgarische Handelsunternehmen führend

Ausländische Landtechnik sowie Teile wird überwiegend durch bulgarische Handelsunternehmen importiert. Sie bieten auch Dienstleistungen wie Reparatur und Instandhaltung an. Die Deutsche Leasing ist seit 2006 auf dem bulgarischen Markt tätig mit Spezialisierung unter anderem auch auf Landtechnik.

Eine der Hauptmöglichkeiten zur EU-Projektfinanzierung in der Landwirtschaft ist das Programm für die Entwicklung des ländlichen Raumes, das zur zweiten Säule der sogenannten Gemeinsamen Agrarpolitik gehört, mit den Untermaßnahmen 4.1 (Investitionen in Landwirtschaftsbetrieben) und 4.2 (Investitionen in Verarbeitung und Marketing von Landwirtschaftsprodukten). Das gesamte Budget der Maßnahme 4 betrug 776 Millionen Euro für die EU-Förderperiode 2014 bis 2020. Die Mittel sind fast erschöpft.

Das Operationelle Programm "Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit" ist eine weitere Möglichkeit für den Sektor, und zwar mit dem Verfahren "Verbesserung der Produktionskapazität". Es ist an Hersteller jedweder Technik gerichtet. Das Budget dieses Verfahrens für die Förderperiode 2014 bis 2020 beträgt 222 Millionen Euro. Im September 2018 steht die Öffnung der Bewerbung mit einem Budget von 77 Millionen Euro an.

Seit einigen Jahren können die Landwirte Leasing zur Finanzierung für Landtechnik nutzen. Mit der Erholung nach der Krise und der Verbesserung der Wirtschaftslage kommen verstärkt Investitionen über Leasingfinanzierung in Betracht. Auch Bankkredite bleiben ein beliebtes Finanzierungsmodell.

Importe landwirtschaftliche Maschinen und Traktoren nach Bulgarien (Werte in Millionen Euro)
Landmaschinen 2008 2014 2017
Gesamt SITC 721+722 273,9 417,2 433,7
.Deutschland 106,1 139,1 133,3
.Italien 40,7 55,8 107,6
.Türkei 11,2 12,4 13,6

Quelle: Eurostat

Geschäftspraxis

Die deutschen Unternehmen müssen bisweilen mit Bürokratie und erschwerter Kommunikation mit Behörden rechnen. Die Webseiten der Ministerien und der relevanten Institutionen sind nicht verbraucherfreundlich, die englischen Versionen gerade noch für allgemeine Informationen brauchbar. Es hängt noch viel an EU-Ausschreibungen. Werden die angekündigten Termine etwa vom Landwirtschaftsministerium nicht eingehalten, kommt es zu einem Kaufaufschub und einem unsteten Marktverlauf.

Landtechnik wird vor allem importiert und über bulgarische Vertriebsfirmen abgesetzt. Momentan unterstützt zum Beispiel InteliAgro den Händler für unabhängig zertifizierte Gebrauchtmaschinen E-FARM mit Zentrale in Hamburg beim Eintreten auf den bulgarischen Markt. Das Unternehmen wurde auf der internationalen Landwirtschaftsmesse BATA-AGRO in Stara Zagora Mitte Mai 2018 präsentiert. Mit der Mittelerschöpfung aus EU-Quellen erwartet InteliAgro einen Rückgang für neue Technik zu Gunsten gebrauchter Landtechnik und qualitätvoller Instandhaltung. Dies bietet neue Chancen für deutsche Unternehmen.

Der Fachkräftemangel in der Landwirtschaft kann auch eine Chance für den Landtechnikhandel sein, und zwar für die Nachfrage nach spezialisierten Maschinen. Andererseits verlangt diese Technik auch qualifizierte Spezialisten. "Es müssen nicht nur Maschinen angeboten werden, sondern Optimierungslösungen für den gesamten Prozess, um die Kosten zu senken und die Produktivität zu steigern", so Stefan Hristov, Generaldirektor von Megatron.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht Zoll und Ausschreibungen in Bulgarien sind unter http://www.gtai.de/bulgarien abrufbar.

Weitere Artikel zur Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie in Bulgarien, Rumänien, Russland, der Türkei und der Ukraine finden Sie unter: http://www.gtai.de/ernaehrung-gus-soe

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Bulgarien Land- und Forstwirtschaftsmaschinen

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