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18.02.2019

Angola setzt auf Wasserkraft

Deutsche Unternehmen mit guten Beteiligungsmöglichkeiten / Von Fausi Najjar

Luanda (GTAI) - Angola will seine erneuerbaren Energiequellen besser nutzen. Dabei geht es vor allem um die Wasserkraft. Eine Beteiligung deutscher Technologieanbieter ist erwünscht.

Der angolanische Minister für Energie und Wasser, João Baptista Borges, wünscht sich für den Bau beziehungsweise die Instandsetzung von Wasserkraftwerken den Einsatz deutscher Ausrüstung. Deutsche Unternehmen sind auch eingeladen, sich beim Ausbau der erneuerbaren Energien sowie bei der Erschließung von Grundwasservorkommen zu beteiligen, so der Minister beim Besuch einer Delegation deutscher Bundestagsabgeordneter des Ausschusses für Wirtschaft und Energie. Die Abgeordneten bereisten Angola vom 5 bis 8. Februar 2019.

Mit seinen Ausführungen schlug Minister Borges in die gleiche Kerbe wie zuvor Staatspräsident Joao Lourenco während seines Berlinaufenthaltes im August 2018. Konkret hatte Lourenco den Wunsch geäußert, die geplanten Wasserkraftwerke Caculo Cabaca und Zenzo mit Technologie "Made in Germany" auszurüsten. Auch sollen deutsche Firmen bei der Konstruktion von Umspannwerken und dem Aufbau eines Stromnetzes helfen. Tatsächlich können Unternehmen aus Deutschland in Angola auf gute Referenzen bei der Lieferung von Turbinen und weiterer Ausrüstung und Instandsetzung bestehender Wasserkraftanlagen verweisen.

Realisierung des Großkraftwerks Caculo Cabaca

Der geplante Standort des Staudammes und Wasserkraftwerks Caculo Cabaca liegt auf der halben Strecke des Kwanza-Stroms in der Cuanza-Norte-Provinz. Nach fünf Jahren Bauzeit ist eine Stromerzeugungs-Kapazität von 2.172 Megawatt (MW) geplant. Das Projekt sieht auch vor, einen Teil des Stromes zu exportieren. Mit dem Bau wurde im Juni 2017 begonnen. Das Vorhaben ist aber bislang kaum vorangekommen.

Im Juli 2018 hat der angolanische Präsident zwei Unternehmen aus dem Konsortium für das Großvorhaben ausgeschlossen. Darunter eines, das Isabel dos Santos gehört. Hintergrund des Vorgehens ist der illegale Transfer von Geldern und die jahrzehntelange exzessive Selbstbereicherung der zur Milliardärin aufgestiegenen Tochter des ehemaligen Präsidenten. Durch die Entscheidung ist die China Gezhouba Group Company (CGGC) jetzt einziger Akteur. Entschieden werden über den Weiterbau soll laut Energieminister Borges Ende Februar.

Neben dem Großprojekt Caculo Cabaca steht der Bau der Wasserkraftwerke Zenzo 1 und Tumulo do Cacador im Fokus, so Regierungsstellen.

Weitere geplante Wasserkraftwerke in Angola
Name MW Höhe des Staudammes (in m) Länge der Dammkrone (in m) Fluss
Carianga 381 60 750 Lucula
Bembeze 260 31 1.070 Lucula
Zenzo 1 460 59 590 Kwanza
Zenzo 2 114 34 410 Kwanza
Tumulo do Cacador 453 34 790 Kwanza
Quissonde 120 48 2.580 Kwanza
Salamba 47,9 27 970 Salamba
Quissuca 121 59 1.250 Longa
Cuteca 203 74 303 Longa
Cafula 403 48 1.436 Queve
Utiundumbo 169 49 215 Queve
Dala 360 79 335 Queve
Capuna 283 49 255 Queve
Balalunga 217 15 505 Queve
Mucundi 73,5 46 1.420 Cabango

Quelle: http://www.angolaenergia2025.com

Immer noch akuter Strommangel

Angolas Energieinfrastruktur wurde während des Bürgerkriegs 1975 bis 2002 in erheblichem Maße zerstört. Mittlerweile hat das Land mit chinesischer Unterstützung deutliche Fortschritte bei deren Wiederaufbau gemacht. Dennoch: die Versorgung der Bevölkerung mit Strom reicht bei weitem nicht aus. So verfügen schätzungsweise gerade einmal 37 Prozent der Haushalte über einen Stromanschluss. Dabei ist Angola mit vielen Flüssen ausgestattet, deren Potenzial für die Stromerzeugung auf 18.200 MW geschätzt wird.

Erklärtes Ziel der Regierung ist es, die Erzeugungskapazität auf Basis der Wasserkraft bis 2025 auf rund 9.000 MW deutlich auszubauen. Unterschiedliche statistische Angaben und Aussagen offizieller Stellen lassen kein abschließendes Bild zu. Gegenwärtig dürfte die Nennleistung der installierten Kapazität bei mehr als 4.400 MW liegen. Rund 78 Prozent davon beruhen auf der Wasserkraft.

Energiemix bis 2025
Energieträger Wasserkraft Solar, Wind, kleine Wasserkraftwerke Erdgas Weitere thermische Energieträger Gesamtleistung
Kapazität in MW 6.500 800 1.900 700 9.900 1)
Anteil am Energiemix in % 66 8 19 7 100

1) davon 2.700 MW für den Export

Quelle: http://www.angolaenergia2025.com

Deutsche Technologieanbieter mit guten Referenzen im Land

Der Bau von Wasserkraftwerken hat sich bislang auf den 965 km langen Kwanza beschränkt, der auf rund 1.450 m Höhe in Zentralangola entspringt und rund 50 km südlich der Hauptstadt Luanda und in den Atlantik fließt. Zwei Unternehmen aus Deutschland haben in den letzten Jahren Wasserkraftwerke am Kwanza mit Turbinen, Generatoren, Kontrolltechnik sowie elektromechanischer Ausrüstung versorgt.

Zum einen wurde 2018 im oberen Flusslauf das Kraftwerk an der Talsperre Lauca mit einer Kapazität von 2.028 MW in Betrieb genommen. Dazu hat die im schwäbischen Ravensburg ansässige Andritz Hydro GmbH mit dem zugehörigen Steuerungs- und Kontrollapparat sechs Hauptturbinen mit jeweils 338 MW und eine weitere mit 42 MW geliefert und eingebaut.

Zum anderen wurde im Juni 2017 das Wasserkraft Cambambe 2 offiziell eröffnet. Mit einem Bestellvolumen von über 100 Millionen Euro hat der Technologiekonzern Voith die Turbinen und die weitere Ausrüstung für eine Kapazität von 700 MW geliefert und montiert. Die neue wurde neben der bestehenden Cambambe-Anlage installiert, die seit 1962 in Betrieb ist und von Voith zwischen 2008 und 2012 umfangreich modernisiert wurde.

Erdgas soll Wasserkraft flankieren

Vor allem in den Monaten Oktober bis Dezember führen Angolas Flüsse geringere Wassermengen. Hinzukommen können auch Dürreperioden. Mit dem Aufbau einer erdgasgetriebenen Stromerzeugung sollen die Schwankungen bei der Wasserkraft ausgeglichen werden. Schwerpunkt der Stromherstellung mit Erdgas ist Soyo an der Mündung des Kongo-Flusses. Das Kraftwerk erhält zu den schon in der Überholung befindlichen Kapazitäten von 720 MW zusätzlich zwei Einheiten zu 360 MW.

In der Provinz Moxico (im Osten des Landes) sind für die Stadt Luena 80 MW auf der Basis von Erdgas geplant. Für das Futila-Kraftwerk ist eine Erweiterung um je zweimal 100 MW und die Umstellung der bestehenden 36 MW-Anlage auf Erdgas vorgesehen. Die in der Region Cabinda liegende Anlage soll Gas aus einer landseitigen Förderung erhalten und einen Teil des Stromes in die Demokratische Republik Kongo liefern. Cabinda ist eine angolanische Exklave, die nördlich der Kongomündung liegt.

Bau von Wind-, Solar- und kleinen Wasserkraftwerken

Die im Rahmen der Planung bis 2025 angekündigten Projekte bei den erneuerbaren Energien beinhalten auch 500 MW für Biomasse, jeweils 100 MW mit Wind und Sonne als Energieträger und ebenso 100 MW auf der Basis kleiner Wasserkraftwerke. Vor allem bei kleinen Wasserkraftwerken ist mit Einzelprojekten zu rechnen. Wind- und Solarprojekte sind im Rahmen von Öffentlich-Privaten-Partnerschaften (ÖPP) vorgesehen. Es fehlen jedoch bislang detaillierte Studien und ein ausreichender gesetzlicher Rahmen für ÖPP-Projekte.

Weitere Informationen zu Angola sind unter http://www.gtai.de/angola abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Angola Maschinen- und Anlagenbau, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Kraftwerksbau, Elektrotechnik, allgemein

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