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19.05.2017

Anteil Deutschlands am schwedischen Import wächst

Deutsche Maschinen und Fahrzeuge legten 2016 besonders stark zu / Auch Pharmazeutika im Plus / Von Heiko Steinacher

Stockholm (GTAI) - Schweden ist für deutsche Lieferanten ein attraktiver Auslandsmarkt. Der Wert der Importe aus Deutschland ist größer als der aus ganz Asien, Amerika, Afrika und Ozeanien zusammen. Nahm die Gesamteinfuhr des nordischen Landes 2016 nur um etwa 3% zu, weiteten sich die Bezüge aus Deutschland im Gegensatz dazu um fast 9% aus. Die wichtigsten deutschen Exportgüter nach Schweden sind Maschinen, Kfz und -Teile, chemische Erzeugnisse sowie Elektrotechnik.

Schwedens Wirtschaftswachstum - 2016 über 3% - dürfte 2017 nur minimal unter die 3%-Marke sinken. Bessere weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen und eine relativ schwache Schwedische Krone haben die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe des nordischen Landes aufgehellt. Angetrieben wird die Konjunktur daher mit vom Export, noch stärker aber durch inländische Wachstumskräfte, vor allem durch den Wohnungsbau. Die Importe könnten in diesem Jahr real um die 5% zulegen.

Außenhandel Schwedens (in Mio. Euro; reale Veränderung in %) 1)
2015 2016 Veränderung 2016/2015 2)
Importe 124.745 127.322 3,3
Exporte 126.220 126.055 1,1
Handelsbilanzsaldo 1.475 -1.267 -187,0

1) nur Waren; Wechselkurse: 2015: 1 Euro = 9,3535 skr; 2016: 1 Euro = 9,4689 skr; 2) Veränderung auf Basis der Ursprungswerte in skr

Quelle: auf Grundlage von Daten von SCB

Außenhandel nach Handelspartnern

Der deutsche Anteil an den gesamten schwedischen Warenimporten ist 2016 gegenüber 2015 um einen ganzen Prozentpunkt auf knapp 19% gestiegen. Damit ist Deutschland das mit Abstand wichtigstes Lieferland Schwedens. Andere große Liefernationen wie Norwegen, Dänemark, das Vereinigte Königreich und Finnland haben dagegen in dieser Hinsicht leicht an Boden verloren. Ausnahmen bilden die Niederlande, die ihren Lieferanteil seit 2012 (etwa 7%) im vergangenen Jahr auf gut 8% ausbauen konnten, sowie die VR China (von 5 auf knapp 6%) und Belgien (von 4 auf knapp 5%).

In umgekehrter Richtung ist Deutschland auch für schwedische Lieferanten seit 2016 das wichtigste Abnehmerland. Mit knapp 11% Anteil an der Gesamtausfuhr hat es Norwegen (rund 10%) als größte Exportdestination erstmals leicht überflügelt; dahinter folgten die USA, Dänemark, Finnland und das Vereinigte Königreich. Nach Deutschland exportiert Schweden vor allem Metallwaren, Papiererzeugnisse, Maschinen, chemische Produkte, Kfz, Elektrotechnik und Telekommunikation.

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Außenhandel nach Warengruppen

In der Importstruktur des nordischen Landes dominieren traditionell Produkte der Metall verarbeitenden Industrie, wo schwedische und deutsche Unternehmen stark miteinander in Wettbewerb stehen (vor allem Maschinen, Kfz und -Teile, Elektrotechnik). Denn auch in Schweden gibt es viele große, global ausgerichtete Unternehmen, wie Atlas Copco, Sandvik, SKF, Volvo, Scania, Elektrolux oder Eriksson. Darüber hinaus liefert Deutschland in großem Umfang chemische Erzeugnisse nach Schweden.

Deutsches Lieferplus bei Maschinen und Anlagen

2016 lieferte Deutschland fast 11% Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge nach Schweden. In diesem Bereich sind Schwedens Einfuhren am höchsten, da viele der importierten Waren für die Herstellung von Ausfuhrgütern benötigt oder reexportiert werden.

Zwar erzielt das Königreich mit Erzeugnissen des Maschinen- und Anlagenbaus traditionell Ausfuhrüberschüsse - allerdings fiel dieser 2016 sehr knapp aus -, im bilateralen Handel mit Deutschland überwiegen aber die Bezüge von dort bei Weitem. Der Import von Maschinen und Anlagen ist 2016 leicht um 1% auf circa 11,8 Mrd. Euro gesunken; die Dynamik der Lieferungen aus Deutschland, aus dem rund 28% davon kamen, war indes positiv (+3%). Auffällig war das 2016 aus deutscher Sicht große Exportplus bei Spezialmaschinen (+15%). Die schwedischen Importe von Werkzeugmaschinen zur Metallverarbeitung aus Deutschland sind dagegen um rund 16% gesunken.

Über ein Viertel der Kfz-Teile bezieht Schweden aus Deutschland

Auch im Handel mit Kfz-Teilen ist Deutschland Schwedens wichtigstes Lieferland. Etwa 27% der gesamten schwedischen Importe von Branchenprodukten (2016 knapp 6,1 Mrd. Euro) stammten aus deutschen Landen. Nach einer Zunahme um fast 52% im Vorjahr ist die Einfuhr von Kraftstoff-, Öl- und Kühlmittelpumpen aus Deutschland 2016 nochmals um gut 22% auf 63,4 Mio. Euro angestiegen. Stoßstangen, Bremsen, Schaltgetriebe und Achsen made in Germany legten - nach einem stattlichen Plus um 9% bereits im Jahr davor - 2016 um 3% auf gut 1,4 Mrd. Euro zu.

Ausfuhrplus auch bei Pharmaprodukten

Die schwedische Chemieindustrie ist auf Importe von Grundstoffen und anderen großen Produktgruppen angewiesen. Deutschland ist mit einem Anteil von gut 19% das wichtigste Lieferland von Chemikalien und chemienahen Produkten. Nach leichten Rückgängen in den Vorjahren ist die Importquote seit 2014 wieder um knapp einen Prozentpunkt gestiegen. Weitere wichtige Bezugsländer sind Frankreich, die Niederlande, Dänemark, das Vereinigte Königreich und Belgien. Schwedens Chemiebranche ist selbst stark exportorientiert.

Die Brancheneinfuhren sind 2016 um knapp 3% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Ein deutliches Plus in den letzten beiden Jahren verzeichneten die deutschen Lieferungen von medizinischen und pharmazeutischen Produkten nach Schweden (2015 um 22%, 2016 um 9%). Allerdings waren diese in den Vorjahren 2014 und 2013 auch deutlich eingeknickt (um jeweils 8 bis 9%). Auf solche Erzeugnisse entfällt mehr als ein Viertel der Branchengesamteinfuhr. Hier ist Deutschland der zweitwichtigste Lieferant hinter Dänemark. Stark rückläufig waren 2016 die schwedischen Bezüge von organischen und anorganischen chemischen Erzeugnissen. Relativ robust entwickelten sich dagegen im letzten Jahr die deutschen Ausfuhren von Kunststoffen in Primärformen nach Schweden (+3%).

Einfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
SITC-Code 2011 2016
Vorerzeugnisse 6 18.180 16.562
Fertigerzeugnisse 8 14.076 16.519
Straßenfahrzeuge 78 12.080 15.384
Chemische Erzeugnisse 5 14.270 14.247
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 9.273 12.836
Elektronik 75, 76, 776 13.590 12.409
Maschinen 71-74 12.736 11.824
Mineralische Brennstoffe 3 17.994 11.273
Elektrotechnik 77 minus 776 6.257 7.071
Arzneimittel 54 3.213 3.923
Eisen und Stahl 67 5.482 3.624
Rohstoffe 2 4.297 3.515
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 2.438 3.269
Getränke/Tabak 1 1.132 1.405
Tierische/pflanzliche Öle 4 503 594
Sonstiges 9 251 297

Quelle: Eurostat

Ausfuhr nach Warengruppen (in Mio. Euro)
SITC-Code 2011 2016
Vorerzeugnisse 6 26.114 22.348
Maschinen 71-74 19.782 18.111
Straßenfahrzeuge 78 14.587 16.326
Chemische Erzeugnisse 5 14.159 15.726
Fertigerzeugnisse 8 11.360 11.334
Elektronik 75, 76, 776 12.314 8.685
Rohstoffe 2 8.923 7.630
Mineralische Brennstoffe 3 10.719 7.587
Nahrungsmittel/lebende Tiere 0 5.079 7.509
Arzneimittel 54 6.384 7.308
Elektrotechnik 77 minus 776 5.685 5.531
Eisen und Stahl 67 7.448 5.322
Sonstiges 9 3.282 2.385
Schienen-, Wasser-, Luftfahrzeuge 79 1.359 1.616
Getränke/Tabak 1 747 981
Tierische/pflanzliche Öle 4 172 220

Quelle: Eurostat

Hemmnisse, die speziell den Handel zwischen Deutschland und Schweden erschweren, sind laut einer Umfrage der Deutsch-Schwedischen Handelskammer (http://www.handelskammer.se) unter Unternehmen aus beiden Ländern neben der Währungsentwicklung (Schweden ist nicht Mitglied der Eurozone) unter anderem Sprach- und Kommunikationsbarrieren, steuerrechtliche und verwaltungstechnische Unterschiede sowie Verschiedenheiten im Geschäftsgebaren.

(S.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweden Export, Import, Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland, Außenhandel / Struktur, allgemein, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen

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